Verheiratete Paare können durch einen Wechsel der Steuerklasse vor der Geburt eines Kindes ganz legal das Eltern­geld nach der Geburt erhöhen. Wer das Eltern­geld optimieren will, muss schnell und schlau handeln. Die Mühe lohnt sich: Durch den Steuerklassen­wechsel kann das Eltern­geld um mehrere Tausend Euro höher ausfallen. Und: Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes schlau in Teil­zeit weitermachen, können mit dem neuen „Eltern­geld Plus“ die Summe ihres Eltern­geldes noch weiter erhöhen.

Das Eltern­geld um mehrere Tausend Euro erhöhen

Werdende Eltern können die Höhe des Eltern­geldes selbst beein­flussen. Sind die Partner verheiratet, können sie mehrere Steuerklassen wählen. Die Steuerklasse beein­flussen das vom Arbeit­geber ausgezahlte Netto­gehalt. Und da sich das Eltern­geld nach der Geburt am Netto­gehalt vor der Geburt orientiert, gilt: Derjenige Eltern­teil, der nach der Geburt zu Hause bleibt und Eltern­geld beziehen wird, sollte in eine für ihn güns­tige Steuerklasse wechseln. Die Mühe lohnt sich. Eine güns­tige Steuerklasse kann das Eltern­geld um mehrere hundert Euro pro Monat erhöhen.

Tipp: Im folgenden finden Sie Sparbei­spiele. Wenn Sie direkt loslegen wollen, lesen Sie weiter im Unter­artikel So gehen werdende Eltern vor.

Video: Eltern­geld und Eltern­geld Plus

Fast 5 000 Euro mehr Eltern­geld im Beispielfall

Ein Beispiel: Eine 40-jährige Arbeitnehmerin verdient 3 000 Euro brutto monatlich. Ist sie in der für sie ungüns­tigen Steuerklasse V bekommt sie monatlich rund 1 477 Euro Gehalt ausgezahlt. Auf Basis dieses Netto­gehalt errechnet die Eltern­geld­stelle nach der Geburt ihres Kindes ein Eltern­geld in Höhe von monatlich 906 Euro. Ist sie im Jahr vor der Geburt hingegen in der Steuerklasse III, beträgt das Netto­einkommen 2 105 Euro und das spätere Eltern­geld beträgt dann 1 314 Euro monatlich. Bezieht die junge Mutter für den maximal möglichen Zeitraum von zwölf Monaten Eltern­geld, bekommt sie in der güns­tigeren Variante rund 4 900 Euro mehr als in der ungüns­tigeren Variante.

Diese Steuerklassen können Ehepaare wählen

Verheiratete Paare können folgende Varianten wählen:

  • Beide Partner können die Steuerklasse IV nehmen.
  • Einer der Partner wählt die III und der andere die V.
  • Und seit 2010 können beide Partner auch die sogenannte Klasse „IV mit Faktor“ wählen.

Unabhängig von Geburt und Eltern­geld gilt die Faust­regel: Verdienen die Ehepartner unterschiedlich viel, sollte derjenige die Steuerklasse III wählen, der mindestens 60 Prozent des gemein­samen Brutto­lohns verdient. So bekommt das Ehepaar möglichst viel Netto vom Brutto­gehalt. Da in viele Ehen immer noch der Mann erheblich mehr verdient als die Ehefrau, sind die Ehemänner üblicher­weise in der Steuerklasse III und die Frauen in der Steuerklasse V.

Wechsel der Steuerklasse wegen anstehender Geburt

Die für die Haus­halts­kasse vieler Paare beste Steuerklassen-Kombination „Ehemann III/Ehefrau V“ kann ungünstig sein, wenn das Ehepaar ein Kind erwartet. Da häufig die Ehefrau nach der Geburt in Eltern­zeit geht und Eltern­geld für die zwölf Monate nach der Geburt beantragt, sollte sie vor der Geburt in die Steuerklasse III wechseln, um später möglichst viel Eltern­geld zu bekommen. Das gilt jedenfalls dann, wenn sie berufs­tätig ist und mehr als das Mindest­eltern­geld in Höhe von 300 Euro zu erwarten hat. Wechselt die Frau vor der Geburt des Kindes in die Steuerklasse III, obwohl sie erheblich weniger als ihr Mann verdient, hat das Paar zwar in der vorgeburtlichen Zeit weniger Netto zum Leben. Aber dieser steuerliche Nachteil wird mit der Steuererklärung wieder ausgeglichen. Das wiederum ist beim Eltern­geld nicht möglich. Bleibt die Ehefrau in der Steuerklasse V, bekommt sie weniger Eltern­geld und kann dieses Minus nicht wieder zurück­holen.

