Steuern Special

Im neuen Jahr gibt es für Steuerzahler kleine und große Veränderungen. Positiv: Alle zahlen etwas weniger Einkommensteuer. Auf höhere Einkommen wird allerdings mehr Beitrag für die Sozial­versicherungen fällig. Die größten Neuerungen gibt es für Anleger bei der Besteuerung von Fonds. Hier fassen wir die wichtigsten Steuer­änderungen für 2018 zusammen. Unsere Tabelle zeigt, wie viel Steuerzahler je nach Einkommen gegen­über 2017 sparen.

Weniger Einkommensteuer für alle

Wie schon in den vergangenen Jahren passt die Bundes­regierung auch 2018 den Grund­frei­betrag dem Existenz­minimum an. Er steigt von 8 820 Euro auf 9 000 Euro. Bis zu diesem Betrag ist auf Einkommen keine Steuer fällig. Erst jeder Euro über diesem Wert wird versteuert. Daher profitieren alle von der Erhöhung um 180 Euro. Eine geringe Steuer­erleichterung bringt auch die Anpassung der Einkommens­grenzen der Steuer­tarife an die Inflation. Insgesamt zahlen Ehe- und Lebens­partner 2018 bis zu 292 Euro weniger Einkommensteuer. Singles sparen bis zu 146 Euro Steuern (Tabelle Bis zu 292 Euro weniger Steuer ab 2018).

Unser Rat

Ohne Belege. Ab der Steuererklärung 2017 müssen Sie keine Belege mehr einreichen. Bewahren Sie diese aber bis zum Erhalt des Steuer­bescheids auf, da das Finanz­amt sie nach­fordern kann. Damit lohnt es noch mehr, die Erklärung online über das Portal Elster der Finanz­verwaltung zu machen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Special Online-Steuererklärung, Finanztest 1/2018.

Arbeits­mittel. Warten Sie mit dem Kauf von Arbeits­mitteln wie Laptop, Smartphone oder Büromöbeln bis zum 1. Januar 2018. Für Anschaffungen bis zu einem Preis von 952 Euro (inklusive Mehr­wert­steuer) können Sie in der nächsten Steuererklärung komplett absetzen.* 2017 ist dies nur bis zu einem Preis von 487,90 Euro möglich. Teurere Arbeits­mittel müssen Sie über mehrere Jahre abschreiben.

Kinder­geld. Prüfen Sie, ob Ihnen in den letzten vier Jahren – also bis 1. Januar 2013 – Kinder­geld zustand, das Sie noch nicht beantragt haben. Bis Silvester 2017 können Sie den Antrag rück­wirkend nach­holen. Ab 2018 ist das nur noch für das letzte halbe Jahr möglich.

Gutverdiener zahlen mehr

Aufgrund der guten Konjunktur sinkt 2018 der Beitrag für die Renten­versicherung um 0,1 Prozent auf 18,6 Prozent. Für Arbeitnehmer mit höherem Einkommen wird es bei den Sozial­abgaben insgesamt aber teurer. Der Grund: Die Beitrags­bemessungs­grenzen steigen. Das sind die Einkommens­grenzen, bis zu denen Sozial­versicherungs­beiträge erhoben werden. Bei der Kranken- und Pflege­versicherung steigen die Grenzen um 900 Euro auf 53 100 Euro jähr­lich. Für Arbeitnehmer mit einem Jahres­einkommen von mehr als 52 200 Euro – also über der bisherigen Grenze – verteuern sich somit die Beiträge. Eine Erhöhung gibt es außerdem bei der Renten- und Arbeits­losen­versicherung: Die Grenzen steigen um 1 200 Euro auf 78 000 Euro im Westen und um 1 800 Euro auf 69 000 Euro im Osten.

Beispiel: Robert Tusch aus Weimar verdient 69 600 Euro und zahlt 2018 für seine Sozial­versicherungs­beiträge 182,93 Euro mehr als 2017 – bei 0,9 Prozent Zusatz­beitrag in der Krankenkasse. Sein Freund Thorben Lippert aus Biele­feld – auch kinder­los – kommt bei einem Verdienst von 78 000 Euro auf 243,83 Euro mehr an Sozial­versicherungs­beiträgen.

Kosten für PC komplett zurück­holen

Wer seit Längerem die Anschaffung eines neuen PCs oder neuer Büromöbel als Arbeits­mittel plant, sollte erst im neuen Jahr zugreifen. Denn „gering­wertige Wirt­schafts­güter“ können ab 2018 bis zu einem Betrag von 952 Euro (inklusive Mehr­wert­steuer) sofort abge­schrieben werden. Das ist fast doppelt so viel wie vorher. Arbeits­mittel unter­halb von 952 Euro können direkt als Werbungs­kosten geltend gemacht werden. Ist der Gegen­stand teurer, muss der Steuerzahler ihn nach der amtlichen Tabelle „Abset­zung für Abnut­zung“ über mehrere Jahre abschreiben.

