Steuererklärung Wann eine Einzel­ver­anlagung güns­tiger ist

13.10.2020
Steuererklärung - Wann eine Einzel­ver­anlagung güns­tiger ist
Nicht immer fahren Paare mit einer gemein­samen Steuererklärung güns­tiger. Manchmal lohnt es sich, wenn jeder Partner eine eigene Erklärung abgibt. © Getty Images

In bestimmten Konstellationen kann es sich für Paare lohnen, dass jeder Partner bei der Einkommensteuer eine eigene Steuererklärung abgibt. Statt der üblichen Zusammen­ver­anlagung ist für sie eine Einzel­ver­anlagung güns­tiger. In Corona-Zeiten stellt sich diese Frage mehr Paaren. Beispiel: Erhält ein Partner lange Kurz­arbeitergeld, kann eine Einzel­ver­anlagung vorteilhaft sein. Wir zeigen, in welchen Fällen sich der Aufwand lohnt.

Inhalt

Das Wichtigste in Kürze

Prüfen.
Sie über­legen, ob die Einzel­ver­anlagung in einem Steuer­jahr für Sie als Paar besser sein könnte als die Zusammen­ver­anlagung? Probieren Sie es mit einer Steuersoftware einfach aus. Dort können Sie meist vergleichen, welche Variante güns­tiger ist. Bei Elster müssen Sie beides durch­rechnen.
Ausgaben.
Wissen Sie im Voraus, dass Sie sich im folgenden Jahr für die Einzel­ver­anlagung entscheiden, können Sie die übers Jahr anfallenden Kosten geschickt aufteilen. Der Partner, der einen höheren Steu­ersatz zahlt, kann zum Beispiel absetz­bare Ausgaben über­nehmen.
Trennungs­jahr.
Auch wenn sich ein Paar trennt, kann es im Trennungs­jahr zwischen Einzel- und Zusammen­ver­anlagung wählen.

Meist Zusammen­ver­anlagung güns­tiger

Ohne Zusammen­ver­anlagung geht der sogenannte Splitting­tarif flöten. Bei diesem wird das gemein­sam zu versteuernde Einkommen so geteilt, als ob jeder Partner die Hälfte erwirt­schaftet hätte. Folge: Die Steuerschuld ist in der Regel nied­riger als bei der Einzel­ver­anlagung. Der Splitting­tarif lohnt sich am meisten für Paare, bei denen nur einer verdient.

In diesen Fällen kann sich die Einzel­ver­anlagung lohnen

Ist das Einkommen dagegen sehr ausgeglichen, kann sich in den folgenden Konstellationen eine Einzel­ver­anlagung lohnen:

Hohe Lohn­ersatz­leistungen. Für Einkünfte wie Arbeits­losengeld I, Kurz­arbeitergeld, Eltern­geld und Krankengeld gilt der „Progressions­vorbehalt“. Für sie fällt zwar keine Steuer an, allerdings erhöhen sie den Steu­ersatz für alle weiteren zu versteuernden Einkünfte. Veranlagt sich ein Paar zusammen, muss auch der Partner ohne Lohn­ersatz­leistungen mehr Steuern zahlen. Faust­regel: Sind Progressions­einkünfte plus steuer­pflichtiges Einkommen eines Part­ners höher als das steuer­pflichtige Einkommen des anderen, lohnt sich die Einzel­ver­anlagung oft (siehe Beispiel). Ist die Differenz der Einkommen aber zu groß, über­wiegt wieder der Splitting­vorteil.

Beispiel­rechnung Kurz­arbeitergeld

Ina Müller erhält wegen Corona 2020 ungefähr 16 300 Euro Kurz­arbeitergeld. Während der ersten drei Monate des Jahres arbeitet sie voll, danach einge­schränkt. Sie hat ein zu versteuerndes Einkommen von 30 000 Euro – zusätzlich zum Kurz­arbeitergeld. Ehemann Klaus Müller kommt übers Jahr auf 35 000 Euro zu versteuerndes Einkommen. Er hat keine Einkünfte, die dem „Progressions­vorbehalt“ unterliegen. Beide zahlen Kirchen­steuer. Bei der Zusammen­ver­anlagung müsste das Paar 15 889 Euro zahlen, durch die Einzel­ver­anlagung spart es 183 Euro.

Auslands­einkünfte. Viele Einkünfte aus dem Ausland sind in Deutsch­land nicht steuer­pflichtig. Aber sie unterliegen in der Regel dem Progressions­vorbehalt. Arbeitet ein Partner im Ausland, lohnt sich die Einzel­ver­anlagung sehr oft.

Verlust. Ebenfalls sinn­voll kann die Einzel­ver­anlagung sein, wenn einer der beiden steuerlichen Verlust erzielt – etwa als Unternehmer. Lassen sich die Partner im Jahr des Verlusts zusammen­ver­anlagen, verrechnet das Finanz­amt den Verlust eines Part­ners direkt mit den Einkünften des anderen. Besonders wenn diese nicht sehr hoch sind, fällt die Steuerersparnis gering aus. Wählt das Paar dagegen die Einzel­ver­anlagung, kann es den Verlust in ein anderes Steuer­jahr über­tragen – entweder in das nach­folgende oder das vorhergehende – selbst wenn der Bescheid schon bestands­kräftig ist. Im Folge­jahr veranlagt sich das Paar wieder zusammen. Haben beide ein positives Einkommen, kann eine deutlich höhere Steuerersparnis heraus­kommen.

