Steuern im Alter Special

Viele fürchten, dass sie im Alter hohe Steuern zahlen müssen. Finanztest zeigt allen, die bis zum Jahr 2010 in Rente sind, wie sie ihre Steuerschuld berechnen können.

Dieses Jahr ist für jeden Rentner erstmals nur noch die Hälfte von seiner gesetzlichen Rente steuerfrei. Das Finanzamt wird deshalb im kommenden Jahr bei der Abrechnung für 2005 mehr Steuern kassieren.

Das ist nur der Anfang. Jeder Jahrgang, der in den nächsten 35 Jahren in Rente geht, erhält immer weniger Rente steuerfrei. Auch für Mieten, Zinsen, Betriebsrenten und Werkspensionen werden von nun an immer mehr Rentner Steuern zahlen.

Wie viel Geld jeder ans Finanzamt ­ab­geben muss, hängt von der Höhe der ­gesamten Einnahmen im Alter ab. Einige Rentner beziehen dann auch Renten aus Riester-Verträgen, aus Direktversicherungen der Firma oder aus privaten Rentenpolicen. Andere verdienen neben der ­Rente noch Lohn auf Steuerkarte.

Trotzdem machen sich viele, die schon in Rente sind oder in den nächsten Jahren in Rente gehen, unnötig Sorgen. Sie können im Alter immer noch viel Geld steuerfrei kassieren. Nur den sehr gut Situierten greift das Finanzamt tiefer in die Tasche.

Schritt für Schritt rechnen

Zur Beruhigung kann sich jeder seine Steuerlast im Alter ungefähr ausrechnen. Wie das geht, zeigen wir an den Rentnern Willi und Alma Würfel. Ihr Beispiel ist auch für Alleinstehende eine Rechenhilfe.

Würfels kommen in drei Etappen zu ihrer Steuerschuld. Als Erstes rechnen sie den steuerpflichtigen Teil von all ihren Einnahmen aus. Dann prüfen sie, ob sie davon ­Altersentlastungsbeträge abziehen können. Schließlich kürzt das Ehepaar seine gesamten Einkünfte noch um die Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen, die es dieses Jahr hat.

Für den eigenen Fall legt jeder seine Jahreseinnahmen zugrunde. Der steuerpflichtige Teil davon kann anders als bei den Würfels ausfallen  – genauso wie der Altersentlastungsbetrag. Mit den Angaben (siehe „Soviel ist für Rentner steuerfrei“) können aber alle, die bis zum Jahr 2010 in Rente gehen, alles ausrechnen. Zum Schluss ziehen sie dann nur noch ­ihre persönlichen Sonderausgaben und ihre ­außergewöhnlichen Belastungen ab  – so wie die Würfels.

Diese Einkünfte hat Willi Würfel

Gesetzliche Rente. Als Erstes nimmt der 66-jährige Willi Würfel die Einkünfte aus seiner gesetzliche Rente. Sie wird dieses Jahr vor Abzug der Kranken- und Pflegekassenbeiträge 14 000 Euro betragen. Davon sind 50 Prozent steuerpflichtig, weil Würfel bereits Rentner ist.

Rente aus Sozialversicherung: 14 000 Euro
Davon 50 Prozent steuerpflichtig: 7 000 Euro

Direktversicherung. Willi Würfel hat während seines Arbeitslebens außerdem pauschal versteuerten Lohn in eine Direktversicherung von der Firma eingezahlt. Daraus erhält er dieses Jahr 5 000 Euro Rente. Weil diese mit 65 Jahren begann, sind 18 Prozent steuerpflichtig.

Rente aus Direktversicherung: 5 000 Euro
Davon 18 Prozent steuerpflichtig: 900 Euro

Für beide Renten zusammen bekommt Willi Würfel eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro. Er hat deshalb Renteneinkünfte von:

Gesetzliche Rente: 7 000 Euro
+ Direktversicherung: 900 Euro
– Werbungskostenpauschale: 102 Euro
1. Renteneinkünfte: 7 798 Euro

Pensionszusage. Zusätzlich bekommt Willi Würfel dieses Jahr 6 000 Euro Pension auf Steuerkarte. Sie stammt aus einer Pensionszusage, die sein früherer Arbeitgeber steuerfrei aus der Firmenkasse finanziert hat. Weil Würfel bereits Rentner ist, bekommt er 40 Prozent von dieser Pension als Versorgungsfreibetrag, also 2 400 Euro (höchstens 3 000 Euro wären möglich). Zusätzlich zieht er einen Freibetrag von 900 Euro und eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro ab.

