Steuerklasse ändern Das ist Ihre optimale Steuerklasse

Steuerklasse ändern - Das ist Ihre optimale Steuerklasse
Clever wechseln. Das Eltern­geld ist mit Steuerklasse III für Ehepartner am höchsten. So sollte die künftige Mutter, die das Eltern­geld erhält, spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutter­schutzes in der III sein, ihr Mann in der V. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Ob Heirat, Kind, Karriere oder Jobverlust – oft lohnt sich ein Steuerklassen­wechsel. Lesen Sie, welche Steuerklasse für Sie die richtige ist und was es zu beachten gibt.

Inhalt

In neuen Lebens­lagen kann Wechsel sinn­voll sein

Welche Steuerklassen sind für uns optimal? Das fragen sich nicht nur Frisch­vermählte. Auch wenn ein Ehepartner weniger oder mehr verdient als zuvor oder in den Ruhe­stand geht, kann eine Änderung sinn­voll sein. Mit der richtigen Klasse können Ehepaare sogar Lohn­ersatz­leistungen wie Eltern­geld optimieren. Während die Steuerklasse für die Höhe des Eltern­gelds endgültige Folgen hat, bestimmt sie bei der Lohn­steuer nur den vorläufigen Abzug. Wie viel Steuern und Soli fällig werden, steht erst nach der Steuererklärung fest.

Eine Änderung der Steuerklasse ist schnell beantragt

Der Wechsel der Steuerklassen ist schnell beim Finanz­amt beantragt. Die Änderung speichert die Behörde in Elstam, der Daten­bank für die Lohn­steuer-Abzugs­merkmale. Darauf kann jeder Arbeit­geber zugreifen und die Steuerklasse seiner Mitarbeiter abfragen, um damit die fällige Lohn­steuer zu ermitteln. Wer seine Steuerklasse geändert hat, sollte auf jeden Fall sein Lohn­büro darauf hinweisen und die Lohn­abrechnung prüfen. „Es gibt dabei immer wieder Probleme“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäfts­führer beim Bundes­verband Lohn­steuer­hilfe­ver­eine BVL. „Offensicht­lich arbeiten nicht alle Chefs mit einer Lohn­abrechnung, die auto­matisch monatlich Änderungen der Elstam-Daten abruft.“

Es gibt sechs Steuerklassen: I und II für Nicht­verheiratete, für Ehepaare die Kombinationen III und V, IV und IV sowie IV+Faktor und IV+Faktor. Die höchste Steuerklasse VI gilt für lohn­steuer­pflichtige Neben­jobs.

Unser Rat

Wechseln.
Für das laufende Jahr können Sie einen Steuerklassen­wechsel jeweils bis zum 30. November beim Finanz­amt beantragen. Die Steuerklasse können Sie auch mehr­fach im Jahr wechseln. Prüfen Sie unbe­dingt in Ihrer Lohn­abrechnung, ob Ihr Chef die Änderung berück­sichtigt hat.
Vergleichen.
Wie Sie als Paar Ihre Steuerklassen optimal kombinieren, ermitteln Sie unter bmf-steuerrechner.de unter „Berechnung der Lohn­steuer“ und „Faktorverfahren“.
Planen.
Lohn­ersatz­leistungen wie Kurz­arbeitergeld oder Eltern­geld berechnen sich nach dem Netto­gehalt. Hier kann sich ein recht­zeitiger Steuerklassen­wechsel lohnen. Hilfe bietet unser Rechner Kurzarbeitergeld. Für ein maximales Eltern­geld sollten Sie als künftige Mutter mindestens sieben Monate vor Beginn des Mutter­schutzes in der neuen Steuerklasse III sein. Weitere Informationen rund um das Thema „Eltern­geld und Steuerklasse“ erhalten Sie im kostenlosen Special Steuerklasse wechseln.
Beantragen.
Um die Steuerklassen zu ändern, stellen Sie den „Antrag auf Steuerklassen­wechsel bei Ehegatten“ (Formulare-bfinv.de).
Trennen.
Getrennte Ehepartner können seit 2018 problemlos von der ungüns­tigen Steuerklasse V zur Klasse IV wechseln. Der andere Partner muss nicht zustimmen.

Wann bekommen Nicht­verheiratete die Lohn­steuerklasse II?

Ohne Trau­schein sind Sie in der I. Sie können nur in die II wechseln, wenn Sie allein mit Ihrem Kind in einem Haushalt leben. Bedingung: Das Kind ist bei Ihnen gemeldet und es steht Ihnen das Kinder­geld zu. Mit der II haben Sie gleich mehr Netto, weil 4 008 Euro Entlastungs­betrag für Allein­erziehende im Jahr berück­sichtigt werden. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 240 Euro.

Tipp: Um die Steuerklasse zu ändern, genügt das Formular „Versicherungs­erklärung zum Entlastungs­betrag“. Wo Sie dies finden und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen, lesen Sie in unserem Steuerklassen-Special für Alleinerziehende. Wollen Sie mehr ändern – etwa einen Frei­betrag für Ihre Jobkosten beantragen – dann ist ein „Antrag auf Lohn­steuer-Ermäßigung“ nötig.

