Erste Hilfe: Schritt für Schritt auf der sicheren Seite

Welche Strafen drohen, wenn die Steuererklärung trotz Pflicht nicht abgegeben wurde?

Jemand, der aus Unwissenheit oder aus Versehen eine Steuererklärung nicht abgegeben hat, muss nicht mit Strafen rechnen. Geldstrafen, schlimm­s­tenfalls Haftstrafen können drohen, wenn vorsätzlich falsche Angaben in der Steuererklärung gemacht wurden oder sie wider besseres Wissen versäumt wurde.

Genügt es, eine vergessene ­Steuererklärung nachzureichen?

Ja. Waren Sie zum Beispiel als Rentner schon für die Jahre 2005 bis 2008 wegen der höheren Rentenbesteuerung dazu verpflichtet, dann holen Sie die Steuererklärungen am besten kommentarlos nach. Die Behörde akzeptiert die Verspätungen in der Regel ­ohne weiteren Ärger, da sie das stillschweigend als Selbstanzeige wertet.

Wann sollte ich eine Selbst­anzeige machen?

Der Schritt ist sinnvoll, wenn Sie in ­einer Steuererklärung in den vergangenen Jahren etwas korrigieren oder ergänzen müssen, zum Beispiel ausländische Kapitalerträge oder andere Nebeneinkünfte. Sie gehen straffrei aus, wenn die Steuerhinterziehung noch nicht von den Behörden entdeckt und noch kein Strafverfahren einge­leitet wurde. In dem Fall können Sie formlos unrichtige oder unvollständige Angaben berichtigen, ergänzen oder nachholen. Das Wort „Selbstanzeige“ sollten Sie nicht benutzen (siehe Musterbrief oben rechts). Wichtig ist, dass alle Angaben in dem Brief richtig und vollständig sind. Sie können auch einen Steuerberater bevollmächtigen, dass er das für Sie erledigt. Und keine Angst, die Selbstanzeige geht nur an das örtliche Finanzamt, nicht an die Polizei oder Staatsanwaltschaft.

Was, wenn ich die Höhe der ­Beträge nicht genau weiß, weil mir derzeit die Unterlagen fehlen?

Schätzen Sie die Höhe vorerst großzügig. Dann sind Sie auf der sicheren Seite, dass später der komplette Betrag straffrei ist. Die fehlenden Unterlagen können Sie nachreichen. Das Finanzamt korrigiert dann die festgesetzte Steuer nach unten. Damit Sie den ersten Steuerbescheid später noch ­ändern können, müssen Sie, sobald Sie ihn erhalten, innerhalb eines Monats Einspruch einlegen und um Ruhen des Verfahrens bitten, bis Sie alle Unterlagen haben. Damit nichts schiefgeht, sollten Sie mit einem Fachanwalt für Steuerrecht oder einem Steuerberater Rücksprache halten.

Was sollten Erben tun, wenn der Verstorbene zum Beispiel Zinsen auf einem Konto in der Schweiz nicht versteuert hat?

Auch Erben müssen die nichtversteuerten Zinsen des Verstorbenen und das nichtversteuerte Erbe dem Finanzamt nachmelden. Beträgt der Nachlass mehr als 250 000 Euro oder das vererbte Kapitalvermögen mehr als 50 000 Euro, checken die Finanzämter von sich aus die alten Steuererklärungen des Erblassers. Falls das Erbe nicht ausreicht, die hinterlassenen Steuerschulden zu begleichen, können Erben bei dem örtlichen Amtsgericht das Nachlass-Insolvenzverfahren bean­tragen oder aber die Erbschaft ausschlagen.

Bin ich sofort nach der ­Selbstanzeige straffrei?

Nein, erst wenn die versäumten Steuern innerhalb der vom Finanzamt festgesetzten Frist bezahlt sind, ist der Fall erledigt. Achtung! Wird die Frist verpasst, ist die Straffreiheit verwirkt. ­Fehler entschuldigt die Behörde nicht mehr. Nur vor Ablauf der Frist kann ­eine Verlängerung beantragt werden. ­Danach geht nichts mehr.

Wie hoch sind die Nachzahlungszinsen, die fällig werden?

Zur Steuerschuld kommen 0,5 Prozent Zinsen für jeden versäumten Monat (pro Jahr 6 Prozent) hinzu. Die Zinsberechnung beginnt allerdings erst 15 Monate nach Ablauf des betreffenden Steuerjahres.

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