Mit dem Nach­wuchs allein unter einem Dach – das geht meist auch finanziell an die Substanz. Etwas Luft verschafft die Steuerklasse II.

Steuern für Allein­erziehende Special

Nele Reuter (28) ist eine von 1,6 Millionen Allein­erziehenden in Deutsch­land. Für ihre acht­monatige Tochter Ida steht ihr steuerlich ein jähr­licher Entlastungs­betrag von 1 908 Euro zu.

In jeder fünften Familie in Deutsch­land kümmert sich ein Eltern­teil allein um den Nach­wuchs – Tendenz steigend. Vor 20 Jahren gab es lediglich 14 Prozent „Eineltern­familien“. Laut Statistischem Bundes­amt liegen Hessen und Bayern mit 17 Prozent unter dem Schnitt – Berlin mit 32 Prozent deutlich darüber.

Auch Nele Reuter lebt mit ihrer Tochter allein. Ida kam am 21. Februar zur Welt. Die 28-jährige Ärztin aus Lübeck befindet sich in Eltern­zeit und bekommt derzeit 1 635 Euro Eltern­geld im Monat. „Damit komme ich ganz gut klar“, erzählt sie. „Große Sprünge sind aber nicht drin.“ Daran ändert auch das rück­wirkend zum 1. Januar 2015 um 4 Euro pro Monat erhöhte Kinder­geld wenig.

Mehr Geld wird die Erhöhung des Entlastungs­betrags für Allein­erziehende bringen. Er stieg um 600 auf 1 908 Euro pro Jahr. „Dafür habe ich gleich nach Idas Geburt beim Finanz­amt die Steuerklasse II beantragt“, sagt sie. „Die Entlastung wirkt sich erst ab 2016 aus, wenn ich arbeite.“

Steuertipp 1: Steuerklasse II

Ab April will Nele Reuter wieder in der Klinik arbeiten – zunächst in Teil­zeit. Ida wird dann tags­über von einer Tages­mutter oder in einer Kita betreut. Legt Nele Reuter ihr früheres Gehalt zugrunde, verdient sie dann 3 000 Euro im Monat. Da sie die Steuerklasse II bereits bewil­ligt bekam, berück­sichtigt ihr Arbeit­geber den Entlastungs­betrag direkt beim monatlichen Lohn­steuer­abzug. Das bedeutet für die allein­erziehende Mutter jeden Monat mehr Netto. Keine Rolle spielt der Familien­stand: Neben ledigen Müttern und Vätern können auch geschiedene und verwitwete Eltern­teile sowie dauernd getrennt lebende Ehegatten Steuerklasse II bekommen. Anspruch besteht für Kinder, für die der allein­erziehende Eltern­teil Kinder­geld bezieht und die bei ihm gemeldet sind.

Vorteil durch die Steuerklasse II (2016)

Monatliches Brutto­einkommen

3 000 Euro

Kinder­frei­beträge

0,5

Monatliche Lohn­steuer 1

394,91 Euro

Vorteil zu Steuerklasse I

43,83 Euro

    • 1 Für gesetzlich kranken­versicherte Angestellte mit 0,9 Prozent Zusatz­beitrag, ohne Solidaritäts­zuschlag.

    Tipp: DieSteuerklasse II erhalten nur „echte“ Allein­erziehende: Außer Ihnen lebt keine voll­jährige Person im Haushalt, wie der neue Lebens­gefährte oder ein voll­jähriges Kind, für das Sie kein Kinder­geld mehr bekommen.

    Ihr Kind ist mit Neben­wohn­sitz beim anderen Eltern­teil gemeldet, weil es dort regel­mäßig Zeit verbringt, etwa Wochen­enden und Ferien? Dann hat derjenige von Ihnen Anspruch auf den Entlastungs­betrag, bei dem sich das Kind über­wiegend aufhält und zu dessen Haushalt es deshalb gehört. Die Steuerklasse II beantragen Sie beim Finanz­amt mit der „Versicherung zum Entlastungs­betrag“. Den Vordruck finden Sie unter Formulare-bfinv.de. Wichtig: Seit 2015 gibt es für das zweite und jedes weitere Kind einen zusätzlichen Frei­betrag von 240 Euro. Diesen beantragen Sie mit dem „Vereinfachten Antrag auf Lohn­steuerermäßigung“. Ansonsten kann der Entlastungs- und Erhöhungs­betrag erst mit der Steuererklärung geltend gemacht werden.

    Steuertipp 2: Güns­tiger­prüfung

    Leben Vater und Mutter getrennt, bekommt derjenige das Kinder­geld, in dessen Haushalt das Kind lebt. Wie bei Nele Reuter ist das in etwa 90 Prozent der Fälle die Mutter. Geteilt werden dagegen sowohl der Kinder- als auch der Erziehungs­frei­betrag. Unver­heiratete, geschiedene und getrennt lebende Eltern­teile bekommen ihn je zur Hälfte.

    Nele Reuter hätte also für 2015 Anspruch auf 2 256 Euro Kinder- plus 1 320 Euro Erziehungs­frei­betrag. Dasselbe gilt für den Vater gemein­samer Kinder.

