Steuervergleich Singles und Paare

Steuervergleich Singles und Paare: Heirat spart nicht immer

20.09.2011
Steuervergleich Singles und Paare - Heirat spart nicht immer

Heiraten spart nicht immer Steuern. Wir zeigen, wie Singles, Verheiratete und Geschiedene steuerlich abschneiden.

Inhalt
Steuervergleich Singles und Paare - Heirat spart nicht immer
5 606 Euro Einkommensteuer muss Johannes Köber an das Finanzamt zahlen, denn er ist alleinstehend und versteuert 29 940 Euro Einkommen im Jahr.

Der Informatiker Johannes Köber denkt nicht ans Heiraten. Er lebt mit seiner Freundin Lisa Matysiak ohne Trauschein zusammen. Finanziell würde dem Franken die Ehe mit Lisa auch nicht viel bringen. Gerade mal 193 Euro bekämen beide vom Finanzamt als Hochzeitsgeschenk. Andere Paare sparen dagegen tausende Euro. Möglich macht das der Splittingtarif, nach dem Eheleute gemeinsam besteuert werden.

Rechnung für Paare ohne Trauschein

Steuervergleich Singles und Paare - Heirat spart nicht immer
1 911 Euro beträgt die Einkommensteuer für Lisa Matysiak, die ohne Trauschein mit Johannes Köber zusammenlebt. Sie versteuert 16 993 Euro im Jahr.

Lisa ist gelernte Krankenschwester und arbeitet im Altenheim. Sie versteuert nach dem Grundtarif für Alleinstehende 16 993 Euro und zahlt 1 911 Euro Einkommensteuer. Zusammen mit der Einkommensteuer von Johannes erhält das Finanzamt 7 517 Euro.

Mit Trauschein könnte das Paar den Splittingtarif wählen, aber nur 193 Euro Einkommensteuer sparen. Mehr ist nicht drin, weil beide Einkommen recht nah beieinander- liegen und Lisa relativ wenig verdient.

Sind die Einkommen ungefähr gleich, bringt eine Heirat gar nichts. Wenn dann noch der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende verlorengeht, wird der Splittingtarif sogar zum Minusgeschäft .

Auch Unterhalt können Paare nur vor der Ehe absetzen. Nur Homosexuelle, die eine Lebenspartnerschaft eingehen, sparen damit weiter Steuern, weil sie den Splittingtarif nicht erhalten.

Lisa Matysiak und Johannes Köber spielen verschiedene Lebenslagen durch, um zu sehen, wie sich die Steuerlast ändert.

Steuervorteil für Ehepaare

Steuervergleich Singles und Paare - Heirat spart nicht immer
193 Euro Einkommensteuer sparen Lisa und Johannnes im Jahr, wenn beide heiraten würden. Andere Ehepare gewinnen mehrere tausend Euro. Je größer der Einkommensunterschied, desto mehr Geld klingelt in der Kasse.

Der Splittingtarif ist für Ehepaare günstig, wenn beide Partner unterschiedlich viel Einkommen versteuern müssen. Je größer der Unterschied, desto besser.

Beispiel Versteuern Johannes Köber und Lisa Matysiak zusammen 100 000 Euro, zahlen sie 25 694 Euro Einkommensteuer.

  • Tragen beide gleich viel zum Einkommen bei, ist die Steuer nach der Hochzeit genauso hoch wie vorher.
  • Beträgt Lisas Einkommen 66 000 Euro (66 Prozent) und das von Johannes 34 000 Euro (34 Prozent), sparen beide mit dem Splittingtarif 777 Euro.
  • Auf 2 435 Euro steigt die Steuerersparnis, wenn Lisa 80 Prozent (80 000 Euro) des gemeinsamen Einkommens versteuert.
  • Verdient Johannes gar nichts, gewinnen beide nach der Hochzeit 8 134 Euro im Jahr. Dafür muss Lisa ihren Mann aber auch finanziell unterstützen und kann nichts vom Unterhalt beim Finanzamt absetzen.

