Von der gesetzlichen Rente ist mindestens die Hälfte steuerpflichtig. Doch keine Sorge: Nicht jeder Rentner muss tatsächlich Steuern zahlen.

Ingrid und Ignaz Wilder haben nun Gewissheit: Die beiden Rentner aus Brandenburg müssen keine Steuern zahlen und auch in Zukunft keine Steuererklärung abgeben, solange sich an ihren Einkünften nichts ändert. Das hat ihnen ihr Sachbearbeiter im Finanzamt am Telefon mitgeteilt.

Diese Gewissheit wünschen sich viele Rentner und auch Arbeitnehmer, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Sie sind verunsichert, seit die Besteuerung der Alterseinkünfte komplett geändert wurde, und fragen sich, welche Abgaben sie erwarten.

Steuererklärung ist häufig Pflicht

Um eine Steuererklärung kommt ein Teil von ihnen nicht herum. Ruheständler, die neben der Rente steuerpflichtigen Lohn oder eine Beamten- oder Firmenpension auf Steuerkarte beziehen, müssen die Jahresabrechnung meist machen. Pflicht ist sie auch, wenn Renteneinkünfte und Nebenverdienst wie Miet- und Kapitaleinkünfte über dem steuerfreien Grundbetrag von 7 664 Euro für Alleinstehende und 15 329 Euro für Ehepaare liegen.

Das heißt aber nicht, dass diese Rentner auf jeden Fall Steuern zahlen müssen: Denn sie können in der Steuererklärung von ihren steuerpflichtigen Einkünften etliche Posten abziehen, zum Beispiel die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Kirchensteuer und Lohn für eine Haushaltshilfe. So rutschen viele doch noch unter den steuerfreien Grundbetrag.

Ob Rentner Steuern zahlen müssen, können sie selbst ausrechnen. Wie sie dabei vorgehen, zeigen drei Beispiele: ein alleinstehender Rentner, ein Rentnerehepaar und ein Ehepaar, bei dem ein Partner im Ruhestand und der andere berufstätig ist.

Nur gesetzliche Rente

Am einfachsten ist die Rechnung für Ruheständler, die nur ihre gesetzliche Rente bekommen. Welcher Anteil davon steuerpflichtig ist, hängt vom Rentenbeginn ab.

Jemand, der 2005 oder früher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner gesetzlichen Rente beim Finanzamt abrechnen. Wurde 2006 die erste Rente gezahlt, sind davon 52 Prozent steuerpflichtig, Neurentner im Jahr 2007 rechnen 54 Prozent ab (siehe „Die Steuerlast Schritt für Schritt berechnen“). Diese Werte gelten auch für Zahlungen, die Freiberufler wie Ärzte oder Architekten aus ihrer berufsständischen Versorgung erhalten.

Für einen alleinstehenden Rentner, der im Januar 2006 in Rente gegangen ist und in diesem Jahr 18 000 Euro Rente erhalten hat, ergibt sich folgende Rechnung, wenn er nur Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge – hier 8,9 Prozent – nachweist:

Beispiel 1: Alleinstehender Rentner
18 000 Euro gesetzliche Rente (12 x 1 500), davon 52 Prozent steuerpflichtig: 9 360 Euro
- Werbungskostenpauschale: 102 Euro
- Sonderausgabenpauschbetrag: 36 Euro
- Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (8,9 Prozent der Rente): 1 602 Euro
Einkommen: 7 620 Euro

Der Rentner muss keine Steuererklärung abgeben, da er unter der Grenze von 7 664 Euro bleibt. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn er nebenbei einen vom Arbeitgeber pauschal versteuerten 400-Euro-Job hätte. Erst höheren Lohn müsste er beim Finanzamt abrechnen.

Neurentner, die wie in der Beispielrechnung 2006 in den Ruhestand gegangen sind, können sich den Richtwert von maximal 1 500 Euro Rente im Monat merken: Solange sich an den steuerpflichtigen Einkünften nichts ändert, müssen sie auch in Zukunft keine Steuern zahlen. Für künftige Rentner liegt dieser Richtwert niedriger, weil ihr steuerpflichtiger Anteil steigt.

Mehr Einkünfte – genauer rechnen

Umfangreicher wird die Rechnung, sobald der Rentner zusätzliche Einnahmen hat und wie das folgende Beispielehepaar unter anderem auf eine Privatrente und eine Betriebspension zurückgreifen kann. Die Eheleute sind im Sommer 2006 beide mit 65 Jahren in den Ruhestand gegangen und kommen gemeinsam auf 2 500 Euro gesetzliche Rente im Monat.

Für 2006 müssen sie eine Steuererklärung abgeben, da sie zu Beginn noch berufstätig waren. Aber auch 2007 kommen sie nicht um die Abrechnung herum, weil ihre steuerpflichtigen Einkünfte relativ hoch sind. Ob sie dann Steuern zahlen müssen, zeigt die folgende Rechnung.

Freibeträge senken Steuerlast

Neben der gesetzlichen Rente bekommt der Mann jeden Monat 400 Euro aus einer privaten Rentenversicherung. Weil er die Privatrente seit dem 65. Geburtstag erhält, sind davon auf Dauer nur 18 Prozent steuerpflichtig. Von den gesamten Renteneinkünften zieht das Paar Werbungskosten ab.