Tipp: Ihre aktuellen Steuerklassen finden Sie auf den monatlichen Gehalts­bescheinigungen des Arbeit­gebers. Einen Wechsel der Steuerklasse können Sie zusammen mit Ihrem Ehepartner beim Finanz­amt an Ihrem Wohn­ort beantragen. Und keine Angst: Den Steuer­vorteil, den Sie durch eine andere Steuerklassen-Kombination verlieren, bekommen Sie mit der Steuererklärung später zurück.

Bundes­sozialge­richt erlaubt Steuerklassen-Trick

Das Bundes­sozialge­richt hat bereits im Jahr 2009 einen Steuerklassen­wechsel zum Zwecke der Eltern­geld­erhöhung erlaubt. Seit Anfang 2013 gilt jedoch das „Gesetz zur Vereinfachung des Eltern­geldvoll­zuges“. Diese Gesetzes­änderung hat Ehepaaren den legalen Steuerklassen-Trick erheblich erschwert. Er ist zwar immer noch möglich. Paare, die erst mit Bekannt­werden der Schwangerschaft die Steuerklassen wechseln wollen, müssen aber nun sehr schnell sein, wenn sie vom Steuertrick profitieren wollen. test.de erklärt, wie das gelingt.

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So gehen werdende Eltern vor

Oft sind es die Mütter, die für längere Zeit Eltern­geld beantragen. Sind sie vor der Geburt in der für das Eltern­geld ungüns­tigen Steuerklasse 5, sollten sie nach Bekannt­werden der Schwangerschaft möglichst schnell in die Steuerklasse 3 wechseln. Doch auch Frauen, die mit dem Wechsel spät dran sind, können ihre finanzielle Situation noch verbessern. test.de erläutert die legalen Tricks zum Eltern­geld-Antrag.

Wechsel­antrag sieben Monate vor Beginn des Mutter­schutz

Für Arbeitnehme­rinnen gilt die Grund­regel: Der Antrag auf den Wechsel in die Steuerklasse 3 muss spätestens sieben Monate vor dem Monat gestellt werden, in dem der Mutter­schutz beginnt. Diese Regel ist die logische Folge aus Paragraf 2c Absatz 3 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz. Dort heißt es, dass die Steuerklasse für die Eltern­geldbe­rechnung maßgeblich ist, die im letzten Monat des Bemessungs­zeitraums auf der Gehalts­bescheinigung stand. Bemessungs­zeitraum ist bei Arbeitnehme­rinnen der Zwölf­monats­zeitraum vor dem ersten Mutter­schutz­monat. Stand vor dem Mutter­schutz die Steuerklasse 3 auf dem Lohn­zettel der Arbeitnehmerin, ist diese also grund­sätzlich für die Eltern­geldbe­rechnung maßgeblich. Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Eltern­teil im Bemessungs­zeitraum in mehreren Steuerklassen war und eine andere als die aktuelle Steuerklasse im Bemessungs­zeitraum „über­wiegte“, also öfter auf den Lohn­zetteln stand.

Steuerklasse wechseln – Beispiel 1

Erwartet eine Schwangere für den 20. Dezember 2018 ihr Baby, beginnt ihr sechs­wöchiger Mutter­schutz am 9. November 2018. Spätestens ab Mai 2018 muss sie in der Steuerklasse 3 sein, um beim Eltern­geld von dieser Steuerklasse profitieren zu können. Da ein Antrag auf einen Steuerklassen­wechsel immer erst im darauf­folgenden Monat wirkt, muss die Frau den Wechsel beim Finanz­amt schon im April stellen, damit die Eltern­geld­stelle ihn noch berück­sichtigt.

