Kurz vor Jahresende können Steuerzahler noch einige Möglichkeiten nutzen, ihre Zahlung ans Finanzamt zu senken.

Während die schwarzgelbe Koalition Steuerpläne schmiedet, sollten die Steuerzahler in den letzten Tagen vor dem Jahreswechsel selber handeln. Wer jetzt an den richtigen Stellschrauben dreht, kann noch einige Euro Steuern sparen.

Ausgaben bündeln

Da sind vor allem die Werbungskosten. Damit können Arbeitnehmer ihr zu versteuerndes Einkommen senken. Das lohnt sich aber nur, wenn insgesamt mehr als 920 Euro zusammenkommen. Denn diesen Betrag kann jeder Arbeitnehmer sowieso als Pauschale ansetzen – ohne jeden Nachweis.

Zu Ersparnissen kann das gezielte Verlagern von Einnahmen und Ausgaben von einem Jahr in ein anderes führen. Wer zum Beispiel im nächsten Jahr höhere Einnahmen erwartet als in diesem Jahr, sollte Werbungskosten und andere Ausgaben in das Jahr 2010 verschieben. Denn er dürfte dann vom Steuerabzug stärker profitieren.

Umgekehrt gilt: Wer 2010 voraussichtlich weniger Einkommen erzielt, sollte geplante Ausgaben noch vor Silvester tätigen: zum Beispiel einen neuen Computer, Bücher, andere Arbeitsmittel oder einen Weiterbildungslehrgang, der erst 2010 stattfindet, schon jetzt bezahlen.

Tipp: Ausgaben für Schreibtisch, Aktenschrank und Ausstattungsgegenstände im Arbeitszimmer drücken als Werbungskosten die Steuer, egal ob das Arbeitszimmer anerkannt wird oder nicht. Arbeitsmittel sind sofort voll absetzbar, wenn sie inklusive Mehrwertsteuer 487,90 Euro kosten. Ist die Rechnung höher, müssen sie je nach Nutzungsdauer über die Jahre abgesetzt werden. Für Computer, Drucker, Scanner, Monitore gelten drei Jahre, ebenso für Workstations und Notebooks. Für Büromöbel sind es meist 13 Jahre, für Film-, Foto-, Videogeräte 7 Jahre, für Faxgeräte 6 und für Handys 5 Jahre.

Pendlerpauschale nutzen

Die Grenze von 920 Euro bei den Werbungskosten können viele schon mit dem täglichen Weg zur Arbeit knacken. Arbeitnehmer können jetzt wieder für jeden Kilometer 30 Cent geltend machen, nachdem das Bundesverfassungsgericht die seit 2006 geltende Regelung für verfassungswidrig erklärt hatte, nach der nur Kosten für die ersten 20 Kilometer anerkannt wurden. Die 30 Cent gelten allerdings nicht für Hin- und Rückfahrt, sondern nur für eine Strecke, für die „einfache Entfernung“.

Beispiel: Ist die Arbeit von zuhause 14 Kilometer entfernt, kommen 966 Euro zusammen: 230 Arbeitstage mal 14 Kilometer mal 30 Cent. Damit liegt der Steuerzahler schon über dem Pauschbetrag von 920 Euro. Wer mit Bus oder Bahn fährt und höhere Ticketkosten hat, kann auch die absetzen. Und wer auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall hat und dadurch zusätzliche Ausgaben, kann auch diese geltend machen, so ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums (Az. IV A 3 – S 0338/07/10010–02).

Neue Urteile für Steuersparer

Leiharbeit: Auch Leiharbeiter können für einen Weg zur Leiharbeitsfirma 30 Cent pro Kilometer ansetzen, für die Strecke zum Einsatzort sogar 30 Cent pro Kilometer für Hin- und Rückweg bei Fahrten mit dem Auto, sonst auch die tatsächlichen Kosten. Spielt das Finanzamt nicht mit, hilft ein Einspruch unter Hinweis auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs (Az. VI R 21/07).