Pensionszusage: 6 000 Euro
– Versorgungsfreibetrag: 2 400 Euro
– Zusatzfreibetrag: 900 Euro
– Werbungskostenpauschale: 102 Euro
2. Pensionseinkünfte: 2 598 Euro

Zum Schluss summiert der 66-Jährige alle ­seine Einkünfte:
Willi Würfels Gesamteinkünfte: 10 396  Euro

Wäre Willi Würfel allein stehend, könnte er jetzt mit dem Abschnitt „Die Summe der Einkünfte“ weitermachen. Da er ver­­­hei­ratet ist, muss aber erst noch Alma Würfel ihre Einkünfte ausrechnen.

Diese Einkünfte hat Alma Würfel

Gesetzliche Rente. Die Rente von Alma Würfel wird vor Abzug der Kranken- und Pflegekassenbeiträge 10 000 Euro betragen. Davon sind wie bei ihrem Mann Willi 50 Prozent steuerpflichtig, weil sie bereits Rentnerin ist. Von den 5 000 Euro zieht Alma Würfel noch die Werbungskostenpauschale von 102 Euro ab.

Rente aus Sozialversicherung: 10 000 Euro
Davon 50 Prozent steuerpflichtig: 5 000 Euro
– Werbungskostenpauschale: 102 Euro
1. Renteneinkünfte: 4 898 Euro

Kapitaleinnahmen. Alma Würfel wird auch 10 000 Euro Zinsen einnehmen. Die kürzt sie um den Sparerfreibetrag und die Werbungskostenpauschale für Ehepaare von 2 842 Euro.

Zinsen: 10 000 Euro
– Sparerfreibetrag: 2 740 Euro
– Werbungskostenpauschale: 102 Euro
2. Kapitaleinkünfte: 7 158 Euro

Jetzt zieht auch Alma Würfel ihre Einkünfte zusammen und kommt auf:
Alma Würfels Gesamteinkünfte: 12 056 Euro

Summe der Einkünfte
Zusammen haben Würfels Einkünfte von:
Würfels Gesamteinkünfte: 22 452 Euro

Im nächsten Schritt prüfen sie, ob sie davon noch Altersentlastungsbeträge abziehen können. Alma Würfel bekommt einen für die Kapitaleinkünfte von 7 158 Euro. 40 Prozent davon sind steuerfrei, jedoch höchstens 1 900 Euro. Die 66-Jährige zieht den Höchstbetrag ab.

Summe der Einkünfte: 22 452 Euro
– Altersentlastungsbetrag: 1 900 Euro
Gesamtbetrag der Einkünfte: 20 552 Euro

Von den Einkünften kann jeder noch Versicherungsbeiträge abziehen. Der Höchstbetrag, den Rentner für Kranken-, Pflege-, Privat- und Kfz-Haftpflichtversicherungen als Sonderausgaben absetzen können, liegt bis zum Jahr 2010 bei 10 138/5 069 Euro (Ehepaare/Alleinstehende). Da die letzten 2 668/1 334 Euro nur zur Hälfte zählen, schöpfen Rentner ihn erst aus, wenn sie Beiträge von 11 472/5 736 Euro (Ehepaare/Alleinstehende) nachweisen.

Wer die Höhe seiner Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung nicht genau kennt, kann als gesetzlich Versicherter wie Würfels 8,7 Prozent von der gesetzlichen Rente und 15,7 Prozent von Betriebsrenten und Werkspensionen ansetzen. Von Kapitalauszahlungen aus der Altersvorsorge des Betriebs nehmen alle ein Zehntel und davon dann 15,7 Prozent. Freiwillig Versicherte zählen auch von Zinsen und Mieteinkünften 15,7 Prozent mit.

Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sind zurzeit für Jahreseinkommen bis 42 300 Euro fällig.

Würfels ziehen vom Gesamtbetrag der Einkünfte Versicherungsbeiträge von 3 500 Euro ab.
Gesamtbetrag der Einkünfte: 20 552 Euro
– Versicherungsbeiträge: 3 500 Euro
Differenz: 17 052 Euro

Zusätzlich erkennt das Finanzamt Sonderausgaben wie Kirchensteuern, Spenden und Unterhalt an Exgatten an. Dafür erhalten Würfels die Pauschale von 72 Euro (Alleinstehende 36 Euro). Mehr haben sie nicht ausgegeben. Als außergewöhnliche Belastung kann das Paar noch bis zu 624 Euro vom Lohn für seine Haushaltshilfe abziehen  – so wie jeder Rentner, der mindestens 60 Jahre alt ist. Krankheitskosten und andere außergewöhnliche ­Belastungen haben Würfels nicht. So hoch ist schließlich ihr zu versteuerndes Einkommen:

Differenz: 17 052 Euro
– Sonderausgabenpauschale: 72 Euro
– Lohn für Haushaltshilfe: 624 Euro
Zu versteuerndes Einkommen: 16 356 Euro

Dafür zahlen Würfels nur 158 Euro Steuern. Für zu versteuernde Einkommen bis 7 670/15 341 (Alleinstehende/Ehepaare) kassiert das Finanzamt gar nichts (siehe ­Tabelle „Steuerlast im Jahr“).

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