Steuerklasse Neue Wahl für Ehepaare

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Die Lohnsteuerkarte für 2010 ist die letzte ihrer Art, danach geht es elektronisch weiter. Außerdem können Ehepaare jetzt eine neue Steuerklasse wählen: die mit dem „Faktor“.

Das Ende der Pappe: Nach fast 90 Jahren gibt es die 1925 eingeführte Lohnsteuerkarte nun zum letzten Mal auf farbigem, diesmal gelbem Karton. Sie ist jetzt sogar für zwei Jahre gültig, für 2010 und für 2011. Wer den Arbeitsplatz wechselt, nimmt die alte Karte mit in die neue Firma. Für alle Eintragungen und Änderungen wie etwa Freibeträge ist nun das Finanzamt zuständig, nicht mehr die Gemeinde.

Ab 2012 rufen Firmen die Daten direkt beim Finanzamt ab. Beschäftigte teilen ihrem Arbeitgeber dann nur ihre Steueridentifikationsnummer und ihr Geburtsdatum mit. Damit fragt die Personalstelle alle notwendigen Daten wie Steuerklasse, Freibeträge, Kirchensteuer, Kinderfreibeträge beim Bundeszentralamt für Steuern ab, um die Lohnsteuer elektronisch abzurechnen.

Neu ist ab 2010 auch, dass Arbeitnehmer-Ehepaare erstmals zwischen drei Steuerklassenkombinationen wählen können. Die Kombination der Steuerklassen IV/IV ist erste Wahl, wenn beide etwa gleich viel verdienen. Bei hohem Unterschied der beiden Gehälter bringt die Kombination III/V mehr Netto im Monat. Sie lohnt sich, wenn ein Partner mindestens 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens erzielt. Das Paar hat dann insgesamt mehr Monatsnetto, weil das höhere Einkommen in Klasse III relativ mild besteuert wird, das geringere Einkommen in Klasse V hingegen hoch.

Neue Klasse IV/IV mit Faktor

Neu hinzu kommt die Steuerklasse IV/IV mit Faktor. Sie soll einen Nachteil der Kombination III/V ausgleichen: Bei ihr kann es nämlich bei der Schlussabrechnung in der Jahressteuererklärung zu Steuernachzahlungen kommen. Je größer der Lohnunterschied, desto höher die Nachzahlungen. Wer das vermeiden will, liegt nun mit der neuen Faktorkombination richtig. Sie berücksichtigt beim Lohnsteuerabzug bei jedem Entlastungsfaktoren wie Grund­frei­be­trag, Kinderfreibetrag, Sonderausga­benabzug und Vorsorge­pau­schale, die beiden Ehepartnern persönlich zustehen, und korrigiert mit dem Faktor die Steuerprogression, die durch die ungleiche Einkommensverteilung entsteht.

Das führt dazu, dass die Steuerbelastung in Klasse V deutlich sinkt und der tatsächlichen Verteilung der Einkommen unter den Ehepartnern entspricht. Dann bleibt dem geringer verdienenden Partner – zu 93  Prozent sind das Frauen – nicht mehr nur ein sehr kleiner Teil seines Bruttoge­halts netto übrig. Damit soll die Erwerbstätigkeit von Frauen attraktiver und ihr beruflicher Wiedereinstieg gefördert werden.

Der Faktor wird für jedes Ehepaar individuell berechnet. Das Finanzamt legt die vor­aussichtlichen Arbeitslöhne der Ehepartner zugrunde und setzt die Lohnsteuerbelastung in den Klassen IV/IV mit der voraussichtlichen Jahressteuer nach Splittingtarif ins Verhältnis. Wenn der so ermittelte Faktor kleiner ist als 1, wird er auf drei Nachkommastellen genau in beide Lohnsteuerkarten eingetragen. Die Arbeitgeber ziehen dann die Lohnsteuer auf Basis der Steuerklasse IV ab und multiplizieren sie mit dem Faktor.

