Neuland für Anleger

Trotz der neuen Abgeltungsteuer sollten viele Sparer ihre Kapitaleinnahmen weiter in der Steuererklärung angeben. Wir zeigen, wie sie ans Ziel kommen.

Anleger, die gehofft hatten, dass ihnen die Steuererklärung mit Einführung der Abgeltungsteuer erspart bleibt, werden enttäuscht. Gerade für zahlreiche Rentner und andere Sparer mit niedrigem Einkommen wird es sich lohnen, ihre Kapitalerträge freiwillig in die Formulare einzutragen, um kein Geld zu verschenken. Für andere Anleger ist das Ausfüllen sogar Pflicht, weil sie zum Beispiel noch ihre Kirchensteuer abrechnen müssen.

Welche Formulare wichtig sind

„Die Steuererklärung ist ja eigentlich kein Problem“, sagte kürzlich ein Finanztest-Leser – „wenn nur die Anlage KAP nicht wäre.“ Mit dieser Meinung steht der Mann nicht allein da: Aus Leserzuschriften wissen wir, dass häufig gerade dieses Formular, in dem die Einkünfte aus Kapitalvermögen abgerechnet werden, Kopfzerbrechen bereitet.

Jetzt müssen sich die Sparer auf eine komplett überarbeitete Anlage KAP einstellen. Unter Umständen müssen sie zudem die Anlage SO ausfüllen: Haben sie zum Beispiel noch 2008 Aktien oder Fondsanteile erworben und diese innerhalb eines Jahres verkauft, liegt ein privates Veräußerungsgeschäft vor. Dieses rechnen sie über die Anlage SO beim Finanzamt ab.

Die Anlage AUS, in der Einkünfte aus dem Ausland abgerechnet werden, hat dagegen für private Anleger in der Regel keine Bedeutung mehr: Alle Erträge aus privatem Kapitalvermögen – zum Beispiel auch aus ausländischen Investmentfonds oder einem Tagesgeldkonto in den Niederlanden – werden über die Anlage KAP abgerechnet. Anders als früher tragen Anleger hier auch die im Ausland gezahlte Quellensteuer ein, die sie auf die in Deutschland fällige Steuer anrechnen lassen können. Die Anlage AUS muss nur noch ausfüllen, wer etwa im Ausland Einkünfte aus Betriebsvermögen oder aus einer vermieteten Immobilie hat.

Neues im Mantelbogen

Wichtiger als früher ist für Anleger der Mantelbogen. Gleich zu Beginn müssen sie oben auf der ersten Seite angeben, ob sie die Steuererklärung auch abgeben, um die Kirchensteuer auf Kapitalerträge festsetzen zu lassen. In diesem Fall machen sie in Zeile 2 im linken Block ihr Kreuz.

Auf der zweiten Seite tragen sie ein, welche Anlagen sie mit der Steuererklärung einreichen: Für die Anlage KAP setzen sie in Zeile 35 ein Kreuz. Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen, die dort einzutragen sind, zählt seit 2009 zum Beispiel auch der Gewinn aus dem Verkauf von ab 2009 erworbenen Aktien oder Fondsanteilen.

Tipp: Ihre Gewinne aus dem Verkauf von vor 2009 erworbenen Aktien oder Fonds haben mit der Anlage KAP nichts zu tun. Wenn Sie diese Papiere mindestens ein Jahr besessen haben, sind die Gewinne steuerfrei und tauchen in keinem Steuerformular auf. Haben Sie vor Ablauf der Frist verkauft, setzen Sie Ihr Kreuz in Zeile 38, in der abgefragt wird, ob Sie die Anlage SO einreichen.

Spenden und Belastungen

An zwei weiteren Stellen spielen Kapitalerträge im Mantelbogen noch eine Rolle: Wollen Steuerzahler außergewöhnliche Belastungen geltend machen, müssen sie ihre Kapitalerträge dort eintragen. Das Finanzamt muss die Gesamteinkünfte kennen, also auch die Kapitalerträge, um zu ermitteln, welche Belastung noch zumutbar ist und ab wann sie außergewöhnlich ist. Die Angaben stehen in Zeile 72 oder 73.

