Jung und Alt holen sich mit der Steuererklärung viel Geld zurück. Wir sagen, welche Chancen sie diesmal haben und was neu ist.

Es gibt größere Steuervorteile, andere Formulare und einen günstigeren Steuertarif: In der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2009 läuft vieles anders als in den Vorjahren.

Neu für alle

Sonderausgaben. Im Mantelbogen, den jeder ausfüllen muss, ist die Abrechnung der Sonderausgaben für alle neu. In den Vordruck gehören nur noch Posten wie:

  • die Kirchensteuer, die Arbeitnehmer 2009 für ihre Lohnsteuer gezahlt haben,
  • die Beiträge und Spenden, die Mitglieder ihrer Partei überwiesen haben,
  • die Spenden an gemeinnützige Vereine, Kirchen, Hochschulen und andere sozial nützliche Organisationen und
  • der Unterhalt an den geschiedenen oder an den dauernd getrennt lebenden Ehepartner.

Tipp: Solche Sonderausgaben bringen Ihnen ganz leicht Steuerersparnisse, weil das Finanzamt bei der Jahresabrechnung von sich aus dafür pauschal nur 36 (Ehepaare 72) Euro im Jahr anerkennt.

Aussortiert wurden alle Versicherungsbeiträge aus dem Mantelbogen. Auch die Kosten für die Altersvorsorge kommen dort nicht mehr vor. Diese Sonderausgaben trägt jetzt jeder in die neue Anlage Vorsorgeaufwand ein. Auch Riester- und Rürup-Sparer, die mit ihren Einzahlungen oft viel Steuern sparen, geben diese dort an.

In „Die neuen Formulare im Überblick“ stehen die wichtigsten Änderungen in den Vordrucken.

Gewinn im Haushalt

Ganz anders als bisher sieht im Mantelbogen zur Steuererklärung die Abrechnung für Mieter und Eigentümer aus, die im Jahr 2009 daheim Handwerker oder Haushaltshilfen beschäftigt haben.

Handwerker. Lohnkosten für Modernisierungs-, Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten im Haushalt lohnen sich bis 6 000 (früher 3 000) Euro in der Steuererklärung. So viel können auch Bewohner in Heimen abrechnen, wenn sie dort einen eigenen Haushalt führen und Handwerkerleistungen bezahlt haben.

Haushaltshilfen. Ausgaben für Fensterputzer, Reinigungsfrauen, Gärtner und andere selbstständig oder angestellt arbeitende Haushaltshilfen zählen seit 2009 bis zur Höhe von 20 000 Euro. Das Finanzamt zieht 20 Prozent des angegebenen Betrags von der Einkommensteuer des Mieters oder Eigentümers ab, maximal sind es 4 000 Euro im Jahr.

Pflegekräfte. Auch wenn ein Pflegedienst im Haushalt beschäftigt war oder im Heim Pflegekosten angefallen sind, ist die Steuerermäßigung für Haushaltshilfen möglich – aber meist nicht die beste Lösung.

Pflegekosten macht jeder, der nicht den Behindertenpauschbetrag von 3 700 Euro beantragt, besser als außergewöhnliche Belastung geltend. Von der Summe zieht das Finanzamt eine zumutbare Belastung ab. Die Höhe richtet sich nach dem Gesamtbetrag der Einkünfte, der für das jeweilige Jahr im Einkommensteuerbescheid steht (siehe Tabelle: Ausgaben für die Gesundheit).

Für die Kosten, die sich durch die zumutbare Belastung nicht auswirken, kommt dann noch die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen infrage.

Beispiel. Die Witwe Hella Körner hat einem Pflegedienst 3 000 Euro gezahlt. Sie kommt 2009 auf einen Gesamtbetrag der Einkünfte von 30 000 Euro. 6 Prozent davon zieht das Finanzamt von ihren Pflegekosten als zumutbare Belastung ab, insgesamt also 1 800 Euro. Die Witwe kann nur 1 200 Euro als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Für die restlichen 1 800 Euro erhält sie die Steuerermäßigung für Haushaltshilfen. 20 Prozent davon zieht das Finanzamt von ihrer Einkommensteuer ab. So spart Hella Körner noch mal 360 Euro.

