Steuererklärung Special

Millionen Mieter sparen kräftig mit der Steuererklärung. Neben­kosten zur Miete zählen ebenso wie Lohn für Haus­halts­hilfen.

Viele hundert Euro können Mieter sich für Ausgaben rund um ihre Wohnung vom Finanz­amt zurück­holen. Besonders viel bekommen sie zurück, wenn sie vergangenes Jahr Geld für Hand­werker und Haus­halts­hilfen ausgegeben haben. Zudem lohnt es sich jedes Jahr, bestimmte Neben­kosten zur Miete anzu­geben.

Aus der Rechnung des Vermieters oder Verwalters zählen vor allem folgende Posten im Mantelbogen der Steuererklärung:

  • Hauswart und Haus­reinigung,
  • Schorn­stein­reinigung,
  • Pflege der Außen­anlagen,
  • Schnee- oder Eisbeseitigung auf dem Grund­stück,
  • Aufzugs- und Heizungs­wartung,
  • Dach­rinnen­reinigung und
  • Ungeziefer­beseitigung.

Die meisten Mieter leisten für die Neben­kosten Voraus­zahlungen. Erst in der Endabrechnung stehen später die genauen Werte. Meist liegt die Aufstellung für 2012 zur Steuererklärung noch nicht vor. Wer nicht warten will, rechnet die Beträge aus der Neben­kosten­abrechnung des Vorjahres ab.

Beispiel: Ein Mieter über­nimmt daraus:

Steuererklärung Special

So trägt der Mann die Beträge in den Mantelbogen zur Steuererklärung ein:

  • 567,12 Euro für Hauswart, Schnee- und Eisbeseitigung, Pflege der Außen­anlagen und Haus­reinigung in Zeile 74 als haus­halts­nahe Dienst­leistungen,
  • 76,70 Euro für Schorn­stein­reinigung und Wartung der Heizungs­therme in Zeile 76 als Hand­werk­erleistungen.

Im Steuer­bescheid gibt es für alles zusammen eine Steuerermäßigung von 129 Euro (20 Prozent von 643,82 Euro).

Tipp: Sie können die Neben­kosten auch angeben, wenn die endgültige Jahres­abrechnung vom Vermieter oder Verwalter da ist. Kommt diese für die Steuererklärung 2012 zu spät, machen Sie die Angaben für 2012 einfach in der Steuererklärung für 2013. Sind die Neben­kosten für das Jahr 2011 noch nicht abge­rechnet, weil der Beleg fehlte, holen Sie das jetzt in der Steuererklärung für 2012 nach.

Auf Prozesse achten

Über einige Neben­kosten streiten Kläger mit ihren Finanz­ämtern noch vor dem Bundes­finanzhof (BFH):

  • Es gibt die Steuerermäßigung zwar für die Schnee- und Eisbeseitigung auf dem Grund­stück. Für den angrenzenden Gehweg will die Finanz­verwaltung aber nichts anerkennen (Az. VI R 55/12).
  • Kosten für den Anschluss an die zentrale Wasser­versorgung fallen zurzeit unter den Tisch, wenn die Arbeiten außer­halb des Grund­stücks statt­finden (Az. VI R 56/12).

Vor dem BFH klagen zwar Grund­stücks­eigentümer. Wenn sie gewinnen, können künftig aber auch Mieter Neben­kosten für den Winter­dienst und die Gehwegreinigung auf der Straße beim Finanz­amt steuerlich geltend machen.

Tipp: Rechnen Sie auch strittige Posten aus der Neben­kosten­abrechnung ab. Legen Sie Einspruch gegen den Steuer­bescheid ein, wenn das Finanz­amt den Abzug ablehnt. Verweisen Sie auf die Aktenzeichen der BFH-Verfahren und beantragen Sie das Ruhen des Verfahrens. Dann bleibt Ihr Steuer­bescheid offen und Sie profitieren, wenn Urteile günstig für Sie ausgehen.

Haus­arbeit und Pflege abrechnen

Viele Mieter zahlen nicht nur Neben­kosten, sie engagieren auch selbst Helfer. Die Ausgaben können sie geltend machen.

Haus­arbeit. War 2012 eine Haus­halts­hilfe oder ein Fens­terputzer in der Wohnung beschäftigt, geben sie die Kosten dafür an:

  • Für die selbst­ständig arbeitende Hilfen kommt der Betrag in Zeile 74 und für sozial­versicherte in Zeile 73 des Mantelbogens. Das Finanz­amt erkennt für beide zusammen Ausgaben bis 20 000 Euro im Jahr an und gewährt maximal 4 000 Euro (20 Prozent) Steuerermäßigung.
  • Für Minijobber mit pauschal versteuerten Löhnen bis 400 Euro im Monat gehören die Lohn­kosten in Zeile 72, maximal zählen 2 550 Euro. Der Steuerrabatt beträgt bis zu 510 Euro (20 Prozent).

Beispiel: Eine Mieterin beschäftigt eine Haus­halts­hilfe, die selbst­ständig arbeitet. Sie hat der Frau im vergangenen Jahr Arbeits­stunden und Fahrt­kosten von 1 200 Euro bezahlt. Dazu kommen 350 Euro, die sie ihrem Vermieter als Neben­kosten zur Miete für die Schnee-, Eisbeseitigung und Haus­reinigung über­wiesen hat. Beides zählt als haus­halts­nahe Dienst­leistung. Die Mieterin trägt die Summe von 1 550 Euro in Zeile 74 im Mantelbogen ein, sie erhält 310 Euro als Steuerermäßigung (20 Prozent) zurück.