Wo kann ich prüfen, welche Steuerklasse von mir gespeichert ist?

Sie können entweder Ihre Elstam-Daten beim Finanz­amt abfragen oder unter „Mein Elster“ im Elsterportal (elster.de) nach­sehen.

Tipp: Für den Abruf brauchen Sie ein Zertifikat. Das beantragen Sie im Onlineportal.

Wir wollen heiraten. Müssen wir unsere Steuerklassen ändern?

Nach der Hoch­zeit sind Sie beide auto­matisch in der Steuerklasse IV. Danach können Sie ganz nach Wunsch die Klassen III/V oder IV+Faktor/IV+Faktor kombinieren. Die Höhe der Lohn­steuer in Steuerklasse IV entspricht der in Klasse I. Verdienen Sie beide gleich viel, ist meist die IV/IV optimal. Ist Ihr Einkommen jedoch unterschiedlich hoch, sollten Sie mit einem Steuer­rechner vergleichen, ob die III/V oder IV+Faktor/IV+Faktor güns­tiger für Sie ist (siehe Unser Rat, oben).

Tipp: Mit der IV/IV sind Sie nicht zur Steuererklärung verpflichtet, wenn Sie weder Lohn­ersatz noch Krankengeld erhielten. Machen Sie aber trotzdem eine. Dann können Sie noch Steuer­abzüge – etwa durch Kosten für haus­halts­nahe Dienste – geltend machen. Nur so erhalten Sie zu viel gezahlte Steuer zurück. Welche recht­lichen und steuerlichen Vorteile – aber auch Pflichten – mit einer Eheschließung einhergehen, beleuchtet unser Special Heiraten.

Wann sollten wir als Ehepaar zu den Klassen III und V wechseln?

Sie sollten wechseln, wenn ein Partner allein rund 60 Prozent des Familien­bruttos erzielt. Der Haupt­verdiener nimmt dann die III und hat mehr Netto, weil er viel weniger Lohn­steuer als in der IV zahlt. Der andere Partner mit weniger Einkommen muss dann die V nehmen und hat relativ hohe Abzüge. Mit der III/V können Sie sich ein hohes monatliches Familien­einkommen sichern, weil beim Ehepartner mit Steuerklasse III Frei­beträge wie der Grund­frei­betrag von 9 744 Euro (9 984 Euro in 2022) ange­rechnet werden, die eigentlich dem Ehepartner mit der V zustehen.

Achtung: Mit der III/V müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Häufig kommt es zur Steuer­nach­forderung. Beträgt sie mehr als 400 Euro, kann das Finanz­amt für das kommende Jahr Voraus­zahlungen verlangen.

Tipp: Noch mehr Netto können Sie in Klasse III rausholen, wenn Sie sich Frei­beträge anrechnen lassen, die Ihrem Partner zustehen – wie ein Schwerbehindertenpausch­betrag.

Wann lohnt sich für uns als Ehepaar Klasse IV+Faktor für beide?

Das ist für Sie perfekt, wenn Sie Steuer­nach­forderungen vermeiden wollen. Bei IV+Faktor ermittelt das Finanz­amt einen Rechen­faktor anhand Ihres konkreten Brutto­einkommens, um die Lohn­steuer fast genau zu berechnen.

Tipp: Untauglich ist diese pass­genaue Rechnung, wenn sich Ihr Einkommen verändert. Gehalts­erhöhungen, Bonuszah­lungen und Prämien sorgen dafür, dass der Faktor nicht mehr passt und das Finanz­amt nach der Steuererklärung mehr Steuern verlangt.

Muss mein Ehemann einem Steuerklassen­wechsel zustimmen?

Nicht in jedem Fall. Seit 2018 können Sie von Klasse III oder V in die Steuerklasse IV wechseln – auch ohne dass Ihr Mann zustimmt. Er kommt dann auch in IV. Früher ging das nur bei gemein­samem Antrag.

Tipp: Wollen Sie von der IV in die Steuerklasse III oder V wechseln, müssen Sie das nach wie vor als Ehepaar gemein­sam beantragen.

Was muss ich als Ehefrau tun, um mehr Eltern­geld zu bekommen?

Sie müssen recht­zeitig vor der Geburt des Kindes die Steuerklasse III haben. Denn für die Höhe des Eltern­geldes ist – wie bei anderem Lohn­ersatz­geld – das vorherige Netto­gehalt maßgeblich. Das ist in der III am höchsten, weil die Lohn­steuer am geringsten ist. Zwar muss dann Ihr Mann die V nehmen und höhere Lohn­steuer­abzüge in Kauf nehmen. Aber die zu viel gezahlte Lohn­steuer erhalten Sie nach der Steuererklärung zurück. Damit die Behörde den Wechsel der Steuerklasse akzeptiert, müssen Sie diese Fristen einhalten:

Eltern­geld. Sie müssen schnell sein. Sobald Sie schwanger sind, sollten Sie in der neuen Steuerklasse III sein – spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutter­schutzes, sonst rechnet die Eltern­geldkasse mit der alten. Alle Details rund um das Thema „Eltern­geld und Steuerklasse“ erhalten Sie im kostenlosen Steuerklassen-Special für werdende Eltern.

