Arbeiten im Home­office ist praktisch. Und manche Kosten – etwa für Strom, Miete, Heizung – lassen sich steuerlich geltend machen.

Immer mehr Angestellte arbeiten im Home­office. Jetzt kann jeder eine Home­office-Pauschale von bis zu 600 Euro als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben abrechnen. Aber vor­erst nur für die Jahre 2020 und 2021. Noch mehr ist meist für ein häusliches Arbeits­zimmer drin. Wer dort fast nur seine beruflichen Aufgaben erledigt, sich weiterbildet oder einem Neben­job nachgeht, kann die tatsäch­lichen Kosten voll oder begrenzt in seiner Steuererklärung abrechnen. Hier lesen Sie die Regeln.

Home­office & Arbeits­zimmer – wichtige Fakten

Alle Details zur Steuererklärung. Das Arbeits­zimmer ist nicht alles. Im Ratgeber Steuern von Finanztest lesen Sie alle Details. Hier zeigen wir Ihnen auch, wie Sie die Kosten für das Arbeits­zimmer korrekt in die Steuererklärung eintragen.

Home­office-Pauschale. Konnten Arbeitnehmer bisher allenfalls ein separates Arbeits­zimmer absetzen, muss das Finanz­amt 2020 und 2021 erst­mals für jeden Arbeits­tag im Home­office eine Home­office-Pauschale von 5 Euro anerkennen. Einzige Bedingung: An dem Tag waren sie nicht an ihrer Arbeits­stätte. Insgesamt kann jeder für alle seine beruflichen Tätig­keiten bis zu 600 Euro im Jahr absetzen – auch jeder Ehepartner für sich.

Arbeits­zimmer absetzen. Sie können sich ein separates Arbeits­zimmer daheim leisten? Dann dürfen Sie anstelle der Home­office-Pauschale Ihre tatsäch­lichen anteiligen Miet- und Neben­kosten absetzen. Es muss aber ein mit Büromöbeln einge­richteter separater Raum sein, der fast nur zum Arbeiten dient oder zur beruflichen Weiterbildung. Sie arbeiten über­wiegend im Home­office – also etwa mindestens drei von fünf Arbeits­tagen pro Woche in dem Zimmer? Ist es Mittel­punkt Ihrer Tätig­keit, zählen die Kosten für diese Monate unbe­grenzt. Arbeiten Sie in anderen Monaten oder grund­sätzlich mehr Tage im Betrieb als zu Hause, machen sie insgesamt bis zu 1 250 Euro im Jahr geltend. Dann ist allerdings Bedingung, dass Sie zu Hause arbeiten müssen, weil für die Arbeiten kein anderer Arbeits­platz zur Verfügung steht oder der Chef Home­office etwa wegen Infektions­schutzes ange­ordnet hat.

Nur geringe private Nutzung. In einem steuerlich anerkannten Arbeits­zimmer hat Privates keinen Platz: Das Büro zu Hause bringt nur dann einen Steuer­vorteil, wenn es fast ausschließ­lich beruflich genutzt wird. Es bringt keinen Vorteil, wenn es zu 10 Prozent oder mehr privat genutzt wird (BFH, Az. GrS 1/14, Az. X R 1/13, Az. IX R 20/13, Az. IX R 21/13 sowie Az. IX R 23/12).

Ganz oder anteilig? Sie dürfen die Kosten für ein Arbeits­zimmer absetzen – und zwar unbe­grenzt als Werbungs­kosten, wenn das Büro zu Hause den Mittel­punkt Ihrer gesamten beruflichen Arbeit bildet (BFH, Az. GrS 1/14). Ein Tag pro Woche Home­office reicht dafür nicht aus. Es müssen bei einer Fünf­tage-Arbeits­woche mindestens drei Tage sein. Steht Ihnen für bestimmte Tätig­keiten kein anderer Arbeits­platz zur Verfügung, können Sie maximal 1 250 Euro pro Jahr beim Finanz­amt abrechnen (siehe Grafik unten). Das gilt zum Beispiel für bestimmte Berufs­gruppen, etwa Lehrer, Förster oder Außen­dienstler.

Kosten berechnen. Um die Ausgaben zu ermitteln, die auf das Arbeits­zimmer entfallen, berechnen Sie den prozentualen Anteil des Zimmers im Verhältnis zur gesamten Wohn­fläche. Mit diesem Prozent­satz teilen Sie laufenden Kosten wie Miete, Heiz­kosten, Strom und Müll­abfuhr auf.