Beispiel: Ralf Dietermann plant die Anschaffung eines neuen Schreib­tischs für sein Arbeits­zimmer. Er soll 650 Euro kosten. Schafft Dietermann den Tisch noch 2017 an, kann er für 13 Jahre jeweils nur 50 Euro als Werbungs­kosten abziehen. Kauft er ihn jedoch 2018, darf er den kompletten Preis sofort als Werbungs­kosten absetzen, da dieser 952 Euro nicht über­schreitet.

Große Änderungen für Fonds­anleger

Bei der Besteuerung von Fonds wird 2018 vieles anders. Deutsche Fonds zahlen künftig auf bestimmte Erträge 15 Prozent Körper­schaft­steuer. Somit können sie weniger ausschütten und neu anlegen. Als Ausgleich erhalten Sparer Frei­stel­lungen von der Abgeltung­steuer. Die Regelung betrifft vor allem Aktien- und Immobilienfonds, reine Rentenfonds sind nicht betroffen. Die Höhe der Teilfrei­stel­lungen hängt von der Zusammenset­zung des Fonds ab. Bei einem Misch­fonds mit wenigs­tens 25 Prozent Aktien­anteil bleiben beispiels­weise 15 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei. Investiert der Fonds in Immobilien, liegt der Frei­betrag sogar bei bis zu 80 Prozent. Die Teilfrei­stel­lungen gelten für alle Erträge, also Dividenden und Verkaufs­gewinne. Außerdem ersetzt die Methode die Anrechnung der im Ausland gezahlten Quellen­steuern.

Tipp: Was Anleger im Detail beachten müssen, erklären wir in unserem Special zur Fondsbesteuerung ab 2018.

Kein Schutz mehr für Altbestände

Nachteile bringt die Reform für Sparer, die ihre Fonds­anteile vor 2009 erworben haben. Solche Altanteile blieben bisher beim Verkauf von der Abgeltung­steuer befreit. Nur laufende Erträge wie Dividenden unterlagen ihr. Ab 2018 gibt es für Kurs­gewinne nur noch einen persönlichen Frei­betrag von 100 000 Euro. Dabei wird allerdings erst ab 2. Januar 2018 gerechnet. Bis Ende 2017 aufgelaufene Kurs­gewinne bleiben steuerfrei. In den nächsten Jahren werden also nur Steuern fällig, falls einige Hundert­tausend Euro im Depot liegen. Mehr zur neuen Fondsbesteuerung steht in der Finanztest-Ausgabe 12/2017.

Neue Fristen beim Kinder­geld

2018 erhöhen sich Kinder­geld und Kinder­frei­betrag. Eltern erhalten beim Kinder­geld pro Kind 2 Euro mehr im Monat, der Kinder­frei­betrag steigt um 72 Euro auf 4 788 Euro. Letzteren erhalten Eltern nur, wenn er ihnen mehr bringt als das Kinder­geld. Dies prüft das Finanz­amt bei der Steuererklärung. Eine erhebliche Änderung gibt es bei den Fristen zum Kinder­geld­antrag. Diesen können Eltern ab 2018 nur noch rück­wirkend für ein halbes Jahr stellen. Bisher war das für vier Jahre möglich (siehe oben „Unser Rat“).

Weniger Geld für Neurentner

Seit 2005 sinkt der Steuerfrei­betrag für Neurentner jähr­lich um 2 Prozent. Wer 2018 in Rente geht, erhält nur noch 24 Prozent seiner Rente steuerfrei. Schlechter stehen auch diejenigen da, die im neuen Jahr 65 werden. Ihr Alters­entlastungs­betrag sinkt auf höchs­tens 912 Euro. Dieser Betrag verringert steuer­pflichtige Einkünfte aus Kapital­erträgen, Miet­einnahmen und Neben­tätig­keiten, sowie aus Alters­bezügen wie Riester-Rente oder Auszahlungen aus Betriebs­renten. Auch bei den Pensionären greift der Staat tiefer ins Portemonnaie. Wer 2018 erst­mals eine lohn­steuer­pflichtige Pension erhält, muss sich auf weniger Versorgungs­frei­betrag einstellen. Dieser beträgt inklusive Zuschlag nur noch maximal 1 872 Euro.

* Korrigiert am 02. Januar 2018.

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