Steuern für Einsteiger Special

Sparen will jeder, doch was können Steuerzahler über­haupt angeben und wie? In unserer Serie “Steuern für Einsteiger“ erläutern wir die wichtigsten Fach­begriffe für die Steuererklärung. Diesmal geht es um Sonder­ausgaben. Was das ist, und warum rein private Kosten die Steuerlast mindern können, erläutern die Experten von Finanztest in diesem Special.

Weder Betriebs­ausgaben noch Werbungs­kosten

In einem Satz zu erklären, was Sonder­ausgaben sind, ist gar nicht so einfach. Denn es geht um Posten, die sich anderswo nicht einordnen lassen und die laut Gesetz „weder Betriebs­ausgaben noch Werbungs­kosten“ sind. Unter Sonder­ausgaben fallen private Kosten, die jeder haben kann, die sich kaum vermeiden lassen und bei denen es um viel Geld gehen kann.

Finanztest Serie: Steuern für Einsteiger

Werbungskosten, Finanztest 7/2017

Außergewöhnliche Belastungen, Finanztest 11/2017

Existenz­minimum sichern

Warum mindern rein private Kosten die Steuerlast? Das Bundes­verfassungs­gericht hat diese Frage immer wieder zugunsten des Steuerzah­lers beant­wortet, um das Existenz­minimum zu sichern. Deshalb sollen auch private Sonder­ausgaben abzieh­bar bleiben – der Unterhalt an den Expartner ebenso wie Kranken­versicherungs­beiträge. Auch Beiträge zur gesetzlichen Rente sind ganz selbst­verständliche Sonder­ausgaben. Wer bisher keine Steuererklärung gemacht hat, weil er denkt, er habe keine Ausgaben, sollte sich vielleicht doch dazu durch­ringen. Die wichtigsten Posten finden Sie im Unter­artikel Das können Sie absetzen. Ohne Angabe von Kosten gibt es pauschal nur 36 Euro für Singles und 72 Euro für Ehepaare.

Jähr­liche Ober­grenzen

Sonder­ausgaben haben Grenzen: So lassen sich etwa für das Bachelor­studium bis zu 6 000 Euro angeben, Spenden dürfen maximal ein Fünftel der gesamten Einkünfte ausmachen und Unter­halts­zahlungen an den Expartner erkennt das Finanz­amt bis zu einer Höhe von 13 805 Euro an. Zudem wirken sich Sonder­ausgaben nur in dem Jahr aus, in dem sie angefallen sind. Wer also in einem Jahr nur geringe oder gar keine Einkünfte hatte, dem nützen hohe Sonder­ausgaben gar nichts.

Kein Verlust­vortrag

Private Sonder­ausgaben unterscheiden sich steuerlich also von den beruflichen Werbungs­kosten etwa für Arbeits­wege. Die dürfen nämlich in unbe­grenzter Höhe angegeben werden (siehe auch Special Werbungskosten). Zudem dürfen Verluste aus einem Jahr quasi mitgenommen werden und senken so die Steuerlast in späteren Jahren. Das ist zum Beispiel für Bachelor­studenten wichtig: Nach wie vor ist es strittig, ob das Erst­studium eine rein private Sonder­ausgabe ist oder doch zu den Werbungs­kosten gehört. Da Studenten, die wenig oder keine Steuern zahlen, Sonder­ausgaben nichts bringen, wären Werbungs­kosten für sie vorteilhafter. Wenn sie nämlich jähr­lich einen Verlust aufgrund von Werbungs­kosten fest­stellen lassen, zahlen sie Jahre später beim ersten Gehalt weniger Steuern.

Spenden­vortrag möglich

Für Spenden gilt übrigens eine Ausnahme: Wer mehr spendet, als er in einem Jahr als Sonder­ausgaben angeben kann, darf die über­steigenden Beträge als Spenden­vortrag ins nächste Jahr mitnehmen.

Sonder­ausgabe für Alters­vorsorge

Die größten Steuer­vorteile bringen häufig die Alters­vorsorgeaufwendungen: die gesetzliche Rente oder die private Rürup-Rente, die vor allem für Selbst­ständige gedacht ist. Für 2017 können Allein­stehende insgesamt bis zu 23 362 Euro an Beiträgen angeben, Ehepaare das Doppelte. Davon zieht das Finanz­amt aber noch den Arbeit­geber­anteil ab. Zudem werden derzeit nur 84 Prozent der eigenen Beiträge berück­sichtigt, erst ab 2025 zählen sie voll. Riester-Beiträge werden extra behandelt, für sie gibt es maximal 2 100 Euro Sonder­ausgaben­abzug. Sie gehören in die Anlage AV. So ähnlich wie bei der Frage Kinder­geld oder steuerlicher Kinder­frei­betrag prüft das Finanz­amt, was dem Steuerzahler mehr bringt: Zulagen oder Sonder­ausgaben­abzug.

Beispiel: Die Allein­erziehende Tina Stein bekommt 339 Euro Riester-Zulage (154 Euro Grund­zulage und 185 Euro für Tochter Lina). Sie zahlt selbst 1 761 Euro ein und kommt so auf 2 100 Euro. Bis zu dieser Summe wird ihr Vertrag gefördert. Bei ihrem Gehalt von 35 000 Euro würde ihr der Sonder­ausgaben­abzug 588 Euro bringen. Davon zieht das Finanz­amt auto­matisch die erhaltenen Zulagen ab - das bringt ihr letzt­lich einen Steuer­vorteil von 249 Euro (588 Euro minus 339 Euro).

Wichtige Formulare

So viele unterschiedliche Sonder­ausgaben machen die Steuererklärung nicht gerade einfach – zumal der Steuerzahler sie in unterschiedliche Formulare eintragen muss.

Viele Sonder­ausgaben gehören in den Haupt­vordruck oder Mantelbogen, wie er früher genannt wurde. Das ist sozu­sagen die erste Seite der Steuererklärung, die jeder ausfüllen muss. In dieses Formular kommen zum Beispiel gezahlte Kirchen­steuern und Unter­halts­zahlungen. Der Unter­halts­leistende muss aber zusätzlich noch die Anlage U ausfüllen und der Expartner die Anlage SO, weil er wiederum den erhaltenen Unterhalt versteuern muss. Das Schulgeld für Privatschulen gehört in die Anlage Kind. Krankenkassenbeiträge müssen Arbeitnehmer in der Anlage Vorsorgeaufwand eintragen, ebenso Beiträge zur gesetzlichen Rente. Riester-Beiträge gehören aber in die Anlage AV.

Gerade bei vielen verschiedenen Formularen kann ein Steuer­programm helfen. Zum aktuellen Test Steuerprogramme, Finanztest 5/2017.

Noch mehr private Kosten

Viel Spar­potenzial gibt es auch bei den haus­halts­nahen Dienst­leistungen, zum Beispiel für Hand­werker, oder bei den außergewöhnlichen Belastungen wie Krank­heits­kosten. Diese und andere Steuer­begriffe werden wir in den nächsten Folgen unserer Serie erklären.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3 Nutzer finden das hilfreich.