Fünf­telregelung. Denk­bar ist auch, dass ein Partner eine Abfindung oder Lohn für eine mehr­jährige Tätig­keit erhält. Für diese Einkünfte gibt es eine alternative Besteuerungs­methode, die Fünf­telregelung. Sie ist meist güns­tiger als die reguläre Einkommensteuer, aber nicht immer. Der Steuer­vorteil ist umso höher, je größer der Unterschied zwischen der Einmalzahlung und dem laufenden Einkommen ist. Veranlagt sich ein Paar zusammen, wird dabei auch das laufende Einkommen des Part­ners berück­sichtigt – und die Fünf­telregelung bringt weniger Steuerersparnis. Die Einzel­ver­anlagung lohnt sich daher am ehesten, wenn der Arbeitnehmer neben der Einmalzahlung kaum weitere Einkünfte hat und sein Partner über ein beständig hohes Einkommen verfügt.

Kirchgeld. Diese Sonderform der Kirchen­steuer fällt an, wenn der Partner eines Kirchen­mitglieds keiner steuererhebenden Kirche angehört und sich das Paar zusammen­ver­anlagt. Bei der Einzel­ver­anlagung ist nur die normale Kirchen­steuer auf das Einkommen des Kirchen­mitglieds fällig. Diese Steuer­gestaltung kann sich in einigen Fällen lohnen, meist wiegt aber der Verlust des Splitting­vorteils schwerer.

Außergewöhnliche Belastungen. Bevor sich zum Beispiel Krank­heits­kosten steuerlich auswirken, zieht das Finanz­amt eine zumut­bare Belastung ab. Dieser individuelle Betrag steigt mit dem Einkommen. Veranlagt sich das Paar zusammen, wird bei der Berechnung der zumut­baren Belastung das Einkommen der Partner zusammengezählt− bei der Einzel­ver­anlagung nicht. Daher kann sich die Einzel­ver­anlagung manchmal lohnen, wenn die Kosten eines Part­ners über seiner individuellen Grenze liegen, aber unter der Grenze, die sich aus dem Gesamt­einkommen des Paares ergibt.

Neben­einkünfte. Ob Ruhe­ständ­lerin, Arbeitnehmer oder Beamtin – Nicht­selbst­ständige müssen auf Neben­einkünfte unter 410 Euro im Jahr keine Steuern zahlen. Bis zu 820 Euro Neben­verdienst gilt mit dem sogenannten Härte­ausgleich ein reduzierter Steu­ersatz. Ein zusammen­ver­anlagtes Paar bekommt diese Steuerermäßigung nur einmal. Veranlagen sich die Partner getrennt, kann jeder seinen eigenen Höchst­betrag ausnutzen. Haben beide Neben­einkünfte, kann sich vor allem für Ruhe­ständler die Einzel­ver­anlagung lohnen.

Besser vorab durch­rechnen

Bei wem eine dieser Konstellationen vorliegt, sollte eine Einzel­ver­anlagung zumindest in Erwägung zieht Allerdings empfiehlt es sich, das vorab genau durch­rechnen. Denn der Aufwand lohnt sich nur für eine Minderheit – die Mehr­heit aller Paare fährt mit der üblichen Zusammen­ver­anlagung besser. Lohnt sich die Einzel­ver­anlagung, gilt das oft auch nur in einem Jahr. Im folgenden Jahr kann die individuelle Situation völlig anders aussehen.

Über­prüfen per Steuersoftware

Ob sich die Einzel­ver­anlagung wirk­lich lohnt, sollten Paare schon im Voraus über­prüfen. Am leichtesten geht das mit einer Steuersoftware. Diese Programme bieten oft einen direkten Vergleich zwischen Einzel- und Zusammen­ver­anlagung an. Bei Elster, dem Steuer­programm der Finanz­verwaltung, ist der Vergleich etwas komplizierter. Zunächst muss test­weise für die Zusammen­ver­anlagung die Steuerlast ermittelt werden. Dann müssen Ehepartner oder einge­tragene Lebens­partner für die getrennte Veranlagung Einzel­erklärungen erstellen und die Ergeb­nisse addieren.

Beantragen

Das Kreuz für Zusammen- oder Einzel­ver­anlagung kommt in Zeile 24 im Haupt­vordruck. Wichtig: Beantragt ein Partner die Einzel­ver­anlagung, muss der andere seine Steuererklärung verpflichtend abgeben.

Ausgaben aufteilen

Grund­sätzlich gilt bei der Einzel­ver­anlagung: Einkünfte erklärt nur derjenige, der sie erwirt­schaftet hat. Gesplittet werden auch Kinder­geld und Kinder­frei­beträge. Für Ausgaben gilt ähnliches: Wer einen Posten bezahlt, darf ihn auch in seiner Steuererklärung angeben. Diese Art der Aufteilung ist allerdings mitunter mühsam und aufwendig. Der Gesetz­geber erlaubt daher eine Alternative. Beide Ehe-/Lebens­partner beantragen in ihrer jeweiligen Steuererklärung die hälftige Aufteilung aller Sonder­ausgaben, außergewöhnlichen Belastungen, haus­halts­nahen Dienste, Hand­werk­erkosten und energetischen Sanierungs­maßnahmen.

13.10.2020
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