Steuern für Einsteiger Special

Sparen will jeder, doch was können Steuerzahler über­haupt angeben und wie? In unserer Serie „Steuern für Einsteiger“ erläutern wir die wichtigsten Fach­begriffe für die Steuererklärung. Diesmal geht es um außergewöhnliche Belastungen. Was man darunter versteht und welche Ausgaben als solche gelten können, erklären die Steuer­experten der Stiftung Warentest in diesem Special.

Existenz­bedrohende Kosten

Schwere Schicksals­schläge sollte ein Mensch nicht ganz alleine tragen müssen. Deshalb darf er existenz­bedrohende Kosten, die etwa Folge schwerer Unwetter sind, als außergewöhnliche Belastung in seiner Steuererklärung ansetzen. Diese senken sein zu versteuerndes Einkommen. Dasselbe gilt zum Beispiel auch für Ausgaben für Pflege oder bedürftige Angehörige.

Nach­weis oder pauschaler Abzug

Für eine Reihe allgemeiner Belastungen ist ein Nach­weis nötig. Für besondere, fest­gelegte Belastungen gibt es pauschale Abzüge. Im Laufe der Jahr­zehnte wurde der Katalog der außergewöhnlichen Belastungen mehr­fach erweitert. In der jungen Bundes­republik dienten vor allem zwei Posten dem Ausgleich: Mit dem „Flücht­lings­frei­betrag“ konnten sich von den Nationalsozialisten Verfolgte eine Steuer­erleichterung für den Verlust von Hausrat und Kleidung holen. Zudem ließen sich Kosten für eine „Haus­gehilfin“ absetzen. Inzwischen gibt es deutlich mehr Posten.

Finanztest Serie: Steuern für Einsteiger

Werbungskosten, Finanztest 7/2017

Sonderausgaben, Finanztest 9/2017

Zwangs­läufig und unvor­hersehbar

Außergewöhnlich im Sinne des Finanz­amts sind Kosten nur, wenn sie zwangs­läufig und unvor­hersehbar sind – etwa eine Natur­katastrophe, ein Pflegefall oder außergewöhnlich hohe Krank­heits­kosten, die medizi­nisch notwendig sind. Zunächst muss der Steuerzahler versuchen, die Kosten anders zu decken und zum Beispiel bei Hoch­wasser­schäden seine Versicherung in Anspruch nehmen. Nur der Rest­betrag zählt beim Finanz­amt. Die abzu­ziehenden Kosten sind oft in der Höhe begrenzt, in einigen Fällen aber auch durch eine Pauschale abge­golten, wie beim Behinderten- oder Pflegepausch­betrag.

Zumut­bare Belastung berechnen

Ob Kosten durch einen Schicksals­schlag über­haupt als eine besondere finanzielle Belastung anerkannt werden, hängt von der Höhe des eigenen Einkommens ab. Jeder muss zunächst eine zumut­bare Belastung selbst tragen (siehe Tabelle).

Beim Berechnen werden die Einkünfte gesplittet. Beispiel: Ein kinder­loser Single mit 40 000 Euro muss für die ersten 15 340 Euro 5 Prozent und die nächsten 24 660 Euro (40 000-15 340 Euro) 6 Prozent selbst tragen. Zumut­bare Last: 2 247 Euro.

Zumut­bare Belastung

Prozent­satz je Anteil an den Gesamt­einkünften (ohne Kapital­einkünfte)

Anteil bis 15 340 Euro

15 341 bis 51 130 Euro

Über 51 130 Euro

Single ohne Kind

5

6

7

Paar ohne Kind

4

5

6

1 oder 2 Kinder

2

3

4

3 oder mehr Kinder

1

1

2

      Stufen­weise geht es dabei nach oben: So gilt es für einen Single, der weniger als 15 340 Euro verdient, als zumut­bar, wenn er Kosten in Höhe von 5 Prozent seines Einkommens selbst tragen muss. Für Einkommens­anteile darüber werden 6 Prozent zur zumut­baren Belastung gerechnet und über 51  130 Euro 7 Prozent. Erst bei Ausgaben über der eigenen zumut­baren Belastung wirken sich Kosten steuerlich aus.

      BFH: Belastungs­grenzen nicht auf das Gesamt­einkommen umschlagen

      Seit einem Urteil des Bundes­finanzhofs (BFH) von Anfang 2017 lassen sich nun teil­weise deutlich mehr außergewöhnliche Belastungen angeben als früher (Az. VI R 75/14). Denn aus Sicht der Richter dürfen die Belastungs­grenzen, die jeder selbst tragen muss, nicht einfach auf das Gesamt­einkommen umge­schlagen werden. Der jeweils höhere Prozent­satz für die zumut­bare Belastung gilt nur für den Teil des Einkommens, der 15 340 Euro oder 51 130 Euro über­steigt.

      Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Einkommen von 45 000 Euro macht das mehr als 150 Euro Unterschied:

      Einkommen und zumut­bare Belastung

      Bis 15 340 (2 Prozent)

      306,80 Euro

      Über 15 340 (3 Prozent)

      (45 000 – 15 340 = 29 660)

      889,80 Euro

      Selbst zu tragende Kosten

      1 196,60 Euro

      Nach alter Regelung

      1 350,00 Euro

          Ausnahme bei Pauschalen

          Keine zumut­bare Belastung gibt es bei einer Reihe von Pausch­beträgen, für die in der Regel kein Kosten­nach­weis notwendig ist. Dazu zählen zum Beispiel der Pausch­betrag bei Behin­derung, der Ausbildungs­frei­betrag, der Betrag bei Bezügen für Hinterbliebene, etwa von Soldaten, und der für Unterhalt an bedürftige Angehörige. Bei Pflege­kosten dürfen Steuerzahler auch ihre tatsäch­lichen Kosten angeben, wenn sie diese nach­weisen können.

          Wichtige Formulare

          Viele außergewöhnliche Belastungen gehören in den Haupt­vordruck (oder: Mantelbogen), den sowieso jeder bei der Steuererklärung ausfüllen muss. Wichtig sind hier die Zeilen 61 bis 70 auf Seite 3. Weitere wichtige Formulare sind die Anlage Unterhalt, etwa für Pflege­kosten, oder die Anlage Kind für die Betreuung eines behinderten Kindes.

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