Steuererklärung für Rentner Special

Von rund 20,9 Millionen Rentnern müssen etwa 5,6 Millionen bis Ende Mai eine Steuererklärung für 2017 beim Finanz­amt einreichen. Allein durch die Renten­erhöhung im letzten Jahr wurden 120 000 mehr Rentner steuer­pflichtig. Viele Posten können sie absetzen – wie Gesund­heits­kosten, Spenden und Kosten für Helfer im Haushalt. Die Steuerformulare auszufüllen geht ganz einfach. Hier verraten die Experten der Stifung Warentest die besten Tipps.

Unser Rat

Abrechnen. Als Rentner müssen Sie eine Steuererklärung abgeben, wenn Ihre Einkünfte 2017 mehr als 8 820 Euro (Ehepaare 17 640 Euro) betrugen. Rechnen Sie alle Ausgaben wie Versicherungs­beiträge, Spenden und Krank­heits­kosten ab. Wie viel Steuern Sie zahlen müssen, ermitteln Sie mit unserem Online­rechner Steuerberechnung für Rentner.

Termin. Bis 31. Mai 2018 muss Ihre Steuererklärung beim Finanz­amt sein. Bis Ende Juli haben Sie für die Online-Steuererklärung in Baden-Württem­berg, Bayern, Nord­rhein-West­falen, Rhein­land-Pfalz, Hessen und Sachsen Zeit, wenn Sie sich im Internet unter Elster.de registriert haben.

Hilfe. Die Frist verlängert sich bis 31. Dezember, wenn ein Lohn­steuer­hilfe­ver­ein (Beratungsstellensuche.de) oder Steuerberater (Bstbk.de, Dstv.de) die Erklärung über­nimmt. Hilfe bietet auch unser Buch Steuererklärung 2017/2018 – Rentner und Pensionäre (für 14,90 Euro im Buch­handel oder im test.de-Shop).

Neun Posten zum Steuern­sparen

Viele Ausgaben zählen in Ihrer Steuererklärung mit. So rechnet die 81-jährige Rentnerin Rita Schulz ihre Ausgaben für 2017 ab, sodass sie am Ende nur 20 Euro Steuern zahlen muss.

Steuererklärung für Rentner Special

Frei­betrag hängt vom Jahr des Renten­beginns ab

Steuererklärung für Rentner Special

Wann muss ich als Rentner eine Steuererklärung machen?

Haben Sie nichts weiter als Ihre gesetzliche Rente, ist es einfach. Von Ihrer Jahres­bruttorente aus 2017 – das ist die Rente inklusive Versicherungs­beiträge – ziehen Sie Ihren Rentenfrei­betrag ab und 102 Euro Werbungs­kostenpauschale. Bleiben mehr als 8 820 Euro, ist eine Steuererklärung Pflicht. Für Ehepaare liegt die Grenze bei 17 640 Euro.

Wie hoch Ihr Rentenfrei­betrag ist, hängt vom Jahr Ihres Renten­beginns ab. Begann Ihr Ruhe­stand bis 2005, sind 50 Prozent der Rente steuerfrei. Für jeden späteren Renten­jahr­gang ist es weniger. Sind Sie seit 2017 in Rente, sind 26 Prozent der Rente steuerfrei. Begann sie 2016, sind es 28 Prozent.

Den Frei­betrag ermittelt das Finanz­amt anhand der Jahres­rente im Jahr nach dem Renten­beginn und weist das im Steuer­bescheid unter „steuerfreier Teil der Rente“ aus. Der Frei­betrag gilt für immer. Es sei denn, die Rente muss grund­sätzlich neu berechnet werden.

Tipp: Sie müssen nicht mühevoll zusammen­rechnen, wie viel Rente Sie 2017 erhielten. Fordern Sie die „Mitteilung zur Vorlage beim Finanz­amt“ beim Renten­versicherer an: Tel. 0 800/1 00 04 80 70. Das ist kostenlos. Dort stehen alle Beträge für die Steuerformulare.

Steuererklärung für 2017. Ja oder Nein?

Haben Sie keine sons­tigen Einnahmen, müssen Sie eine Steuererklärung für 2017 nur abgeben, wenn Ihre Bruttorente Ost (Monats­rente zweites Halb­jahr 2017, gerechnet mit 2,55 % Beitrag zur Pflege­versicherung, 7,3 % + 1,1 % zur Kranken­versicherung.) 2017 höher war als 1 205 Euro im Monat.