Mutter­schutz­geld. Die güns­tigere Steuerklasse für höhere Leistungen sollte spätestens drei Monate vor Beginn des Mutter­schutzes gelten. Eine Garantie auf mehr Geld gibt es nicht. Der Chef muss den Wechsel nur akzeptieren, wenn er steuerlich sinn­voll ist. Ein Wechsel zur IV+Faktor geht aber immer.

Arbeits­losengeld. Schon im Januar des Jahres, in dem die Arbeits­losig­keit beginnt, muss die güns­tigere Steuerklasse gelten. Später akzeptiert die Arbeits­agentur nur steuerlich sinn­volle Wechsel, etwa zu Klasse IV+Faktor oder in Klasse III für den Besserverdienenden.

Kurz­arbeitergeld. Als Kurz­arbeiter können Sie vor und während der Kurz­arbeit wechseln.

Krankengeld. Die neue Steuerklasse muss spätestens einen Monat vor dem absehbaren Beginn der Arbeits­unfähigkeit gelten.

Tipp: Reicht das Geld nicht zum Leben, wenn der Haupt­verdiener mit Klasse V weniger netto hat, sollten Sie beide die Steuerklasse IV nehmen. Haben Sie die Frist verpasst, ist ein Wechsel zu IV+Faktor immer möglich.

Welche Klasse nehme ich, wenn mein Ehemann in Rente geht?

Arbeiten Sie noch weiter, sollten Sie die Lohn­steuerklasse III nehmen.

Tipp: Machen Sie eine Steuererklärung. Dann profitieren Sie vom Splitting­tarif: Ihre beiden Einkommen werden addiert und dann erst wird die Höhe der Steuer bemessen.

Single oder mit Partner? Die richtige Steuerklasse für jede Lebens­lage

Zwei Artikel zu einem vielschichtigen Thema.
Den Artikel „Steuerklasse wechseln“ (Finanztest 8/2018) können Sie kostenlos auch als PDF-Fassung lesen, ebenso die PDF-Fassung des Artikels „Steuererklärung: Verliebt, verlobt, verheiratet“ (Finanztest 10/2018).

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11 Kommentare Diskutieren Sie mit

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wernergustav am 23.11.2021 um 17:17 Uhr
Steuerklasse bei getrennt lebenden Ehepartnern

Wenn ich es richtig verstanden habe kommen Ehepartner nach Trennung automatisch in Klasse I ohne das es erst zur Scheidung kommen muss. Das geschieht unabhängig davon.

Profilbild Stiftung_Warentest am 28.10.2020 um 13:55 Uhr
Steuerklasse wechseln

AE-16062020: Bitte nutzen Sie den oben im Artikel genannten Rechner auf der Seite des Bundesministeriums für Finanzen. Damit können Sie anhand der konkreten Zahlen berechnen, wie hoch die Steuerlast bei der Wahl unterschiedlicher Lohnsteuerklassen sein wird.(PH)

AE-16062020 am 28.10.2020 um 10:20 Uhr
Steuerklasse wechseln

Hi zusammen,
benötige bitte eure Hilfe... da ich bei dem Thema Steuern nicht klar komme...
Meine Frau und Ich befinden uns aktuell beide in Steuer-Klasse 4.
Wir haben im Juni Zwillinge bekommen und meine Frau ist jetzt für ein Jahr zu Hause.
Verdienst Brutto lag vor Geburt bei meiner Frau bei ca. 38.400 EURO Brutto im Jahr.
Wir haben vor Geburt keine Steuerklassen gewechselt.
Mein Verdienst liegt bei ca. 65000-70000 € Brutto im Jahr .
In welche Steuerklassen sollten wir wechseln und welchen Unterschied macht es monatlich tatsächlich aus ?
Haben wir am ende des Jahres Steuernachteile ?
Danke für eure Hilfe und Grüße

Profilbild Stiftung_Warentest am 13.12.2019 um 12:35 Uhr
Steuerklasse bei Kurzarbeit

@jo123: Bitte nutzen Sie den o.g. Rechner auf der Seite des Bundesministeriums für Finanzen. Damit können Sie anhand der konkreten Zahlen berechnen, wie hoch die Steuerlast bei der Wahl unterschiedlicher Lohnsteuerklassen sein wird. (maa)

jo123 am 11.12.2019 um 16:04 Uhr
Steuerklasse bei Kurzarbeit

Habe folgende Konstellation: Der Ehemann verdient 75% des gemeinsamen Einkommens, die Ehefrau 25%, beide sind in Steuerklasse IV. Der Ehemann kommt nun in Kurzarbeit, die Zuzahlung richtet sich hier nach dem Nettoeinkommen. Macht es Sinn, dass der Ehemann nun die Steuerklasse III wählt, die Ehefrau Steuerklasse V? Oder gleicht sich das bei der Jahreseinkommenssteuer wieder aus? Zu welchem Zeitpunkt kann die Steuerklasse gewechselt werden?