Schafft sie den Wechsel recht­zeitig, ist sie tatsäch­lich zwar nur in den sechs Monaten vor Beginn des Mutter­schutzes in der Steuerklasse 3 – von Mai bis zum Oktober (letzter Monat mit vollem Gehalt). Das reicht aber. Die Eltern­geld­stelle behandelt die Frau dann so, als sei sie während der relevanten zwölf Monate vor der Geburt („Bemessungs­zeitraum“) in der Steuerklasse 3 gewesen. Auf Basis dieses fiktiven Netto­gehalts errechnet die Behörde dann das Eltern­geld. Zwar war die Schwangere in den ersten sechs Monaten ihres Bemessungs­zeitraums in Steuerklasse 5. Sechs Monate in Steuerklasse 5 stehen also sechs Monate in Steuerklasse 3 gegen­über. Fürs Eltern­geld maßgeblich ist in einem solchen Fall des „Gleich­stands“ aber die aktuelle Steuerklasse, im Beispiel 1 also Steuerklasse 3. Steuerklasse 5 wäre nur dann maßgeblich, wenn diese Steuerklasse im Bemessungs­zeitraum der Schwangeren „über­wiegte“, also auf mindestens sieben Monats­lohn­zetteln gestanden hätte.

Tipp: Nach der Geburt können die Eltern sofort wieder in die für sie unter normalen Umständen güns­tigste Steuerklassen­kombinationen zurück­kehren. Diese Änderung hat weder positive noch negative Auswirkungen auf das ausgezahlte Eltern­geld.

Trick bei zu spätem Steuerklassen­wechsel: Mutter­schutz verschieben

Manchmal gelingt der Steuerklassen­wechsel nicht schnell genug. Oft wird eine Frau vor Beginn des Mutter­schutzes nur auf fünf volle Gehälter nach Steuerklasse III kommen. Das reicht in vielen Fällen nicht.

Steuerklasse wechseln – Beispiel 2

Eine Arbeitnehmerin erwartet am 4. Dezember 2018 ihr Kind. Der Mutter­schutz beginnt am 24. Oktober 2018. Den Steuerklassen­wechsel müsste sie spätestens im Monat März gestellt haben, damit auf sechs volle Gehälter in Steuerklasse 3 kommt (April 2018 bis September 2018). Das kann aber eigentlich kaum klappen, denn der rechnerische Befruchtungs­termin war der 16. März 2018. Wahr­scheinlicher ist, dass ihre Schwangerschaft im April 2018 ärzt­lich fest­gestellt wird. Wenn Sie im April 2018 noch schnell zum Finanz­amt geht, hat sie die Steuerklasse ab Mai 2018 auf dem Lohn­zettel.

Wie gesagt – das ist eigentlich zu spät. Doch es hilft folgender Trick: Nach Paragraf 3 Absatz 1 des Mutterschutzgesetzes dürfen werdende Mütter freiwil­lig ganz oder teil­weise auf die sechs Wochen Mutter­schutz vor der Geburt verzichten. Das haben Frauen auch in der Vergangenheit schon gemacht, etwa wenn sie vor der Geburt noch ein wichtiges Projekt im Job zu Ende bringen wollten. Gegen­über dem Arbeit­geber müssen sie dafür vor Beginn des Mutter­schutzes schriftlich erklären, auf wie viele Tage Mutter­schutz sie verzichten wollen. Wenn die Arbeitnehmerin aus Beispiel 2 nun vom 24. Oktober 2018 bis mindestens einschließ­lich dem 31. Oktober 2018 weiter­arbeitet und insoweit auf ihren vorgeburtlichen Mutter­schutz verzichtet, wird der Monat Oktober 2018 Teil des für ihre Eltern­geldbe­rechnung relevanten zwölfmonatigen Lohn­zeitraums (Bemessungs­zeitraum November 2017 bis Oktober 2018).

Damit erreicht sie, dass sie in den sechs Kalendermonaten vor Beginn ihres Mutter­schutzes in Steuerklasse 3 ist (Juni 2018 bis November 2018). Das ist das Minimum, um ein Eltern­geld auf Basis von Steuerklasse 3 zu erreichen. Die Steuerklasse 3 wird dann von der Eltern­geld­stelle für die Eltern­geldbe­rechnung heran­gezogen, da im gesamten zwölfmonatigen Bemessungs­zeitraum keine andere Steuerklasse über­wiegt (§ 2c Absatz 3 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz).

