Arbeit

Arbeits­platz­wechsel

Steuertipps zum Jahres­ende Special

Arbeitnehmer bekommen jeden Monat so viel Einkommensteuer abge­zogen, als hätten sie das ganze Jahr über jeden Monat denselben Verdienst wie in diesem einen. Deshalb kann es passieren, dass sie zu viel Steuern gezahlt haben.

Wer zwischen­durch eine Weile nicht arbeitet, die Arbeits­zeit im Herbst reduziert hat oder den Arbeits­platz wechselt und dort weniger verdient, der kann schon allein deshalb eine Steuererstattung bekommen.

Arbeits­wege

Für den Weg von zu Hause zum Arbeits­platz gibt es pauschal 30 Cent pro Kilo­meter – allerdings nur für die einfache Strecke auf dem Hinweg. Die Kilo­meterpauschale lohnt sich vor allem für diejenigen mit besonders langen Arbeits­wegen. Für bis zu 4 500 Euro im Jahr verlangt das Finanz­amt keine Belege. Es zählen allerdings nur die Fahrten an Arbeits­tagen; Krank­heits­tage und Urlaube müssen rausge­rechnet werden. Sogar Mitfahrer in einer Fahr­gemeinschaft erhalten die Entfernungs­pauschale.

Beispiel: Helga Hermanns fährt an 230 Arbeits­tagen täglich 20 Kilo­meter von ihrem Wohn­ort bis zu ihrem Arbeits­platz und kommt damit insgesamt auf 1 380 Euro. Damit hat sie allein durch ihren Arbeitsweg ihre Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro deutlich über­schritten und zahlt weniger Steuern.

Tipp: Es gibt sogar unter Umständen noch mehr: Teure Tickets für die Bahn und den öffent­lichen Nahverkehr lassen sich auch anstelle der Entfernungs­pauschale in der Steuererklärung angeben. Über­steigen die tatsäch­lichen Kosten für diese Verkehrs­mittel die Entfernungs­pauschale, gibt es auch mehr zurück.

Mehrere Arbeits­orte und Dienst­reisen

Wer ständig den Arbeits­ort wechseln muss oder auf Dienst­reisen geht, der kann auch dafür Kosten geltend machen.

So steht Hand­werkern, Bauarbeitern auf Montage und Handels­vertretern für ihre wechselnden Tätig­keits­stätten eine Kilo­meterpauschale von 30 Cent zu, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind – und zwar anders als bei der normalen Entfernungs­pauschale sowohl für den Hin- als auch für den Rückweg.

Auf der Dienst­reise gewährt das Finanz­amt zusätzlich für jeden Tag eine Verpflegungs­pauschale. 12 Euro gibt es bei mehr als acht Stunden Abwesenheit. Bei einer Über­nachtung gibt es für An- und Abreisetag jeweils 12 Euro, bei 24 Stunden Abwesenheit 24 Euro pro Tag.

Bis zu drei Monate gewährt der Fiskus diese Erleichterung, außer es gibt über­haupt keinen festen Arbeits­platz, dann gilt die Verpflegungs­pauschale zeitlich unbe­grenzt.

Arbeits­mittel

Wer sich für den Job auf eigene Kosten Computer, Tablet oder Smartphone anschafft, der kann Werbungs­kosten geltend machen, daneben aber auch Ausgaben für Schreibgeräte, Fachbücher oder Arbeits­taschen. Oft akzeptiert das Finanz­amt pauschal 110 Euro für Arbeits­mittel ohne Nach­weis.

Ansonsten können Arbeitnehmer – Rechnung voraus­gesetzt – bis zu 487,90 Euro im Jahr für jedes Arbeits­mittel ansetzen. Über­steigt zum Beispiel der Preis des neuen Notebooks diesen Wert, dann muss das Gerät über mehrere Jahre verteilt abge­schrieben werden, im Fall des Notebooks über drei Jahre. Dabei gilt die Frist ab Kauf­datum monats­genau.

Beispiel: Frank Neumann hat sich im September 2015 einen neuen Laptop für 1 800 Euro gekauft. Die Kosten dafür verteilt er über mehrere Jahre. Für 2015 kann er 200 Euro abschreiben (ein Drittel von 600 Euro für die vier Monate ab September), im zweiten und dritten Jahr sind es dann jeweils 600 Euro und im vierten Jahr noch der Rest von 400 Euro.

Das heißt: Die Rechnung aufbewahren und in den kommenden Jahren bei der Steuererklärung nicht vergessen, wieder einen Teil anzu­geben. Bedingung für alle Angaben: Arbeits­mittel müssen zu 90 Prozent beruflich genutzt werden. Ausnahmen gelten für PC und Telefon – das Finanz­amt erkennt die Hälfte der Kosten an, selbst wenn die Geräte zu mehr als 10 Prozent privat genutzt werden.

