Steuerklasse ändern

Großes Plus beim Lohn­ersatz

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Mit der passenden Steuerklasse steigt das Netto­gehalt. Danach richtet sich auch die Höhe von Lohn­ersatz­leistungen wie dem Kurz­arbeitergeld. Was zu beachten ist.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen begleiten viele Unternehmen und ihre Beschäftigten auch 2022. Die Sorge vor Lock­down, Arbeits­losig­keit und Kurz­arbeit ist weiter aktuell. Noch kurz vor dem Jahres­wechsel hat die Bundes­regierung die Sonder­regeln, durch die ein längerer Bezug und ein leichterer Zugang zum Kurz­arbeitergeld möglich ist, bis Ende März 2022 verlängert. Ursprüng­lich sollten diese Vorteile Ende 2021 auslaufen.

Immerhin haben viele Arbeitnehmer die Chance, Lohn­ersatz­leistungen wie Kurz­arbeiter-, Eltern- und Krankengeld aus eigener Kraft zu erhöhen. Wechseln Verheiratete und Allein­erziehende in eine güns­tigere Steuerklasse, steigern sie ihren Netto­verdienst und können dadurch mehr Lohn­ersatz heraus­holen.

Kurz­arbeitende profitieren schnell vom Steuerklassen­wechsel

Dass sogar kurz­fristig ein großes Plus möglich ist, zeigen wir am Beispiel eines Familien­vaters: Matteo ist seit Anfang 2022 für drei Monate in Kurz­arbeit. Im Januar hat er mit Ehefrau Kathrin die Steuerklassen getauscht und erhält ab Februar monatlich 291 Euro mehr Kurz­arbeitergeld.

Steuerklasse ändern - Das ist Ihre optimale Steuerklasse
© Stiftung Warentest / René Reichelt

Das Plus ergibt sich, weil Matteo in seiner neuen Steuerklasse III deutlich weniger Lohn­steuer zahlen muss als vorher in Klasse V. Steuerklasse III ist für verheiratete Arbeitnehmer am güns­tigsten, weil der Arbeit­geber hier am meisten Steuerfrei­beträge berück­sichtigt, wenn er die monatlich fällige Lohn­steuer ermittelt. Ab Februar bleiben Matteo somit von seinen 3 000 Euro Brutto­verdienst netto 2 267 Euro. Im Januar in Klasse V kam er nur auf 1 691 Euro netto.

Dazu erhält er das Kurz­arbeitergeld, dessen Höhe von seinem Netto­einkommen abge­leitet wird. Als Vater bekommt er 67 Prozent seines Netto-Verdienst­ausfalls. Im Januar waren das 850 Euro, im Februar sind es 1 141 Euro.

Je nach Lohn­ersatz zeitlichen Vorlauf einplanen

Matteo kann vom Steuerklassen­wechsel profitieren, obwohl die Kurz­arbeit bereits begonnen hat. Bei anderen Ersatz­leistungen ist ein längerer zeitlicher Vorlauf nötig:

Krankengeld. Die güns­tige Steuerklasse III muss spätestens einen Monat vor Beginn der Arbeits­unfähigkeit in den Lohn­steuer­daten des Arbeitnehmers stehen. Sonst berück­sichtigt die Krankenkasse sie nicht, wenn sie die Höhe des Krankengeldes ermittelt.

Arbeits­losengeld 1. Steuerklasse III sollte spätestens im Januar des Jahres gelten, in dem die Arbeits­losig­keit beginnt. Einen späteren Wechsel akzeptiert die Arbeits­agentur nur, wenn er steuerlich sinn­voll ist und zum Verhältnis der Monats­verdienste beider Partner passt. Ein Wechsel in die Klassen IV oder IV plus Faktor, die Ehepaaren neben den Klassen III und V offen­stehen, ist immer möglich.

Eltern­geld. Arbeitnehme­rinnen sollten möglichst bereits bei Kinder­wunsch in Klasse III wechseln. Sie müssen den Wechsel spätestens sieben Monate vor dem Monat beantragen, in dem der Mutter­schutz beginnt. Wollen Beamtinnen oder die werdenden Väter möglichst viel Eltern­geld beziehen, reicht es, wenn sie Steuerklasse III spätestens sieben Monate vor dem Geburts­monat beantragen, da sie kein Mutter­schafts­geld erhalten. Alle Details rund um das Thema „Eltern­geld und Steuerklasse“ erhalten werdende Eltern im Report Steuerklasse wechseln: Ein Riesenplus beim Elterngeld.

Ungüns­tige Lohn­steuerklasse für Ehepartner

Mit Matteos Wechsel in Steuerklasse III ist Kathrin auto­matisch in die ungüns­tige Steuerklasse V gerutscht. Ihr stehen nun weniger Steuerfrei­beträge zu. Dementsprechend sinkt ihr Netto­gehalt von 3 453 auf 2 607 Euro im Monat. In Summe zahlt das Paar sogar 270 Euro mehr Lohn­steuer als vorher.