400-Euro-Jobs. Für geringfügig beschäftigte Minijobber im Haushalt zieht das Finanzamt diesmal 20 (früher 10) Prozent der Lohn- und Fahrtkosten von der Steuerschuld ab, aber maximal 510 Euro.

Tipp: Auch wenn Sie über 60 Jahre alt, krank oder behindert sind, rechnen Sie Kosten für Hilfen im Haushalt nach den neuen Regeln ab. Der Abzug als außergewöhnliche Belastung bis zum Höchstbetrag von 624 Euro oder 924 Euro im Jahr ist weggefallen.

Günstig für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer können mit der Steuererklärung meist extra viel Geld zurückholen. In der Vergangenheit hat das Finanzamt jedem im Schnitt 765 Euro erstattet, hat die Berliner Senatsverwaltung berechnet. Besonders viel bringen die Ausgaben für den Job, denn pauschal erkennt das Finanzamt dafür nur 920 Euro im Jahr an.

Arbeitsweg. Schon alle, die mindestens 14 Kilometer zur Arbeit fahren, kommen über die Pauschale für Werbungskosten. Für jeden Kilometer der einfachen Entfernung zählen 30 Cent, das sind 966 Euro bei 230 Arbeitstagen. Da lohnt sich der Nachweis aller Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung.

Unfall. Vor allem im Winter sind viele Arbeitnehmer auf dem Arbeitsweg oder auf Dienstreisen mit ihrem Fahrzeug verunglückt. Bekommen sie Unfallkosten nicht ersetzt, können sie diese als Werbungskosten absetzen. Der im Jahr 2007 gestrichene Posten zählt jetzt wieder. Jeder sollte deshalb seine Reparatur-, Abschlepp-, Anwaltskosten und anderen Ausgaben mit Belegen versehen beim Finanzamt angeben. Die Höhe ist egal. Bei Totalschaden zählt der Restwert.

Doppelter Haushalt. Mehr Arbeitnehmer als früher sparen mit einer Zweitwohnung am Arbeitsort Steuern. Das Finanzamt muss nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs die Ausgaben auch bei allen anerkennen, die aus privaten Gründen vom Arbeitsort weggezogen sind (Az. VI R 58/06).

Bei der Jahresabrechnung zählt zum Beispiel die Miete am Arbeitsort für eine maximal 60 Quadratmeter große Zweitwohnung. Für eine Heimfahrt je Woche erkennt das Finanzamt 30 Cent pro Entfernungskilometer an, wenn Arbeitnehmer tatsächlich so oft nachhause gefahren sind. Bei 100 Kilometern zwischen Wohn- und Arbeitsort sind das 30 Euro pro Fahrt. Wer für Bahn- oder Busfahrkarten mehr bezahlt hat, gibt seine Ticketkosten an.

In den ersten drei Monaten der doppelten Haushaltsführung gibt es außerdem eine Tagespauschale für die Verpflegung. Bei 24 Stunden Abwesenheit vom Heimatort beträgt sie 24 Euro. Für 60 Arbeitstage kommen 1 440 Euro zusammen.

Fortbildung im Beruf. Selbst bezahlte Ausgaben für berufliche Fortbildungen wie einen Sprachkurs, eine Computerschulung oder eine Umschulung sind ebenfalls Werbungskosten. Auch Kosten für das erste Studium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung zählen, hat vergangenes Jahr der Bundesfinanzhof entschieden. Wenn das Studium einen Bezug zur künftigen Arbeit hat, sind Posten wie Studiengebühren, Kosten für Arbeitsmittel, Zinsen und Gebühren für Bildungskredite in voller Höhe Werbungskosten (Az. VI R 14/07).

Tipp: Geben Sie Ihre Ausgaben auch dann in der Steuererklärung an, wenn Sie bisher kein Einkommen versteuern müssen. Das Finanzamt stellt dann einen Verlust fest, den Sie von späteren Einkünften abziehen lassen können.