Steuern senken. Wer die Home­office-Pauschale oder Ausgaben für ein Arbeits­zimmer in seiner Steuererklärung geltend macht, senkt damit sein zu versteuerndes Einkommen und spart so am Ende Steuern, wenn unterm Strich mehr als 1 000 Euro Werbungs­kosten im Jahr zusammen­kommen.

Häusliches Arbeits­zimmer nicht anerkannt? Das Finanz­amt hat die Kosten für Ihr Arbeits­zimmer im Home­office gestrichen? Anschaffungs­kosten und laufende Ausgaben für beruflich benötigte Arbeits­mittel etwa Smartphone, Drucker oder PC können Sie trotzdem als Werbungs­kosten absetzen.

Wann gilt ein Raum steuerlich als häusliches Arbeits­zimmer?

Lage, Funk­tion. Ein häusliches Arbeits­zimmer ist ein Raum, der seiner Lage, Funk­tion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuer­pflichtigen einge­bunden ist und haupt­sächlich der Erledigung gedank­licher, schrift­stel­lerischer oder verwaltungs­tech­nischer beziehungs­weise organisatorischer Arbeiten dient (BFH, Az. VI R 70/01 und XI R 89/00). Es muss sich aber nicht um Büro­arbeiten handeln, auch künst­lerische, geistige oder schrift­stel­lerische Tätig­keiten sind als Nutzung anerkannt.

Nutzung, Ausstattung. Es muss sicher­gestellt sein, dass eine private Nutzung als Wohn­raum so gut wie ausgeschlossen ist. Entscheidend ist daher neben der Funk­tion des Raumes ist auch dessen Ausstattung: Das Heimbüro ist typischer­weise etwa mit Schreibtisch, Büro­stuhl, Regalen, Büchern, Computer einge­richtet.

Einbindung in Wohnung oder Haus. Als „häuslich“ sehen Finanz­beamte ein Arbeits­zimmer an, wenn es in das private Wohn­umfeld einge­bunden ist etwa ein Raum der Wohnung oder im Haus. Weitere Voraus­setzungen für die steuerliche Absetz­barkeit sind: Das Heimbüro muss fast ausschließ­lich beruflich genutzt werden. Es sollte wie ein Arbeits­raum einge­richtet sein. Es ist von den übrigen Wohn­räumen abge­trennt und keine Arbeits­ecke. Die Wohnung ist für den Wohn­bedarf ausreichend groß.

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Die neue Home­office-Pauschale für 2020 und 2021

Jeder Berufs­tätige, der daheim arbeitet, kann 600 Euro Home­office-Pauschale im Jahr geltend machen. Je Arbeits­tag im Home­office zählen 5 Euro pauschal als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben – maximal für 120 Tage im Jahr. Das gilt auch rück­wirkend für das Jahr 2020 und für das Jahr 2021.

So bekommen Sie die Home­office-Pauschale

Die 5-Euro-Pauschale kann jeder Berufs­tätige für seine Home­office-Tage absetzen, also auch jeder Ehepartner für sich. Angestellte rechnen sie als Werbungs­kosten in ihrer Steuererklärung ab, Selbst­ständige als Betriebs­ausgaben.

Bedingung. Sie arbeiten an den Tagen ausschließ­lich daheim und setzen keine Kosten für ein Arbeits­zimmer ab und auch keine Pend­lerpauschale.

Höchst­grenze. Die 600 Euro haben Sie mit 120 Home­office-Tagen ausgeschöpft. Mehr ist nicht drin, auch wenn Sie mehr Tage daheim arbeiten.

Mehrere Jobs im Home­office. Arbeiten Sie im Neben- und Haupt­job daheim, teilen Sie 5-Euro-Pauschale bis zum 600 Euro Höchst­betrag auf Ihre verschiedenen Tätig­keiten auf. Mehr als insgesamt fünf Euro pro Tag sind nicht drin. Damit sind alle Kosten für die Nutzung der Wohnung wie für Strom, anteilige Miete abge­golten.

Alternative zu Arbeits­zimmer. Sie können die Home­office-Pauschale auch anstelle Ihrer Kosten für Arbeits­zimmer daheim ansetze. Das dürfte kaum lohnen, weil Ihre nachgewiesenen Kosten meist viel höher sind.

