Steuern Special

Das Jahr neigt sich zum Ende. Höchste Zeit, um mit ein paar legalen Tricks noch schnell die Steuerlast für 2007 etwas zu senken. Spenden, Handwerkerrechnungen und Werbungskosten lassen sich prima bei der nächsten Steuererklärung absetzen – wenn sie noch das Datum 2007 tragen. Auch ein Wechsel der Steuerklasse kann sich lohnen. test gibt Tipps, wie Sie mehr vom Finanzamt zurückbekommen.

Höhere Mehrwertsteuer, gekürzte Pendlerpauschale, strengere Regeln für das häusliche Arbeitszimmer – im Jahr 2007 hat sich die Steuerlast erhöht. Immerhin: Die Streichung der Pendlerpauschale für die ersten 20 Kilometer Arbeitsweg ist so umstritten, dass die Finanzämter reagieren mussten.

Pendlerpauschale

Pendler können sich für Fahrten zur Arbeit nun wieder die alten Freibeträge auf ihrer Lohnsteuerkarte 2008 eintragen lassen. Sie haben dann ein höheres Monatsnetto. Nachteil: Im nächsten Jahr soll das Bundesverfassungsgericht urteilen, ob die Streichung der Pauschale rechtens war. Bejaht es diese Frage, müssen die Pendler, die sich den Freibetrag eintragen ließen, die gesparte Steuer nachzahlen. Auf jeden Fall sollten Betroffene die Pauschale vom ersten Kilometer an in die Steuererklärung für 2007 eintragen. Der Bescheid bleibt allerdings bis zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts offen.

Steuerklasse

Verheiratete Arbeitnehmer, die jetzt schon absehen können, dass sie nächstes Jahr eine Lohnersatzleistung wie Mutterschaftsgeld, Elterngeld oder Arbeitslosengeld beziehen, können diese Summe erhöhen, indem derjenige, der die Leistung erhält, rechtzeitig in die Steuerklasse III wechselt. Der Arbeitgeber zieht dann weniger Steuern ab, sodass netto mehr bleibt. Das lohnt sich, weil die Lohnersatzleistung vom Nettogehalt abhängt.
Tipp: Beim Elterngeld sollte der Wechsel möglichst früh geschehen, am besten schon viele Monate vor der Geburt. Verdient der Elterngeldempfänger im Jahresschnitt aber 2 700 Euro netto oder mehr pro Monat, lohnt der Wechsel nicht, denn dann besteht ohnehin Anspruch auf den Elterngeld-Höchstsatz.

Wechsel gut überlegen

Ein Wechsel sollte gut überlegt werden, weil derjenige mit Steuerklasse V weniger Kranken- oder Arbeitslosengeld beanspruchen könnte. Denn auch für diese Lohnersatzleistungen ist der Nettolohn maßgebend. Allerdings wollen viele Finanzämter beim Elterngeld einen Wechsel von Klasse V in III nicht akzeptieren, den Wechsel in die Kombination IV / IV, die nicht ganz so viel bringt, in der Regel aber schon. Sollte es Streit geben, können Sie sich auf test.de ausführlich informieren.

Einnahmen und Ausgaben

Wer jetzt schon weiß, dass seine Steuerbelastung in diesem Jahr höher ausfällt als 2008, sollte fällige Ausgaben vorziehen und Einnahmen auf das nächste Jahr verschieben – und umgekehrt, falls 2008 höhere Steuern zu erwarten sind. Freiberufler und Vermieter sind dabei besonders manövrierfähig. Aber auch Arbeitnehmer haben Möglichkeiten – zum Beispiel mit Ausgaben für Computer, Bücher oder andere Arbeitsmittel oder auch mit der vorgezogenen Bezahlung eines Weiterbildungslehrgangs, der erst 2008 stattfindet.
Tipp: Ausgaben für Schreibtisch, Aktenschrank und Ausstattungsgegenstände im Arbeitszimmer drücken als Werbungskosten die Steuer, egal ob das Arbeitszimmer zuhause anerkannt wird oder nicht.

Erwachsene Kinder

Kosten vorzuziehen, kann sich besonders für Eltern mit erwachsenen Kindern in Ausbildung lohnen. Liegen Einkünfte und Bezüge des Kindes über 7 680 Euro im Jahr, entfallen 2007 Kindergeld und Kinderfreibetrag, ebenso die Kinderzulagen für Eigenheimbesitzer und Riester-Sparer. Abzugsfähig sind Kosten für die Ausbildung, zum Beispiel für Fahrten, Computer, Fachbücher oder Studiengebühren. Auch Beiträge zu einer freiwilligen gesetzlichen oder einer privaten Kranken- und Pflegeversicherung mindern die Einkünfte. Andere Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen bleiben aber bei der 7 680-Euro-Grenze außen vor.

