Sie sollten die Anlage KAP ausfüllen...

... um 801 Euro steuerfrei zu kassieren

Situation. Sie haben 2014 vergessen, Ihrer Bank einen Frei­stellungs­auftrag zu erteilen? Dann holen Sie die zu viel gezahlte Steuer zurück. 801 Euro Kapital­erträge wie Zinsen, Dividenden, Veräußerungs­gewinne sind im Jahr steuerfrei – 1 602 Euro für Ehe-/gesetzliche Lebens­partner.

Beispiel. Frank Hahn hatte vergessen, seiner neuen Bank einen Frei­stellungs­auftrag zu erteilen. Die Bank hat von 800 Euro Zinsen 200 Euro (25 Prozent) Abgeltung­steuer und 11 Euro Soli einbehalten.

Anlage KAP. Hahn trägt 800 Euro Zinsen in Zeile 7 ein, die 200 Euro Steuer­abzüge in Zeile 47, 11 Euro in Zeile 48 und in Zeile 12 eine Null.

Erstattung. Das Finanz­amt berück­sichtigt nach­träglich 801 Euro Sparerpausch­betrag, erstattet 211 Euro.

Tipp: Haben Sie den Sparerpausch­betrag nur zum Teil ausgeschöpft, geben Sie in Zeile 12 an, wie viel Sie entsprechend der Steuer­bescheinigung der Bank verbraucht haben.

... um den Frei­betrag fürs Alter einzulösen

Situation. Sie waren zu Beginn des Jahres 2014 bereits 64 Jahre alt und mussten 2014 Abgeltung­steuer zahlen? Dann sollten Sie alle Kapital­erträge in der KAP auflisten. Über den Steuer­bescheid erhalten Sie bis zu 1 900 Euro Alters­entlastungs­betrag für Ihre Neben­einkünfte, den Ihre Bank beim Abzug der Abgeltung­steuer nicht berück­sichtigen durfte.

Beispiel. Der 1942 geborene Kurt Thon kassierte 2014 als lediger Rentner neben zwei gesetzlichen Alters­renten über 8 001 Euro Zinsen und Dividenden im Jahr. Nach Abzug von 801 Euro Sparerpausch­betrag hat seine Bank letztes Jahr 1 800 Euro Abgeltung­steuer (8 001 Euro Zinsen minus 801 Euro Sparerpausch­betrag = 7 200 Euro x 25 Prozent = 1 800 Euro) und 99 Euro Soli einbehalten.

Anlage KAP. Thon beantragt in Zeile 4 die Güns­tiger­prüfung und erhält über den Steuer­bescheid maximal 1 900 Euro Alters­entlastungs­betrag.

Erstattung. Thon bekommt 475 Euro Abgeltung­steuer und 26,13 Euro Solidaritäts­zuschlag zurück.

Tipp: Teilen Sie als Ehe-/gesetzliche Lebens­partner Ihr Vermögen so auf, dass Sie den Alters­entlastungs­betrag optimal nutzen und Steuern sparen.

... um Verluste wett­zumachen

Situation. Sie haben 2014 Aktiengewinne erzielt und bei einer anderen Depot­bank Aktien­verluste? Die können Sie über die KAP miteinander verrechnen, wenn Sie für die Verluste eine Verlust­bescheinigung haben.

Beispiel. Hans Horn verkaufte 2014 Aktien mit 3 000 Euro Verlust. Bei einer anderen Bank brachte ihm der Aktien­verkauf 5 000 Euro Gewinn. Vom Gewinn gingen 801 Euro Sparerpausch­betrag ab. Auf den Rest behielt die Bank 1 050 Euro Abgeltung­steuer und 57,74 Euro Soli ein.

Anlage KAP. Horn trägt in Zeile 7 2 000 Euro Kapital­erträge (5 000 Euro Gewinn minus 3 000 Euro Verlust) ein. In Zeile 8 gibt er 5 000 Euro Aktien­verkaufs­gewinn an; in Zeile 11 die 3 000 Euro anzu­rechnenden Verlust; in Zeile 12 den verbrauchten Sparerpausch­betrag: 801 Euro; in Zeile 47 die gezahlte Steuer: 1 050 Euro und Soli in Zeile 48: 57,74 Euro.

Erstattung. Das Finanz­amt erstattet Horn 750 Euro Abgeltung­steuer und 41,25 Euro Solidaritäts­zuschlag.

Tipp: Es macht nichts, wenn Sie den Termin für die Verlust­bescheinigung verpasst haben. Die Bank hat auto­matisch die ungenutzten Verluste auf 2015 vorgetragen und verrechnet diese dann mit Ihren Gewinnen aus 2015. Bleibt ein Verlustrest, können Sie bis zum 15. Dezember 2015 die Bescheinigung für 2015 bei Ihrer Bank anfordern.

... um Fehler zu korrigieren

Situation. Haben Sie 2014 Wert­papiere verkauft, deren Anschaffungs­preis die Bank nicht kannte? Dann haben Sie wahr­scheinlich zu viel Abgeltung­steuer gezahlt.

Beispiel. Lars Lin wechselte 2014 die Bank und erzielte 5 000 Euro mit dem Verkauf eines Zerobonds. Da die neue Bank den Anschaffungs­preis von 4 000 Euro nicht kannte, berechnete sie 1 500 Euro Gewinn nach der Ersatz­bemessungs­grund­lage: 5 000 Euro Verkaufs­preis x 30 Prozent. Nach Abzug von 801 Euro Sparerpausch­betrag blieben 699 Euro – darauf führte die Bank 174,75 Euro Abgeltung­steuer plus 9,61 Euro Soli ab. Das ist zu viel. Lin hat nur 1 000 Euro Gewinn (Verkaufs­erlös minus Anschaffungs­preis) erzielt.

Anlage KAP. Lin beantragt in Zeile 5 die Korrektur. Das trägt er ein:

  • Zeile 7 linke Spalte die von der Bank bescheinigten steuer­pflichtigen Erträge: 1 500 Euro; rechte Spalte der richtige Wert: 1 000 Euro,
  • Zeile 9 links Ersatz­wert der Bank: 1 500 Euro; rechts Korrektur: 0 Euro,
  • Zeile 12 benutzter Sparerpausch­betrag: 801 Euro,
  • gezahlte Steuer: 174,75 Euro in Zeile 47; 9,61 Euro Soli in Zeile 48.

Erstattung. Lin bekommt 125 Euro und 6,87 Euro Soli zurück.

Tipp: Heben Sie Kauf­belege und Depot­auszüge auf, um Ihre Anschaffungs­kosten zu belegen.

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