Antrag jetzt stellen

Wer in diese neue Steuerklasse wechseln möchte, kann dies beim Finanzamt beantragen. Dabei müssen die voraussichtlichen Jahresgehälter beider Ehepartner aus ihrem jeweiligen Hauptarbeitsverhältnis genannt werden. Arbeitslöhne aus weite­ren Jobs, die nach Steuerklasse VI besteuert werden, bleiben bei der Faktorberechnung unberücksichtigt.

Paare können den Antrag jetzt stellen, denn eine Änderung der Steuerklasse ist in der Regel einmal im Jahr möglich – spätestens bis zum 30. November. Die neue Kombination gilt dann ab dem folgenden Monat.

Wichtig: Wenn Ehepaare statt der Steuerklassen III/V das Faktorverfahren wählen, zahlt der Partner mit dem höheren Verdienst monatlich mehr Lohnsteuer als bisher. Unter dem Strich gelangt als Monatsnetto also etwas weniger aufs Konto.

Beispiel: Verdient der Partner in Klasse III im Jahr 2010 monatlich 3 000 Euro brutto, werden 246 Euro Lohnsteuer abgezogen. Verdient der andere Partner in Klasse V 1 700 Euro brutto, sind 354 Euro Lohnsteuer fällig – insgesamt also 600 Euro. Wechseln die Doppelverdiener zu IV/IV + F werden dem Besserverdiener rund 470 Euro Lohnsteuer abgezogen, dem weniger Verdienenden 150 Euro – insgesamt rund 620 Euro.

Die Ehegatten müssen beim Faktor eine Steuererklärung machen, eine Abweichung von der tatsächlichen Jahressteuer wird beim Steuerjahresausgleich ausgeglichen.

Freibeträge sind weiter drin

Auch beim Faktorverfahren können Freibe­träge zum Beispiel für höhere Werbungskosten, für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerarbeiten oder für Kinderbetreuungskosten schon im Jahresverlauf beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden. Das Finanzamt muss die Freibeträge wie bisher eintragen. Die Beamten berücksichtigen sie dann bei der Berechnung des Faktors. Es empfiehlt sich daher für Paare, gleichzeitig mit dem Faktor auch diese Freibeträge zu beantragen.

Datenschutzrechtlich ist der Faktor auf den Lohnsteuerkarten nicht unproblematisch. Arbeitgeber können damit Rückschlüsse auf die ehelichen Einkommensverhältnisse ziehen. Das kann negative Konse­quenzen haben, zum Beispiel wenn die Sozialauswahl bei Entlassungen eine Rolle spielt und Arbeitgeber diese Kenntnis in ihre Entscheidungen einfließen lassen.

Mehr Lohnersatz

Besonders wichtig ist eine günstige Steuerklasse, wenn einer der Partner bald Mutterschaftsgeld, Kurzarbeitergeld, Krankengeld oder andere Lohnersatzleistungen bezieht. Denn die Höhe dieser Leistungen hängt vom bisherigen Nettoeinkommen ab. Dasselbe gilt fürs Elterngeld. Wer die Klasse III wählt, fährt bei Lohnersatzleistungen nach wie vor am besten. Daran hat auch der neue Faktor nichts geändert.

Beispiel: Verdient eine verheiratete werdende Mutter 2010 in Steuerklasse V 1 700 Euro brutto monatlich, erhält sie in der Babypause 640 Euro Elterngeld im Monat. Wechselt sie rechtzeitig in die Steuerklasse III, sind es 216 Euro mehr. In der neuen Steuerklasse IV + F sind es rund 102 Euro mehr.

Wichtig: Für das Arbeitsamt zählt die Steuerklasse, die zu Beginn des Jahres auf der Lohnsteuerkarte steht. Wer die Kombination wechseln möchte, weil ein Partner demnächst die Arbeit verliert, muss das also vor dem 1. Januar tun.

Stellt sich aber zum Beispiel erst im April 2010 heraus, dass ein Partner im August arbeitslos wird, hat ein Antrag auf Wechsel der Steuerklasse im Lauf des Jahres beim Arbeitsamt meist keinen Erfolg.

Anders ist das beim Elterngeld: Die Elterngeldstellen müssen einen Wechsel ohne Einschränkung akzeptieren.