    Ein Steuer­vorteil kommt aber auch hier erst für 2016 infrage, wenn die 28-Jährige wieder arbeitet. Da der Kinder­frei­betrag ab Januar auf 2 304 Euro steigt, stehen ihr insgesamt 3 624 Euro zu. Diese wirken sich jedoch nicht auto­matisch steuer­mindernd aus. Das Finanz­amt prüft in der Steuererklärung, ob der Vorteil durch die Frei­beträge höher ist als das halbe Kinder­geld („Güns­tiger­prüfung“). Falls nicht – wie in Reuters Fall – bleibt alles beim Alten.

    Vorteil durch Kinder­frei­beträge (2016)

    Einkommen

    19 992 Euro

    Hälftige Kinder­frei­beträge
    (2 304 Euro + 1 320 Euro)

    −3 624 Euro

    Ergebnis

    16 368 Euro

    Steuer­minderung durch Frei­beträge

    943 Euro

    Hälftiges Kinder­geld
    (12 x 190 Euro x 0,5)

    −1 140 Euro

    zusätzlicher Steuer­vorteil

    0 Euro

        Steuertipp 3: Frei­beträge über­tragen

        Zahlt der andere Eltern­teil nicht mindestens 75 Prozent des fest­gelegten Unter­halts oder ist er aufgrund fehlender Einkünfte nicht zur Zahlung verpflichtet, können Allein­erziehende dessen halbe Frei­beträge auf sich über­tragen lassen. Dazu kreuzen sie die betreffenden Felder in der Anlage „Kind“ an. Sie müssen belegen, wie viel der andere Eltern­teil zahlen müsste, etwa mit dem Scheidungs­urteil.

        Tipp: Meist ist es besser, wenn Sie sich nur den halben Erziehungs­frei­betrag über­tragen lassen und auf den halben Kinder­frei­betrag verzichten. Voraus­setzung: Das Kind ist beim anderen Eltern­teil nicht gemeldet. Das Amt legt dann bei der Güns­tiger­prüfung nur das halbe Kinder­geld zugrunde. Dieses stellt der Sach­bearbeiter dem Steuer­vorteil gegen­über, der sich aus der Summe von halbem Kinder- und ganzem Erziehungs­frei­betrag ergibt. Sie hätten bereits ab einem Einkommen von etwa 16 000 Euro im Jahr einen Vorteil.

        Der andere Eltern­teil kann der Über­tragung nur wider­sprechen, wenn er das Kind regel­mäßig betreut oder Betreuungs­kosten trägt.

        Steuertipp 4: Betreuungs­kosten

        Noch hat Nele Reuter weder Tages­mutter noch Kita-Platz, doch sie weiß bereits, was an Kosten auf sie zukommt. Würde sie Ida ab April von Montag bis Freitag für je sieben Stunden betreuen lassen, müsste sie laut Beitrags­satzung der Stadt Lübeck monatlich 264 Euro zahlen. „Damit ich nicht noch zusätzliche Betreuung brauche, möchte ich mit meinem Arbeit­geber vereinbaren, dass ich keine Nacht- und Wochen­enddienste leisten muss.“

        Die Betreuungs­kosten werden ein dicker Brocken in Reuters Budget. Das Finanz­amt erkennt pro Jahr bis zu 6 000 Euro davon als Sonder­ausgaben an – allerdings nur zu zwei Dritteln. Steuer­mindernd wirken sich damit maximal 4 000 Euro pro Kind aus. Aus steuerlicher Sicht könnte Nele Reuter für 2016 also noch über 3 600 Euro an weiteren Betreuungs­kosten geltend machen.

        Vorteil durch Betreuungs­kosten­abzug (2016)

        Einkünfte gesamt

        26 000 Euro

        Betreuungs­kosten
        (264 Euro x 9 x 2/3)

        −1 584 Euro

        Entlastungs­betrag

        −1 908 Euro

        Weitere Sonder­ausgaben

        −4 100 Euro

        Zu versteuerndes Einkommen

        18 408 Euro

        Steuer (Grund­tarif) 1

        2 139 Euro

        Steuer­vorteil

        419 Euro

          • 1 Aus Vereinfachungs­gründen ohne Solidaritäts­zuschlag und Steuer­progression durch Eltern­geld bis März.

          Tipp: Das Finanz­amt erkennt nicht nur Ausgaben für Tages­mutter, Kita und Hort (inklusive Ferien­betreuung) an. Abzugs­fähig sind auch Aufwendungen für Babysitter, eine im Haushalt angestellte Betreuungs­hilfe sowie Gebühren für eine private Vorschule. Beauftragen Sie eine Betreuungs­person, Ihr Kind von der Kita oder der Tages­mutter abzu­holen und erstatten Sie dieser die Fahrt­kosten, können Sie auch diese Kosten in der Steuererklärung angeben.

          Nicht nur Ausgaben für fremde Betreuer erkennt das Finanz­amt steuerlich an. Wer sein Kind von den Groß­eltern betreuen lässt und diese dafür bezahlt, kann diese Kosten ebenso geltend machen. Allerdings stellt sich das Finanz­amt quer, wenn Oma oder Opa im selben Haushalt wohnen. Zudem will es eine Vereinbarung sehen, aus der Arbeits­zeit und Stunden­lohn hervorgehen.

          Weiterer Nachteil: Auf das gezahlte Geld werden Steuern und Sozial­abgaben fällig. Dieses Modell lohnt sich deshalb am ehesten, wenn Sie die Betreuung auf Minijob-Basis abwi­ckeln (www.minijob-zentrale.de). In diesem Fall führen Sie die Abgaben und Steuern pauschal an die Bundes­knapp­schaft ab.

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