Pflege. Sind Steuerzahler oder Angehörige, mit denen sie zusammenleben, aus gesundheitlichen Gründen auf Hilfe angewiesen, zählt auch das. Die Kosten für die Betreuer oder den Pflege­dienst erkennt das Finanz­amt an. Der Betrag kommt in Zeile 75 des Mantelbogens. Die Steuerermäßigung von 20 Prozent gibt es, ohne dass eine Pfle­gestufe oder ärzt­liche Verordnung nötig ist.

Heimbe­wohner. Auch Menschen, die im Heim leben und dort einen Haushalt mit Kochgelegenheit und Bad gemietet haben, können haus­halts­nahe Dienst­leistungen abrechnen. Sie tragen sämtliche Kosten in Zeile 75 im Mantelbogen ein.

Beispiel: Eine Pensionärin über­weist Kosten von 1 000 Euro im Jahr für den Hausmeister, die Putz­hilfe, die Bereit­schafts- und Betreuungs­hilfen, die sie laut Heim­vertrag zahlt. Sie gibt die Summe in Zeile 75 an und erhält 200 Euro (20 Prozent) Steuerermäßigung.

Pfle­gestufe. Haben kranke Menschen mindestens die Pfle­gestufe null, ist es oft güns­tiger, wenn sie alle Pflege­kosten in Zeile 68 des Mantelbogens als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Davon zieht das Finanz­amt zwar eine zumut­bare Belastung ab, die 1 bis 7 Prozent vom Gesamt­betrag der Einkünfte im Steuer­bescheid beträgt. Doch für diesen Betrag kann jeder in Zeile 71 zusätzlich die Steuerermäßigung für Haus­halts­hilfen beantragen.

Beispiel: Im Jahr 2012 zahlte ein Witwer 5 000 Euro für den Pflege­dienst, der in seine Wohnung kommt. Als zumut­bare Belastung zieht das Finanz­amt von seinen Kosten 2 520 Euro ab (6 Prozent von 42 000 Euro Gesamt­betrag der Einkünfte). Die restlichen 2 480 Euro setzt der Mann als außergewöhnliche Belastung ab und spart 868 Euro Steuern, da sein Grenz­steu­ersatz 35 Prozent beträgt. Für die zumut­bare Belastung von 2 520 Euro beantragt er die 20-prozentige Steuerermäßigung für Haus­halts­hilfen und erhält 504 Euro zurück. Insgesamt sinkt seine Einkommensteuer um 1 372 Euro und der Solidaritäts­zuschlag um rund 75 Euro.

Hand­werker nicht vergessen

Waren Hand­werker in der Wohnung beschäftigt, gehören die Ausgaben für ihren Lohn, ihre Fahrt- und Maschinen­kosten in die Steuererklärung. Vielleicht haben sie ja Parkett neu verlegt, ein Bad saniert oder die Wasch­maschine repariert. Es zählen Kosten bis 6 000 Euro im Mantelbogen (Zeile 76). Die Einkommensteuer ermäßigt sich um maximal 1 200 Euro (20 Prozent).

Sauber trennen

Steuererklärung Special

Ob Hand­werker oder Haus­halts­hilfe – das Finanz­amt erkennt für alle Dienst­leistungen rund um den Haushalt nur bestimmte Kosten an. Von dem Geld, das selbst­ständig arbeitende Haus­halts­hilfen, Pfleger, Betreuer oder Hand­werker erhalten haben, zählen:

  • Arbeits­kosten, Maschinen- und Fahrt­kosten inklusive Umsatz­steuer,
  • Kosten für Verbrauchs­mittel wie Reinigungs-, Spül- und Schmier­mittel.

Für sozial­versicherte Haus­halts­hilfen und Minijobber sind es:

  • der Brutto­lohn oder das Arbeits­entgelt,
  • Sozial­versicherungs­beiträge, Lohn­steuer, Solidaritäts­zuschlag, Kirchen­steuer,
  • Unfall­versicherungs­beiträge und Umlagen nach Aufwendungs­ausgleichs­gesetz.

Tipp: Haben Sie 2012 eine Haus­halts­hilfe auf 400-Euro-Basis bei der Minijobzentrale angemeldet, erhalten Sie von dort für das Finanz­amt eine Bescheinigung über Ausgaben wie das Arbeits­entgelt, die Steuern und Sozial­abgaben.

Bis zu 5 710 Euro Rabatt mitnehmen

Mieter können Kosten für jede Wohnung in der Europäischen Union, Norwegen, Island und Liechten­stein abrechnen – auch für:

  • Wohnungen, die Kinder nutzen, für die sie Anspruch auf Kinder­geld haben,
  • Zweit-, Ferien-, Wochen­endwohnungen,
  • Miet­wohnungen, für die sie als Erbe aufkommen müssen – sogar, wenn der Vermieter dort eine Reno­vierung veranlasst hat (Senats­verwaltung für Finanzen Berlin, Informationen der Fachreferate III A bis III C, 1/2007).

Bis zu 5 710 Euro Steuerrabatt im Jahr sind drin. Geht es um mehrere Wohnungen, gilt der Höchst­betrag für alle zusammen.

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