Steuern 2017 Special

Zwar sinken die Steuern 2017 ein wenig und das Kinder­geld wird ange­hoben. Dafür langt der Staat aber an anderer Stelle zu: die Sozial­abgaben steigen. Im Ergebnis dürfte der Durch­schnitts­verdiener 2017 sehr wahr­scheinlich weniger im Portemonnaie haben als vorher. Wir zeigen, wie groß das Steuer-Plus für Singles und Ehepaare ist, und sagen, welche neuen Regeln für Belege und Frei­beträge gelten.

Zu diesem Thema bietet test.de ein aktuel­leres Special Steueränderungen.

Der Grund­frei­betrag steigt ...

Etwas weniger Steuern zahlen alle, weil der Grund­frei­betrag um 168 Euro steigt – von 8 652 auf 8 820 Euro. Bis zu diesem Betrag bleibt das Einkommen steuerfrei. Das ist kein Geschenk des Finanz­ministers, vielmehr muss die Bundes­regierung den Betrag regel­mäßig an das Existenz­minimum anpassen. Auch für Familien gibt es deshalb etwas mehr Geld, weil der Gesetz­geber Kinder­geld und Kinder­frei­beträge ebenfalls angleicht.

... aber auch die Sozial­abgaben

Zudem werden auch die Einkommens­grenzen für die Steuer an die Inflation angepasst. Allein dadurch zahlen alle 2017 bis zu 60 Euro weniger Einkommensteuer – Ehe- und Lebens­partner bis zu 121 Euro. Im Gegen­zug erhöhen sich die Sozial­abgaben: die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Arbeits­losen- und Renten­versicherung wird teurer. Deshalb zahlen am Ende viele eben doch mehr – trotz Steuersenkung.

Abgaben fressen Steuersenkung

Konkret wird es für Arbeitnehmer ab mitt­leren Einkommen teurer, weil die Beitrags­bemessungs­grenzen, bis zu denen Sozial­abgaben fällig werden, steigen. Bei der Kranken­versicherung steigen sie um 1 350 Euro. Zudem erhöht sich der Beitrags­satz zur Pflege­versicherung von 2,35 Prozent auf 2,55 Prozent. So steigt ab 52 200 Euro Jahres­lohn der Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflege­versicherung bei 0,9 Prozent Zusatz­beitrag um 182,14 Euro im Jahr. Für Bruttolöhne über 74 400 Euro in West- und 64 800 Euro in Ostdeutsch­land wird zudem die Arbeits­losen- und Renten­versicherung teurer, weil die Beitrags­bemessungs­grenzen hier um 1 800 Euro im Westen und 3 600 Euro im Osten steigen.

Beispiel: Gerlinde Klein aus Hannover verdient 76 200 Euro und zahlt 2017 für ihre gesamten Sozial­versicherungs­beiträge 377,44 Euro mehr – bei 0,9 Prozent Zusatz­beitrag in der Krankenkasse. Ihre Schwester Susi, die im thüringischen Gera lebt, zahlt noch mehr: Von ihrem Verdienst von 68 400 Euro gehen 612,69 Euro mehr im Jahr für ihre Sozial­versicherungs­beiträge ab.

Mehr Abzug für Unterhalt

Weil das Existenz­minimum erhöht wurde, können im nächsten Jahr Unter­halts­zahler 168 Euro mehr Unterhalt für bedürftige Angehörige als außergewöhnliche Belastungen absetzen, maximal 8 820 Euro im Jahr. Darüber hinaus gelten wie bisher die Basisbeiträge in der Kranken- und Pflege­versicherung des Unter­halts­empfängers.

Weniger für Heimbe­wohner

Die Erhöhung des Existenz­minimums hat auch Nachteile: Eine Heim­unterbringung wegen Pflegebedürftig­keit, Behin­derung oder Krankheit ist steuerlich eine außergewöhnliche Belastung. Das Finanz­amt kürzt die absetz­baren Ausgaben um die sogenannte Haus­halts­ersparnis, weil der Fiskus annimmt, dass ein Heimbe­wohner Geld spart, wenn er seinen Haushalt aufgibt – und zwar in Höhe des Grund­frei­betrags: künftig werden also 8 820 Euro statt 8 652 Euro von den Kosten abge­zogen, die er angeben kann.

