Bei der Steuererklärung zu schummeln, wird gefährlicher. Zunehmend setzen die Finanzämter auf Kontrollmitteilungen: Entdeckt zum Beispiel ein Betriebsprüfer in einer Firmenbilanz eine Ausgabe für einen freien Mitarbeiter, schickt er eine Mitteilung an dessen Finanzamt. Hat der Mitarbeiter das Geld nicht versteuert, wirds unangenehm. Seit 1996 stieg die Zahl der Prüfungen von 18.950 auf 30.869 im Jahr 1998. Anlässe gibt es viele:

Anzeigen: Anonyme Anzeigen von Nachbarn (Schwarzarbeit) oder Geschäftspartnern. Auch Dauerinserate in Zeitungen (Gästezimmer, Handwerkerarbeiten) sind verräterisch.

Auslandsgeld: Von Überweisungen erfährt das Finanzamt bei Prüfungen der Bank. Wer Geld im Ausland hat und die Depotkosten vom Girokonto überweist, hat die Fahnder auf dem Hals.

Erbschaft: Erbschaften oberhalb der Freibeträge sind innerhalb von drei Monaten zu melden. Standesämter legen alle Todesfälle dem Finanzamt vor, Gerichte und Notare informieren über Testamente und Erbscheine.

Immobilie: Der Notar schickt eine Kopie des Kaufvertrags ans Finanzamt. Und das will wissen, wo das Geld herkommt. Bei Verkäufen fragen die Beamten, wie der Erlös angelegt wurde.

Job: Nebeneinnahmen fliegen bei Betriebsprüfungen auf. Die führt das Finanzamt bei vielen Firmen regelmäßig durch und meldet Honorarlisten der einzelnen Jobber an deren Finanzämter.

Kapitaleinkünfte: Bei Freistellungsaufträgen wird streng kontrolliert, ob der seit Jahresbeginn halbierte Freibetrag von 3.100 Mark (Ehepaare: 6.200 Mark) eingehalten wird. Achtung: Wer den alten, doppelt so hohen Freibetrag voll ausgeschöpft hat und jetzt keine Einkünfte jenseits der niedrigeren Grenze angibt, macht sich verdächtig.

Kinder: Für Volljährige mit eigenem Einkommen von jährlich über 13.500 Mark entfällt das Kindergeld. Verschweigen die Eltern solche Einkünfte, kommt das heraus, sobald der Nachwuchs einen Lohnsteuerjahresausgleich durchführt.

Spekulationsfrist: Viele Anleger verschweigen Kursgewinne innerhalb der Spekulationsfrist. Hier fragen die Prüfer verstärkt nach, zum Beispiel bei Wertpapierhandelshäusern.

Werbungskosten: Zahlt der Arbeitgeber Reisekosten, Bücher oder Fortbildung, stellt der Prüfer per Kontrollmitteilung fest, ob man diese Ausgaben noch einmal angegeben hat.

Dieser Artikel ist hilfreich. 193 Nutzer finden das hilfreich.