Steuererklärung für Rentner Special

Mehr als 20 Millionen Rentner dürfen sich ab Juli über mehr Rente freuen: Es gibt 5,95 Prozent mehr im Osten und 4,25 Prozent im Westen. Kehr­seite: Immer mehr Rentner bekommen es mit dem Finanz­amt zu tun. Hohe Steuern können sie aber oft vermeiden. Die Steuer-Experten von Finanztest erklärt, was zu tun ist.

Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen

Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen. „Aber selbst wenn mehr Rente versteuert werden muss, wird mehr Rente übrig bleiben als zuvor“, beruhigt Daniela Ebert, Steuerreferentin beim Deutschen Steuerberater­verband. „Bevor das Finanz­amt die Steuer fest­setzt, kann ein Rentner von der Jahres­bruttorente eine Menge abziehen“, erklärt Ebert. Zunächst geht von der Jahres­bruttorente der persönliche Rentenfrei­betrag ab, danach viele Ausgaben wie Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Unfall- und Haft­pflicht­versicherung oder Spenden. Auch Kosten für Helfer im Haushalt mindern die Steuer. Doch die höheren Renten aus dem Jahr 2016 rechnen Rentner erst 2017 ab.

Antworten auf alle wichtigen Fragen

Steuererklärung für Rentner Special

Jetzt müssen viele erst einmal bis Ende Mai die Steuererklärung für 2015 einreichen. In diesem Artikel finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen. Viele weitere kostenlose Informationen lesen Sie auf der Themenseite Steuern im Alter. Und wenn Sie die Steuerfragen für sich grund­legend klären wollen, empfehlen wir Ihnen unser Buch „Steuererklärung 2015/2016 – Rentner, Pensionäre“. Sie können es bequem im Shop auf test.de bestellen. Das Buch kostet 14,90 Euro.

Muss ich für 2015 eine Steuererklärung bis 31. Mai abgeben?

Ob Sie eine Steuererklärung machen müssen, hängt von Art und Höhe Ihrer Alters­einkünfte insgesamt ab. Erhielten Sie 2015 nur gesetzliche Rente, ist die Rechnung einfach: Sie ziehen davon 102 Euro Werbungs­kostenpauschale und Ihren persönlichen Frei­betrag ab. Sind Sie seit 2015 in Rente, sind 30 Prozent der Rente steuerfrei. Den Frei­betrag ermittelt das Amt im Jahr nach dem Renten­beginn. Wie hoch er ist, steht im Steuer­bescheid unter „steuerfreier Teil der Rente“. Bleiben für 2015 weniger als 8 472 Euro Grund­frei­betrag (16 944 Euro Ehe- und gesetzliche Lebens­partner), müssen Sie keine Steuererklärung abgeben. Für 2016 gilt ein höherer Grund­frei­betrag: Erst wenn mehr als 8 652 Euro (17 304 Euro Ehe- und gesetzliche Lebens­partner) übrig bleiben, ist die Erklärung fällig. Neben der gesetzlichen Rente werden aber auch andere Einnahmen mitgezählt, etwa Mieten, Einnahmen aus selbst­ständiger Arbeit, Renten aus Privatversicherungen und Riester-Verträgen sowie Firmenrenten. Meist muss eine Steuererklärung sein. Doch auch wenn das so ist, verlangt das Finanz­amt nicht zwingend Steuern, weil es noch Ausgaben oder einen Behindertenpausch­betrag berück­sichtigen muss.

Welche Renten muss ich in meiner Steuererklärung wo angeben?

Sie müssen fast alle Renten in der Anlage R angeben. Ausgenommen sind Unfall­renten aus der gesetzlichen Berufs­genossenschaft oder bestimmte Entschädigungs- und Wieder­gutmachungs­renten, die steuerfrei sind. Am besten lassen Sie sich vom Renten­träger eine Bescheinigung über die gezahlte Rente 2015 zusenden. Dort finden Sie alle nötigen Daten und Hinweise, was in welche Formularzeile gehört. Denn es genügt nicht, nur die erhaltene Rente einzutragen. Die Bescheinigung der Deutschen Renten­versicherung können Sie kostenfrei telefo­nisch anfordern (Tel. 0 800/10 00 48 00). Haben Sie das einmal gemacht, erhalten Sie diese Abrechnung künftig jedes Jahr auto­matisch.

Ich bin seit 2004 Rentnerin und erhalte seit 2014 Mütterrente. Wie errechnet sich der Frei­betrag dafür?