Kleines Plus für Eltern

Ein geringes Plus erhalten Eltern beim Kinder­geld und den Kinder­frei­beträgen, weil diese angepasst werden, um das Existenz­minimum der Kinder abzu­sichern. Das Kinder­geld beträgt nun für jedes Kind 2 Euro mehr im Monat und der Kinder­frei­betrag steigt um 108 Euro auf 4 716 Euro – diesen erhalten Eltern aber nur, wenn es für sie mehr bringt als das Kinder­geld. Dies prüft das Finanz­amt auto­matisch bei der Steuererklärung.

Geringere Frei­beträge für Neurentner

Wer 2017 in Rente geht, erhält nur noch 26 Prozent seiner Rente steuerfrei, 74 Prozent muss der Neurentner versteuern.

Schlechter schneiden ebenfalls diejenigen ab, die im kommenden Jahr 65 werden. Der Alters­entlastungs­betrag für Neben­einkünfte sinkt auf höchs­tens 988 Euro. Dieser Entlastungs­betrag verringert steuer­pflichtige Einkünfte aus Kapital­erträgen, Miet­einnahmen, aus einer Neben­tätig­keit, aus Alters­bezügen wie der Riester-Rente und steuer­pflichtigen Auszahlungen aus betrieblicher Alters­vorsorge. Für Pensionäre, die im Jahr 2017 erst­mals eine lohn­steuer­pflichtige Pension erhalten, sinkt der Versorgungs­frei­betrag inklusive Zuschlag auf maximal 2 184 Euro im Jahr.

Alters­vorsorge begüns­tigt

Arbeitnehmer können über ihren Arbeit­geber 72 Euro mehr in ihre geförderte betriebliche Alters­vorsorge einzahlen – für ihre Direkt­zusage, Unterstüt­zungs-, oder Pensions­kasse, Direkt­versicherung oder ihren Pensions­fonds. Bis zu 3 048 Euro Beitrag sind 2017 begüns­tigt. Rürup-Sparer können ebenfalls mehr steuerfrei in ihren Vertrag investieren, vor allem Selbst­ständige werden begüns­tigt. Ein Single kann nächstes Jahr maximal 23 362 Euro (2016: 22 767 Euro) einzahlen, um den maximalen Sonder­ausgaben­abzug von 19 624 Euro abzu­setzen. Beträgt sein Grenz­steu­ersatz mit Soli 33 Prozent, spart er dadurch 6 476 Euro.

Mehr für den Umzug

Für beruflich bedingte Umzüge lässt sich im kommenden Jahr mehr zurück­holen, weil die Umzugs­kostenpauschale ange­hoben wird. Allerdings nicht zum 1. Januar, sondern erst zum 1. Februar 2017. Für Ledige erhöht sie sich von 746 Euro auf 764 Euro, Verheiratete und Lebens­partner bekommen das Doppelte. Es kommt nicht darauf an, wann die Möbel einge­laden werden. Entscheidend ist der Tag, an dem der Umzug endet. Kommen die Möbel am 31. Januar 2017 in den Trans­porter und werden am 1. Februar 2017 ausgeladen, gibt es die höheren Beträge.

Keine Beleg­pflicht mehr

Ab der Steuererklärung für 2017 entfällt die Pflicht, Belege miteinzureichen. Selbst Spendenquittungen oder Bescheinigungen über Kapital­erträge müssen Steuerzahler dann nicht mehr länger dem Finanz­amt mitschi­cken. Die Beamten können aber die Unterlagen später bei Bedarf anfordern. Dem muss der Steuerzahler nach­kommen. Das bedeutet nicht, das Steuerzahler ihre Belege gleich wegwerfen können, wenn der Bescheid gekommen ist. Sehr oft werden Steuer­bescheide zum Beispiel vorläufig erlassen, etwa weil beim Bundes­finanzhof noch Verfahren laufen. Es könnte deshalb auch nach Jahren noch zu Nach­fragen vom Finanz­amt kommen.

Auto­matisierte Bearbeitung

In den nächsten Jahren wird weiter auto­matisiert: Finanz­beamte sollen nur noch bei Auffälligkeiten eine Steuererklärung von Hand prüfen. Zudem werden stich­proben­artig einige Steuererklärungen manuell nachgeprüft. Künftig soll es auch möglich sein, Erklärungen oder – falls ange­fordert – Belege, einge­scannt elektronisch dem Finanz­amt zu senden. Mit Einwilligung des Steuerzah­lers (oder seines Steuerberaters) gibt es auch die Steuer­bescheide nicht mehr auf Papier. Vieles wird aber voraus­sicht­lich erst einmal beim Alten bleiben: Verwaltung und Ämter sollen die Änderungen schritt­weise bis zum Jahr 2022 umsetzen.

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