Krankheit

Ausgaben für eine neue Brille, für Arzt, Zahnarzt oder andere Krankheitskosten werden als außergewöhnliche Belastung anerkannt, wenn sie oberhalb der „zumutbaren Belastung“ liegen. Die beläuft sich je nach Einkünften, Familienstand und Kinderzahl auf ein bis sieben Prozent der Einkünfte.
Beispiel: Eine Familie mit einem Kind und 40 000 Euro Jahreseinkünften muss drei Prozent oder 1 200 Euro selber aufbringen. Wenn es geht, sollten Familien Krankheitskosten in einem Jahr bündeln.

Spenden

Auch Spenden an Vereine und gemeinnützige Organisationen können die Steuerlast drücken. Sie bringen in diesem Jahr sogar mehr abzugsfähige Sonderausgaben als früher. Denn 2007 dürfen Spenden bis zu 20 Prozent der Einkünfte abgesetzt werden. Das ist doppelt so viel wie 2006. Absetzbar sind Spenden zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke. Gemeint sind damit Kultur, Bildung, Jugend und Sport – also so ziemlich alles inklusive Hundezucht und Karneval. Als Nachweis reicht der Kontoauszug mit dem Überweisungsbeleg, wenn der Spendenbetrag 200 Euro nicht übersteigt.

Handwerker

Mithilfe von Handwerkern lassen sich bis Jahresende ebenfalls noch Steuern sparen. Als haushaltsnahe Dienstleistung akzeptiert das Finanzamt Ausgaben bis zu 3 000 Euro im Jahr. Davon 20 Prozent, also 600 Euro, senken unmittelbar die Steuerschuld. Wichtig ist, dass die Rechnung vor Neujahr bezahlt wird. Im gleichen Umfang beteiligt sich das Finanzamt auch an Reparatur- und Wartungskosten von Haushaltsgeräten wie Fernseher, Waschmaschine, Geschirrspüler oder Elektro-, Heizungs-, Gas- und Wasseranlagen. Selbst Schornsteinfegerkosten zählen.
Tipp: Größere Aufträge lassen sich eventuell so verteilen, dass eine Rechnung bis 3 000 Euro noch 2007 anfällt, die nächste 2008. Dann kann der Handwerkerbonus für beide Jahre kassiert werden. Zusätzlich werden in gleicher Höhe Dienstleistungen rund um den Haushalt gefördert, zum Beispiel Putzen, Kochen, Garten- oder Betreuungsarbeiten.

Vermögen gegen Rente

Bei der Übertragung von Vermögen in der Familie ist geplant, dass nur noch Betriebsvermögen steuerlich begünstigt wird. Bisher konnten Kinder, deren Eltern ihnen Vermögen übertragen und sich im Gegenzug eine Rente ausbedungen hatten, die Rentenzahlung als Sonderausgabe absetzen. Das geht künftig nur noch, wenn Betriebsvermögen übertragen wurde. Übertragen Eltern deshalb jetzt noch schnell anderes Vermögen, können die Kinder ihre Zahlungen nur noch bis zum Jahr 2012 steuerlich absetzen.

Abgeltungsteuer

Die Abgeltungsteuer, die ab 2009 für Zinsen und andere Kapitalerträge eingeführt wird, sollten Sparer schon heute berücksichtigen. Liegt ihr Grenzsteuersatz über 25 Prozent, ist es sinnvoll, Kapitalerträge auf 2009 und später zu verlagern. Die Grenze liegt für einen ledigen Arbeitnehmer, der außer der Werbungskostenpauschale und den üblichen Sozialversicherungsbeiträgen keine anderen abzugsfähigen Ausgaben hat, bei 18 350 Euro Jahresbrutto, für ein Arbeitnehmerehepaar bei 36 250 Euro, wenn beide arbeiten. Zurzeit unterliegen solche Einnahmen dem persönlichen Steuersatz. Ist der höher als 25 Prozent, spart es Steuern, wenn Kapitalerträge erst ab 2009 anfallen. Das geht zum Beispiel mit Bundesschatzbriefen Typ B.

Neue Steuernummer

Übrigens soll jeder Bürger 2008 eine Steueridentifikationsnummer bekommen. Die elfstellige Zahl bleibt ihm lebenslang erhalten. Verbunden ist damit die Speicherung von Familiennamen, früheren Namen, Vornamen, Doktortiteln, Ordensnamen, Künstlernamen, Tag und Ort der Geburt, Geschlecht, Anschrift. Das soll helfen, bundesweit alle Einkünfte zu erfassen – auch Zinsen, andere Kapitalerträge und Renten aus privaten Policen. Wer bisher mit der Steuerehrlichkeit eher locker umging, sollte das bedenken.

Ratgeber „Steuererklärung für Rentner“

Für viele Rentner ist das Thema „Steuern“ ein Buch mit sieben Siegeln. Wegen der großen Nachfrage hat die Stiftung Warentest ihren Ratgeber Steuererklärung für Rentner 2007 überarbeitet. Er erklärt die Formulare anhand vieler Beispiele und Musterrechnungen Schritt für Schritt. Der Ratgeber kostet 12,90 Euro (Abonnenten von test oder Finanztest zahlen 9,80 Euro).

Auf einen Blick: Wichtige Steueränderungen 2008

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