Wichtig: Verzichtet die Frau in Beispiel 2 nicht auf den Mutter­schutz vom 24. bis zum 31. Oktober, wird der ganze Monat Oktober 2018 bei der Eltern­geldbe­rechnung „ausgeklammert“ (§ 2b Absatz 1 Nummer 2 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz). Das heißt: auch das Oktober-Teil­gehalt (nach Steuerklasse 3) bis zum 23. Oktober wird nicht für die Eltern­geldbe­rechnung heran­gezogen. Erhält eine Arbeitnehmerin nur einen Tag Mutter­schafts­geld in einem Monat, fliegt dieser Monat aus dem Bemessungs­zeitraum raus. Bislang war es Betroffenen möglich, im Eltern­geld­antrag auf diese Ausklammerung zu verzichten, wenn die Ausklammerung nach­teilig für sie war.

Wie wir von unseren Lesern erfahren haben, lassen viele Eltern­geld­stellen diesen Verzicht inzwischen aber nicht mehr zu. Da erklärte das Bundessozialgericht, dass die Ausklammerungs-Regelung des Gesetzes zwingend sei. Viele Eltern­geld­stellen folgern aus dem Urteil, dass Mütter und Väter einen freiwil­ligen Verzicht auf die Ausklammerung nicht mehr erklären können. In einer früheren Eltern­geld-Broschüre des Bundes­familien­ministeriums war noch ausdrück­lich auf die Möglich­keit des Verzichts hingewiesen worden. In der aktuellen Ausgabe ist dieser Hinweis verschwunden.

Alternative zum Weiter­arbeiten: Rest­urlaub nehmen

Natürlich wird nicht jede Frau so nahe an Geburts­termin noch arbeiten wollen. Manchmal ist das allein aus gesundheitlichen Gründen schon nicht zu empfehlen. Eine Frau, die noch Rest­urlaub hat, kann statt der Weiter­arbeit für die betroffenen Tage auch Urlaub nehmen. Recht­lich muss sie gegen­über dem Arbeit­geber trotzdem auf Tage ihres Mutter­schutzes verzichten. Aber immerhin muss sie dann nicht mehr an die Arbeits­stelle.

Steuerklasse wechseln – Beispiel 3

Die Frau aus Beispiel 2 erklärt gegen­über ihrem Arbeit­geber, dass sie vom 24. Oktober 2018 bis einschließ­lich 31. Oktober 2018 auf Mutter­schutz verzichtet. Gleich­zeitig nimmt sie für diesen Zeitraum Urlaub. Eine Voll­zeit­kraft kostet das sechs Urlaubtage. Recht­lich hat das den gleichen Effekt wie die Weiter­arbeit nach Beispiel 2: Der zwölfmonatige Bemessungs­zeitraum fürs Eltern­geld verschiebt sich um einen Monat, der Monat Oktober 2018 wird dadurch Teil des Bemessungs­zeitraums. Damit hat die Frau das Minimum von sechs Kalendermonaten nach Steuerklasse 3 vor Beginn des Mutter­schutzes erreicht und bekommt das erhöhte Eltern­geld.

Tipp: Bevor eine werdende Mutter diesen Weg geht, muss natürlich jedes Paar für sich durch­rechnen, ob das Minus durch die verlorenen Urlaubs­tage durch das Plus beim Eltern­geld über­troffen wird. Wenn es nur um ein paar Tage Mutter­schutz geht, wird sich der Trick „Verzicht auf Mutter­schutz plus Urlaub“ aber oft lohnen.

Wichtig: Damit dieser Trick am Ende auch Erfolg hat, sollten Betroffene ihrem Arbeit­geber das Motiv ihres Vorgehens erläutern. Denn auf den ersten Blick klingt es ja absurd, auf Mutter­schutz zu verzichten und für den betroffenen Zeitraum dann gleich Urlaub zu beantragen. Kennt der Arbeit­geber die Beweggründe der werdenden Mutter, wird er in der Regel nichts dagegen haben. Immerhin „spart“ er ja Urlaubs­tage. Damit der Arbeit­geber früh­zeitig planen kann, sollten Arbeitnehme­rinnen Verzichts­erklärung und Urlaubs­antrag nicht erst kurz vor knapp abgeben. Auch die Krankenkasse sollte recht­zeitig informiert werden. Von Lesern haben wir die Rück­meldung bekommen, dass der Trick „Verzicht auf Mutter­schutz plus Urlaub“ geklappt hat, sie also auf diesem Weg die güns­tige Steuerklasse 3 als Basis für ihr Eltern­geld erreicht haben.