Tipp: Das Bundesfinanzministerium hat einen Rechner und ein Merkblatt zur Steuerklassenwahl ins Internet gestellt – unter www.bundesfinanzministerium.de, dann Suchwort „Faktorverfahren“ eingeben. Dort stehen auch Tabellen und Beispiele zum Faktorverfahren. So können Sie kalkulieren, ob Ihnen der Faktor Vorteile bringt.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 17.06.2015 um 12:12 Uhr
Steuervorteil bei Verheirateten vorhanden?Teil 1+2

@MichaelSchmidberger: Verdienen beide Ehe- und gesetzliche Partner unterschiedlich viel, sollten sie die Steuerklassen (IV/IV) ändern, um gleich vom Splittingtarif zu profitieren, so dass der Chef entsprechend Lohnsteuer abführt. Sie können entweder III und V kombinieren oder beide die Klasse IV + Faktor wählen. Vor allem wenn Partner unterschiedlich viel verdienen, bringt der Splittingtarif steuerliche Vorteile. Am meisten bringt es, wenn ein Partner gar nichts und der andere ein sehr hohes Einkommen hat. Wie hoch die Lohnsteuer in der jeweiligen Kombination ist, können Sie unter https://www.bmf-steuerrechner.de/fb2015/?clean=true ermitteln.
Wie viel Einkommensteuer für das Jahr tatsächlich fällig wird, legt das Finanzamt erst nach der Jahresabrechnung im Steuerbescheid fest. Die Lohnsteuer ist nur eine Vorauszahlung. (dda)

MichaelSchmidberger am 13.06.2015 um 15:07 Uhr
Steuervorteil bei Verheirateten vorhanden? Teil 2

III/V ist also augenscheinlich die günstigere Kombination.
Aber laut ihrem Artikel und auch dem Bundesfinanzministerium zufolge ist die Lohnsteuer lediglich eine Vorauszahlung und „besagt […] nichts über die Steuerjahresschuld.“ Wie berechnet sich denn nun die Steuerjahresschuld? Sie schreiben ja selbst, dass bei III/V oft bei Veranlagung zur Einkommenssteuer Nachzahlungen fällig sind. Ist die Steuerjahresschuld in meinem Beispiel dann 10000€? Werden dann die 1000€ Differenz, die im Laufe des Jahres nicht eingezogen wurden, nachgefordert? Oder wird dann nur ein Teil davon zurückverlangt? Welche Vorteile bringt mir die Wahl von Klasse III/V, wenn die „gewonnenen“ 1000€ beim Lohnsteuerjahresausgleich doch wieder eingefordert werden?
Und abschließend: Bringt dann heiraten eigentlich überhaupt einen Steuervorteil oder ist das eine Farce und der einzige Vorteil ist ein Jahr zinsloser Kredit?
Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort
Dr. Michael Schmidberger

MichaelSchmidberger am 13.06.2015 um 15:06 Uhr
Steuervorteil bei Verheirateten vorhanden? Teil 1

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich habe eine Frage zu den (möglicherweise gar nicht vorhandenen?) Vorteilen bei Wahl der Steuerklassen III/IV. Sie schreiben, bei der Wahl der Steuerklassen III/V „kann es nämlich bei der Schlussabrechnung in der Jahressteuererklärung zu Steuernachzahlungen kommen. Je größer der Lohnunterschied, desto höher die Nachzahlungen.“ Außerdem: „eine Abweichung von der tatsächlichen Jahressteuer wird beim Steuerjahresausgleich ausgeglichen.“
Welchen Vorteil bringt die Wahl der Steuerklassen III/V, wenn dann bei großen Einkommensunterschieden am Jahresende auch eine enorme Steuerrückzahlung fällig ist?
Nehmen wir ein Beispiel:
Nehmen wir an bei Wahl der Steuerklassen IV/IV werden insgesamt 10000€ Lohnsteuer für beide Partner festgesetzt. Bei Steuerklassen III/V werden nur 9000€ Lohnsteuer für beide Partner einbehalten. Dadurch ergibt sich eine Differenz von 1000€ Lohnsteuer im Jahr, die das Finanzamt bei III/V nicht erhält. III/V ist also augenscheinl