Die Abgabe­frist für die Steuererklärung 2018 endet erst am 31. Juli 2019. Das ist die gute Nach­richt. Die schlechte Nach­richt: Frist­verstöße werden strenger verfolgt. Damit es nicht soweit kommt, finden Sie hier fünf hand­feste Tipps der Finanztest-Steuer­experten für die Last-Minute-Steuererklärung.

Wann jetzt bei Verspätung der Zuschlag fällig wird

Viele sind verpflichtet, ihre Steuererklärung für 2018 abzu­geben – etwa wenn sie sich einen Frei­betrag haben eintragen lassen, Lohn­ersatz­leistungen erhielten oder als Ehepaar die Steuerklassen­kombination III und V oder beide IV plus Faktor haben. Immerhin haben sie jetzt zwei Monate mehr Zeit: Erst am 31. Juli endet die Abgabe­frist – nicht wie früher am 31. Mai.

Das Finanz­amt ist aber strenger, wenn die Erklärung nicht pünkt­lich da ist. Bislang hatten die Finanz­beamten einen Ermessens­spielraum, ob und wie viel Verspätungs­zuschlag sie verhängen. Ab diesem Jahr gibt es diesen Spielraum nur noch inner­halb der ersten 14 Monate nach Ablauf des Steuer­jahres – für 2018 also bis Ende Februar 2020. Bis dahin kann, danach muss das Finanz­amt einen Zuschlag verlangen. Der auto­matische Zuschlag beträgt 0,25 Prozent der fest­gesetzten Steuer je Verspätungs­monat, mindestens 25 Euro pro ange­fangenem Monat. Der Zuschlag wird im Steuer­bescheid zur Steuerschuld hinzugerechnet oder von der Erstattung abge­zogen.

Steuererklärung – die wichtigsten Tipps

Frist­verlängerung. Sie schaffen die Steuererklärung nicht bis 31. Juli? Bitten Sie formlos telefo­nisch oder per E-Mail um Verlängerung. Helfen Lohn­steuer­hilfe­ver­ein oder Steuerberater, reicht die Abgabe bis 2. März 2020.

Formulare. Die vereinfachte Erklärung müssen Sie auf Papier abgeben. Das Formular zum Ausdrucken gibts online (formulare-bfinv.de).

Zuschlag. Geben Sie erst im März 2020 oder später ab, müssen Sie pro ange­fangenem Monat mit mindestens 25 Euro Verspätungs­zuschlag rechnen.

1. Weniger ist mehr: Nur den Mantelbogen abgeben

Es genügt, die wichtigsten Unterlagen einzureichen. Das ist auch auf den letzten Drücker zu schaffen und wahrt trotzdem die Frist – selbst wenn die Erklärung unvoll­ständig ist. Zwingend ist der Mantelbogen. Bitte Unter­schrift nicht vergessen. Dazu kommt das passende Formular über die Einkünfte des vergangenen Jahres, etwa die Anlage N bei Arbeitnehmern und Beamten. Eltern füllen noch die Anlage Kind aus. Die Formulare gibt es im Internet (formulare-bfinv.de).

Die Erklärung muss bis spätestens 24 Uhr am 31. Juli dem Finanz­amt vorliegen. Notfalls kann sie in den Haus­brief­kasten einge­worfen werden. Es reicht nicht, sie erst am 31. Juli per Post loszuschi­cken. Nach Erhalt des Steuer­bescheids können problemlos fehlende Formulare, nicht angegebene Kosten und weitere Spar­posten inner­halb der einmonatigen Einspruchs­frist nachgereicht werden.

2. In 30 Minuten fertig: Vereinfachte Form für Arbeitnehmer

Nur zwei Formular­seiten und eine halbe Stunde Zeit – schon ist die lästige Pflicht vom Tisch. Mit der vereinfachten Steuererklärung können Arbeitnehmer viel Zeit und Mühe sparen. Das Kurz­formular beschränkt sich auf die notwendigen Angaben und fasst den üblichen Mantelbogen und die Anlage N zusammen. Ideal also für Kurz­entschlossene.

Zwar bieten einige Bundes­länder das Formular nicht mehr aktiv an, weder auf Papier noch online. Die Finanz­ämter sind aber nach wie vor verpflichtet, Erklärungen auf den vereinfachten Formularen anzu­nehmen. Den Vordruck gibt es weiterhin auf den Internet­seiten der Finanz­verwaltung zum Herunter­laden (formulare-bfinv.de, Stich­wort „vereinfachte EST-Erklärung 2018“).

Arbeitnehmer können die Kurz­erklärung nutzen, wenn sie 2018 ausschließ­lich Arbeits­lohn und gegebenenfalls Lohn­ersatz­leistungen wie Elterngeld bezogen haben. Außerdem können die im Formular bezeichneten einkommens- und steuer­mindernden Ausgaben geltend gemacht werden.