Fahrt­kosten. Fahren Sie an einem Home­office-Tag noch ins Büro, können Sie nur die Pend­lerpauschale von 30 Cent je Kilo­meter der einfachen Entfernung zur Arbeit ansetzen – keine Home­office-Pauschale. Ab 2021 gibt es 35 Cent ab dem 21. Entfernungs­kilometer. Sind Sie auswärts tätig, zählen 30 Cent je Kilo­meter mit dem Pkw oder die Ticket­kosten.

Trotzdem weitere Belege für Jobkosten sammeln

Die Home­office-Pauschale wirkt sich für Arbeitnehmer steuerlich aus, wenn im Jahr mehr als 1 000 Euro Jobkosten zusammen­kommen. Das dürften viele schaffen, weil sie etwa für die anderen Büro­arbeits­tage die Pend­lerpauschale absetzen können. Sie sollten aber auch Belege für weitere Jobkosten sammeln – etwa für Büromaterial und andere kleine Dinge. Kommen im Jahr insgesamt für alle Jobkosten mehr als 1 000 Euro an Ausgaben zusammen, kann das Steuern sparen (zum Steuersparrechner der Stiftung Warentest).

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Schnell­check Heimbüro – alles absetzen?

Die Kosten für ein Arbeits­zimmer im Home­office dürfen Sie absetzen, wenn es Mittel­punkt Ihrer beruflichen Tätig­keit ist oder Sie am Arbeits­platz Ihres Arbeit­gebers nicht alle Arbeiten erledigen können. Prüfen Sie mithilfe unserer Grafik, ob Ihre Kosten voll zählen oder das Finanz­amt Ihnen nur 1 250 Euro gewährt.

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Home­office und Arbeits­zimmer – die Steuerdetails

Sie kommen jetzt eher über die Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro, weil Sie auch Ihre Kosten für das Home­office 2020 und 2021 pauschal geltend machen können, selbst wenn Sie am Küchentisch oder im Wohn­zimmer arbeiten. Ein Arbeits­zimmer ist nicht Bedingung. Alternativ können Sie die Kosten für Ihr Arbeits­zim­mer in Ihrer Steuererklärung absetzen. Dafür sind zwei Fragen entscheidend:

  • Steht noch ein anderer Arbeits­platz neben Ihrem Arbeits­zimmer zur Verfügung?
  • Bildet das Büro zu Hause den Mittel­punkt der Tätig­keit?

Wann Sie alles absetzen können

In einem Grund­satz­urteil hat der Bundes­finanzhof die Voraus­setzungen für den Steuer­abzug fest­gelegt (BFH, Az. GrS 1/14). Danach dürfen Sie Ihre Kosten in unbe­grenzter Höhe als Werbungs­kosten abziehen, wenn das Heimbüro den Mittel­punkt Ihrer gesamten beruflichen Arbeit bildet. Steht Ihnen aber nur für bestimmte Tätig­keiten kein anderer Arbeits­platz zur Verfügung, können Sie maximal 1 250 Euro im Jahr abrechnen (siehe Grafik oben). Das gilt etwa für Lehrer, Förster oder Außen­dienstler.

Unerheblich ist dabei, wie häufig das Arbeits­zimmer genutzt wird, urteilte der Bundes­finanzhof (Az. VI R 46/17) im Falle einer Stewardess, die in geringem Umfang vorbereitende Tätig­keiten im Arbeits­zimmer erledigt hatte.

Gemischte Anrechnung in Corona-Zeiten

Im Corona-Jahr nutzen viele ihr Heimbüro in wechselndem Umfang: Mal ist es Mittel­punkt der Arbeit, mal nicht. Entsprechend verlangt das Finanz­amt, die Kosten für diese Zeiten getrennt zu ermitteln.

Arbeits­zimmer Mittel­punkt der Tätig­keit. Arbeiten zum Beispiel Arbeitnehmer mindestens drei von fünf Arbeits­tagen die Woche zu Hause, können Sie die Kosten für diese Monate unbe­grenzt abrechnen.

