Steuern im Ruhe­stand Special

Mehr Geld im Ruhe­stand: Ab Juli sollen die Renten um 3,22 Prozent (West) und 3,37 Prozent (Ost) steigen. Doch aufgepasst – immer mehr Rentner müssen ihre Einnahmen beim Finanz­amt abrechnen und Steuern zahlen. Je nach Renten­art ist unterschiedlich viel fällig. test.de klärt auf.

Unser Rat

Frei­betrag. Wie viel von Ihrer gesetzlichen Rente steuerfrei bleibt, hängt vom Jahr des Renten­beginns und der Höhe der Jahres­bruttorente ab. Gehen Sie 2018 in Rente, sind 24 Prozent der Jahres­bruttorente steuerfrei. Ihren persönlichen Rentenfrei­betrag ermittelt das Finanz­amt im ersten vollen Jahr nach Renten­beginn. Das gilt auch für andere gesetzliche Renten wie Witwenrenten.

Entlastung. Waren Sie Anfang des Jahres 64 Jahre alt? Dann erhalten Sie im Rahmen der Steuererklärung einen Alters­entlastungs­betrag für Neben­einkünfte wie Riester-Rente und betriebliche Zusatz­versorgung – nicht aber für gesetzliche Renten.

Hilfe. Steuerliche Unterstüt­zung bieten ein Lohn­steuer­hilfe­ver­ein (beratungsstellensuche.de) oder Steuerberater (bstbk.de, dstv.de).

Steuer­pflicht endet nicht mit dem Arbeits­leben

Anders als oft gedacht, endet mit dem Arbeits­leben nicht die Steuer­pflicht. Im Gegen­teil – wer sich als Angestellter darauf verlassen konnte, dass der Chef die Steuern abführt, und wem so vielleicht die Steuererklärung erspart blieb, der kommt jetzt ums Thema Steuern nicht mehr herum. Denn für die Abrechnung mit dem Finanz­amt ist im Ruhe­stand jeder selbst verantwort­lich. Von rund 5,6 Millionen steuer­pflichtigen Senioren müssen 4,4 Millionen im Jahr 2018 Steuern zahlen – rund 157 000 mehr als 2017, so eine Prognose des Bundes­finanz­ministeriums. Darunter sind allein 54 000 Rentner, die durch die geplante Renten­erhöhung im Sommer 2018 in die Steuer­pflicht rutschen. Es können sogar noch mehr sein – denn auch ein gemein­sam veranlagtes Ehepaar gilt als ein Steuer­pflichtiger.

Wie viel im Monat von der Bruttorente bleibt

Unser Beispielrentner Max Ernst (65) ist seit 2018 im Ruhe­stand. Neben der gesetzlichen Rente erhält er eine Zusatz­rente aus der Alters­versorgung des öffent­lichen Dienstes mit unterschiedlichen Steuer­regeln (VBL-Rente I und II). Dazu kommen Riester-Rente und private Rente. Insgesamt hat er 3 350 Euro brutto im Monat. Davon muss er 633 Euro für Steuern und Kranken- und Pflege­versicherung abgeben.

Steuern im Ruhe­stand Special

Welche Einnahmen muss ich als Rentner versteuern?

Das ist oft mehr, als viele glauben. Es zählen neben Renten Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, aus angestellter und selbst­ständiger Tätig­keit. Dazu kommen Kapital­erträge, auf die noch keine Abgeltung­steuer fällig wurde. Nur als Minijobber kann jeder bis zu 450 Euro im Monat ohne Abgaben erhalten, wenn der Chef die fällige Pauschal­steuer von 2 Prozent über­nimmt.

Für Renten gelten unterschiedliche Regeln

Gesetzliche Rente. Den großen Batzen der Einnahmen macht meist die gesetzliche Rente aus wie bei unserem Beispielrentner Max Ernst. Davon zählt – wie bei Pensionen – nur ein Teil, doch für jeden neuen Renten­jahr­gang ist weniger steuerfrei. Ernst, der seit Januar 2018 Rente erhält, muss 76 Prozent seiner Jahres­bruttorente versteuern, 2 Prozent mehr als Berufs­tätige, die seit 2017 Rente bekommen.

Max Ernsts Rentenfrei­betrag 2018

Alters­bruttorente im Jahr: 12 Monate x 2 500 Euro

30 000 Euro

24 % Rentenfrei­betrag bei Renten­beginn 2018

– 7 200 Euro

Steuer­pflichtiger Teil

22 800 Euro

      Betriebliche Rente. Hier gilt für alle: War die Einzahlung steuerfrei, ist die Auszahlung steuer­pflichtig. Wurde die Einzahlung versteuert, ist die Auszahlung weit­gehend steuerfrei. Max Ernst erhält eine Zusatz­rente (VBL-Rente), weil er im öffent­lichen Dienst gearbeitet hat: Ein Teil davon (VBL I) ist voll steuer­pflichtig. Beim anderen Teil (VBL II) zählt nur der geringe Ertrags­anteil.

