Steuervorteile durch Heirat Special

Heiraten spart Steuern – wenn die Gehälter der beiden Partner sehr unterschiedlich sind. Verdienen beide gleich, hält sich der Vorteil in Grenzen.

Beim Heiraten, so will es der Staat, zählt nicht nur die Romantik, sondern auch das Geld. Mit handfesten Steuervorteilen ermutigt das Finanzamt Paare bis vor den Traualtar – schließlich ist Steuernsparen Volkssport. Ganz oben steht das Ehegattensplitting. Der Begriff lässt anderes vermuten, doch gespalten werden hier nicht die Gatten, sondern die Einnahmen. Das zu versteuernde Einkommen der Partner wird addiert und danach halbiert. Das Finanzamt berechnet die Steuer aufs halbierte Einkommen und verdoppelt sie dann.

Beispiel: Ein Ehepartner verdient 30 000 Euro im Jahr, der andere 10 000 Euro. Die Steuer wird auf 20 000 Euro berechnet und dann verdoppelt: 5 402 Euro.

Damit spart die Ehe enorm Steuern. Allein der Hauptverdiener hätte als Single 5 625 Euro gezahlt, mehr als das Ehepaar gemeinsam. Beim Partner wären 315 Euro hinzugekommen – insgesamt 5 940 Euro Steuer. Der Trauschein bringt 538 Euro.

Der Vorteil ist umso größer, je mehr die Einkommen auseinander klaffen. Am besten fährt die Einverdienerfamilie. Haben hingegen beide das gleiche Einkommen, geht der Splittingvorteil gegen null.

Beispiel: Verdienen beide Eheleute je 20 000 Euro, zahlt jeder 2 701 Euro Steuer, zusammen 5 402 Euro – genauso viel wie sie als Alleinstehende zahlen würden.

Mit einer gemeinsamen Steuererklärung fällt die Steuer meist niedriger aus. Im Einzelfall können aber zwei separate Erklärungen besser sein, etwa wenn ein Partner Arbeitslosengeld I bezieht oder Kurzarbeiter-, Mutterschafts-, Eltern- oder Krankengeld. Denn Lohnersatzleistungen unterliegen dem Progressionsvorbehalt: Das Finanzamt rechnet sie fiktiv dem Einkommen zu und ermittelt dann den Steuersatz. Dieser etwas höhere Satz gilt dann für das gemeinsame Einkommen. Das führt oft zu Nachzahlungen. Dasselbe gilt, wenn Verluste oder in Deutschland steuerfreie aus- ländische Einkünfte zu verrechnen sind.

Mehr Netto mit richtiger Steuerklasse

Arbeitnehmerehepaare dürfen zwischen mehreren Steuerklassen-Kombinationen wählen: IV/IV oder III/V oder IV/IV mit Faktor. Welche zur geringsten monatlichen Steuer führt, hängt von den Gehältern ab.

Die Wahl wirkt sich auf das Monatsnetto aus. Übers Jahr gesehen kommt es dagegen aufs Gleiche heraus, welche Klasse man wählt. Denn die monatlichen Steuerabzüge stellen lediglich Vorauszahlungen auf die Jahressteuerschuld dar. Wer mit einer ungünstigen Steuerklasse monatlich netto weniger bezieht, erhält später beim Steuerjahresausgleich umso mehr zurück.

Als Faustregel gilt: Die Kombination III/V bringt mehr Monatsnetto, wenn die Gehaltsunterschiede hoch sind. Erzielt ein Partner rund 60 Prozent der Gesamteinkünfte, empfiehlt sich für ihn Klasse III.

Beispiel: Verdient der eine 5 000 Euro, der andere 1 800 Euro, ergibt sich bei der Kombination IV/IV ein Steuerabzug von 1 326 Euro. Bei III/V sind es nur 1 125 Euro.

Allerdings führt die Kombination III/V oft dazu, dass Steuern nachzuzahlen sind. Alternative ist die IV/IV. Sie ist besser, wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen.

Faktor gegen Nachzahlung

Die dritte Möglichkeit ist das Faktorverfahren. Das bietet sich an für Paare, deren Gehälter sehr unterschiedlich sind, die aber mögliche Steuernachzahlungen vermeiden wollen. Sie nehmen die Klassen IV/IV mit Faktor. Das Amt berücksichtigt dann Entlastungen wie Grundfreibetrag, Werbungskostenpauschale, Sonderausgabenabzug, Vorsorgepauschale. Die monatlichen Steuerabzüge entsprechen mehr der wahren Einkommensverteilung bei den Eheleuten.

Beispiel: Im Beispiel oben wären das für den Partner mit 5 000 Euro Gehalt statt742 Euro (Steuerklasse III) 1 055 Euro Steuer (Klasse IV mit Faktor), für den anderen statt 383 Euro (Klasse V) mit Faktor nur 161 Euro.

Tipp: Auf www.bundesfinanzministerium.de, Startseite linke Spalte, steht ein „Interaktiver Abgabenrechner“. Das Suchwort „Steuerklassenwahl“ führt zu einer Übersicht, die die Bruttogehälter nennt, ab denen die Kombination III/V ratsam ist.

Mehr Elterngeld mit Klasse III

Über die Steuerklasse können Arbeitnehmerehepaare auch Lohnersatzleistungen beeinflussen. Arbeitslosen-, Mutterschafts- oder Elterngeld hängen vom zuletzt verdienten Netto ab. Und das ist in Klasse III am höchsten, in Klasse V am geringsten.

Tipp: Wer mit Lohnersatzleistungen rechnet, sollte nicht in Klasse V bleiben, sondern in III oder IV wechseln. Beim Arbeitslosengeld ist die Steuerklasse am Jahresanfang maßgeblich. Beispiel: Verdient eine Mutter 3 600 Euro brutto in Steuerklasse V, erhält sie in der Babypause 1 111 Euro Elterngeld. In Klasse III bekäme sie 1 548 Euro.

Vorteile bei Kapital und Immobilien

Ehepaare genießen weitere Vorteile:

  • Der Sparerpauschbetrag verdoppelt sich auf 1 602 Euro. Bis dahin werden keine Steuern auf Kapitalerträge erhoben.
  • Selbstständigen oder nichterwerbstätigen Ehegatten steht die Riester-Zulage zu.
  • Sie zahlen keine Grunderwerbsteuer, wenn einer vom anderen eine Immobilie kauft.

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