Steuervergleich Singles und Paare Heirat spart nicht immer

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Heiraten spart Steuern. Ehepaare gewinnen hunderte oder tausende Euro. Sind beide Einkommen vor der Ehe etwa gleich, bringt der Trauschein aber nichts – mitunter kann er die Steuerlast eines Paares sogar erhöhen. Finanztest zeigt, wie Lebenspartner, Verheiratete und Geschiedene steuerlich am besten abschneiden.

Inhalt

Splittingvorteil für Ehepaare

Der Splittingtarif ist für Ehepaare günstig, wenn beide Partner unterschiedlich viel Einkommen versteuern müssen. Je größer der Unterschied, desto besser. Ein Beispiel: Ein Paar ohne Trauschein versteuert gemeinsam 100 000 Euro im Jahr.

  • Hat einer der Partner ein Einkommen von 66 000 Euro (66 Prozent) und der andere Partner ein Einkommen von 34 000 Euro (34 Prozent), dann sparen beide mit dem Splittingtarif 777 Euro.
  • Die Steuerersparnis steigt sogar auf 2 435 Euro, wenn ein Partner 80 Prozent (80 000 Euro) des gemeinsamen Einkommens versteuert.
  • Versteuert einer der Partner das Einkommen von 100 000 Euro allein, gewinnen beide Partner nach der Hochzeit 8 134 Euro.

Häufig keine Vorteile für Alleinerziehende

Alleinerziehende verlieren den Entlastungsbetrag von 1 308 Euro, wenn sie heiraten. Sind die Einkommen beider Partner unterschiedlich hoch, macht der Splittingtarif den Verlust aber meistens wieder wett. Verdienen beide Partner gleich viel, geht allerdings Geld verloren. Muss zum Beispiel jeder Partner 30 000 Euro im Jahr versteuern, zahlt das Paar 408 Euro mehr Steuer als vor der Hochzeit, wenn einer den Entlastungsbetrag verliert.

Splittingvorteil im Hochzeitsjahr

Wenn Ehepaare vom Splittingtarif profitieren, müssen sie in der Steuererklärung für das Hochzeitsjahr nur die ­Zusammenveranlagung ankreuzen und die gemeinsame Adresse angeben – schon gewinnen sie hunderte oder gar tausende Euro. Arbeitnehmer können sich den Splittingvorteil gleich nach der Hochzeit sichern. Sie müssen dafür beim Arbeitgeber ihre Steuerkarten für 2011 abholen und dann beim Finanzamt entweder die Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor beantragen. Dann bleibt vom Gehalt gleich mehr übrig.

  • Die Kombination III/V ist sinnvoll, wenn ein Partner allein verdient oder ungefähr 60 Prozent zum gemeinsamen Bruttolohn beisteuert.
  • Ist der Unterschied größer, kann das Finanzamt später Geld nachfordern. Wer das nicht will, nimmt die Kombi­na­tion IV/IV mit Faktor. Die berücksichtigt den Splittingtarif von Berufstätigen am genauesten.
  • Die Steuerklasse IV können Ehepartner auch ohne Faktor auf ihre Lohnsteuerkarten eintragen lassen. Das ist aber nur sinnvoll, wenn beide Partner ungefähr gleich viel verdienen.

Splittingvorteil für getrennte Ehepaare

Zerbricht eine Ehe, können beide Partner den Splittingvorteil zuletzt im Jahr der Trennung wählen. Sie behalten ihre Steuerklassen und kreuzen dann in der Steuererklärung noch einmal die Zusammenveranlagung an. Müssen Steuerzahler ihren Ex-Partner unterstützen, können sie Unterhalt bis zur Höhe von 13 805 Euro im Jahr als Sonderausgabe absetzen. Einen Betrag von höchstens 8 004 Euro im Jahr ­erkennt das Finanzamt alternativ auch als außer­gewöhnliche Belastung an.

Homosexuelle Paare nicht mit allen Vorteilen

Gleichgeschlechtliche Partner können ebenfalls bis zu 8  004 Euro im Jahr als außergewöhnliche Belastung abrechnen, wenn sie ihren Lebensgefährten unterstützen. Den Splittingtarif allerdings erhalten sie selbst dann nicht, wenn sie in einer gesetzlichen Lebenspartnerschaft leben. Sie können sich aber auf mehrere Verfassungsbeschwerden berufen und binnen eines Monats Einspruch einlegen, wenn ihr Steuerbescheid kommt. Dann bleibt der Bescheid bis zur endgültigen juristischen Klärung der Frage offen.

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8 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Klausklaus am 07.07.2013 um 00:08 Uhr
Trifft es nicht ganz

Danke für Ihren Kommentar. Er behandelt aber nicht die Ursprungsfrage. Beispiel: Ehepaar heiratet im Dezember 2011, wohnt bis Juni 2012 noch bei den jeweiligen Eltern. Im Mai 2012 müssen sie ihre Steuererklärung für 2011 abgeben, ohne eine gemeinsame Adresse zu haben. Trotzdem kommen sie m.E. in den Genuss des Splittingtarifes.

Profilbild Stiftung_Warentest am 13.06.2013 um 10:39 Uhr
Splittingtarif / Gemeinsame Adresse

@KlausKlaus: Ja, Sie haben Recht. Nach § 26 Absatz 1, Satz 1 Einkommensteuergesetz dürfen Ehepaare für den Splittingtarif nicht dauernd getrennt leben. Das Ehepaar erfüllt diese Voraussetzung auch, wenn es erst während des (Veranlagungs-) Jahres zusammenzieht. Die häusliche Gemeinschaft muss also noch nicht am 1. Januar vorgelegen haben, um in den Genuss des Splittingtarifes zu kommen. (maa)

Klausklaus am 23.07.2012 um 14:07 Uhr
Gemeinsame Adresse nicht erforderlich

Leider hat sich Stiftung_Warentest nicht mehr geäußert, so dass ich selbst weiter recherchiert habe.
Nach § 26 Abs. 1 Ziff. 2 EStG ist eine Zusammenveranlagung von Ehegatten möglich, wenn sie (u.a.) "nicht dauernd getrennt leben".
"Getrenntleben" ist in § 1567 Abs. 1 BGB so definiert: "Die Ehegatten leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt."
Das zweite Kriterium trifft bei Frischvermählten, die noch auf Wohnungssuche sind, nicht zu. Somit ist eine gemeinsame Adresse m.E. auf der Steuererklärung nicht erforderlich, um den Splittingtarif zu bekommen.

Klausklaus am 22.10.2011 um 02:13 Uhr
Gemeinsame Adresse

@Stiftung_Warentest: Wo haben Sie das mit der Haushaltsgemeinschaft denn her? Im Einkommensteuergesetz steht das jedenfalls nicht.

Rattenmonster am 12.10.2011 um 23:48 Uhr
Ehegattensplitting gehört abgeschafft

Es wird langsam Zeit, dass diese unzeitgemäße Förderung von Hausfrauen ein Ende hat. Durch diese in Europa einzigartige Einrichtung wird die Gleichberechtigung von Frauen behindert, die Berufstätigkeit von Frauen unterdrückt, dem Arbeitsmarkt wertvolle Mitarbeiter vorenthalten und gleichzeitig die wachsende Gruppe der Alleinerziehenden benachteiligt.