Steuerklasse wechseln Special

Ob Heirat, Kind oder Gehalts­erhöhung, ob Jobverlust, Ruhe­stand oder Trennung – oft lohnt sich der Wechsel der Steuerklasse. Hier lesen Sie, welche Steuerklasse für Sie die richtige ist und wie Sie den Wechsel in die Wege leiten.

In vielen neuen Lebens­lagen kann Wechsel sinn­voll sein

Welche Steuerklassen sind für uns optimal? Das fragen sich nicht nur Frisch­vermählte. Auch wenn ein Ehepartner weniger oder mehr verdient als zuvor oder in den Ruhe­stand geht, kann eine Änderung sinn­voll sein. Mit der richtigen Klasse können Ehepaare sogar Lohn­ersatz­leistungen wie Eltern­geld optimieren. Während die Steuerklasse für die Höhe des Eltern­gelds endgültige Folgen hat, bestimmt sie bei der Lohn­steuer nur den vorläufigen Abzug. Wie viel Steuern und Soli fällig werden, steht erst nach der Steuererklärung fest.

Ein Steuerklassen­wechsel ist schnell beantragt

Der Wechsel der Steuerklassen ist schnell beim Finanz­amt beantragt. Die Änderung speichert die Behörde in Elstam, der Daten­bank für die Lohn­steuer-Abzugs­merkmale. Darauf kann jeder Arbeit­geber zugreifen und die Steuerklasse seiner Mitarbeiter abfragen, um damit die fällige Lohn­steuer zu ermitteln. Wer seine Steuerklasse geändert hat, sollte auf jeden Fall sein Lohn­büro darauf hinweisen und die Lohn­abrechnung prüfen. „Es gibt dabei immer wieder Probleme“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäfts­führer beim Bundes­verband Lohn­steuer­hilfe­ver­eine BVL. „Offensicht­lich arbeiten nicht alle Chefs mit einer Lohn­abrechnung, die auto­matisch monatlich Änderungen der Elstam-Daten abruft.“

Es gibt sechs Steuerklassen: I und II für Nicht­verheiratete, für Ehepaare die Kombinationen III und V; IV und IV; IV+Faktor und IV+Faktor. Die höchste Steuerklasse VI gilt für lohn­steuer­pflichtige Neben­jobs.

Unser Rat

Wechseln. Einmal im Jahr können Sie als Paar oder Allein­erziehende die Steuerklasse wechseln – für 2018 bis zum 30. November. Prüfen Sie unbe­dingt in Ihrer Lohn­abrechnung, ob Ihr Chef die Änderung berück­sichtigt hat.

Vergleichen. Wie Sie als Paar Ihre Steuerklassen optimal kombinieren, ermitteln Sie unter bmf-steuerrechner.de unter „Berechnung der Lohn­steuer“ und „Faktorverfahren“.

Planen. Für ein maximales Eltern­geld sollten Sie als künftige Mutter mindestens sieben Monate vor Beginn des Mutter­schutzes in der neuen Steuerklasse III sein. Weitere Informationen rund um das Thema „Eltern­geld und Steuerklasse“ erhalten Sie im kostenlosen Special Steuerklasse wechseln.

Beantragen. Um die Steuerklassen zu ändern, stellen Sie den „Antrag auf Steuerklassen­wechsel bei Ehegatten“ (Formulare-bfinv.de).

Trennen. Getrennte Ehepartner können seit 2018 problemlos von der ungüns­tigen Steuerklasse V zur Klasse IV wechseln. Der andere Partner muss nicht zustimmen.

Steuerklasse je nach Lebens­lage

Wann lohnt sich ein Wechsel der Steuerklasse? Das kann sich von Jahr zu Jahr ändern – wie bei unserem Paar Miriam und Sven. Die Grafiken im Bilderkarussell zeigen Ihnen, wie die beiden Lohn­steuer und Eltern­geld optimieren.

Tipp. Miriam sollte in die Steuerklasse II für Allein­erziehende wechseln, denn dann wird schon bei der Gehalts­abrechnung der Entlastungs­betrag für Allein­erziehende von 1 908 Euro (für jedes weitere Kind zusätzlich 240 Euro) berück­sichtigt. Sie hat im Monat rund 46 Euro mehr netto.

Tipp. Miriam sollte in die Steuerklasse II für Allein­erziehende wechseln, denn dann wird schon bei der Gehalts­abrechnung der Entlastungs­betrag für Allein­erziehende von 1 908 Euro (für jedes weitere Kind zusätzlich 240 Euro) berück­sichtigt. Sie hat im Monat rund 46 Euro mehr netto.

Tipp. Ein Wechsel lohnt nur, wenn ein Partner wesentlich mehr als der andere verdient. Weil das junge Paar mit der Kombination III/V 17,30 Euro mehr Lohn­steuer im Monat zahlen müsste, kommt ein Wechsel in die Steuerklassen III/V nicht infrage.