Mein Mann verdient noch und ich erhalte eine Pension. Gilt für uns auch die 17 640-Euro-Grenze?

Ja, aber Sie müssen anders rechnen. Eine Steuererklärung ist dann nötig, wenn im letzten Jahr bei Ihnen oder Ihrem Mann

  • ein Frei­betrag berück­sichtigt wurde, ausgenommen Kinder­frei­beträge, Pauschalen für Hinterbliebene und Behinderte,
  • einer mehr als 410 Euro Neben­einkünfte hatte oder Lohn­ersatz wie Krankengeld,
  • einer die Steuerklasse VI hatte oder Sie als Ehepaar die Steuerklassen III und V oder IV+Faktor kombiniert haben.

Wie bei gesetzlichen Renten bleibt auch bei lohn­steuer­pflichtigen Pensionen abhängig vom Jahr des Pensions­beginns ein Teil davon steuerfrei. Erhalten Sie seit 2017 eine solche Pension, beträgt der Versorgungs­frei­betrag 20,8 Prozent, maximal 1 560 Euro plus 468 Euro Zuschlag. Bei 24 000 Euro Pension 2017 sind also 2 028 Euro davon steuerfrei.

Tipp: Vergleichen Sie, ob es für Sie als Ehepaar güns­tiger ist, dass jeder seine Steuererklärung macht, oder eine gemein­same. Meist ist die Zusammen­ver­anlagung güns­tiger, selbst wenn ein Partner so wenig Rente hat, dass keine Steuern fällig wären (siehe Grafik oben). Zwar müssen darin beide Partner ihre Einkünfte (Rente, Pension) angeben. Doch durch die nied­rige Rente des einen Part­ners sinkt aufgrund des Splitting­tarifs der Steu­ersatz.

Die richtigen Anlagen ausfüllen – online oder auf Papier

Kann ich die Steuererklärung auf Papierformularen einreichen?

Ja, die Formulare gibt es beim Finanz­amt oder online unter Formulare-bfinv.de. Sie brauchen mindestens die Anlage R, den Mantelbogen und die Anlage Vorsorgeaufwand. Haben Sie allerdings Einnahmen aus selbst­ständiger Tätig­keit – etwa weil Sie aus Ihrer Photovoltaikanlage Strom ins öffent­liche Netz einspeisen und als Unternehmer gelten, müssen Sie Ihre Erklärung online (Elster.de) einreichen.

Tipp: Sind Sie gehbehindert, schickt das Finanz­amt die Formulare auch nach Hause.

Zählen noch andere Einnahmen in der Steuererklärung?

Ja, Sie müssen auch Renten aus Privatversicherungen, Riester-Verträgen (Anlage R), Firmen­verträgen und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (Anlage V) sowie selbst­ständiger Tätig­keit (Anlage S) angeben. Zudem zählen Pensionen mit und Gehälter, auf die Sie Lohn­steuern gezahlt haben (Anlage N).

Tipp: Außen vor bleibt pauschal versteuerter Lohn wie bei 450-Euro-Mini- oder Saison­jobs.

Viele Posten lassen sich von der Steuer absetzen

Mir hilft jemand im Haushalt. Kann ich die Kosten absetzen?

Ja, das Finanz­amt erkennt die Rechnungen dafür an, wenn Sie die Helfer nicht bar, sondern per Über­weisung bezahlt haben. 20 Prozent der Lohn-, Fahrt- und Maschinen­kosten mindern direkt Ihre Steuerschuld. Maximal zählen 6 000 Euro für Hand­werk­erarbeiten daheim und 20 000 Euro für Helfer im Haushalt (Mantelbogen) – egal, ob sie waschen, bügeln, putzen oder pflegen.

Tipp: Steuer­abzug bringen auch Posten aus der Neben­kosten­abrechnung Ihres Vermieters wie für Hausmeister und Garten­pflege.

Was kann ich als Pensionär oder Rentner noch absetzen?