Unterhalt für Partner ohne Trauschein

Anders als Ehepartner sparen Partner ohne Trauschein Steuern, wenn sie den anderen unterstützen. Das sind die Bedingungen:

  • Der unterstützte Partner hat wegen des Zusammenlebens weniger Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe.
  • Er darf höchstens 15 500 Euro Vermögen besitzen und
  • seine Einkünfte und Bezüge müssen unter 8 628 Euro im Jahr liegen.

Dann erkennt das Finanzamt 8 004 Euro Unterhalt im Jahr als außergewöhnliche Belastung an, wenn der unterstützte Partner maximal Einkünfte und Bezüge von 624 Euro im Jahr hat.

Die Einkünfte aus steuerpflichtigen Einnahmen erhält jeder, indem er die Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzieht. Steuerfreie Bezüge werden um eine Kostenpauschale von 180 Euro gekürzt.

Sind die Einkünfte und Bezüge höher als 624 Euro im Jahr, sinkt der Unterhaltshöchstbetrag. Das Finanzamt kürzt ihn um den Betrag, der über 624 Euro hinausgeht.

Beispiel Angenommen, Lisa ist schon länger arbeitslos und verdient ohne Steuern und Sozialabgaben 4 800 Euro im Jahr mit einem Minijob. Dann kann Johannes maximal 4 008 Euro Unterhalt absetzen:

Absetzbarer Unterhalt:

Abgabenfreier Lohn: 4 800 Euro
Kostenpauschale : – 180 Euro
Bezüge: 4 620 Euro
Freibetrag: – 624 Euro
Bezüge über dem Freibetrag: 3 996 Euro
Unterhaltshöchstbetrag: 8 004 Euro
Bezüge über dem Freibetrag : – 3 996 Euro
Maximal absetzbarer Unterhalt: 4 008 Euro

Zusätzlich zum Unterhalt erkennt das Finanzamt Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung an, die Lebensgefährten für den anderen übernehmen. Finanziert Johannes Köber Lisas Versicherungen, trägt er seine Kosten als außergewöhnliche Belastung auf der Anlage Unterhalt ein.

Heiraten sie, setzen sie ihre Versicherungsbeiträge anschließend zusammen als Sonderausgaben über die Anlage Vorsorgeaufwand ab. Unterhalt erkennt das Finanzamt nach der Heirat jedoch nicht mehr an.

Beispiel Johannes Köber zahlt seiner Lebensgefährtin 8004 Euro Unterhalt. Er versteuert deshalb vor der Hochzeit 21 936 Euro und danach 29 940 Euro. Sein Splittingvorteil beträgt deshalb als Ehemann statt 2 802 nur 427 Euro .

Plus und Minus für Alleinerziehende

Alleinerziehende verlieren den Entlastungsbetrag von 1 308 Euro, wenn sie heiraten. Sind die Einkommen beider Partner unterschiedlich hoch, macht der Splittingtarif den Verlust meistens wett. Verdient jeder gleich viel, verlieren sie dagegen Geld.

Beispiel Versteuern Lisa Matysiak und Johannes Köber jeder 30 000 Euro im Jahr, ist der Splittingtarif für beide kein Gewinn. Verliert Lisa den Entlastungsbetrag von 1 308 Euro, zahlt das Paar sogar 408 Euro mehr Steuer als vor der Hochzeit. Muss auch Johannes Köber auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende verzichten, ist die Einkommensteuer im Jahr 816 Euro höher.

Splittingvorteil im Hochzeitsjahr

Wenn Ehepaare dagegen vom Splittingtarif profitieren, müssen sie in der Steuererklärung für das Hochzeitsjahr nur die Zusammenveranlagung ankreuzen und die gemeinsame Adresse angeben. Schon gewinnen sie hunderte oder tausende Euro.

Arbeitnehmer können sich den Splittingvorteil gleich nach der Hochzeit sichern. Sie holen beim Arbeitgeber ihre Steuerkarten für 2011 ab und beantragen beim Finanzamt entweder die Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor. Dann bleibt vom Gehalt gleich mehr übrig.

