Eltern, Anleger, Mieter und Eigenheimbesitzer können sich jetzt in neue Musterprozesse einklinken.

Kindergeld. Eine Mutter will beim Bundesfinanzhof (BFH) erreichen, dass die Familienkasse die Einkünfte und Bezüge ihrer erwachsenen Tochter um deren Krankheitskosten und um ihre Miete am Ausbildungsort kürzt. Die Klägerin erhält weiter Kindergeld, wenn die Klage Erfolg hat. In diesem Fall sinken die Einkünfte und Bezüge der Auszubildenden unter die kritische Grenze für das Kindergeld, die dieses Jahr 8 004 Euro beträgt. Eltern in vergleichbaren Situationen, die bisher kein Kindergeld beantragt haben, können das noch bis zu vier Jahre rückwirkend nachholen. Lehnt die Kindergeldkasse ab, legen sie innerhalb eines Monats Einspruch ein und beantragen das Ruhen des Verfahrens nach Paragraf 363 Absatz 2 Abgabenordnung. Im Einspruch verweisen sie auf das BFH-Verfahren Az. III R 21/10.Auch Eltern, deren Kindergeldbescheide noch offen sind, können den Abzug von Miet- und Krankheitskosten ihrer Kinder noch beantragen. Der Fall bleibt dann bis zur juristischen Klärung offen.

Handwerkerarbeiten 2008. Ein Ehepaar klagt, weil es im Jahr 2008 für Handwerkerarbeiten im Haushalt mehr Lohn- und Fahrtkosten absetzen will. Jetzt wird der Bundesfinanzhof entscheiden, ob das Finanzamt schon im Jahr 2008 für Handwerker Kosten bis zu 6 000 Euro anerkennen und bis 1 200 Euro (20 Prozent ) Steuerermäßigung gewähren muss. Diese Höchstbeträge gelten seit 2009. Davor waren sie halb so hoch. Mieter und Eigentümer, die für 2008 noch offene Steuerbescheide haben, sollten innerhalb eines Monats Einspruch einlegen und sich an das BFH-Verfahren Az. VI R 65/10 anhängen.

Kapitaleinkünfte. Beim Finanzgericht Münster wollen Anleger für Kapitalerträge Werbungskosten wie Depotgebühren absetzen. Das ist seit 2009 nicht mehr möglich. Wer seinen Steuerbescheid offenhalten will, muss binnen eines Monats Einspruch einlegen und sich neuerdings auf das Aktenzeichen 6 K 3260/10 F berufen. Der erste Prozess der Kläger ging ergebnislos zu Ende. Sie haben eine neue Klage gestartet. Solange sie beim Finanzgericht liegt, entscheidet jedes Finanzamt für sich, ob es Steuerbescheide offenhält.

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