Andere Werbungskosten. Erreichen Arbeitnehmer die Pauschale von 920 Euro, lohnt es sich, alle möglichen Ausgaben für den Job abzurechnen. Gewerkschaftsbeiträge gehören genauso dazu wie Ausgaben für Bleistifte, Plastikhüllen, Aktenordner und Schreibmaterial.

Auch Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Schreibtischlampen, Aktenschränke und Laptops erkennt das Finanzamt an. Haben sie mit Umsatzsteuer maximal 487,90 Euro gekostet, zählen alle Kosten schon im Jahr des Kaufs. Teurere Arbeitsmittel muss dagegen jeder über die Nutzungsdauer abschreiben – den Preis für einen Laptop zum Beispiel über drei Jahre.

Klagen zum Mitgewinnen

Viele sollten auch solche Werbungskosten eintragen, um die andere Steuerzahler noch Musterprozesse gegen das Finanzamt führen. So halten sie sich ihre Chance bis zur Klärung durch die Gerichte offen.

Arbeitszimmer. Streit gibt es zum Beispiel ums Arbeitszimmer, das Arbeitnehmer in ihrer Wohnung haben. Vor 2007 konnten vor allem Lehrer, Richter, Außendienstmitarbeiter und alle, die sich daheim weiterbilden, Kosten bis 1 250 Euro absetzen. Das Finanzamt erkannte ihre Ausgaben als Werbungskosten an, wenn sie woanders keinen Arbeitsplatz hatten oder ihre berufliche Arbeit überwiegend daheim erledigten.

Tipp: Geben Sie Posten wie die Miete und Betriebskosten bei der Jahresabrechnung an, wenn Sie aus den gleichen Gründen zuhause ein Arbeitszimmer haben. Das Finanzamt lässt Ihren Steuerbescheid dazu automatisch offen, weil es Klagen beim Bundesfinanzhof und Bundesverfassungsgericht gibt. Machen die Richter die Streichung der Arbeitszimmerkosten rückgängig, müssen die Finanzämter Ihre Ausgaben nachträglich anerkennen.

Steuerberatungskosten. Auch Steuerberatungskosten sollten Sie voll in der Steuererklärung als Werbungskosten angeben. Seit 2006 erkennt das Finanzamt zwar nur noch das Honorar an, das auf die Berechnung der Einkünfte entfällt. Alles andere ist Privatsache, für die es keine Steuerersparnisse gibt. Dagegen gibt es aber eine Klage beim Bundesfinanzhof. Das Finanzamt rechnet Steuerberatungskosten deshalb im Steuerbescheid ebenfalls nur vorläufig ab. Verliert die Finanzverwaltung das Verfahren, könnte es Nachschlag geben.

Vorteil für Rentner

Steuertarif. Für viele Rentner ist der neue Steuertarif, der 2009 gilt, besonders günstig. Durch ihn kann jeder mehr Einkommen steuerfrei beziehen als bisher. Die Steuersätze sind niedriger und der Grundfreibetrag ist auf 7 834 (früher 7 664) Euro gestiegen . Der höhere Grundfreibetrag hat für Rentner zusätzlich den Vorteil, dass weniger von ihnen eine Steuererklärung abgeben müssen. Haben sie keine anderen Einkünfte, ist die Abrechnung nur Pflicht, wenn ihre gesetzliche Bruttorente – je nach Beginn – nicht höher als in der Tabelle ist:

Rentenbeginn / Bruttorente 2009
Bis 2005 / 15 440 Euro
2006 / 14 910 Euro
2007 / 14 480 Euro
2008 / 14 170 Euro
2009 / 13 680 Euro
Rente inklusive Erhöhungen, 2009 mit Erhöhung West.

