Wie einfach und erholsam war bisher ein Ausflug ins Kleinwalsertal für ausländische Geldanleger: keine Grenzkontrollen, keine Zinsabschlagsteuer, dazu zur Sicherheit anonyme Konten. Kein Wunder also, dass auf solchen Sparkonten im kleinen Österreich mit seinen acht Millionen Einwohnern zwischen 200 und 250 Milliarden Mark deponiert wurden. Doch mit der Anonymität ist auf Drängen der internationalen Geldwäscheermittler in Kürze Schluss. Ab dem 1. November 2000 müssen sich Konto- und Depotinhaber bei Einzahlungen oder der Eröffnung von Konten oder Depots gegenüber der Bank zwingend ausweisen.

Bis zum 30. Juni 2002 müssen sich alle bisher anonymen Kontoinhaber legitimiert haben. Danach geraten Anleger ins Visier der österreichischen Strafverfolgungsbehörden und müssen mit Überprüfungen und Zeitverzögerungen rechnen. Die Kreditinstitute der Alpenrepublik, so die Raiffeisenbank Kleinwalsertal, empfehlen Kunden deshalb die Umstellung der anonymen Sparbücher auf Nummernkonten. Als alternativer Ausweg bietet sich die Stückelung des Guthabens auf unproblematische Beträge von weniger als 14.600 Euro an ­ denn bis zu diesem Betrag bleiben die österreichischen Geldwäschefahnder untätig.

Ermittlungen der Steuerbehörden brauchen deutsche Finanzamtflüchtlinge allerdings ohnehin nicht zu fürchten. Mit Hilfe der Neuregelung sollen nicht Steuerbetrüger, sondern Geldwäscher gejagt werden. In Österreich wurde das gesetzlich geregelte Bankgeheimnis sogar erheblich verschärft. "Ein bloßer Verdacht reicht für Behörden nicht mehr aus, um vertrauliche Bankunterlagen einsehen zu können", frohlockt Willi Fritz, Vorstand der Raiffeisenbank Kleinwalsertal. "Dies ist künftig nur mit richterlichem Beschluss möglich."

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