Steuernsparen zum Jahresende Special

Ein paar Wochen sind noch Zeit bis Silvester. Das reicht um wichtige finanzielle Dinge zu regeln: Steuervorteile ausschöpfen, Kindergeld sichern, Sozialleistungen erhöhen – vieles ist vor 2011 noch möglich.

Tipp 1: Ausgaben steuern

Steuernsparen zum Jahresende Special

Beatrix und Jörg Pohl achten darauf, dass sie 2010 für den 19-jährigen Sohn nicht das Kindergeld verlieren. Bei der Gehaltsabrechnung 2011 will das Ehepaar außerdem nicht zu viel Lohnsteuer zahlen.

Beatrix und Jörg Pohl überlegen zum Beispiel, ob sie für die Flutopfer in Pakistan noch vor Weihnachten ein paar hundert Euro spenden. Reichen sie nächstes Jahr mit der Steuererklärung den Kontoauszug mit der Überweisung ein, sinkt ihre Einkommensteuer für das Jahr 2010 garantiert und der Staat hat einen Teil der Spende bezahlt. Geht es dagegen um eine Zahnarztrechnung, die Pohls jetzt oder erst im Januar zahlen können, lohnt sich die Überweisung dieses Jahr nur unter einer Bedingung: Die Kosten müssen höher als der Eigenanteil sein, den alle von solchen außergewöhnlichen Belastungen ohne Steuervorteil bestreiten müssen. Die Checkliste zeigt, welche Ausgaben noch sinnvoll sind.

Tipp 2: An Krankenbeiträge denken

Jörg Pohl wartet schon darauf, dass sein privater Versicherer ihm mitteilt, wie hoch seine Beiträge für die Grundversorgung in der Kranken- und Pflegeversicherung 2011 sein werden. Die Bescheinigung gibt er bei seinem Arbeitgeber ab, damit dieser im Januar nicht zu viel Lohnsteuer abzweigt. Nur wenn der Arbeitgeber die Beiträge kennt, lässt er den richtigen Teil des Gehalts steuerfrei. Ohne die Bescheinigung bleibt nur die Mindestvorsorgepauschale von der Lohnsteuer verschont. Die beträgt 12 Prozent vom Gehalt, aber höchstens 3 000 Euro jährlich in Steuerklasse III und 1 900 Euro in anderen Steuerklassen. Der Rest fällt bei Arbeitnehmern, die mehr absetzen können, zunächst unter den Tisch. Das können sie erst über die Steuererklärung für 2011 korrigieren. Beatrix Pohl kann das nicht passieren. Ihre Beiträge kennt der Arbeitgeber, denn sie ist gesetzlich versichert.

Tipp 3: Lohnsteuer optimieren

Pohls prüfen auch wie jedes Jahr ihre Lohnsteuerklassen. Verdient jeder etwa gleich viel Lohn, zieht der Arbeitgeber die Lohnsteuer optimal ab, wenn beide Partner die Steuerklasse IV auf der Steuerkarte haben. Steuert einer mehr als 60 Prozent zum Lohn bei, ist für ihn die Steuerklasse III und für den anderen die Steuerklasse V optimal. Geht der Lohn weit auseinander, verhindert bei beiden die Steuerklasse „IV + Faktor“ Nachforderungen. Für Pohls ist diese Variante, die es seit 2010 gibt, am besten. Für 2010 können Arbeitnehmer ihre Steuerklassen noch bis 30. November bei der Gemeinde ändern lassen. Sollen die neuen Klassen erst ab 2011 gelten, ist das Finanzamt zuständig und ein Wechsel bis 30. November 2011 möglich. Ehepartner müssen beide die Lohnsteuerkarten mitbringen, die sie beim Arbeitgeber für das Jahr 2010 abgegeben haben. Sie gelten das ganze Jahr 2011 weiter.

