Seit der Renten­erhöhung im Juli bekommt mancher es erst­mals wieder mit dem Finanz­amt zu tun. Wir helfen, Steuern zu sparen.

Für viele sind es nur ein paar Euro mehr im Monat, aber das kann den Unterschied machen. „Durch die jüngste Renten­erhöhung kann es sein, dass Rentner erst­mals eine Steuererklärung abgeben oder sogar Steuern zahlen müssen“, sagt Sylvia Mein, Sprecherin des Deutschen Steuerberater­verbands.

Vor allem Rentnern in den neuen Bundes­ländern kann das passieren, denn dort fiel die Erhöhung deutlich höher aus als in den alten Ländern. In den alten Ländern haben Rentner nur 0,25 Prozent mehr bekommen, in den neuen waren es 3,29 Prozent.

Erhielt zum Beispiel eine Rentnerin aus Leipzig bis Juni 1 316 Euro Rente im Monat, kommt sie nun auf 1 359 Euro. Die zusätzliche Rente ist voll steuer­pflichtig, die bisherige nur zum Teil.

Ob die Frau eine Steuererklärung machen muss, hängt davon ab, wie hoch ihre gesamten steuer­pflichtigen Einkünfte sind und aus welcher Quelle sie stammen.

Viele Rentner in der Pflicht

Pflicht ist die Erklärung in der Regel für alle, die neben ihrer Rente auf Steuerkarte arbeiten oder eine Firmenpension beziehen. Sie müssen abrechnen, wenn ihre Renten­einkünfte über 410 Euro im Jahr liegen.

Für alle anderen Rentner gilt: Die Steuererklärung ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn sie steuer­pflichtige Einkünfte über dem Grund­frei­betrag haben. Er liegt im Jahr 2013 bei 8 130 Euro, im Jahr 2012 waren es 8 004 Euro (Ehepaare: doppelte Werte).

Die gesetzliche Rente zählt aber nicht komplett, denn sie ist für die Rentner von heute nur zum Teil steuer­pflichtig. Sie haben Anspruch auf einen speziellen Steuerfrei­betrag für die Rente. Er hängt vom Jahr des Renten­beginns ab.

Steuerfrei­betrag gilt auf Dauer

Den Steuerfrei­betrag ermittelt das Finanz­amt im Jahr nach der ersten Rentenzahlung.

Beispiel: Die Frau aus Leipzig hat 2011 ihre erste Rente bezogen. Für sie sind dauer­haft 38 Prozent der Jahres­rente aus dem Jahr 2012 steuerfrei – wie für jeden Neurentner aus dem Jahr 2011.

Ältere Rentner­jahr­gänge bekommen bis zu 50 Prozent steuerfrei. Der Frei­betrag sinkt seither für jeden neuen Rentner­jahr­gang. Für neue Renten ab 2040 entfällt er.

Die Rentnerin aus Leipzig kam im Jahr 2012 auf eine Gesamt­rente von etwa 15 626 Euro. Im zweiten Halb­jahr war die Rente etwas höher als im ersten Halb­jahr.

Als Frei­betrag stehen ihr rund 5 938 Euro (38 Prozent von 15 626 Euro) zu. Dieser Rentenfrei­betrag gilt nun für jedes Steuer­jahr – auch wenn die Renten weiter steigen. Auf Dauer bleiben somit nicht 38 Prozent ihrer Rente steuerfrei, sondern ein immer kleiner werdender Anteil.

Weitere Einkünfte hat die Rentnerin nicht. Doch sie kommt um die Steuererklärung nicht herum: Trotz des Frei­betrags von knapp 6 000 Euro sind von ihrer Rente mehr als 9 000 Euro steuer­pflichtig. Sie muss für 2012 und für 2013 abrechnen.