Steuer­abzug bringen, wie im Beispiel unserer Grafik („Neun Posten zum Steuern­sparen“), vor allem diese Posten:

  • Versicherungs­beiträge. Die Basisbeiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung zählen in voller Höhe (Anlage Vorsorgeaufwand). Es kann sein, dass sich andere Beiträge steuerlich auswirken – etwa für Zahn­zusatz- (Zeile 45) oder Haft­pflicht­versicherung (Zeile 50). Auto­matisch prüft das Finanz­amt, ob die Regeln aus der Zeit vor 2005 güns­tiger sind. Danach sind für 2017 pro Person bis 2 234 Euro Versicherungs­beiträge voll anerkannt und weitere 1 334 Euro zur Hälfte, sofern Sie mindestens 3 568 Euro Beiträge nach­weisen.
  • Rentenberater. Ausgaben wie für private Rentenberater, die mit Ihren Renten­einnahmen zusammenhängen, gehen als Werbungs­kosten (Anlage R) ab – mindestens pauschal 102 Euro bei jedem Rentner oder Pensionär.
  • Spenden & Co. Neben Kirchen­steuern und Spenden zählen auch Parteibeiträge (Mantelbogen). Zumindest gehen bei jedem 36 Euro pauschal für Sonder­ausgaben ab.
  • Besondere Lasten. Ihre Ausgaben für Arzt oder Zahn­arzt, ärzt­lich verordnete Therapien, Brillen, Hörgeräte, Arzneien und andere Hilfs­mittel rechnen Sie als außergewöhnliche Belastungen ab (Mantelbogen). Mussten Sie für Unwetterschäden aufkommen, geben Sie auch dies mit an. Einen Teil davon müssen Sie selber tragen, bevor sich die Kosten auswirken. Das berechnen Sie unter Lfst.bayern.de, dort „Steuerinfos“/„Steuerbe­rechnung“. Sind Sie behindert, gibt es je nach Behin­derung 310 Euro bis 3 700 Euro Frei­betrag oder Sie rechnen die tatsäch­lichen Kosten ab.
  • Jobkosten. Haben Sie 2017 noch gearbeitet und Lohn­steuern gezahlt? Dann rechnen Sie Ihre Werbungs­kosten (Anlage N) wie etwa für Arbeits­wege und das steuerlich anerkannte Arbeits­zimmer daheim ab. Mindestens gehen pauschal 1 000 Euro Jobkosten ab.

Entlastung für Kapital­erträge

Wie bekomme ich einen Alters­entlastungs­betrag?

Dafür müssen Sie nur eine Steuererklärung einreichen und älter als 65 sein. Wurden Sie vor dem 2. Januar 1953 geboren, erhalten Sie mindestens 20,8 Prozent, maximal 988 Euro Alters­entlastungs­betrag. Für frühere Jahr­gänge ist der höher – maximal 1 900 Euro (40 Prozent) für bis zum 2. Januar 1941 Geborene.

Die Entlastung gibt es für Einkünfte neben der gesetzlichen Rente wie für Kapital­erträge wie Zinsen über dem 801-Euro-Sparerpausch­betrag (Ehepaare 1 602 Euro) im Jahr.

Tipp: Steht Ihnen als Paar beiden der Alters­entlastungs­betrag zu, sollten Sie die Neben­einkünfte so verteilen, dass Sie beide die maximale Entlastung ausschöpfen. Hat nur einer die Alters­grenze erreicht, sollte er die Neben­einkünfte erhalten, um seinen Alters­entlastungs­betrag voll zu nutzen.

Das Finanz­amt hilft

Unser Finanz­amt in Meck­lenburg-Vorpommern bietet an, für uns die Steuererklärung zu über­nehmen. Ist das zu empfehlen?

Das kommt darauf an. Können Sie Ausgaben wie Krank­heits- und Pflege­kosten, Ausgaben für Helfer im Haushalt oder Spenden absetzen – und das ist meistens der Fall –, sollten Sie besser selber Ihre Steuererklärung machen oder sich einem Steuer­experten anver­trauen. Sonst zahlen Sie zu viel Steuern.

Bei dem Pilot­projekt, das Meck­lenburg-Vorpommern 2017 gestartet hat, bietet zwar die Behörde rund 25 000 Rentnern an, für sie die Steuererklärung zu erledigen. Doch hier wird die Steuer nur aufgrund der vorliegenden Daten der Renten­versicherungs­träger, Versicherungen und Krankenkassen ermittelt. Ihre persönlichen Ausgaben werden jedoch dabei nicht berück­sichtigt.

Welche Steuer­regeln für Renten gelten, lesen Sie in unseren Specials Steuern im Ruhestand und So vermeiden Sie hohe Steuern.

Dieser Artikel ist hilfreich. 24 Nutzer finden das hilfreich.