Das Steuersparargument zieht nicht mehr. Paragraph 2b des neuen Einkommenssteuergesetzes stoppt viele zweifelhafte Geldanlagen.

Steuernsparen war ehemals völlig problemlos.Verlustzuweisungen von 100 Prozent und mehr plus eine lukrative Rendite versprachen viele dubiose Anbieter von Beteiligungsmodellen. Hunderttausende Anleger beteiligten sich an oft zweifelhaften Anlagen, um ihre Steuer massiv zu drücken.

Doch damit ist es vorbei: Mit dem neuen Paragraphen 2b des im März 1999 verabschiedeten Steuerentlastungsgesetzes wurden die Karten neu gemischt. Anlagegesellschaften, die Geld so anlegen, dass nicht der Gewinn, sondern steuerliche Vorteile im Vordergrund stehen, haben seither ihren Reiz verloren. Denn die Anleger können ihre steuerlichen Anfangsverluste nur noch mit späteren Gewinnen aus ihrem Anlagemodell verrechnen. Es ist nicht mehr möglich, die Verluste sofort von Einkünften aus anderen Quellen abzuziehen.

Welche Anlagemodelle von dem neuen Paragraphen betroffen sind, war allerdings lange Zeit unklar. Denn er ist so schwammig formuliert, dass ganze Heerscharen von Steuerexperten rätselten, wie er auszulegen sei. Jetzt plant das Bundesfinanzministerium eine Anweisung an die Finanzbehörden, die erklärt, wann der Paragraph anzuwenden ist.

Die wichtigste Regel: Überschreiten die Verluste einer Gesellschaft 50 Prozent des Beteiligungskapitals (Nichtaufgriffsgrenze), sollen die Beamten genau prüfen, ob der Anleger in erster Linie auf steuerliche Vorteile aus ist. Wenn ja, können nach Paragraph 2b genau diese Vorteile gekappt werden.

Rentenversicherungen auf Kredit

Die Sofortrente auf Kredit in der bisherigen Form hat ausdrücklich nicht den steuerlichen Segen des Bundesfinanzministers bekommen. Bei diesen Modellen nehmen Anleger einen Kredit auf und finanzieren damit den Einmalbeitrag für eine private Rentenversicherung. Zusätzlich zahlen sie Geld in einen Aktienfonds-Sparplan ein. Aus ihren Fondsanteilen sollen sie später das Darlehen zurückzahlen.

Bisher lautete das Steuerargument: Die Sofortrente aus der privaten Rentenversicherung sei nur mit einem geringen Ertragsanteil zu versteuern. Andererseits seien aber die Kreditzinsen für den fremdfinanzierten Einmalbeitrag in voller Höhe steuerlich abziehbar. Bis zur Rückzahlung des Kredits entstünden somit hohe steuerliche Verluste, die mit hohen Einkünften verrechenbar seien.

Das Bundesfinanzministerium schreibt: Die gesamte Gestaltung ziele darauf ab, "dem Anleger über hohe teils sofort, teils über die Laufzeit verteilte Werbungskosten steuerliche Vorteile zu vermitteln".

Genau das ist nicht mehr erlaubt. Anbieter von privaten Rentenversicherungen auf Pump wie die Schnee-Gruppe oder Sparenta, die bisher hoch besteuerte Anleger leicht als Kunden gewinnen konnten, haben ihr Werbeargument verloren.

Eigentumswohnungen im Paket

Auch für einige typische Bauträger-, Erwerber- oder Treuhandmodelle könnte der Paragraph 2b das Aus bedeuten. In diesen Modellen werden Eigentumswohnungen im Full-Service-Paket mit teuren und oft überflüssigen Zusatzleistungen verkauft.

Die Zusatzleistungen wie Mietgarantie, Finanzierungsvermittlung oder Treuhandschaft dürfen künftig im Prospekt nicht mehr als sofort abziehbare Werbungskosten ausgewiesen werden. Denn wer mit Steuervorteilen wirbt, macht sich im Sinne des Paragraphen 2b verdächtig. Darauf werden die Anbieter von Eigentumswohnungen verzichten.

Auch das andere Steuerproblem werden manche lösen. Die Finanzbeamten sollen ja nur prüfen, ob ein Verlustzuweisungsmodell im Sinne des Paragraphen 2b vorliegt, wenn die steuerlichen Verluste in der Anfangsphase über der Hälfte des Eigenkapitals liegen. Die Anbieter müssen also so lange rechnen, bis diese Verlustgrenze unterschritten ist. Einige Modelle werden so wohl die Neuregelung überstehen.