Sonderfall: Hoch­zeit im Bemessungs­zeitraum

test.de erreichen regel­mäßig Leser­zuschriften, ob man nicht auch noch nach­träglich für bereits vergangene Monate die Steuerklasse verändern kann. Nein, das geht nicht. Mit einer Ausnahme: Wer im Bemessungs­zeitraum geheiratet hat, kann anläss­lich der Heirat einen Steuerklassen­wechsel beantragen und darin eine Rück­wirkung „ab dem Monat der Heirat“ beantragen. Im aktuellen Formular zum Steuerklassen­wechsel muss dafür die Nummer 20 ange­kreuzt werden. Dazu folgendes Beispiel 4:

Steuerklasse wechseln – Beispiel 4

Eine Arbeitnehmerin hat im Februar 2019 geheiratet. Für den 10. Oktober 2019 erwartet sie ein Kind. Am 29. August 2019 beginnt ihr Mutter­schutz. Sie muss wenigs­tens von Februar 2019 bis Juli 2019 in Steuerklasse 3 gewesen sein, um auch Eltern­geld auf Basis von der güns­tigen Steuerklasse 3 zu bekommen. Sie erfährt von der Möglich­keit, das Eltern­geld durch einen geschickten Steuerklassen­wechsel zu optimieren, aber erst im April 2019. Sofort stellt sie einen Antrag auf Wechsel in Steuerklasse 3. Normaler­weise würde dieser Antrag dann ab Mai 2019 Wirkung zeigen. Damit käme sie nur auf drei Monate in Steuerklasse 3 – zu wenig. Beantragt sie mit dem Wechsel in Klasse 3 beim Finanz­amt aber eine Rück­wirkung ab dem Monat der Heirat, kommt sie insgesamt auf sechs Monate in Steuerklasse 3 (Februar 2019 bis Juli 2019). Zwar hat die Arbeitnehmerin für die Monate Februar 2019 bis April 2019 zunächst Gehalt und Lohn­zettel auf Basis von Steuerklasse 4 bekommen (mit der Heirat ist die Frau auto­matisch von Steuerklasse 1 in Steuerklasse 4 gewandert), aber mit ihrem Antrag auf den (rück­wirkenden) Steuerklassen­wechsel muss der Arbeit­geber den Netto­lohn dieser Monate neu berechnen und auch neue Lohn­zettel aushändigen, auf denen die Steuerklasse 3 steht. Nur diese Gehalts­bescheinigungen muss die Arbeitnehmerin später auch beim Eltern­geld­antrag einreichen.

Regeln für Beamtinnen, Soldatinnen und Väter

Da Beamtinnen und Soldatinnen kein Mutter­schafts­geld bekommen, sondern bis zur Geburt volle Bezüge erhalten, gelten für sie andere Regeln. Bei ihnen muss der Antrag auf Wechsel in die Steuerklasse 3 sieben Kalendermonate vor dem tatsäch­lichen Geburts­monat gestellt werden. Beamtinnen und Soldatinnen haben somit nach Bekannt­werden der Schwangerschaft in der Regel mehr Zeit für den Antrag.

Steuerklasse wechseln – Beispiel 5

Die Frau aus Beispiel 2 ist keine Arbeitnehmerin, sondern Beamtin. Das Kind kommt wie prognostiziert am 4. Dezember 2018 zur Welt. Es reicht, wenn sie den Steuerklassen­wechsel im Mai 2018 beantragt. Auf Mutter­schutz muss sie dafür nicht verzichten, denn anders als Arbeitnehme­rinnen bekommen Beamtinnen bis zur Geburt normales Gehalt. Alle zwölf Monate bis zur Geburt, mit Ausnahme des Geburts­monats selbst, sind Teil des Bemessungs­zeitraums. Ratsam ist es für die Beamtin aber dennoch, den Antrag bereits im April zu stellen. Denn kommt das Kind zu früh zur Welt, etwa schon im November 2018, müsste der Antrag auf Steuerklassen­wechsel beim Finanz­amt im April 2018 gestellt worden sein.