Seine Frau bezieht seit Rentenbeginn zusätzlich eine Betriebspension aus einer Pensionszusage des früheren Arbeitgebers. Diese Leistung ist voll steuerpflichtig. Die Frau kann dafür aber einen Versorgungsfreibetrag geltend machen. Er beträgt 38,4 Prozent, weil die Pension erstmals 2006 gezahlt wurde. Als zusätzlichen Freibetrag darf sie 864 Euro abziehen.

Das Paar profitiert zudem vom Altersentlastungsbetrag für die Kapitaleinkünfte des Ehemanns. Rentner können diesen Freibetrag unter anderem für Miet-, Zins- und Nebenjobeinkünfte erhalten.

Seine Höhe richtet sich danach, wann das 64. Lebensjahr vollendet war. Bei unserem Beispielmann war das Anfang 2006 der Fall, sodass sein Altersentlastungsbetrag 38,4 Prozent beträgt. Von seinen 4 000 Euro Zinsen zieht er den Sparerfreibetrag von 1500 Euro sowie 102 Euro Werbungskosten ab. Übrig bleiben 2 398 Euro, die zu 38,4 Prozent steuerfrei sind:

Beispiel 2: Rentnerehepaar
Renteneinkünfte
30 000 Euro gesetzliche Rente (12 x 2 500), davon 52 Prozent steuerpflichtig: 15 600 Euro
+ 4 800 Euro private Rente, davon 18 Prozent steuerpflichtig: 864 Euro
- Werbungskostenpauschale (2 x 102): 204 Euro
Steuerpflichtige Renteneinkünfte: 16 260 Euro

Jährliche Nebeneinkünfte Ehemann
Zinsen: 4 000 Euro
- Sparerfreibetrag (für 2007): 1 500 Euro
- Werbungskostenpauschale für Ehepaare  (2 x 51 Euro): 102 Euro
- Altersentlastungsbetrag (38,4 Prozent von 2 398 Euro, max. 1 824 Euro): 921 Euro
Steuerpflichtige Nebeneinkünfte: 1 477 Euro

Pensionseinkünfte
Pensionszusage: 3 000 Euro
- Versorgungsfreibetrag (38,4 Prozent, maximal 2 880 Euro): 1 152 Euro
- zusätzlicher Freibetrag: 864 Euro
- Werbungskostenpauschale: 102 Euro
Steuerpflichtige Pensionseinkünfte: 882 Euro

Von den steuerpflichtigen Einkünften kann das Paar den Sonderausgabenpauschbetrag von 72 Euro sowie Versicherungsbeiträge abziehen. Das sind vor allem die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die hier 8,9 Prozent der gesetzlichen Rente und 15,2 Prozent der Werkspension betragen. Dadurch bleibt das Einkommen unter 15 329 Euro im Jahr und steuerfrei:

Einkünfte gesamt:
Renteneinkünfte: 16 260 Euro
+ Nebeneinkünfte Ehemann: 1 477 Euro
+ Pensionseinkünfte Ehefrau: 882 Euro
Gesamtbetrag: 18 619 Euro
- Versicherungsbeiträge: 3 500 Euro
- Sonderausgabenpauschbetrag (2 x 36): 72 Euro
Zu versteuerndes Einkommen: 15 047 Euro

Ein Erwerbstätiger und ein Rentner

Solange ein Partner noch berufstätig ist, werden Ehepaare nicht darum herumkommen, eine Steuererklärung abzugeben.

Wie ein Paar in so einem Fall rechnen muss, zeigt folgendes Beispiel: Der Ehemann ist seit Januar 2006 Rentner und bekommt 1 500 Euro Rente im Monat. Dazu hat er seit dem 65. Geburtstag im Jahr 4 800 Euro aus der privaten Rentenversicherung.

Die 60-jährige Frau hat ein Bruttoeinkommen von 20 000 Euro im Jahr. Davon kann sie als Berufstätige anders als ihr Mann – mindestens 920 Euro Werbungskosten abziehen. Für Versicherungsbeiträge kann das Ehepaar 5 800 Euro abziehen sowie 72 Euro Sonderausgaben:

Beispiel 3: Ein Rentner und ein Berufstätiger
Renteneinkünfte Ehemann:
18 000 Euro gesetzliche Rente (12 x 1 500), zu 52 Prozent steuerpflichtig: 9 360 Euro
+ 4 800 Euro private Rente, davon 18 Prozent steuerpflichtig: 864 Euro
- Werbungskostenpauschale: 102 Euro
Steuerpflichtige Renteneinkünfte: 10 122 Euro

Einkünfte Ehefrau:
Bruttolohn: 20 000 Euro
- Werbungskostenpauschale: 920 Euro
Arbeitseinkünfte: 19 080 Euro

Einkünfte gesamt: 29 202 Euro
- Versicherungsbeiträge: 5 800 Euro
- Sonderausgabenpauschale (2 x 36): 72 Euro
Zu versteuerndes Einkommen: 23 330 Euro

Für 2006 müsste das Beispielehepaar bei diesem Einkommen 1 482 Euro Steuern zahlen.

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