Das Minus nehmen die beiden aber in Kauf: zum einen, weil ihnen das zusätzliche Kurz­arbeitergeld ohne den Wechsel entgangen wäre, zum anderen, weil sie sich die zu viel gezahlte Lohn­steuer mit der nächsten Steuererklärung zurück­holen können.

Steuerklasse ändern mehr­mals möglich

Endet Matteos Kurz­arbeit, können Kathrin und er über­legen, die Steuerklassen erneut zu ändern. Als Ehepaar stehen ihnen dann die Steuerklassen­kombinationen III und V, IV und IV plus Faktor offen.

Tipp: Sie sind in Kurz­arbeit oder erwarten, dass der Chef sie bald anordnet? Mit unserem Kurzarbeitergeld-Rechner können Sie ermitteln, wie viel Geld Sie je nach Steuerklasse erhalten.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 05.05.2022 um 15:03 Uhr
Einzelveranlagung

@sichergehen: In manchen Fällen können Ehepaare mit der Einzelveranlagung Steuern sparen. Bitte lesen Sie den folgenden Artikel dazu:
www.test.de/Steuererklaerung-Wann-eine-Einzelveranlagung-guenstiger-ist-5663300-0

sichergehen am 02.05.2022 um 21:18 Uhr
Kein Kommentar - AnfragSteuern zahlen im Ruhestand

Guten Abend,
Mit großem Interesse verfolge ich auch Berichte über Steuerzahlung der Stiftung Warentest/Finanztest. Natürlich können Sie nicht alle Möglichkeiten darstellen. Wir müssen jährlich für Pension bzw. Rente Steuern nachzahlen. Ist der Ehegattensplitting nachteilig in manchen Lebenssituationen? Gibt es dazu Veröffentlichungen/Berichte,die ich übersehen habe? Vielleicht ist es eine Anregung für die Redaktion, das Thema aus einer anderen Sicht anzugehen.
Freundliche Grüße

Profilbild Stiftung_Warentest am 09.03.2022 um 14:43 Uhr
Steuerklassenwechsel oder Steuererklärung

@alle: Niemand ist verpflichtet, sein Nettogehalt durch die Wahl einer passenden Steuerklasse zu optimieren. Über die Steuererklärung wird die tatsächlich zu zahlende Lohnsteuer abgerechnet. Wer zuvor zu viel Lohnsteuer abgeführt hat, bekommt die Überzahlung mit der Steuererklärung zurück.
Im Bereich der Lohnersatzleistungen kann die Wahl einer günstigen Lohnsteuerklasse dazu führen, dass es zum Beispiel mehr Elterngeld gibt. Der rechtzeitige Wechsel der Lohnsteuerklasse ist ein legaler Steuertrick.

CopyPasta am 07.03.2022 um 12:09 Uhr
Steuerklassenwechsel oder Steuererklärung

@Archivnutzer: Ich habe mir die ähnliche Frage gestellt. Mir wäre es lieber, eher am Ende des Jahres eine (größere) Rückerstattung zu erhalten, als die Steuerklasse unterjährig "optimiert" zu haben und am Ende einen (kleinen) Betrag nachzahlen zu müssen.
@catmandoo: Danke für die Erklärung. -- @TEST: Gibt es dazu auch nochmal eine Bestätigung durch die Moderation? Könnte man das nicht direkt in den Artikel übernehmen oder habe ich es übersehen?!

catmandoo am 06.03.2022 um 23:44 Uhr
Steuerklassen zur Optimierung abschaffen

@Archivnutzer:
Es steht im Artikel, dass es nach der Steuererklärung keinen Unterschied mehr macht. Die Steuerklasse regelt nur, wieviel mehr/weniger Geld man während dem Jahr hat.
Da man bei optimierten Steuerklassen bei der Steuererklärung wenig zurück bekommt oder sogar nachzahlen muss, wäre ich dafür, dass man einfach alle "Optimierungen" abschafft. Nach der Steuererklärung bekommt man dann ein mehr oder weniger überraschendes Geldgeschenk. Das finde ich viel besser und nutze diese "Sonderzahlung" für "Sonderausgaben" (Urlaub, Geldanlage, Geräte, ...).
PS: Die Steuerklasse spielt wie erwähnt beim Absolutbetrag des Geldes nach Steuererklärung keine Rolle. Bei Lohnersatzleistungen (Kurzarbeitergeld, Elterngeld, ...) in der ZUKUNFT spielt das Netto-Gehalt aber eine Rolle. Mit den Steuerklassen kann man diese zukünftigen Gelder optimieren. Da ich sowas unfair finde (v.a. für die "Standard-Mutter" in Steuerklasse V), ist das noch ein weiterer Grund, die Steuerklassen abzuschaffen.