Wenn Vater und Mutter zusammen Eltern­geld beantragen

In der Praxis sind es in der Regel die Mütter, die für zwölf Monate Eltern­geld beantragen. Die Väter nehmen oftmals nur die zwei sogenannten Part­nermonate („So beantragen Sie Elterngeld“). In dieser „klassischen“ Situation fährt das Ehepaar meist am besten, wenn die Frau in die Steuerklasse 3 wechselt und der Ehemann in der Steuerklasse 5 geht. Aber: Sollte der Ehemann die über­wiegende Zahl der insgesamt 14 Eltern­geldmonate Eltern­geld beantragen, ist es genau anders­herum. Da Männer nicht in Mutter­schutz gehen, gilt für sie die Antrags­frist wie bei den Beamtinnen und Soldatinnen.

Tipp: Teilt sich ein Paar die Eltern­geldmonate zu gleichen Teilen auf, sollte es vor einem Steuerklassen­wechsel genau nach­rechnen, welche Steuerklassen-Kombination vor der Geburt am meisten Eltern­geld bringt. Ein Nettolohnrechner und der Elterngeldrechner des Familien­ministeriums sind dabei eine gute Hilfe.

Sonderfall: Selbst­ständige und Angestellte mit Neben­job

Wechseln verheiratete Selbst­ständige erst mit Bekannt­werden der Schwangerschaft die Steuerklasse, hat das für sie keine positiven Auswirkungen auf die Eltern­geldhöhe. Denn bei ihnen zählt nicht das Einkommen aus dem Zwölf­monats­zeitraum vor der Geburt als Grund­lage für die Eltern­geldbe­rechnung, sondern in der Regel das Einkommen (sprich: der Gewinn) aus dem letzten abge­schlossenen Kalender­jahr vor dem Geburts­jahr. Beispiel: Bringt eine Selbst­ständige ihr Kind im Dezemeber 2019 zur Welt, zählt der Gewinn des Kalender­jahres 2018 als Berechnungs­grund­lage. Ein Steuerklassen­wechsel im Früh­jahr 2019 bringt dieser Frau folg­lich gar nichts mehr, denn er wirkt sich nicht rück­wirkend auf das Jahr 2018 aus (mehr zum Thema Eltern­geld für Selbst­ständige im Grund­satz­artikel „Elterngeld: Anspruch, Dauer, Höhe, Berechnung“).

Nebenher selbst­ständig arbeiten („Misch­einkünfte“): Angestellte, die nebenher selbst­ständig arbeiten, werden hier wie Selbst­ständige behandelt. Das heißt: Auch bei ihnen zählt fürs Eltern­geld in der Regel das Einkommen aus dem Kalender­jahr vor dem Geburt­jahr und nicht der Zwölf­monats­zeitraum vor der Geburt. Das gilt, wenn sie wenigs­tens einen Euro Gewinn mit diesem Neben­job entweder im Zwölf­monats­zeitraum vor der Geburt oder im Kalender­jahr vor dem Geburts­jahr gemacht haben. Auch diese Eltern erreichen daher mit einem Steuerklassen­wechsel ab Schwangerschaft kein Eltern­geld-Vorteil mehr. Gut für Helfer im Verein: Eine Übungs­leiterpauschale zählt nicht als Einkommen aus selbst­ständiger Tätig­keit. Das Eltern­geld einer Angestellten, die in ihrer Frei­zeit im Sport­ver­ein als Übungs­leiterin hilft, wird also (nur) auf Basis ihres Angestell­tengehalts im Zwölf­monats­zeitraum vor ihrem Mutter­schutz errechnet. Mit einem schnellen Steuerklassen­wechsel ab Schwangerschaft kann sie ihr Eltern­geld optimieren.

