Im Januar nimmt das Finanzamt die ersten Abrechnungen für das Jahr 2009 entgegen. Wir sagen, wer eine machen muss.

Viele Menschen machen sie einfach nicht, die Steuererklärung. Sie finden das zu kompliziert oder sie haben einfach keine Lust. Das ist menschlich, aber keine Entschuldigung, denn die Steuererklärung ist oft Pflicht. Wer dann keine abgibt, kann bestraft werden, wenn er entdeckt wird.

Oft lohnt sich die Steuererklärung sogar. Laut Berliner Senatsverwaltung bekam jeder Arbeitnehmer vergangenes Jahr im Schnitt rund 765 Euro zurück. Auch Selbstständige, Rentner und Pensionäre zahlen nicht zwangsläufig Steuern nach, wenn sie ihre Pflicht erfüllen.

Wer wissen will, ob die Steuererklärung sein muss, prüft einfach seine Einnahmen.

Mit Lohn und Pension

Menschen, von denen das Finanzamt Lohnsteuer erhalten hat, sehen nach, welche Steuerklasse sie 2009 auf der Steuerkarte hatten. Auch wer nur wenig Lohn oder Pension versteuert hat, wie viele Rentner, achtet zunächst auf seine Steuerklasse.

Stand auf der Steuerkarte die Klasse I oder II für Alleinstehende oder die Klasse III oder IV für Ehepartner, verlangt das Finanzamt allein für den Lohn oder die Pension keine Steuererklärung. Die Behörde hat dafür genug Lohnsteuer erhalten.

Hatte ein Ehepartner die Steuerklasse V, müssen Ehepaare dagegen immer eine Steuererklärung abgeben.

Auch Alleinstehende und Ehepaare, die zum Lohn oder zur Pension Nebeneinkünfte über 410 Euro im Jahr hatten, kommen nicht am Finanzamt vorbei. Miet- oder Renteneinkünfte, die höher sind, machen die Abrechnung zum Pflichtprogramm.

Die wichtigsten Gründe, aus denen eine Steuererklärung sein muss, siehe Lohnsteuerzahler. Die meisten kann jeder leicht prüfen. Nur die Berechnung der Nebeneinkünfte ist nicht so einfach. Lohnsteuerzahler berechnen diese genauso, wie wir es im Folgenden für Selbstständige und Rentner ohne Lohn und Pension beschreiben.

Ohne Lohn und Pension

Selbstständige und Rentner erzielen Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, Renten, Mieten und Kapitaleinnahmen – aber häufig keinen Lohn und keine Pension. Sie rechnen ihre Einkünfte zusammen. War die Summe im Jahr 2009 höher als der Grundfreibetrag von 7 834 (Ehepaare 15 668) Euro, muss eine Steuererklärung sein.

Unter Einkünften versteht das Finanzamt aber nicht den Betrag, den die Menschen tatsächlich einnehmen. Sie dürfen davon Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen und oft auch einen steuerfreien Teil.

Selbstständige Arbeit. Selbstständige kürzen ihre Einnahmen aus selbstständiger Arbeit um Betriebsausgaben wie die Büromiete und Abschreibungen für Güter wie Firmenwagen, Computer oder Büromöbel.

Miete. Vermieter ziehen von ihren Mieten Werbungskosten wie Betriebs-, Instandsetzungs-, Finanzierungskosten und die Abschreibungen für das Gebäude ab.

Kapitaleinnahmen. Zinsen, Dividenden und Verkaufsgewinne über dem Sparerpauschbetrag von 801 (Ehepaare 1 602) Euro, für die Anleger pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen wollen, zählen nicht bei der Berechnung der Einkünfte mit.

Gesetzliche Rente. Rentner berücksichtigen ihre gesetzliche Rente, nachdem sie ihren Freibetrag abgezogen haben. Er ist je nach Rentenbeginn unterschiedlich hoch und wird in der Regel auf Basis der Rente im Jahr nach Rentenbeginn berechnet. Der Betrag bleibt bis zum Lebensende gleich.