Tipp: Wollen Sie besonders hohe Spenden und Mitgliedsbeiträge als Sonderausgaben geltend machen, können Sie beantragen, dass das Finanzamt die Kapitalerträge berücksichtigt, wenn es den maximal anerkannten Spendenbetrag ermittelt. Das Finanzamt erkennt bis zu 20 Prozent der Gesamteinkünfte als Sonderausgaben an. Die Kapitalerträge stehen in Zeile 57.

Begründung für die Anlage KAP

Die größten Veränderungen im Vergleich zu früher gibt es in der Anlage KAP selbst. Sie deckt fast sämtliche Kapitaleinkünfte ab. Sind Anleger Kunde mehrerer Banken, reicht ein zusammenfassendes Formular für alle Geldgeschäfte. Ehepaare geben zwei Anlagen ab, wenn beide Partner Kapitaleinkünfte abrechnen wollen oder müssen.

Ehe der Steuerzahler seine Einnahmen in der Anlage KAP angibt, muss er beantworten, warum er das Formular ausfüllt. Drei Gründe geben die Finanzbehörden vor:

  • Zeile 4: Der Anleger beantragt, dass das Finanzamt die Günstigerprüfung vornimmt. Das tun zum Beispiel diejenigen, die wie viele Rentner einen Steuersatz unter 25 Prozent haben. Für sie hat die Bank zu viel Abgeltungsteuer abgeführt, die sie nun zurückholen können. In dem Fall müssen sie all ihre Kapitalerträge in die Formulare eintragen, auch die aus dem Ausland.
  • Zeile 5: Der Anleger beantragt, dass das Finanzamt die Abrechnungen der Bank prüft und klärt, ob in passender Höhe Abgeltungsteuer geflossen ist. Stellt ein Anleger zum Beispiel fest, dass er seine Freistellungsaufträge zu niedrig erteilt und den Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft hat, trägt er in Zeile 5 eine „1“ für „ja“ ein.
  • Zeile 6: Der Anleger hat die Pflicht zur Abgabe der Anlage KAP, weil er Kapitalerträge erzielt hat, von denen die Bank zwar Abgeltungsteuer, aber keine Kirchensteuer einbehalten hat.

Tipp: Wenn Sie nur die Kirchensteuer über die Steuererklärung abrechnen, müssen Sie nicht alle Ihre Kapitalerträge eintragen. Es reicht, wenn Sie die Steuerbescheinigung Ihrer Bank beim Finanzamt einreichen und in Zeile 49 eintragen, wie viel Abgeltungsteuer insgesamt geflossen ist. In Zeile 50 geben Sie den Solidaritätszuschlag an.

Inländischer Steuerabzug

Im ersten großen Block der Anlage KAP werden ab Zeile 7 die Kapitalerträge abgefragt, für die das Finanzamt bereits Steuern erhalten hat und für die Steuerbescheinigungen vorliegen. Hier rechnen die Anleger unter anderem Zinsen, in- und ausländische Dividenden und Gewinne aus Wertpapiergeschäften ab. In Zeile 7 steht die Summe der Erträge, für die bereits Steuern gezahlt wurden, in den folgenden Zeilen werden die Erträge aufgeschlüsselt.

Zu den in Zeile 8 abgefragten Gewinnen aus Kapitalerträgen zählen zum Beispiel Gewinne aus dem Verkauf von ab 2009 erworbenen Fondsanteilen und steuerpflichtige Gewinne aus dem Verkauf von Zertifikaten. Gewinne aus Aktienverkäufen sind in Zeile 9 abzurechnen, vorausgesetzt, die Aktien sind erst 2009 gekauft worden.

Tipp: Wenn Sie glauben, die Bank hat für Ihre Kapitaleinnahmen mit falschen Werten gerechnet, tragen Sie ab Zeile 7 links den von der Bank genannten Wert ein und rechts den korrigierten Wert. Legen Sie Belege bei, die ihre Korrektur bestätigen.

Angaben zum Sparerpauschbetrag

In Zeile 14 tragen Anleger ein, wie viel von ihrem Sparerpauschbetrag von 801 Euro sie mit den in den Formularen abgerechneten Kapitalerträgen ausgeschöpft haben.