Tipp. Spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutter­schutzes sollte die angehende Mutter in der neuen Steuerklasse III sein, sonst rechnet die Eltern­geldkasse mit der alten Steuerklasse. Durch den recht­zeitigen Wechsel erhält Miriam 122,42 Euro mehr Eltern­geld im Monat. Zwar zahlt das Paar erst mal noch 98,85 Euro monatlich zu viel Steuer, bekommt das aber mit der Steuererklärung für das Jahr zurück.

Tipp. Die Lohn­steuerklasse III ist für Sven perfekt. Allerdings muss das Ehepaar mit etwa 231,60 Euro Steuer­nach­forderung rechnen, wenn es keine höheren Posten als bisher absetzen kann. Das Eltern­geld ist an sich zwar steuerfrei, es erhöht aber den persönlichen Steu­ersatz in der Jahres­abrechnung (Progressions­vorbehalt).

Tipp. Jetzt ist für das Paar die III/V besser als IV/IV, weil Miriam wesentlich weniger als Sven verdient. Der Besserverdienende erhält die III, der andere die V. Das Paar muss nach der Steuererklärung − die ist bei der III/V immer Pflicht − mit mehr als 871 Euro Steuer­nach­forderung rechnen, wenn es nichts weiter absetzen kann.

Tipp. Mit der Steuerklassen­kombination IV+Faktor/IV+Faktor zahlt jeder Partner entsprechend seinem Gehalt fast genau die Steuer im Voraus, die nach der Jahres­abrechnung fällig wird. Das Paar muss nicht wie bei der Kombination III/V mit Nach­forderungen rechnen − aber nur, wenn die beiden nicht mehr verdienen als bisher.

Tipp. Miriam sollte die Steuerklasse III beantragen. Das Paar sollte eine Steuererklärung machen, um vom Splitting­tarif zu profitieren. Rentner sind sowieso zur Jahres­abrechnung verpflichtet, wenn ihr Jahres­einkommen über dem steuerfreien Grund­betrag von derzeit 9 000 Euro (Ehepaare 18 000 Euro) im Jahr liegt.

Wann bekommen Nicht­verheiratete die Lohn­steuerklasse II?

Ohne Trau­schein sind Sie in der I. Sie können nur in die II wechseln, wenn Sie allein mit Ihrem Kind in einem Haushalt leben. Bedingung: Das Kind ist bei Ihnen gemeldet und es steht Ihnen das Kinder­geld zu. Mit der II haben Sie gleich mehr Netto, weil 1 908 Euro Entlastungs­betrag für Allein­erziehende im Jahr berück­sichtigt werden. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 240 Euro.

Tipp: Um die Steuerklasse zu ändern, genügt das Formular „Versicherungs­erklärung zum Entlastungs­betrag“. Wollen Sie mehr ändern – etwa einen Frei­betrag für Ihre Jobkosten beantragen, dann ist ein „Antrag auf Lohn­steuer-Ermäßigung“ nötig.

Wo kann ich prüfen, welche Steuerklasse von mir gespeichert ist?

Sie können entweder Ihre Elstam-Daten beim Finanz­amt abfragen oder unter „Mein Elster“ im Elsterportal (elster.de) nach­sehen.

Tipp: Für den Abruf brauchen Sie ein Zertifikat. Das beantragen Sie im Onlineportal.

Wir wollen heiraten. Müssen wir unsere Steuerklassen ändern?

Nach der Hoch­zeit sind Sie beide auto­matisch in der Steuerklasse IV. Danach können Sie ganz nach Wunsch die Klassen III/V oder IV+Faktor/IV+Faktor kombinieren. Die Höhe der Lohn­steuer in Steuerklasse IV entspricht der in Klasse I. Verdienen Sie beide gleich viel, ist meist die IV/IV optimal. Ist Ihr Einkommen jedoch unterschiedlich hoch, sollten Sie mit einem Steuer­rechner vergleichen, ob die III/V oder IV+Faktor/IV+Faktor güns­tiger für Sie ist (siehe Unser Rat, oben).

Tipp: Mit der IV/IV sind Sie nicht zur Steuererklärung verpflichtet, wenn Sie weder Lohn­ersatz noch Krankengeld erhielten. Machen Sie aber trotzdem eine. Dann können Sie noch Steuer­abzüge – etwa durch Kosten für haus­halts­nahe Dienste – geltend machen. Nur so erhalten Sie zu viel gezahlte Steuer zurück.

Wann sollten wir als Ehepaar zu den Klassen III und V wechseln?

Sie sollten wechseln, wenn ein Partner allein rund 60 Prozent des Familien­bruttos erzielt. Der Haupt­verdiener nimmt dann die III und hat mehr Netto, weil er viel weniger Lohn­steuer als in der IV zahlt. Der andere Partner mit weniger Einkommen muss dann die V nehmen und hat relativ hohe Abzüge. Mit der III/V können Sie sich ein hohes monatliches Familien­einkommen sichern, weil beim Ehepartner mit Steuerklasse III Frei­beträge wie der Grund­frei­betrag von derzeit 9 000 Euro ange­rechnet werden, die eigentlich dem Ehepartner mit der V zustehen.

Achtung: Mit der III/V müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Häufig kommt es zur Steuer­nach­forderung. Beträgt sie mehr als 400 Euro, kann das Finanz­amt für das kommende Jahr Voraus­zahlungen verlangen.