Da Sie seit 2004 Rente bekommen, sind wie bei Ihrer Ursprungs­rente 50 Prozent der Mütterrente steuerfrei (Tabelle Freibetrag). Wundern Sie sich nicht, dass die Finanz­beamten nicht mit der Mütterrente rechnen, die Sie 2014 erhielten. Statt­dessen zählt für die Rechnung, wie viel die Mütterrente im Jahr 2005 betragen hätte, also zu dem Zeit­punkt, als das Finanz­amt Ihren Steuerfrei­betrag ursprüng­lich ermittelt hat.

Kann ich das Honorar für einen freien Rentenberater absetzen?

Ja, als Werbungs­kosten, die mit Ihren Renten­einnahmen zusammenhängen (Anlage R). Ihr Finanz­amt muss diese Kosten genau wie Gewerk­schafts­beiträge anerkennen. Jedoch wirken sich nur Ausgaben über der Pauschale von 102 Euro im Jahr aus.

Wo trage ich meine Versicherungs­beiträge in den Formularen ein?

Geben Sie alle Beiträge in der Anlage Vorsorgeaufwand an. Das Finanz­amt muss in jedem Fall Ihre Basisbeiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung berück­sichtigen. Sie sollten aber auch alle anderen Beiträge angeben – etwa solche für eine Zahn­zusatz- oder Haft­pflicht­versicherung (Zeile 46–52). Denn für Sie als Rentner oder Pensionär kommen meist die Steuer­regeln aus der Zeit vor 2005 zum Zuge, weil das damalige Recht für Sie güns­tiger ist. Danach erkennt das Finanz­amt für das Jahr 2015 pro Person bis zu 2 834 Euro Versicherungs­beiträge in voller Höhe an und weitere 1 334 Euro Beiträge zur Hälfte.

Welche Posten kann ich außerdem noch steuerlich geltend machen?

Eine Menge! Im Mantelbogen können Sie Kirchen­steuern, Spenden, Parteibeiträge, Krank­heits­kosten, Kosten für die Arbeit von Hand­werkern und Helfern im Haushalt angeben. Sind Sie behindert, bekommen Sie einen Extra-Frei­betrag – je nach Grad der Behin­derung 310 Euro bis 3 700 Euro. Haben Sie Miet­einnahmen, setzen Sie dafür Werbungs­kosten wie Betriebs-, Finanzierungs-, Instandset­zungs­kosten und Gebäude­abschreibungen ab (Anlage V). Arbeiten Sie als Rentner noch? Dann rechnen Sie für die Einnahmen Ihre Werbungs­kosten (Anlage N) oder Betriebs­ausgaben (Anlage S) ab. Ihr Arbeits­zimmer zählt voll, wenn die Arbeit dort Mittel­punkt Ihrer gesamten beruflichen Tätig­keit ist. Ist das nicht so, gilt die Grenze von 1 250 Euro.

Ich habe gehört, dass es einen Extra-Frei­betrag für Ältere gibt?

Ja, das Finanz­amt setzt für alle, die am Jahres­anfang 64 oder älter waren, einen Alters­entlastungs­betrag für Einkünfte neben der Rente an. Auch für Kapital­erträge wie Zinsen können Sie ihn nutzen, wenn Sie den 801-Euro-Sparerpausch­betrag (1 602 Euro für Ehe- und gesetzliche Lebens­partner) im Jahr ausgeschöpft haben. Dafür beantragen Sie in Anlage KAP, Zeile 4, die Güns­tiger­prüfung und geben alle Kapital­erträge an.

Inwieweit muss ich auf meine Betriebs­rente Steuern zahlen?

Haben Sie während der Einzahlung eine Förderung erhalten – wie die meisten –, dann ist der ganze Betrag steuer­pflichtig. Nur wenn die Beiträge aus voll oder pauschal versteuertem Einkommen stammen wie bei privaten Renten­versicherungen, bleibt ein beträcht­licher Teil der Renten steuerfrei. Erhielten Sie etwa eine solche Rente erst­mals mit 63, sind 80 Prozent steuerfrei. Was Sie in Anlage R eintragen, entnehmen Sie der Leistungs­mitteilung des Versicherungs­trägers oder der Pensions­kasse.

Ich war Beamter und erhalte eine Pension. Wo trage ich dies ein?

In Anlage N geben Sie die Versorgungs­bezüge gemäß der Lohn­steuer­bescheinigung an, die Sie von Ihrem Ex-Arbeit­geber erhalten. In die Anlage kommen auch lohn­steuer­pflichtige Renten, die private Unternehmer ehemaligen Beschäftigten zahlen, oder Leistungen aus Unterstüt­zungs­kassen.

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