Der klassische Kauf einer vermieteten Eigentumswohnung vom Bauträger fällt nicht unter den neuen Paragraphen. Wer nur die "nackte" Immobilie erwirbt, bleibt verschont.

Geschlossene Immobilienfonds

Viele Anbieter von geschlossenen Immobilienfonds werden es schwer haben, den Paragraphen 2b zu umgehen. Denn sie finanzieren Gebäude und Grundstücke typischerweise zu einem großen Teil auf Kredit und verlangen viel Geld für Nebenposten wie Provisionen und Beratungskosten. Das ergibt anfangs stattliche Verluste, die leicht die Grenze von 50 Prozent des Beteiligungskapitals überschreiten können.

Eine weitere Hürde ist leichter zu überwinden. Die Rendite der Anlage darf nach Steuern nicht mehr als doppelt so hoch sein wie ihre Rendite vor Steuern. Auch wenn die Nach-Steuer-Rendite positiv ausfällt, während die Vor-Steuer-Rendite null oder sogar negativ wird, schnappt die Steuerfalle zu und die Anleger dürfen ihre Verluste nicht mehr von anderen Einkünften abziehen. Aber einige mathematisch begabte Anbieter werden das Renditeproblem zu lösen wissen.

Der Vorsitzende Richter beim Finanzgericht Berlin, Hans-Joachim Beck, nennt eine Faustformel: Die steuerlichen Verluste müssten schon mehr als 100 Prozent des Eigenkapitals betragen, damit der Steuervorteil eine Verdoppelung der Vor-Steuer-Rendite nach sich zieht.

Flugzeug- und Windkraftfonds

Der neue Paragraph betrifft auch Anteile an geschlossenen Schiffs-, Flugzeug-, Medien- und Windkraftfonds. Selbst bei Venture-Capital-Fonds, die ihr Kapital in Beteiligungen an jungen Unternehmen stecken, kann er laut Verwaltungsanweisung im Einzelfall anwendbar sein.

Bei all diesen Fonds wird es von der rechtlichen und steuerlichen Konstruktion abhängen, ob die Finanzbehörden durchgreifen können.

Atypisch stille Beteiligungen

Über die dubiosen atypisch stillen Unternehmensbeteiligungen à la Göttinger Gruppe oder Euro-Gruppe in Würzburg lässt sich das Ministerschreiben nicht aus.

Grundsätzlich ist der Paragraph 2b jedoch auch auf diese Art von Verlustzuweisungsmodellen anwendbar. Denn auch hier stehen die steuerlichen Vorteile im Vordergrund. Fast immer ist bei diesen Angeboten von steuerlichen Anlaufverlusten in Höhe von 100 Prozent der atypisch stillen Beteiligung die Rede. Neuere Prospekte enthalten zumindest Warnhinweise, dass es wegen des Paragraphen 2b zu steuerlichen Problemen kommen könne.

Finanztest warnt allerdings schon seit Jahren vor atypisch stillen Beteiligungen an Verlustzuweisungsgesellschaften ­ aus anderen Gründen. So mancher Anbieter füllt sich die Taschen, während die Anleger nur Verluste einfahren. Eine konsequente Anwendung des Paragraphen 2b könnte auch diesen höchst dubiosen Steuersparmodellen den Garaus machen.

Richter können strenger sein

Doch egal welches Steuersparmodell betroffen ist ­ viele Anbieter werden versuchen, die Hürden zu überwinden, die das Bundesfinanzministerium schaffen will. Sie werden dafür sorgen, dass die Verluste nicht die Hälfte des Beteiligungskapitals übersteigen. Gelingt ihnen das nicht, werden sie zumindest auf die Werbung mit Steuervorteilen verzichten und die Nach- Steuer-Rendite in Grenzen halten.

Trotzdem bleibt für Anleger ein Risiko, wenn es doch zum Streit mit dem Finanzamt kommt. Richter müssen sich nicht an das Ministerschreiben und seine Kriterien zur Anwendung des Paragraphen 2b halten. Es wird nur eine Verwaltungsanweisung an die Finanzbehörden sein, wie das neue Gesetz anzuwenden ist. Ein Finanzgericht oder der Bundesfinanzhof könnte auch wesentlich strenger sein und Anlegern, die sich in Sicherheit wiegen, die Steuervorteile streichen.

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