      Max Ernsts Betriebs­rente 2018

      VBL-Rente I 12 Monate x 125 Euro

      1 500 Euro

      Steuer­pflichtiger Teil: 100 %

      1 500 Euro

      VBL-Rente II 12 Monate x 375 Euro

      4 500 Euro

      Steuer­pflichtiger Teil: 18 %

      810 Euro

      Steuer­pflichtiger Teil insgesamt

      2 310 Euro

          Riester-Rente. Für den Riester-Vertrag hat der Staat Zulagen und Sonder­ausgaben­abzug gewährt, deshalb ist die volle Riester-Rente steuer­pflichtig. Das sind bei Ernst im Monat 150 Euro, im Jahr 1 800 Euro.

          Private Rente. Hier zählt der geringe Ertrags­anteil, da die einge­zahlten Beiträge bereits versteuert wurden. Ernst erhält 2 400 Euro private Rente im Jahr. Davon berück­sichtigt das Finanz­amt 18 Prozent, also 432 Euro.

          Insgesamt kommt Ernst 2018 auf 27 342 Euro steuer­pflichtige Einnahmen. Da er damit über dem Grund­frei­betrag von 9 000 Euro (2017: 8 820 Euro) liegt, muss er seine Einnahmen beim Finanz­amt abrechnen. Für Ehepaare beträgt der Grund­frei­betrag 18 000 Euro (2017: 17 640 Euro) im Jahr.

          Tipp: Gesetzliche Unfall­renten und Schwer­beschädigtenrenten müssen Sie nicht versteuern, auch keine Wieder­gutmachungs­renten für Nazi- und DDR-Opfer.

          Warum mussten Rentner früher meist keine Steuern zahlen?

          Die Besteuerung von Renten und Pensionen wurden 2005 reformiert. Seitdem ist für Neurentner von Jahr zu Jahr ein größerer Teil steuer­pflichtig – abhängig vom Jahr des Renten­beginns. Im Gegen­zug sind im Arbeits­leben jedes Jahr höhere Beiträge zur Renten­versicherung steuerfrei – bis diese im Jahr 2025 komplett steuerfrei sind und die Neurenten ab 2040 komplett steuer­pflichtig.*

          Das Bundes­verfassungs­gericht hat diese Reform bestätigt. Dennoch kann ein Rentner gegen eine Doppel­besteuerung klagen – wenn er während des Berufs­lebens hohe Steuern auf seine Beiträge gezahlt hat.

          Tipp: Von einer Doppel­besteuerung geht der Bund der Steuerzahler aus, wenn der Rentenfrei­betrag im ersten Jahr des vollen Rentenbe­zugs multipliziert mit der statistischen Lebens­erwartung bei Renten­beginn nied­riger ist als die aus unver­steuertem Einkommen gezahlten eigenen Beiträge. 

          Beispiel: Bei 4 800 Euro Rentenfrei­betrag (24 Prozent von 20 000 Euro Brutto­jahres­rente bei Renten­beginn 2018) ergibt das multipliziert mit 18 Jahren Lebens­erwartung (laut statistischem Bundes­amt) 86 400 Euro. Selbst gezahlte Beiträge zur Renten­versicherung müssen mehr als 86 400 Euro betragen. „Es sollten sogar deutlich mehr sein, damit die Klage Erfolg hat“, erklärt Hans-Ulrich Liebern, Experte vom Bund der Steuerzahler Nord­rhein-West­falen, der Musterkläger sucht.

          Wie viel kann ich dazu­verdienen, wenn ich früher in Rente gehe?

          Wollen Sie vorzeitig in den Ruhe­stand wechseln, können Sie mit der neuen Flexi-Rente bis zu 6 300 Euro im Jahr dazu­verdienen, ohne dass Ihre Rente gekürzt wird. Verdienen Sie mehr, wird nicht nur die Rente gekürzt, sondern es bleibt auch weniger steuerfrei. Der Verdienst über 6 300 Euro wird zu 40 Prozent auf die Rente ange­rechnet.

          Weniger Frei­betrag durch Rentenkür­zung

          Eine Frau (63) ist seit Januar in Rente. Da sie im Monat 800 Euro dazu­verdient, sinkt ihre Rente.
          Bruttorente 2018 (ohne geplante Erhöhung)

          1 400 Euro x 12 Monate

          16 800 Euro

          Gehalt 2018: 800 Euro x 12 Monate

          9 600 Euro

          Frei­betrag für Zuver­dienst

          – 6 300 Euro

          Verbleiben

          3 300 Euro

          Rente der Frau wird gekürzt im Jahr um:
          3 300 Euro x 40 %


          1 320 Euro

          Neue Bruttorente im Jahr
          (16 800 Euro – 1 320 Euro)

          15 480 Euro

          Rentenfrei­betrag 24 %

          3 715 Euro

              Ohne Zuver­dienst läge ihr Rentenfrei­betrag bei 4 032 Euro (24 Prozent von 16 800 Euro), 317 Euro mehr. Die Frau hätte 1 400 Euro Rente im Monat statt 1 290 Euro.

