Steuersünden. Am Finanzamt kann sich kaum jemand vorbeimogeln. Wer für frühere Jahre noch was versteuern muss, sollte das schnell nachholen.

Für Anleger, die am deutschen Finanzamt vorbei Zinsen in der Schweiz eingestrichen haben, ist es eng geworden. Zurzeit wertet die Finanzbehörde mehrere CDs mit Kontodaten aus.

Der Fiskus rechnet mit über einer Mil­liarde Euro Steuernachzahlungen. Zittern müssen Sparer der Schweizer Banken Credit Suisse und Julius Bär. Vereinzelt geht es auch um Konten in Luxemburg, Liechtenstein und Österreich.

Aber nicht nur säumige Anleger sind im Zugzwang. Auch Rentner verfangen sich im Kontrollnetz der Finanzbehörde. Die Finanzbeamten prüfen jetzt, ob die gezahlten Renten – gesetzliche wie private – seit dem Jahr 2005 korrekt versteuert wurden.

Die Steuererklärung nachholen

Daher ist es höchste Zeit, mit dem Finanzamt reinen Tisch zu machen. Rentner, die seit dem Jahr 2005 wegen der höheren ­Rentenbesteuerung wieder steuerpflichtig sind und bisher ihre Steuererklärungen für die Jahre 2005 bis 2008 versäumt haben, holen das am besten schnell nach.

Bisher haken die Beamten das kommentarlos ab. Haben Rentner die Erklärung aus Unwissenheit versäumt, müssen sie die Steuern nachzahlen plus 0,5 Prozent ­Nachzahlungszinsen für jeden versäumten ­Monat. Dann sind sie aus dem Schneider.

Tipp: Formulare für die Erklärung der Einkommensteuer finden Sie im Internet unter www.formulare-bfinv.de.

Kein Kavaliersdelikt

Kritisch wird es, wenn etwa jemand jahrelang seine Schweizer Zinsen dem deutschen ­Finanzamt verschwiegen hat.

Sind ihm die Beamten auf der Spur, können sie seine Steuerbescheide wegen vorsätzlicher Steuerhinterziehung sogar bis zu zehn Jahre rückwirkend ändern. Hat er die Anlage in seiner Steuererklärung 2001 verschwiegen und im Juli 2002 einen Steuerbescheid erhalten, ist der Betrug erst im Spätsommer 2012 strafrechtlich verjährt. Wird der Anleger vom Finanzamt ertappt, muss er je nach Höhe des Steuerschadens zusätzlich zur Steuernachzahlung mit hohen Geldbußen und in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen.

Glimpflicher kommt davon, wer leichtfertig Steuern verkürzt hat, also zum Beispiel seine Zinsabrechnung verschusselt hat. In dem Fall beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre. Allerdings drohen auch hier ­zusätzlich zur Steuerschuld Geldstrafen.

Aber es gibt einen Ausweg. Steuerpflichtige können den Fall mit einer Selbstanzeige richtigstellen, bevor ihn das Finanzamt entdeckt. Dann bleiben sie straffrei. Die Steuer müssen sie natürlich zahlen.

Tipp: Bevor Sie dem Finanzamt alles offenlegen, sollten Sie sich mit einem Fachanwalt für Steuerrecht oder einem Steuerberater beraten, um sich nicht zusätzlich Bußgeld oder Strafen einzuhandeln.

Chance für Straffreiheit nutzen

Inzwischen haben über 11 000 Anleger ­ihre Fehler mit einer Selbstanzeige straffrei ausgebügelt. Die Berichte in den Medien über die CDs gelten hierbei noch nicht als Entdeckung. Im ersten Schritt sollten Steuerzahler das Finanzamt darauf hinweisen, dass etwas in einer alten Steuererklärung aus Versehen fehlerhaft oder unvollständig war und deshalb berichtigt werden soll.

Für die Selbstanzeige gibt es keine Formvorschriften. Aber Betroffene können viel falsch machen. Sie müssen die Art und Höhe der bisher nicht versteuerten Einkünfte korrekt benennen, sonst ist die Straffreiheit gefährdet (siehe Musterbrief)!

Tipp: Begründungen haben hier nichts zu suchen. Auch das Wort „Selbstanzeige“ sollte nicht fallen, weil es auf absichtliche Steuerhinterziehung hindeutet, sodass die Beamten statt nur fünf Jahre die Steuererklärung zehn Jahre zurück aufrollen können.

Außerdem muss das Geld für die Nachzahlung parat liegen. Erst nach der Zahlung ist die Straffreiheit gesichert. Ein Anleger, der jeweils 3 000 Euro Zinsen für die Jahre 2005 bis 2008 nachversteuert, muss bei 30 Prozent persönlichem Grenzsteuersatz 3 798 Euro Steuern inklusive Solidaritätszuschlag plus 342 Euro Zinsen nachzahlen.

Ehepartner nicht mitverantwortlich

Der Ehepartner, der eine falsche Steuererklärung nur mit unterschrieben hat, kann aber nicht für das Steuervergehen des anderen belangt werden. Dem Unbeteiligten kann weder Mittäterschaft noch Beihilfe vorgeworfen werden. Das ist selbst dann so, wenn dieser von den Falschangaben seines Partners gewusst hat, urteilte das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 3 Ws 308/07).