Beispiel: Ein Sparer hat bei Bank A einen Freistellungsauftrag in Höhe von 500 Euro gestellt. Davon hat er mit seinen Zinsen nur 300 Euro ausgeschöpft. Bei einer zweiten Bank hatte er 301 Euro freigestellt, aber 450 Euro Zinsen erzielt. Die zweite Bank hat daher für 149 Euro Zinsen Abgeltungsteuer an das Finanzamt gezahlt, obwohl der Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft war.

Um sich die Steuer zurückzuholen, trägt der Mann in Zeile 7 seine gesamten Zinsen von 750 Euro ein, in Zeile 14 setzt er für den in Anspruch genommenen Sparerpauschbetrag den Wert 601 Euro ein: Bei Bank A hat er davon 300 Euro in Anspruch genommen, bei Bank B die freigestellten 301 Euro.

Tipp: Sie müssen nicht immer all Ihre Geldgeschäfte in der Steuererklärung abrechnen: Nur in bestimmten Situationen ist das Pflicht, zum Beispiel, wenn Sie die Günstigerprüfung beantragen. Ansonsten können Sie auch einzelne Geldgeschäfte, an denen Sie nichts korrigieren wollen, aus den Steuerformularen herauslassen. Dann müssen Sie aber in Zeile 14a angeben, inwieweit Sie den Sparerpauschbetrag für Geldgeschäfte genutzt haben, die nicht in der Steuererklärung abgerechnet wurden.

Noch kein Steuerabzug

Kapitalerträge, für die noch keine Steuern an das Finanzamt gezahlt wurden, stehen in den Zeilen 15 bis 21. Dazu zählen zum Beispiel Zinsen bei einer ausländischen Bank, Gewinne aus ausländischen Wertpapiergeschäften (Kauf ab 2009) oder auch Zinsen aus einem privat vergebenen Darlehen.

In diesen Block tragen Steuerpflichtige auch Zinsen ein, die sie für Steuererstattungen vom Finanzamt erhalten haben (Zeile 21). Die Summe der Erträge, die noch zu versteuern sind, steht in Zeile 15, in den folgenden Zeilen werden sie aufgeschlüsselt.

Erträge zum persönlichen Steuersatz

In den Zeilen 22 bis 25 tragen Steuerpflichtige Kapitalerträge ein, die mit dem persönlichen Steuersatz und nicht mit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent abzurechnen sind. Hierzu zählen zum Beispiel Zinsen aus einem Darlehen, das der Anleger einer nahestehenden Person gegeben hat.

Tipp: Als nahestehende Personen gelten Angehörige, wie zum Beispiel Ehepartner und Geschwister oder auch Nichte und Neffe. Wer also etwa seinem Bruder ein Darlehen gewährt hat, zahlt für die Zinsen aus diesem Kredit den persönlichen Steuersatz.

Erträge aus Beteiligungen

Die Zeilen 31 bis 48 in der Anlage KAP müssen Steuerpflichtige zum Beispiel ausfüllen, wenn sie an einer Erbengemeinschaft beteiligt sind. Solche Fälle sind in dem Abschnitt „Erträge aus Beteiligungen“ gemeint und nicht etwa Anteile an Investmentfonds.

Bereits gezahlte Steuern

Der Abschnitt ab Zeile 49 ist wichtig, um bereits gezahlte Steuern angerechnet zu bekommen. Die Werte entnehmen die Anleger den Steuerbescheinigungen, die sie von den Banken auf Antrag bekommen.

In diesem Abschnitt geben alle, die nicht nur in Deutschland Geldgeschäfte machen, außerdem an, wie viel Quellensteuer oder EU-Zinssteuer sie für ihre Kapitalerträge im Ausland gezahlt haben.

Tipp: Achten Sie am Ende der Anlage KAP auf die Möglichkeiten, Anlageverluste verrechnen zu lassen. Wenn Sie zum Beispiel aus dem Verkauf von vor 2009 erworbenen Wertpapieren Altverluste haben, können Sie beantragen, dass diese Verluste mit Gewinnen aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Das beantragen Sie mit einer „1“ in Zeile 59. So sinkt Ihre Steuerlast weiter.

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