Tipp 4: Sozialleistung erhöhen

Von der Steuerklasse hängt auch ab, wie viel Geld Arbeitnehmer bei Arbeitslosigkeit erhalten. Mit Steuerklasse III ist der Lohnersatz am höchsten. Klasse IV ist nicht so günstig und Klasse V bringt am wenigsten. Für höheres Arbeitslosengeld können Ehepaare wie Pohls die Steuerklassen wechseln. Wird dem berufstätigen Partner dann zu viel Lohnsteuer abgezogen, ist das nicht so tragisch. Das Geld lässt sich über die Steuererklärung zurückholen. Fällt dagegen der Lohnersatz durch eine ungünstige Steuerklasse zu gering aus, ist das Geld verloren. Wollen Ehepaare die Steuerklassen ändern, weil sie nächstes Jahr arbeitslos werden, müssen sie den Wechsel bald in die Wege leiten. Die günstigere Steuerklasse ist nur sicher, wenn sie schon am Anfang des Jahres auf der Steuerkarte steht, in dem die Arbeitslosigkeit beginnt. Später muss die Arbeitsagentur neue Steuerklassen nur akzeptieren, wenn sie steuerlich sinnvoll sind.

Tipp 5: Kindergeld für 2010 klären

Beatrix und Jörg Pohl haben einen 19-jährigen Sohn. Für den erhalten die beiden noch Kindergeld, weil er in der Ausbildung ist. Ihr Sohn darf aber nur begrenzt Einkünfte und Bezüge haben. Dieses Jahr sind 8 004 Euro erlaubt, sonst fällt das Kindergeld weg. Bevor geprüft wird, ob der Sohn die Grenze überschreitet, kann er vom Ausbildungslohn Sozialabgaben und Werbungskosten abziehen. Als Werbungskosten setzt er wie alle Arbeitnehmer pauschal 920 Euro oder seine wirklichen Ausgaben an. Beispiel: Angenommen, der 19-Jährige zieht 966 Euro Werbungskosten und die Sozialabgaben vom Lohn ab und behält 8 024 Euro. Das sind 20 Euro zu viel. Kauft er noch für den Beruf ein 20 Euro teures Fachbuch, rettet er den Eltern 2 208 Euro Kindergeld.

Tipp 6: Zulagen nachfordern

Arbeitnehmer wie Pohls erhalten vom Arbeitgeber oft vermögenswirksame Leistungen. Dafür können sie in der Steuererklärung Sparzulagen beantragen, wenn ihr Einkommen nicht zu hoch ist. Das geht bis 2006 zurück. Für 2006 muss der Antrag spätestens am 31. Dezember beim Finanzamt sein. Ist der Steuerbescheid für ein Jahr schon bestandskräftig, reicht ein formloses Schreiben als Antrag und dazu eine Bescheinigung über die Geldanlage. Riester-Sparer können über ihren Anbieter noch staatliche Zulagen bis ins Jahr 2008 zurück nachfordern. Sie sollten ihre Altersvorsorge außerdem in der Steuererklärung abrechnen. Die Angaben zum Riester-Sparen machen sie für 2009 auf der Anlage Vorsorgeaufwand und für 2008 auf der Anlage AV. Sie erhalten die Steuerersparnis für Riester- Einzahlungen, wenn diese günstiger als die Zulage ist. Das kann noch für alle Jahre ohne bestandskräftigen Bescheid klappen, wenn sie die Anbieter-Bescheinigung mit der Steuererklärung einreichen.

Tipp 7: Verluste beachten

Anleger achten auf ihre Wertpapierverluste, wenn sie bei mehreren Banken Kapitaleinkünfte haben. Banken ziehen Verluste zwar automatisch von den Kapitaleinkünften des Kunden im Haus ab. Sind zu wenig vorhanden, lassen sich Verluste aber auch über die Steuererklärung von Kapitaleinkünften bei einer anderen Bank abziehen. Dafür müssen Anleger bei der Bank, bei der die Verluste stehen, bis 15. Dezember eine Verlustbescheinigung beantragen.

Tipp 8: Unterhalt vom Ex prüfen

Getrennt lebende Ehepartner denken an die Anlage U, wenn sie zugestimmt haben, dass sie Unterhalt vom Ex versteuern. Wollen sie die Zustimmung ab 2011 widerrufen, müssen sie das bis 31. Dezember tun. Das ist eine Überlegung wert, wenn sie Nachteile durch die Versteuerung haben, für die sie vom Expartner keinen Ausgleich erhalten. Beatrix und Jörg Pohl machen sich darüber allerdings keine Gedanken. Sie sind glücklich verheiratet.

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