Rentenbeginn / Rentenfreibetrag
Bis 2005: 50 Prozent
2006: 48 Prozent
2007: 46 Prozent
2008: 44 Prozent
2009: 42 Prozent

Rente aus Versorgungswerk. Von Renten aus beruflichen Versorgungswerken ist derselbe Anteil steuerfrei wie von der gesetzlichen Rente.

Rürup-Rente. Auch der steuerfreie Teil von Renten aus Rürup-Verträgen ist so hoch wie für die gesetzliche Rente.

Privatrente. Rentner, die aus privaten, nicht geförderten Rentenversicherungen Renten erhalten, müssen davon nur sehr wenig beim Finanzamt abrechnen. Je nach Alter bei Rentenbeginn sind es:

Alter bei Rentenbeginn – Steuerpflichtiger Teil
60 / 61: 22 Prozent
62: 21 Prozent
63: 20 Prozent
64: 19 Prozent
65 / 66: 18 Prozent

Firmenrente. Ebenso günstig wie Privatrenten sind bei der Berechnung der Einkünfte Firmenrenten ohne Steuerkarte, deren Beiträge im Berufsleben aus versteuertem Einkommen finanziert wurden. Dazu zählen zum Beispiel Renten aus dem Versorgungswerk des Bundes und der Länder (VBL) und Renten aus pauschal versteuerten Direktversicherungen.

Geförderte Firmenrente. Voll mitrechnen müssen Firmenrentner Renten aus Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds mit steuerfreier Einzahlung im Berufsleben.

Riester-Vertrag. Renten aus Riester-Verträgen schlagen ebenfalls voll zu Buche.

Werbungskosten. Die steuerpflichtige Rentensumme kürzen Rentner um Werbungskosten wie das Honorar für den Rentenberater oder sie ziehen eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro ab.

Altersentlastungsbetrag. Ältere Menschen können von ihren Nebeneinkünften den Altersentlastungsbetrag von maximal 1 900 Euro abziehen, wenn sie am Jahresanfang mindestens 64 Jahre alt waren. Er geht zum Beispiel ab von Einkünften aus Mieten, aus selbstständiger Arbeit, aus Riester-Verträgen und aus voll steuerpflichtigen Firmenrenten. Ehepartner erhalten beide einen Altersentlastungsbetrag, wenn jeder Nebeneinkünfte hat und alt genug ist.

Wie ein Rentner rechnet

Nehmen wir einen Witwer, der 2008 mit 65 Jahren in Rente gegangen ist und letztes Jahr 12 000 Euro gesetzliche Rente und  6 000 Euro Privatrente bezogen hat. So rechnet er seine Einkünfte aus:

Renteneinkünfte

Gesetzliche Rente 12 000 Euro
44 Prozent Rentenfreibetrag –5 280 Euro
Steuerpflichtige gesetzliche Rente 6 720 Euro
6 000 Euro Privatrente, davon 18 Prozent steuerpflichtig +1 080 Euro
Werbungskostenpauschale für beide Renten –102 Euro
Gesamtbetrag der Einkünfte 7 698 Euro

Da der Gesamtbetrag der Einkünfte niedriger als 7 834 Euro ist, muss der Witwer keine Steuererklärung abgeben.

Tipp: Für Rentner mit Kapitaleinkünften kann sich die Steuererklärung mit so geringen Einkünften aber lohnen. Ihr Steuersatz ist niedriger als 25 Prozent, deshalb bringt das Ausfüllen der Formulare Abgeltungsteuer zurück.

Wie ein Selbstständiger rechnet

Ein Selbstständiger rechnet zum Beispiel so: Hat ein Hochschulabgänger 2009 in seinem ersten Jahr 14 000 Euro verdient, zieht er davon diese Betriebsausgaben ab:

Einkünfte aus selbstständiger Arbeit

Betriebseinnahmen 14 000 Euro
Büromiete inklusive Nebenkosten –2 000 Euro
Abschreibung Hard- und Software –1 700 Euro
Reisekosten –500 Euro
Kosten für Fachbücher/Büromaterial –300 Euro
Einkünfte 9 500 Euro

Eine Steuererklärung muss sein, weil die Einkünfte höher als 7 834 Euro sind. Kann der Mann mindestens noch 1 666 Euro Versicherungskosten absetzen, erhält das Finanzamt dennoch keine Steuern.

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