Die Kombination III/V ist sinnvoll, wenn ein Partner allein verdient oder ungefähr 60 Prozent zum gemeinsamen Bruttolohn beisteuert. Ist der Unterschied größer, kann es zu Nachzahlungen kommen.

Johannes Köber verdient fast 64 Prozent vom Gesamtlohn. Er und Lisa müssen mit der Kombination III/V 250 Euro Steuern nachzahlen, wenn sie heiraten und die erste gemeinsame Steuererklärung abgeben. Je größer der Einkommensunterschied, desto mehr Geld fordert das Finanzamt nach.

Wer das nicht will, nimmt die Kombination IV/IV mit Faktor. Die berücksichtigt den Splittingtarif am genauesten, wenn beide berufstätig sind. Damit der Faktor berechnet werden kann, geben sie ihr voraussichtliches Jahresgehalt beim Finanzamt an.

Die Steuerklasse IV können Ehepartner auch ohne Faktor auf ihre Lohnsteuerkarten eintragen lassen. Das ist aber nur sinnvoll, wenn beide ungefähr gleich viel verdienen.

Ändern können Paare die Steuerklassen gleich nach der Hochzeit. Spätester Termin ist der 30. November.

Splittingvorteil für getrennte Ehepaare

Zerbricht eine Ehe, können beide Partner den Splittingvorteil zuletzt im Jahr der Trennung wählen. Sie behalten ihre Steuerklassen und kreuzen in der Steuererklärung noch mal die Zusammenveranlagung an.

Später müssen die meisten Arbeitnehmer vom Finanzamt die Steuerklasse I in die Steuerkarte eintragen lassen. Alleinerziehende mit Entlastungsbetrag schneiden mit Steuerklasse II etwas günstiger ab.

Müssen Steuerzahler ihren Ex unterstützen, sparen sie mit dem „Realsplitting“ Steuern. Sie setzen Unterhalt bis 13 805 Euro im Jahr als Sonderausgabe ab und reichen die Anlage U mit der Steuererklärung ein. Darauf muss der frühere Partner erklären, dass er dem Realsplitting zustimmt und den Unterhalt versteuert. Die Zustimmung darf er nicht verweigern, wenn er keine Nachteile hat oder sie ausgeglichen bekommt.

Ist der Unterhalt nicht so hoch, geht es auch einfacher. Bis zu 8 004 Euro im Jahr erkennt das Finanzamt alternativ als außergewöhnliche Belastung an. Der Ex muss weder zustimmen, noch den Unterhalt versteuern. Übernommene Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zählen zusätzlich als außergewöhnliche Belastung – so wie bei Partnern ohne Trauschein.

Steuersituation für Homo-Paare

Steuervergleich Singles und Paare - Heirat spart nicht immer
Anke und Dorothe Spille können sich mit unserem Musterbrief in mehrere Verfassungsbeschwerden einklinken. Die Kläger wollen den Splittingtarif für gesetzliche Lebenspartner vor Gericht durchsetzen.

Homosexuelle Frauen oder Männer können ebenfalls bis zu 8  004 Euro Unterhalt plus Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für ihre Lebensgefährtin oder ihren Lebensgefährten als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Weil gesetzliche Lebenspartner zum Unterhalt verpflichtet sind, erkennt das Finanzamt auch für getrennt lebende Partner Unterhalt an. Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung des anderen setzt der Unterhaltzahlende als Sonderausgaben ab, wenn er selbst Versicherungsnehmer ist.

Den Splittingtarif erhalten gesetzliche Lebenspartner nicht. Sie können sich aber auf mehrere Verfassungsbeschwerden dazu berufen und binnen eines Monats Einspruch einlegen, wenn ihr Steuerbescheid kommt. Beantragen sie das Ruhen des Verfahrens, bleibt er bis zur juristischen Klärung offen.

Lisa Matysiak und Johannes Köber jedoch interessiert der Splittingtarif nicht. Mit 193 Euro fällt der Hochzeitsbonus für sie sowieso recht dürftig aus.

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