Der Vordruck muss in Papierform einge­reicht werden. Eine elektronische Bearbeitung mithilfe üblicher Steuer­programme oder über Elster, das Onlineportal der Finanz­verwaltung, ist nicht möglich. Wer es eilig hat und das Formular nutzt, sollte den Postweg einkalkulieren oder die Steuererklärung bis spätestens 24 Uhr des 31. Juli selbst in den Brief­kasten des Finanz­amtes einwerfen.

3. Online erledigen: Mit Elster oder einer Steuersoftware abgeben

Schnell und papierlos geht es mit Elster. Wer die kostenlose Software der Finanz­verwaltung oder ein Steuer­programm nutzt, kann seine Erklärung noch kurz vor knapp abschi­cken. Völlig problemlos funk­tioniert das für bereits registrierte Nutzer (zum Test von Steuerprogrammen).

Diese können mit ihrem Zertifikat – einem elektronischen Ausweis für den Daten­versand – noch eine Minute vor Frist­ab­lauf (31. Juli, 23:59 Uhr) wirk­sam abgeben. Elster gestattet die Daten­über­nahme aus dem Vorjahr, sodass nur geänderte Werte aktualisiert werden müssen. Darüber hinaus können Belege über Rentenzah­lungen, von Arbeit­gebern und Versicherungen abge­rufen und in die Erklärung über­tragen werden. Das spart Zeit beim Erstellen der Erklärung.

Sofort loslegen kann jetzt auch, wer noch nicht registriert ist, aber einen Personal­ausweis mit akti­vierter Online­funk­tion besitzt. Mit einem Lesegerät, das online oder im Handel für etwa 20 Euro erhältlich ist, dauert die Registrierung bei Elster nur wenige Minuten.

Wer kein Lesegerät hat, kann alternativ sein Android-Handy in ein Lesegerät verwandeln: dafür die Ausweis­App2 des Bundes auf das Android-Handy mit NFC-Chip herunter­laden. Damit kann ein Elster-Konto erstellt werden. Danach sind alle Dienst­leistungen des Portals sofort nutz­bar. Eine genaue Anleitung gibt es in unserem Elster-Spezial.

4. Anruf genügt: Frist­verlängerung beantragen

Nichts geht mehr? Wer absehen kann, dass er den Termin nicht einhalten kann, bittet das Finanz­amt um Aufschub – am besten unter Nennung eines neuen Termins. Das geht am schnellsten telefo­nisch. Ansprech­partner mit Telefon­nummer sowie Steuer­nummer sind in der Regel oben auf dem letzten Steuer­bescheid vermerkt. Das funk­tioniert natürlich auch per E-Mail oder Post – möglichst vor dem 31. Juli, spätestens aber im August. Mit einer glaubhaften Begründung wie einem Kranken­haus­auf­enthalt, Umzug oder einem Todes­fall stehen die Chancen gut. Kein Verspätungs­grund sind fehlende Unterlagen.

Bei plausiblen Gründen wird das Amt die Verlängerung im Regelfall still­schweigend bewil­ligen. Die neue Frist sollte aber unbe­dingt einge­halten werden. Sobald sie abge­laufen ist, sind Nach­zügler im Verzug und müssen mit Sanktionen rechnen.

5. Hilfe holen: Profis mit dem Fall beauftragen

Wer es partout nicht mehr schafft, aber verpflichtet ist, seine Steuererklärung bis zum 31. Juli beim Finanz­amt abzu­geben, kann sich mehr Zeit erkaufen: Helfen Steuerberater oder Lohn­steuer­hilfe­ver­ein bei der Erstellung, verlängert sich die Frist auto­matisch bis zum 29. Februar 2020. Da dies ein Samstag ist, müssen die Unterlagen sogar erst am 2. März 2020 beim Finanz­amt sein. Die längere Frist gilt allerdings nicht, wenn Verein oder Berater nur helfen oder Tipps geben, sie müssen die Erklärung tatsäch­lich machen.

Arbeitnehmer, Beamte, Rentner und Pensionäre müssen für eine einfache Einkommensteuererklärung nicht unbe­dingt einen Steuerberater aufsuchen. Ein Lohn­steuer­hilfe­ver­ein ist in vielen Fällen güns­tiger. Wer Hilfe bei einem Verein sucht, muss Mitglied werden. Fast über­all wird eine einmalige Aufnahme­gebühr um die 10 bis 20 Euro fällig. Jähr­lich zahlen Mitglieder dann eine Gebühr, die sich an den Brutto­jahres­einnahmen orientiert. Große Vereine verlangen zwischen 35 und rund 440 Euro pro Jahr.

Bei hohen Kapital­einkünften oder Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung bleibt allerdings nur der Gang zum Steuerberater. Das gilt auch, wenn ein Angestellter mit einer Solar­anlage auf dem Dach seines Einfamilien­hauses Strom ins Netz einspeist. Damit gilt er steuerlich als Gewer­betreibender und muss mit seiner Steuererklärung zum Steuerberater, wenn er sie nicht alleine machen will.

Tipp: Wie geht das bei Elster? Wie läuft die Registrierung? Antworten auf die häufigsten Fragen finden Sie im Elster-Spezial. Welche Steuersoftware sich am besten eignet, zeigt unser Test Steuerprogramme.

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