Steuern Meldung

In Sachen „häusliches Arbeitszimmer“ sind immer noch viele Fälle offen. Zwei davon haben nun Gerichte geklärt: Der Bundesfinanzhof entschied über die Klage einer Richterin und eines Hochschullehrers, die für das häusliche Arbeitszimmer Werbungskosten absetzen wollten. Und das niedersächsische Finanzgericht hat die Rechte von Pensionären mit Arbeitszimmer gestärkt.

Niederlage für die Kläger

Erfolglos geklagt haben beim Bundesfinanzhof (BFH) eine Richterin und ein Hochschullehrer, die für das Arbeitszimmer in ihrer Wohnung Werbungskosten absetzen wollten. Die Kläger können jedoch keinen Cent abrechnen, entschied der BFH (Az. VIR 71/10 und VI R 13/11). Häusliche Arbeitszimmer müssen die Finanzämter nur aus zwei Gründen anerkennen:

  • Der Raum ist Mittelpunkt der gesamten beruflichen Arbeit. Dann zählen sämtliche Ausgaben.
  • Für die zu Hause erledigte Arbeit gibt es woanders keinen Arbeitsplatz. Dann ist der Abzug auf 1 250 Euro im Jahr begrenzt.

Keiner der beiden Gründe traf auf die Kläger zu. Beide haben beim Arbeitgeber einen Arbeitsplatz. Laut BFH erledigen Sie ihre Arbeit außerdem hauptsächlich im Gericht oder in den Vorlesungen. Zudem gehe keiner der Kläger weiteren beruflichen Tätigkeiten nach.

Pensionär erfolgreich vor Gericht

Erfolgreich vor Gericht in Sachen „Arbeitszimmer“ war hingegen ein Pensionär. Er hat vor dem Finanzgericht Niedersachsen durchgesetzt, dass er die Kosten seines Arbeitszimmers voll ansetzen darf. Der Mann erzielt trotzt seines Ruhestandes unter anderem noch Einkünfte aus selbstständiger Arbeit als Gutachter. Der Raum ist Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen Arbeit. Alterseinkünfte aus Renten und Pensionen darf das Finanzamt nicht mitzählen, denn die bekomme er nicht für seine aktive Arbeit (Finanzgericht Niedersachsen, Az. 12 K 264/09, nicht rechtskräftig).

Volle Anrechnung des Arbeitszimmers

Das Finanzamt wollte für das Arbeitszimmer des Klägers maximal 1 250 Euro im Jahr anerkennen. Das Argument der Behörde: Der Mann habe für seine selbstständige Arbeit anderswo keinen Arbeitsplatz – aber noch Pensionseinkünfte. Das Arbeitszimmer sei deshalb nicht Mittelpunkt seiner Arbeit. Doch das sah das Finanzgericht anders. Das letzte Wort könnte nun der Bundesfinanzhof haben. Die Finanzverwaltung kann gegen das Urteil noch in Revision gehen.

Tipp Legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein, wenn Sie als Pensionär oder Rentner in einem ähnlich gelagerten Fall betroffen sind. Berufen Sie sich auf das niedersächsische Verfahren und schreiben Sie dem Amt, dass dieses Verfahren wahrscheinlich beim Bundesfinanzhof weitergehen wird. Beantragen Sie deshalb das Ruhen Ihres eigenen Verfahrens. Die Finanzämter müssen Ihren Steuerbescheid zwar erst offen lassen, wenn der Fall beim Bundesfinanzhof ist. Sie können das aber auch durchaus anders handhaben und jetzt schon den Ausgang der Klage abwarten.

Wertvolle Hilfe für die Steuererklärung 2011

Steuern Meldung

Das häusliche Arbeitszimmer ist eine Möglichkeit, mit der Steuerzahler Geld vom Finanzamt zurückholen können. Doch es gibt noch viele weitere Steuersparmöglichkeiten. Im neuen Finanztest Spezial Steuern 2012 werden alle neuen Sparchancen ausführlich erläutert. Das Sonderheft für die Steuerklärung 2011 erscheint am 28. Januar 2012, kostet 7,80 Euro und Sie können es im Shop bequem bestellen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 410 Nutzer finden das hilfreich.