Keine Angst vor der Steuererklärung

Die Pflicht zur Steuererklärung bedeutet nicht auto­matisch, dass die Frau Steuern zahlen muss. Denn Rentner können viele Ausgaben absetzen und so ihre Steuern senken oder sie ganz vermeiden. Erst wenn am Ende ein zu versteuerndes Einkommen über dem Grund­frei­betrag von rund 8000 Euro im Jahr bleibt, werden Steuern fällig.

Das Finanz­amt muss auf jeden Fall die Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung sowie eine Pauschale für Sonder­ausgaben (36 Euro) und Werbungs­kosten (102 Euro) berück­sichtigen.

Steuer­pflicht für Rentner Special

Für das Jahr 2012 reichen in unserem Beispiel diese Mindest­abzüge, um der Steuer knapp zu entgehen. Doch die Steuer­abrechnung für 2013 wird anders ausgehen, wenn die Rentnerin nichts tut. Für sie, die seit 2011 in Rente ist, wären derzeit höchs­tens 1 327 Euro im Monat steuerfrei (siehe Tabelle rechts unten). Ihre Rente ist aber auf 1  359 Euro gestiegen. Bleibt es bei den Mindest­abzügen vom Finanz­amt, über­schreitet die Frau den Grund­frei­betrag von 8 130 Euro:

Dafür verlangt das Finanz­amt zwar nur 29 Euro Steuern, doch mit jeder weiteren Renten­erhöhung kann die Belastung steigen.

Gegen­steuern und sparen

Trotzdem muss die Leipzigerin die Abrechnung mit dem Finanz­amt und die Folgen künftiger Renten­erhöhungen nicht fürchten. Denn sie kann zusätzlich zu den Mindest­abzügen viele weitere Ausgaben in der Steuererklärung geltend machen:

Private Versicherungen. Neben den Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und Pflege­versicherung kann die Rentnerin zum Beispiel Ausgaben für eine private Unfall- oder Haft­pflicht­versicherung abrechnen. Zahlt sie rund 500 Euro für private Versicherungen, bleiben die nächsten Renten­erhöhungen ohne steuerliche Folgen.

Sonder­ausgaben. Ohne weitere Belege rechnet das Finanz­amt Sonder­ausgaben mit der Pauschale von 36 Euro. Hat die Frau aus Leipzig zum Beispiel mehr für Spenden oder Kirchen­steuern gezahlt, lohnt es sich, die Ausgaben nach­zuweisen.

Werbungs­kosten. Die Rentnerin hat sich an einen Rentenberater gewandt? Auch diese Ausgaben sollte sie beim Finanz­amt abrechnen, denn sie zählen wie auch Gewerk­schafts­beiträge zu den Werbungs­kosten. Sobald die Werbungs­kosten ober­halb der Pauschale von 102 Euro im Jahr liegen, senken sie die steuer­pflichtigen Einkünfte.

Medizin. Medikamente, Kur oder Brille – auch Ausgaben dafür können in der Steuer­abrechnung einen Vorteil bringen. Das geschieht aber erst, wenn die Posten so hoch sind, dass sie als „außergewöhnliche Belastung“ gelten. Ab wann das der Fall ist, hängt vor allem von der Einkommens­höhe ab.

Haus­halts­nahe Dienste. Hat eine Hilfe im Haushalt geholfen oder ein Maler die Küche gestrichen, zählen die Ausgaben für den Lohn beim Finanz­amt.

All diese Posten können Rentnern helfen, dass sie auf Dauer trotz Renten­erhöhung keine Steuern zahlen müssen.

Tipp: Wenn absehbar ist, dass Sie dauer­haft unter dem Grund­frei­betrag bleiben, sollten Sie sich ans Finanz­amt wenden. Die Behörde kann Ihnen schriftlich bestätigen, dass Sie künftig von der Steuererklärung befreit sind. Haben Sie hohe Kapital­erträge, bleiben aber unter dem Grund­frei­betrag, können Sie zusätzlich eine NV-Bescheinigung beantragen. Liegt diese Ihrer Bank vor, wird sie keine Steuer für Ihre Erträge abführen.

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