Anders sieht die Sache jedoch aus, wenn sich beide Ehepartner bei der Falscherklärung gegenseitig unterstützt haben, indem sie etwa die Zinsen eines gemeinsamen Wertpapierdepots verschwiegen haben. Dann kommen beide nur straffrei davon, wenn jeder eine Selbstanzeige macht.

Alle Zahlen müssen auf den Tisch

Oft stellen sich Reuige selbst ein Bein, weil sie dem Finanzamt nicht auf Anhieb exakt die Höhe der verschwiegenen Einnahmen angeben können. Doch das ist eine Grundbedingung für die Straffreiheit, entschied der Bundesgerichtshof (Az. 5 StR 118/05).

Hat der Betroffene den Betrag zu niedrig geschätzt oder decken die Beamten weitere Tricksereien von ihm auf, ist seine Straffreiheit dahin. Dann leitet das Finanzamt für sämtliche nicht erklärten Beträge ein Steuerstrafverfahren ein.

Tipp: Müssen Sie noch auf Belege warten wie zum Beispiel Bankbelege, Zins- und ­Erträgnisaufstellungen aus dem Ausland, schätzen Sie die Beträge großzügig. Später können Sie die Angaben problemlos nach unten korrigieren (siehe Text: Erste Hilfe).

Nachfrage des Finanzamts

Fordert das Finanzamt jedoch dazu auf, Unterlagen und Belege für bestimmte Steuerjahre nachzureichen, wird es heikel.

Wenn klar ist, dass etwas verheimlicht wurde, und die Beamten bereits hausintern ein Strafverfahren eingeleitet haben, kann eine vollständige Selbstanzeige immer noch helfen, die Strafen etwas zu mildern. Dafür empfiehlt sich unbedingt die Hilfe eines Steuerberaters oder Fachanwalts.

Höchste Zeit wird es auch für Selbstständige, wenn sich ein Betriebsprüfer ankündigt. Sobald er die Türschwelle der Firma überschritten hat, ist es für eine strafbefreiende Selbstanzeige zu spät.

Netzwerk der Kontrolle immer enger

Die Hoffnung, unentdeckt zu bleiben, ist trügerisch. Das Finanzamt kann unter der persönlichen Steueridentifikationsnummer vieles abrufen: Bankverbindungen in Deutschland und in den meisten EU-Ländern, wenn Kapitalerträge steuerfrei ausgezahlt wurden, alle Rentenzahlungen seit 2005 und ab 2011 die Kirchensteuerpflicht.

Tipp: Gehören Sie einer Kirche an, sollten Sie in Ihrer Steuererklärung die Kapitalerträge in der Anlage KAP angeben, falls die Bank für Sie noch nicht die Kirchensteuer auf die Abgeltungsteuer abgeführt hat.

Prüfpunkte der Steuererklärung 2009

Häufig führen widersprüchliche Angaben in den Steuererklärungen die Beamten auf die Spur. Außerdem müssen sie jedes Jahr bestimmte Punkte genau prüfen.

Wo die Finanzbeamten in den Steuererklärungen für das Jahr 2009 genauer hinsehen, ist regional unterschiedlich.

In Niedersachsen sind es diesmal laut einer internen Dienstanweisung der Oberfinanzdirektion (OFD) Hannover die Kosten für ­einen berufsbedingten doppelten Haushalt. Zudem sind im Fokus der niedersächsischen Beamten die Fortbildungs- und ­Reisekosten von Arbeitnehmern, die dafür mehr als 5  000 Euro abrechnen.

Vermieter müssen mit gezielten Nachfragen rechnen, wenn sie mehr als 50 000 Euro Reparaturkosten für den vermieteten Grundbesitz geltend machen.

Auch wer sein Hobby zum Nebenerwerb gemacht hat, wird von den Beamten im ersten Jahr seiner selbstständigen Tätigkeit durchleuchtet. Rechnet er einen steuerlichen Verlust ab, sollte er ein schlüssiges Betriebskonzept für die Zukunft parat haben.

Manche Finanzämter haben auch eigene Schwerpunkte oder greifen wahllos einzelne Erklärungen heraus, um sie gründlich zu prüfen. Herausgefischt werden sowohl Steuererklärungen auf Papier als auch online übermittelte Erklärungen.

Eine intensive Prüfung kann jeden treffen. Das Risiko steigt mit der Höhe der steuerpflichtigen Einkünfte. Die Wahrscheinlichkeit einer Kontrolle liegt bei Top-Verdienern mit mehr als 250 000 Euro im Jahr bei 75 Prozent. Bei Steuerzahlern mit weniger als 100 000 Euro sinkt sie auf 1 Prozent.

Das Risikomanagement der Finanzämter hat auch was Gutes. Sind die Angaben in den Prüffeldern schlüssig oder bleibt der Steuerzahler unter den Prüfgrenzen, winken die Beamten den Fall schnell durch.

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