Doppelter Haushalt: Auch Ausgaben für eine berufsbedingte doppelte Haushaltsführung liegen schnell über der Werbungskostenpauschale. Solche Ausgaben können nun auch Arbeitnehmer absetzen, wenn sie nur aus privaten Gründen mit ihrer Familie weggezogen sind und nun eine Wohnung am Ort der Firma brauchen (Bundesfinanzhof, Az. VI R 23/07, Az. VI R 58/06).

Studium: Bildungskosten, die nach dem Abschluss einer Erstausbildung oder eines Erststudiums anfallen, dürfen als „Fortbildungskosten“ voll abgesetzt werden. Das gilt auch für ein Erststudium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung (BFH, Az. VI R 14/07). Anzahlungen für Bildungsmaßnahmen, die 2010 stattfinden, können bereits 2009 geltend gemacht werden.

Steuerklasse prüfen

Wichtig ist die Wahl der richtigen Steuerklasse. Faustregel: Die Kombination III/V bringt mehr Netto im Monat, wenn der Gehaltsunterschied zwischen den Ehepartnern hoch ist. Die Kombination IV/IV ist besser, wenn beide etwa gleich viel haben.

Verheiratete Arbeitnehmer, die jetzt schon absehen können, dass sie nächstes Jahr eine Lohnersatzleistung wie Mutterschaftsgeld, Elterngeld oder Arbeitslosengeld beziehen, können die Auszahlung erhöhen, indem derjenige, der die Leistung erhalten wird, rechtzeitig in die Steuerklasse III wechselt. Der Arbeitgeber zieht dann weniger Steuern ab, sodass netto mehr bleibt. Das lohnt sich, weil die Lohnersatzleistung vom Nettogehalt abhängt. Bisher haben die Elterngeldstellen solche Steuerklassenwechsel ab­gelehnt. Doch nach mehreren Urteilen des Bundessozialgerichts müssen sie ihn seit Mitte 2009 akzeptieren.

Handwerker, Gärtner und Putzfrau

Auch Eigentümer und Mieter, die ihre Wohnung modernisieren lassen, können ihre Steuerlast senken. Für Handwerkerleistungen erkennt das Finanzamt nun erstmals 20 Prozent der Rechnung an, maximal aber 1 200 Euro. Das gilt für Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten, nicht jedoch fürs Material. Wer größere Ausgaben plant, kann einen Teil davon noch in diesem Jahr bezahlen, den anderen im nächsten Jahr und die 1 200 Euro so zweimal nutzen.

Achtung: Das Finanzamt verrechnet die Kosten immer in dem Jahr, in dem die Rechnung bezahlt wurde. Barzahlungen erkennt es nicht an. Es empfiehlt sich also, den Betrag zu überweisen.

Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen werden sogar bis 4 000 Euro erstattet. Das sind zum Beispiel Wohnungs- und Hausputz, Gartenarbeit oder Umzug.

Gesundheit

Medizinisch notwendige Ausgaben akzeptieren die Finanzbeamten als außergewöhnliche Belastungen: Praxisgebühr, Eigenanteil bei Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker, Medikamenten und Kuren, verordneten Heil- und Hilfsmitteln. Auch Ausgaben für fest implantierten Zahnersatz sind absetzbar, denn feste Zähne sind heute Standard (FG Berlin-Brandenburg (Az. 2 K 5507/04).

Anerkannt werden aber nur Ausgaben, die über der zumutbaren Belastung liegen. Deren Höhe richtet sich nach Einkommen, Familienstand und Kinderzahl. Sie beläuft sich auf 1 bis 7 Prozent der Einkünfte. Ist die Grenze erreicht, kann es sich auszahlen, zum Beispiel die Zahnbehandlung noch in diesem Jahr zu bezahlen, auch wenn sie noch nicht abgeschlossen ist.

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