Tipps: In Stichproben ist aufgefallen, dass Rentner in der Steuererklärung manchmal Fehler machen. Achten Sie auf Folgendes:

  • Sie müssen nicht nur Ihre gesetzliche Rente angeben, sondern alle Renten und Pensionen, die Sie 2009 hatten. Firmen- und Beamtenpensionen auf Steuerkarte gehören in die Anlage N, alle anderen in die Anlage R.
  • Tragen Sie in der Anlage R in Zeile 5 die gesetzliche Bruttorente ein. Sie dürfen diese nicht um Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung kürzen, müssen aber auch die steuerfreien Zuschüsse zur Krankenversicherung nicht angeben.
  • Rechnen Sie Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung auf der neuen Anlage Vorsorgeaufwand ab. Geben Sie dort außerdem Schutz wie Unfall-, Haftpflicht- und Krankenzusatzversicherungen an. Sie sparen damit fast immer Steuern.
  • Machen Sie außerdem im Mantelbogen außergewöhnliche Belastungen wie Krankheits- und Pflegekosten geltend.
  • Sie zahlen trotz Steuerpflicht oft keine Steuern, wenn Sie Ihre Kosten abrechnen.

Hilfe bei besonderen Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen kann jeder absetzen. Geht es um Krankheitskosten, etwa für Arztbehandlungen, Kuren und Medikamente, zieht das Finanzamt eine zumutbare Belastung ab und erkennt nur den Rest an (siehe Tabelle: Ausgaben für die Gesundheit). Vor allem ältere Menschen geben dafür aber oft so viel aus, dass sie dennoch Steuern sparen.

Andere außergewöhnliche Belastungen zählen vom ersten Euro. So können Angehörige, die 2009 bedürftige Lebensgefährten oder Verwandte unterstützt haben, bis zu 7 680 Euro absetzen. Zahlen sie 30 Prozent Steuern, sparen sie bis zu 2 304 Euro.

Plus für Eltern

Familienförderung. Der Staat hat 2009 auch etwas für die Familienförderung getan. Mütter und Väter haben für die ersten zwei Kinder 120 Euro und für jedes weitere Kind 192 Euro mehr Kindergeld im Jahr erhalten. Dazu kam für jedes Kind einmalig ein Bonus von 100 Euro, den sie diesmal mit in der Anlage Kind angeben müssen.

Auch der Kinderfreibetrag war 2009 mit 3 864 (vorher 3 648) Euro höher. Nur der Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung betrug unverändert 2 160 Euro.

Eltern erhalten die beiden Freibeträge nach der Steuererklärung, wenn sie günstiger als das Kindergeld sind. Ob das so ist, prüft das Finanzamt und berücksichtigt diesmal für jedes Kind auch den Sonderbonus von 100 Euro. In der Tabelle haben wir ausgerechnet, wie hoch das Einkommen 2009 sein muss, damit bei der Jahresabrechnung nachträglich die Freibeträge zum Zuge kommen.

Betreuungskosten. Geld vom Finanzamt zurück erhalten auch Alleinstehende und Ehepaare, die vergangenes Jahr berufstätig waren und Kindergärten, Tagesmütter, Babysitter oder andere Betreuer bezahlt haben. Das Finanzamt erkennt ihre Ausgaben vom ersten Euro als Werbungskosten an.

Für jedes Kind bis zum 14. Geburtstag zählen jedes Jahr Ausgaben bis 6 000 Euro. Nur zwei Drittel bringen Steuerersparnisse, also maximal 4 000 Euro im Jahr.

Alleinverdiener können so viel für Kinder vom 3. bis 6. Geburtstag als Sonderausgaben abrechnen, wenn ihr Partner nicht berufstätig ist, weil er zum Beispiel die Kinder daheim versorgt.

Tipp: Vielleicht können Sie Ihre Betreuungskosten bald voll absetzen. Es gibt ein Musterverfahren beim Bundesfinanzhof (Az. III R 67/09). In dem Streit geht es um die Frage, ob es verfassungsgemäß ist, dass Eltern lediglich zwei Drittel ihrer Betreuungskosten absetzen können.

Geben Sie auf jeden Fall alle Ausgaben an. Die Finanzämter müssen Steuerbescheide seit Mitte Februar bis zur juristischen Klärung offen halten (BMF-Schreiben IV A 3 - S 0338/07/10010). Günstige Urteile haben schon vielen im Nachhinein höhere Ersparnisse gebracht.

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