Beispiel: Peter Mann hat 80 000 Euro brutto im Jahr, seine Frau Edith 25 000 Euro. Peter zahlt inklusive Soli 14 205 Euro Lohn­steuer in der III, seine Frau 5 577 Euro in der V. Das Paar kommt auf 88 552 Euro steuer­pflichtiges Einkommen. Inklusive Soli werden 21 573 Euro Einkommensteuer fällig. Folg­lich müssen die Manns 1 791 Euro nach­zahlen.

Tipp: Noch mehr Netto können Sie in Klasse III rausholen, wenn Sie sich Frei­beträge anrechnen lassen, die Ihrem Partner zustehen – wie ein Schwerbehindertenpausch­betrag.

Wann lohnt sich für uns als Ehepaar Klasse IV+Faktor für beide?

Das ist für Sie perfekt, wenn Sie Steuer­nach­forderungen vermeiden wollen. Bei IV+Faktor ermittelt das Finanz­amt einen Rechen­faktor anhand Ihres konkreten Brutto­einkommens, um die Lohn­steuer fast genau zu berechnen.

Beispiel: Würden die Manns mit 80 000 und 25 000 Euro Brutto die Steuerklassen IV+Faktor nehmen, hätten sie zwar im Monat etwas weniger Netto als mit der Kombination III/V. Sie müssten aber nach der Steuererklärung nur knapp 18 Euro inklusive Soli nach­zahlen.

Tipp: Untauglich ist diese pass­genaue Rechnung, wenn sich Ihr Einkommen verändert. Gehalts­erhöhungen, Bonuszah­lungen und Prämien sorgen dafür, dass der Faktor nicht mehr passt und das Finanz­amt nach der Steuererklärung mehr Steuern verlangt.

Muss mein Ehemann einem Steuerklassen­wechsel zustimmen?

Nicht in jedem Fall. Seit 2018 können Sie von Klasse III oder V in die Steuerklasse IV wechseln – auch ohne dass Ihr Mann zustimmt. Er kommt dann auch in IV. Früher ging das nur bei gemein­samem Antrag.

Tipp: Wollen Sie von der IV in die Steuerklasse III oder V wechseln, müssen Sie das nach wie vor als Ehepaar gemein­sam beantragen.

Was muss ich als Ehefrau tun, um mehr Eltern­geld zu bekommen?

Sie müssen recht­zeitig vor der Geburt des Kindes die Steuerklasse III haben. Denn für die Höhe des Eltern­geldes ist – wie bei anderem Lohn­ersatz­geld – das vorherige Netto­gehalt maßgeblich. Das ist in der III am höchsten, weil die Lohn­steuer am geringsten ist. Zwar muss dann Ihr Mann die V nehmen und höhere Lohn­steuer­abzüge in Kauf nehmen. Aber die zu viel gezahlte Lohn­steuer erhalten Sie nach der Steuererklärung zurück. Damit die Behörde den Wechsel der Steuerklasse akzeptiert, müssen Sie diese Fristen einhalten:

Eltern­geld. Sie müssen schnell sein. Sobald Sie schwanger sind, sollten Sie in der neuen Steuerklasse III sein – spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutter­schutzes, sonst rechnet die Eltern­geldkasse mit der alten. Alle Details rund um das Thema „Eltern­geld und Steuerklasse“ erhalten Sie im kostenlosen Special Steuerklasse wechseln.

Mutter­schutz­geld. Die güns­tigere Steuerklasse für höhere Leistungen sollte spätestens drei Monate vor Beginn des Mutter­schutzes gelten. Eine Garantie auf mehr Geld gibt es nicht. Der Chef muss den Wechsel nur akzeptieren, wenn er steuerlich sinn­voll ist. Ein Wechsel zur IV+Faktor geht aber immer.

Arbeits­losengeld. Schon im Januar des Jahres, in dem die Arbeits­losig­keit beginnt, muss die güns­tigere Steuerklasse gelten. Später akzeptiert die Arbeits­agentur nur steuerlich sinn­volle Wechsel, etwa zu Klasse IV+Faktor oder in Klasse III für den Besserverdienenden.

Kurz­arbeitergeld. Als Kurz­arbeiter können Sie vor und während der Kurz­arbeit wechseln.

Krankengeld. Die neue Steuerklasse muss spätestens einen Monat vor dem absehbaren Beginn der Arbeits­unfähigkeit gelten.

Tipp: Reicht das Geld nicht zum Leben, wenn der Haupt­verdiener mit Klasse V weniger netto hat, sollten Sie beide die Steuerklasse IV nehmen. Haben Sie die Frist verpasst, ist ein Wechsel zu IV+Faktor immer möglich.

Welche Klasse nehme ich, wenn mein Ehemann in Rente geht?

Arbeiten Sie noch weiter, sollten Sie die Lohn­steuerklasse III nehmen.

Tipp: Machen Sie eine Steuererklärung. Dann profitieren Sie vom Splitting­tarif: Ihre beiden Einkommen werden addiert und dann erst wird die Höhe der Steuer bemessen.

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