Interview: Das verflixte dritte Jahr

Steuererklärung für Freiberufler Meldung

Tanja Maria Hirsch ist Steuerberaterin in Berlin. Zu ihren Mandanten gehören viele Existenzgründer.

Was sind typische Anfängerfehler?

Hirsch: Viele Existenzgründer können am Anfang noch nicht einmal Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Gewerbesteuer und deren Anforderungen und Wirkungen auseinanderhalten. Es gibt schon einige, die nach drei Jahren fast pleite sind, weil sie die Steuern nicht bezahlen können – gerade, wenn es gut läuft. Sie unterschätzen völlig, wie viel Geld sie dem Staat wann schulden.

Warum gerade nach drei Jahren?

Hirsch: Im dritten Jahr müssen Selbstständige oftmals Steuern für zwei bis drei Jahre gleichzeitig bezahlen. Ein Beispiel: Jemand macht sich Anfang 2007 selbstständig und gibt die Steuer­erklärung für 2007 Ende 2008 ab. Das Finanzamt schickt den Steuerbescheid dann Anfang des Jahres 2009. Gleichzeitig mit der Nachzahlung für 2007 setzt es die Zahlungen für 2008 fest. Dazu kommt dann noch die Quartalsvorauszahlung für 2009. Das Ganze am Anfang des Jahres, wenn jeder klamm ist, weil auch viele Versicherungsbeiträge fällig sind. Das kann einem schnell finanziell das Genick brechen, wenn die Planung fehlt.

Können Freiberufler das vermeiden?

Hirsch: Sie müssen diszipliniert Geld für Steuern auf ein gesondertes Konto zurücklegen. Ich rate dringend, Privat-, Firmen- und Steuerkonto zu trennen, um den Überblick zu behalten.

Gibt es andere typische Fehler?

Hirsch: Viele gehen davon aus, wenn das Finanzamt die selbstgemachte ­Gewinnermittlung akzeptiert und den Steuerbescheid rausschickt, ist alles okay. Aber das ist nicht unbedingt so. Kommt Jahre später bei einer Betriebsprüfung heraus, dass zum ­Beispiel das Arbeitszimmer nicht abgesetzt werden durfte, muss man ­nachzahlen. Einschließlich Zinsen.

Wie finde ich denn einen guten Steuerberater?

Hirsch: Mandanten sollten darauf achten, ob ihr Steuerberater Fortbildungen besucht. 40 Stunden im Jahr sind gut und Vorschrift für ein Qualitätssiegel vom deutschen Steuerberaterverband. Die Mitgliedschaft dort ist wünschenswert, da er so an ein aktuelles Informationsnetzwerk angeschlossen ist. Und nicht jeder, der berät, hat eine Steuerberaterprüfung gemacht. Danach zu fragen ist erlaubt. Die Prüfung ist nicht nur eine Verwaltungshürde. Sie verlangt viel Wissen über Steuern, Zivil- und Berufsrecht. Ansonsten gilt das gleiche wie beim Currywurstverkäufer oder der Kfz-Werkstatt: Bekannte und Kollegen fragen, wer gut ist.

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