Steuerpflicht für Rentner Special

Inge Hagemann geht mit 65 Jahren noch nicht in den Ruhestand. Sie hat eine Serviceagentur für Büro- und Übersetzungsarbeiten gegründet, um ein kleines Zubrot zur gesetzlichen Rente zu ­verdienen. Auch nach den neuen Steuerregeln muss sie voraussichtlich keine Steuern zahlen.

Die meisten Rentner müssen auch im Jahr 2005 keine Steuern zahlen. Doch einige trifft es.

Muss ich im Jahr 2005 Steuern zahlen? Das fragt Finanztest-Leserin Ingrid Hagemann. Wie sie weiß kaum ein Rentner genau, was auf ihn zukommt.

Eines ist schon klar: Im Jahr 2005 werden 3,3 Millionen Rentnerhaushalte Steuern zahlen müssen. Das sind 1,3 Millionen Haushalte mehr als bisher, rechnet das Bundesfinanzministerium vor.

Aber keine Panik – die meisten bleiben verschont. 10,9 Millionen Rentnerhaushalte sind demnach nicht betroffen. Ihre zu versteuernden Einkünfte liegen auch nach den neuen Regeln unter dem steuerfreien Existenzminimum von 7 664 Euro im Jahr (Ehepaare 15 328 Euro).

Für viele bleibt die Rente steuerfrei

Das beruhigt Frau Hagemann. Sie verdient neben ihrer Rente mit ihrer Serviceagentur nur ein kleines Zubrot. Wie die meisten Rentner lebt sie hauptsächlich von ihrer gesetzlichen Rente.

Zwar ist davon ab 2005 ein höherer Teil steuerpflichtig. Dennoch zahlen Rentner, die brutto nicht mehr als 1 500 Euro im Monat (Ehepaare 3 000 Euro) gesetzliche Rente haben, keine Steuern.

Alle Rentner müssen im Jahr 2005 von ihrer gesetzlichen Bruttorente (ohne Abzüge für Kranken- und Pflegeversicherung) nur die Hälfte für die Steuer ansetzen. Das gilt auch für Renten aus landwirtschaft­lichen Alterskassen und aus berufsstän­dischen Versorgungseinrichtungen. Frau Hagemann kann also den Jahresbetrag ihrer gesetzlichen Rente halbieren.

So sind zum Beispiel bei 18 000 Euro (12 × 1 500 Euro) Jahresbruttorente 9 000 Euro steuerpflichtig. Davon zieht das Finanzamt noch die Werbungskostenpauschale von 102 Euro ab, außerdem die Sonderausgabenpauschale von 36 Euro und Vorsorgeaufwendungen wie Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung.

Im Ergebnis betragen die steuerpflichtigen Renteneinkünfte nur 7 242 Euro im Jahr. Bis zum steuerfreien Existenzminimum von 7 664 Euro bleiben noch 422 Euro übrig. Erst wenn der steuerpflichtige Teil der zusätzlichen Einkünfte darüber liegt, muss ein Rentner Steuern zahlen.

Nebeneinkünfte zählen anders

Zu Buche schlagen vor allem Nebeneinkünfte aus steuerpflichtigen Kapitalerträgen (Zinsen und Dividenden), Vermietung und Verpachtung oder solche aus ­angestellter oder selbstständiger Nebentätigkeit. Diese Einnahmen halbiert das ­Finanzamt nicht wie die gesetzliche Rente.

Frau Hagemann erwirtschaftet mit ihrer kleinen Firma nur ein Zubrot und bleibt wahrscheinlich im steuerfreien Bereich. Anders ist es bei dem Ehepaar in unserer Beispielrechnung rechts. Die beiden müssen wegen ihrer Nebeneinkünfte im Jahr 2005 erstmals wieder Steuern zahlen. Das Finanzamt bekommt 528 Euro.

Wenigstens kann das Paar wie auch Frau Hagemann von seinen Nebeneinkünften einen Altersentlastungsbetrag abziehen: 40 Prozent des steuerpflichtigen Betrags, maximal 1 900 Euro (im Jahr 2004 noch 1 908 Euro). Das darf jeder Rentner, der zu Jahresbeginn mindestens 64 Jahre alt ist.

Private Renten im Vorteil

Auch private Renten zählen zu den Einnahmen. Doch sie fallen kaum ins Gewicht, da ihr steuerpflichtiger Anteil ab Januar sogar niedriger als bisher ist. Das gilt ebenso für betriebliche Direktversicherungen, deren Beiträge pauschal versteuert wurden.

So muss das Ehepaar im Beispiel von 6 000 Euro Privatrente aus einer Direktversicherung nur 18 Prozent versteuern, bislang waren es 27 Prozent.

Freibeträge gibt es auch für Firmen- und Beamtenpensionen. Der Beispielehemann kann seine Jahrespension von 6 000 Euro um 40 Prozent Versorgungsfreibetrag kürzen, aber höchstens um 3 000 Euro. Zudem darf er 102 Euro Werbungskosten abziehen – nicht mehr 920 Euro wie bisher.

Wegen des Vertrauensschutzes erhält er jedoch 900 Euro Sonderzuschlag, sodass insgesamt von seinen 6 000 Euro Jahrespension 3 402 Euro steuerfrei bleiben.

Minijob und Haushaltshilfe

Gar keine Gedanken um die Steuer müssen sich Rentner bei einem Minijob machen. Bis zu 400 Euro im Monat dürfen sie dazuverdienen, ohne Abgaben zu zahlen.

Aber aufgepasst: Minijobber, die noch keine 65 Jahre alt sind, sollten monatlich maximal 345 Euro Lohn erhalten. Ansonsten haben sie Einbußen bei ihrer Rente.

Frau Hagemann hat für einen Minijob keine Zeit. Doch wenn ihre Firma mehr einbringt als gedacht und sie Steuern zahlen muss, kann sie selbst einen Job vergeben. Für eine Haushaltshilfe kann sie bis zu 624 Euro als außergewöhnliche Belastung abrechnen. Das senkt bei 30 Prozent persönlichem Grenzsteuersatz die Jahressteuer um rund 187 Euro.

Ist die Haushaltsperle teurer, ist mehr Ersparnis drin. 10 Prozent (maximal 510 Euro) des verbleibenden Betrags mindern zusätzlich die Steuer.

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