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Alternative: Eltern­geld Plus

Zwei Varianten Eltern­geld

  • Basis­eltern­geld. Die bisher bekannte Variante gibt Paaren bis zu 14 Monate lang 65 Prozent des Durch­schnitts­einkommens als Eltern­geld. Diese Variante existiert weiter und heißt nun Basis­eltern­geld.
  • Eltern­geld Plus. Wählen Eltern diese Option, können sie jeden Monat Basis­eltern­geld in zwei Monate Eltern­geld Plus umwandeln. Das Eltern­geld Plus bedeutet also eine Verlängerung des Auszahlungs­zeitraums. Entscheidet sich ein Paar, alle ihm zustehenden 14 Monate Basis­eltern­geld umzu­wandeln, erhält es also für 28 Monate Eltern­geld Plus. Wie hoch das monatlich ausgezahlte Eltern­geld Plus ausfällt, hängt davon ab, ob die Eltern während der Eltern­zeit Teil­zeit arbeiten und wie viel sie verdienen.

Eltern­geld Plus – die Details

Eltern, die in den Monaten nach der Geburt ganz im Job pausieren. Macht eine Mutter oder ein Vater nach der Geburt eine Jobpause und wählt das Paar das neue Eltern­geld Plus, verdoppelt sich der Auszahlungs­zeitraum. Als Eltern­geld Plus bekommen sie jeden Monat einen halben Basis­eltern­geld-Betrag ausgezahlt. Diese Eltern haben durch die Reform keinen finanziellen Vorteil.
Beispiel: Eine junge Mutter beantragt nach der Geburt ihres Kindes bei ihrem Arbeit­geber eine dreijäh­rige Pause im Job. Sie hat Anspruch auf zwölf Monate 1 560 Euro Basis­eltern­geld. Sie könnte aber auch das neue Eltern­geld Plus beantragen und 24 Monate lang 780 Euro erhalten. Auch ein Mix von Basis­eltern­geld und Eltern­geld Plus ist möglich. Die Frau könnte zum Beispiel sechs Monate Basis­eltern­geld in Höhe von 1 560 Euro beziehen und anschließend zwölf Monate 780 Euro Eltern­geld Plus.

Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes früh wieder Teil­zeit arbeiten. Eltern, die nach der Geburt nicht ganz pausieren, sondern auf Teil­zeit gehen, erhalten als Eltern­geld Plus nicht nur die Hälfte des Basis­eltern­geldes, sondern in vielen Fällen mehr. Sogar eine Verdopp­lung der staatlichen Unterstüt­zung ist möglich.
Beispiel: Ein junger Vater reduziert mit der Geburt seines Kindes seine Arbeits­zeit auf 25 Wochen­stunden. Er über­legt, ob er bei der Eltern­geld­stelle zwei Monate Basis­eltern­geld oder vier Monate Eltern­geld Plus beantragt. Finanziell attraktiver ist das Eltern­geld Plus: Angenommen der Vater verdient in der Teil­zeitphase 1 625 Euro netto monatlich: Dann könnte er zwei Monate jeweils 633,75 Euro Basis­eltern­geld bekommen. Oder vier Monate 633,75 Euro Eltern­geld Plus. Wählt der Vater das Eltern­geld Plus, verdoppelt er also die Gesamt­summe seiner Unterstüt­zung.

Für Berufs­tätige: Vier Monate Part­nerschafts­bonus zusätzlich

Neu ist auch der „Part­nerschafts­bonus“: Paare, die sich in vier aufeinander­folgenden Lebens­monaten ihres Kindes die Baby­betreuung teilen und zusammen Teil­zeit arbeiten, erhalten zusätzlich vier Monate Eltern­geld Plus. Es gelten allerdings strenge Vorgaben für die Arbeits­zeit in der Teil­zeitphase. Den Part­nerschafts­bonus erhält ein Paar nur, wenn die beiden Beteiligten in den vier Lebens­monaten des Kindes in ihren Jobs nicht weniger als 25 und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Dieser Zeitkorridor ist streng einzuhalten. Arbeitet nur ein Partner zu viel oder zu wenig, müssen beide den an sie ausgezahlten Bonus zurück­zahlen. Ebenfalls neu: Eltern können zwei von ihren drei Jahren Eltern­zeit auf die Phase nach dem dritten Geburts­tag des Kindes verschieben.

Tipp: Weitere Rechenbei­spiele und Tipps zum recht komplizierten Eltern­geld Plus und zum Antrag auf Eltern­zeit beim Arbeit­geber finden Sie im Artikel Ein Gewinn für Eltern. Hilf­reich ist auch das Internet­angebot des Bundes­familien­ministeriums unter www.elterngeld-plus.de.

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