Steuerpflicht im Alter. Millionen Rentner und Pensionäre müssen für vergangene Jahre Steuererklärungen nachholen. Sie erledigen das besser, bevor das Finanzamt sich meldet.

Der Brief, den viele bereits im Brief­kasten haben, sieht ganz harmlos aus. Das Bundeszentralamt für Steuern teilt ­darin jedem in den nächsten Monaten die neue Steueridentifikationsnummer mit.

Für Rentner und Pensionäre kann die Nummer verhängnisvoll sein. Sie fliegen jetzt leicht auf, wenn sie jahrelang keine Steuererklärung gemacht haben, obwohl sie das tun mussten. Das trifft Millionen, schätzt die Deutsche Steuergewerkschaft.

Die neue Identifikationsnummer setzt bundesweit Datenströme über alle Renten, Pensionen und Kapitalauszahlungen in Gang, die Rentner und Pensionäre seit 2005 erhalten haben. Ab Januar 2009 müssen die Deutsche Rentenversicherung, alle priva­ten Rentenversicherer, Versorgungswerke, Pensionskassen, Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften ihre Leistungen der Zulagenstelle für Altersvermögen in Berlin melden.

Von dort gehen die Mitteilungen in die Bundesländer weiter, bis sie beim zuständigen Finanzamt landen. Das kann die Daten dann auswerten.

Steuerpflicht klären

Rentner und Pensionäre warten Nachfragen ihres Finanzamtes lieber nicht ab. Sie klären vorher, ob sie seit 2005 Steuererklärungen versäumt haben. Das kann besonders all jenen passiert sein, die relativ hohe oder ganz unterschiedliche Alterseinkünfte am Finanzamt vorbei kassiert haben (siehe Checkliste Pflicht zur Steuererklärung).

Solche Rentner und Pensionäre holen die Jahresabrechnungen am besten kommentarlos nach, bevor sie auffliegen. Auf keinen Fall schreiben sie etwas von „Selbstanzeige“. Sonst denken die Mitarbeiter des Finanzamts noch, dass die Steuererklärung vorsätzlich unterblieben sei. Fragt der Sachbearbeiter nach, berufen Rentner und Pensionäre sich auf ihre steuerliche Unkenntnis. Sie zahlen ihre Steuern eventuell mit Zinsen nach und sind meist aus dem Schneider. Es kann auch passieren, dass das Finanzamt Steuererklärungen verlangt, aber trotzdem keine Steuern kassiert. Das liegt an den vielen Freibeträgen und Pauschalen, die es im Alter gibt (siehe Tabelle Steuervorteile im Alter).

Alle können zudem mindestens noch Ausgaben wie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge absetzen (siehe Beispielrechnung). Doch zuerst prüfen sie, ob sie überhaupt Steuererklärungen nachholen müssen.

Die Grenze für Rentner

Rentner, die zur gesetzlichen Rente höchstens noch Kapitaleinnahmen wie Zinsen haben, erkennen relativ einfach, ob sie Steuererklärungen versäumt haben. Sie müssen nur prüfen, ob ihre Einkünfte seit 2005 in einem Jahr höher als 7 664 Euro (Ehepaare 15  329 Euro) waren:

Zuerst wird die gesetzliche Rente um den Freibetrag gekürzt, den jeder dafür erhält. Für alle, die 2005 schon in Rente waren, sind 50 Prozent der damals erhaltenen Jahresrente steuerfrei (siehe Tabelle Steuervorteile im Alter).

Von welchem Rentenbetrag der steuerfreie Teil berechnet wird, ist für freiwillig, privat und Pflichtversicherte verschieden:

  • Pflichtversicherte nehmen die Bruttorente, bevor ihr Eigenanteil zur Kranken- und Pflegeversicherung abgeht.
  • Privat und freiwillig Versicherte ziehen vorher die Zuschüsse zur Krankenversicherung ab, die sie erhalten haben.

Für einen Rentner, der 2005 eine gesetzliche Rente von 15  450 Euro hatte, beträgt der steuerfreie Teil 7  725 Euro (50 Prozent). Diesen Freibetrag erhält er bis ans Lebensende.

Seit 2005 ist seine Rente auf 15 491 Euro gestiegen. Davon zieht der Mann seinen unveränderlichen Rentenfreibetrag von 7 725 Euro und eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro ab. Anschließend bleiben Renteneinkünfte von 7 664 Euro. Erst wenn der Rentner über diese Grenze käme, wäre eine Steuererklärung fällig.

Unser Mann kann zur Rente von 15  491 Euro (Rentnerehepaar: 30 982 Euro) sogar noch Zinsen bis 801 Euro (Ehepaare: 1 602 Euro) im Jahr haben, ohne dass er eine Steuererklärung machen muss. Bis zu dieser Höhe sind Kapitaleinnahmen steuerfrei.

In den Jahren 2004 bis 2006 lag die Grenze sogar bei 1 421 Euro (Ehepaare 2 842 Euro) im Jahr.

Pensionäre in speziellen Fällen

Ganz anders sieht die Steuerpflicht für Pensionäre oder Rentner aus, die Pension oder Arbeitslohn auf Steuerkarte beziehen. Sie zahlen dafür meist während des Jahres Lohnsteuer. Eine Steuererklärung verlangt das Finanzamt nur in speziellen Fällen:

Machen müssen die Abrechnung zum Beispiel Alleinstehende und Ehepaare, die Nebeneinkünfte über 410 Euro im Jahr haben.

Bevor die 410-Euro-Grenze geprüft wird, können aber viele noch den Altersentlastungsbetrag abziehen. Diese Vergünstigung erhalten alle, die am Jahresanfang 64 Jahre oder älter waren und Arbeitslöhne oder Nebeneinkünfte beziehen.

Ein Pensionär, der vor dem 2. Januar 1941 geboren wurde, erhält von seinen Nebeneinkünften zum Beispiel 40 Prozent, aber maximal 1 900 Euro im Jahr steuerfrei.

Hat dieser Mann 1  484 Euro Zinsen, zieht er zunächst den Sparerfreibetrag und die Werbungskostenpauschale von zusammen 801 Euro ab. Die restlichen 683 Euro kürzt er um 273 Euro Altersentlastungsbetrag (40 Prozent). So sinken die Zinseinkünfte auf 410 Euro. Hat der Mann daneben nur noch eine Pension bezogen, muss er keine Steuererklärung abgeben.

Dabei bleibt es auch, wenn er eine Frau hat, die Pension oder Arbeitslohn bezieht. Ehepaare dürfen sogar 801 Euro Zinsen mehr einnehmen, weil sie 1 602 Euro im Jahr als Sparerfreibetrag bekommen. In den Jahren 2004 bis 2006 lag die Grenze bei 2 842 Euro (Alleinstehende 1 421 Euro).

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