              Es kann sogar passieren, dass der ganze Verdienst auf die Flexi-Rente ange­rechnet wird. Das ist so, wenn die Summe aus gekürzter Rente und Hinzuver­dienst über dem besten Einkommen der letzten 15 Kalender­jahre liegt. Das droht Beispielrentner Ernst nicht, weil er regulär mit 65 in Rente gegangen ist.

              Tipp: Egal, ob Sie früher oder regulär in Rente gehen, steuerlich schneiden Sie am besten ab, wenn Sie maximal 450 Euro im Minijob dazu­verdienen. Wenn der Arbeit­geber die 2 Prozent Pauschal­steuer über­nimmt, ist für Sie beim Finanz­amt alles erledigt,

              Woher weiß ich, wie viel Steuern ich zahlen muss?

              Steuern im Ruhe­stand Special

              Beziehen Sie nur eine gesetzliche Rente, können Sie in der Grafik unten sehen, ob Sie Steuern zahlen müssen. Selbst wenn Sie mehr Einnahmen haben, kann es sein, dass Sie keine Steuern zahlen müssen. Denn in der Steuererklärung können Sie noch vieles absetzen wie

              • Spenden,
              • Lohn- und Fahrt­kosten für Helfer und Hand­werker im Haushalt,
              • Ausgaben für verordnete Arzneien, Brillen, Hörgeräte, Hilfs­mittel und Arzt­kosten,
              • Kosten für Rentenberatung und Beiträge für Haft­pflicht-, Unfall- und Risiko­lebens­police.

              Rentner Ernst setzt erst mal nur alle Pauschalen an, die jeder bekommt. Zudem kann er 20,8 Prozent Alters­entlastungs­betrag, maximal 988 Euro, von seinen Neben­einkünften abziehen, da er Anfang 2018 älter als 64 war. Bei späteren Rentner­jahr­gängen ist der Entlastungs­betrag geringer, bei früheren höher.

              Ernsts Abrechnung beim Finanz­amt

              Steuer­pflichtiger Renten­anteil

              27 342 Euro

              Werbungs­kostenpausch­betrag

              – 102 Euro

              Sonder­ausgabenpauschale

              – 36 Euro

              20,8 % Alters­entlastungs­betrag
              (Ernst wurde 2017 65 Jahre)
              von 1 800 Euro Riester-Rente + 1 500 VBL I,
              maximal 988 Euro

              687 Euro

              Kranken-/Pflege­versicherung

              – 4 380 Euro

              Zu versteuerndes Einkommen

              22 137 Euro

              Darauf Steuern inklusive Soli,
              da über 9 000 Euro Grund­frei­betrag

              3 212 Euro

                  Tipp: Wie viel Steuern fällig werden, können Sie abschätzen (bmf-steuerrechner.de und unserem Rechner Steuerberechnung für Rentner).

                  Ich habe nur wenig Rente, dafür hohe Kapital­erträge. Muss ich Abgeltung­steuer zahlen?

                  Das kommt darauf an. Liegt Ihr zu versteuerndes Einkommen mit den Kapital­einkünften 2018 voraus­sicht­lich unter 9 000 Euro Grund­frei­betrag, kann Ihnen die Bank auch Zinsen, Dividenden und Kurs­gewinne über dem Sparerpausch­betrag von 801 Euro (Ehepaare 1 602 Euro) steuerfrei auszahlen. Dazu beantragen Sie beim Finanz­amt eine Nicht­ver­anlagungs(NV)-Bescheinigung und legen diese Ihrem Geld­institut vor.

                  Tipp: Den Antrag gibt es im Finanz­amt und online (formulare-bfinv.de). Auch wenn Sie keine Bescheinigung erhalten, können Sie zu viel Abgeltung­steuer bezahlt haben, weil Ihnen ein Alters­entlastungs­betrag zusteht. Für den Ausgleich beantragen Sie in der Anlage KAP in Zeile 4 die Güns­tiger­prüfung.

                  Tipp: Weitere Informationen für Ihre Steuererklärung 2017 finden Sie in unserem Special Steuererklärung für Rentner, Finanztest 5/2018.

                  * Korrigiert am 23. März 2018

                  Dieser Artikel ist hilfreich. 20 Nutzer finden das hilfreich.