Arbeits­zimmer

Das Arbeits­zimmer ist der beliebteste Zank­apfel zwischen Steuerzahler und Finanz­amt, immer wieder gehen Streits darüber vor Gericht. Denn leider akzeptiert das Finanz­amt den Heim­arbeits­platz nur unter strengen Auflagen. Falls der heimische Schreibtisch als Büro durch­geht, gibt es einiges zurück.

Voraus­setzung für ein steuerlich begüns­tigtes Arbeits­zimmer: Es muss sich um einen abge­schlossenen und eindeutig vom Wohn­bereich abge­trennten Raum handeln, der fast ausschließ­lich (über 90 Prozent) zum Arbeiten genutzt wird. Außerdem darf kein anderer Arbeits­platz – etwa im Büro – für diese Arbeiten zur Verfügung stehen.

Ist das heimische Zimmer der Arbeits­mittel­punkt, zum Beispiel bei Freiberuf­lern, dürfen Kosten dafür unbe­grenzt angegeben werden. Alle anderen – wie Lehrer oder Außen­dienstler – können bis zu 1 250 Euro Werbungs­kosten geltend machen.

Unter anderem zählen folgende Kosten:

  • anteilig Miete und Neben­kosten für das Arbeits­zimmer oder die anteilige Abschreibung bei Eigentum,
  • anteilige Strom­kosten und Beiträge zur Hausrats­versicherung.

Aus- und Weiterbildung

Für die berufliche Aus- und Weiterbildung lassen sich zahlreiche Werbungs­kosten geltend machen. Für das Zweit­ageseminar in der Nach­barstadt bekommt der Angestellte eine Pauschale von 30 Cent pro Kilo­meter oder gibt seine tatsäch­lichen Ticket­kosten an. Auch Ausgaben für Arbeits­mittel sind möglich oder, wenn es für das Lernziel wirk­lich notwendig ist, die Kosten für Fahrten zu einer Lern­gemeinschaft.

Tipp: Findet die Weiterbildung erst 2017 statt, können Sie trotzdem 2016 Steuern sparen, wenn Sie die Rechnung dafür noch im Dezember 2016 begleichen.

Berufs­anfänger und Studierende können rück­wirkend für sieben Jahre ihre Studien­kosten als Verlust beim Finanz­amt angeben. Das müssen Sie im Haupt­vordruck (Mantelbogen) ganz oben ankreuzen. Diese Verluste reduzieren dann künftig die Steuerlast, wenn das erste eigene Gehalt kommt.

Alle, die einen Studien­kredit abbezahlen, können jähr­liche Kreditzinsen und -gebühren als Sonder­ausgaben angeben.

Doppelter Haushalt

Wer weite Stre­cken pendeln muss, kommt manchmal nicht umhin, eine zweite Wohnung in Arbeits­platz­nähe einzurichten. Die Ausgaben dafür gelten als Werbungs­kosten, wenn die Wohnung wirk­lich beruflich bedingt einge­richtet werden muss. Für Miete, Betriebs­kosten und Reinigung sind monatlich bis zu 1 000 Euro anerkannt (also maximal 12 000 Euro im Jahr). Dazu kommen noch Umzugs- oder Maklerkosten.

Gegen­über dem Finanz­amt muss deutlich werden, dass es sich tatsäch­lich um eine zweite Wohnung handelt und der Lebens­mittel­punkt beim Wohn­sitz von Partner oder Familie liegt. Der Pendler sollte wenigs­tens 10 Prozent der laufenden Ausgaben für den heimischen Haushalt tragen. Das können sie zum Beispiel über Einkaufs­quittungen nach­weisen. Weiteres Indiz ist die Zahl der Heim­fahrten, die sie anhand von Tank­quittungen oder mit Bahnti­ckets belegen können.

Singles haben deshalb oft größere Probleme, beim Finanz­amt einen berufs­bedingten Zweit­wohn­sitz zu begründen als Menschen in einer Part­nerschaft.

Wichtige Formulare

Arbeitnehmer füllen die Anlage N aus. Hier geben sie Werbungs­kosten an wie die Entfernungs­pauschale für Arbeits­wege – außerdem bei Auswärts­tätig­keiten die Verpflegungs­pauschalen für die ersten drei Monate an derselben Einsatz­stelle, wenn sie mehr als acht Stunden auswärts tätig waren. Auf der Seite 4 tragen sie Jobkosten in speziellen Fällen ein – etwa, wenn sie eine Abfindung erhielten.

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