Arbeits­zimmer nicht Mittel­punkt der Tätig­keit. Ist das Arbeits­zimmer nicht Mittel­punkt der Tätig­keit, zählen die Kosten nur ausnahms­weise und nur begrenzt auf 1 250 Euro im Jahr. Müssen Sie also in anderen Monaten oder das Jahr über nur an höchs­tens zwei Tagen die Woche bei einer Fünf­tage-Arbeits­woche daheim arbeiten, berück­sichtigt das Finanz­amt für diese Zeit maximal 1 250 Euro im Jahr. Die Kosten fallen jedoch unter den Tisch, wenn Ihnen für die Arbeiten ein Arbeits­platz in der Firma zur Verfügung steht.

Paare können den Höchst­betrag zweimal abziehen

Nutzen Paare ein Arbeits­zimmer gemein­sam, kann jeder seine Kosten bis zu 1 250 Euro absetzen. Es gilt jetzt ein personen­be­zogener und nicht objekt­be­zo­gener Abzug (BFH, Az. VI R 53/12 und BFH, Az. VI R 86/13 und BMF-Schreiben vom 6.10.2017, Arbeits­zimmer). Der Bundes­finanzhof hat mit diesen Urteilen seine bisherige objektbezogene Betrachtungs­weise – ein Arbeits­zimmer ergibt auch nur einmal den Steuer­abzug – aufgegeben.

Im konkreten Fall waren die verheirateten Lehrer zu gleichen Teilen Eigentümer eines Einfamilien­hauses. Beide Miteigentümer dürfen die Kosten für das gemein­sam genutzte Arbeits­zimmer jeweils zur Hälfte teilen. Falls jeder für sich die Voraus­setzungen für ein häusliches Arbeits­zimmer erfüllt, kann auch jeder seine Kosten steuerlich geltend machen – bis maximal 1 250 Euro, insgesamt also bis zu 2 500 Euro (BFH, Az. VI R 53/12). Ähnliches gilt, wenn beide Partner gemein­sam die Miet­kosten tragen.

Dieser personenbezogene Höchst­betrag führt jedoch dazu, dass Sie auch nur einmal maximal 1 250 Euro im Jahr absetzen können, wenn Sie mehrere häusliche Arbeits­zimmer nutzen – unabhängig davon, ob gleich­zeitig oder nach­einander oder ob in einem oder in verschiedenen Haushalten (BFH, Az. VIII R 15/15). Hier hatte ein Dozent zwei Wohn­sitze im Rahmen einer doppelten Haus­halts­führung. In beiden Wohnungen bereitete er Seminare vor und nutzte daher zwei Arbeits­zimmer parallel. Der Kläger erzielte als Dozent Einkünfte aus selbst­ständiger Tätig­keit. Der Bundes­finanzhof kappte die als Betriebs­ausgaben absetz­baren Kosten auf den gesetzlichen Höchst­betrag von einmal 1 250 Euro. Die Ober­grenze gilt immer, wenn das häusliche Arbeits­zimmer nicht den Mittel­punkt der beruflichen oder betrieblichen Tätig­keit darstellt.

Das gilt in Sachen Arbeits­zimmer für Selbst­ständige

Manche Selbst­ständi­ge wie Logopäden können trotz eigener Praxis­räume ihr Heimbüro angeben, wenn Büro­arbeiten in den Betriebs­räumen wegen deren Beschaffenheit und Nutzungs­bedingungen unzu­mutbar sind (BFH, Az. III R 9/16). Gewer­betreibende, Selbst­ständige und Land- und Forst­wirte prüfen eine Zugehörig­keit des Arbeits­zimmers zum Betriebs­vermögen und berück­sichtigen es in der entsprechenden Anlage G, S oder L zu ihrer Steuererklärung.

Wenn Sie zu Hause im Bereit­schafts­dienst sind

Arbeitnehmer, die am Wochen­ende zu Hause dienst­lich erreich­bar sein müssen und für die kein Arbeits­platz beim Arbeit­geber bereit­steht, können für das Arbeits­zimmer Aufwendungen bis zu 1 250 Euro sowie Reno­vierungs- und Büro­ausstattungs­kosten geltend machen (FG München, Az. 15 K 439/15).

Das gilt für Personen im Ruhe­stand

Rentner und Pensionäre, die daheim weiter beruflich tätig sind, können unter Umständen Ausgaben für das Arbeits­zimmer abrechnen (BFH, Az. VIII R 3/12).

Das gilt für Personen in Eltern­zeit

Arbeitnehmer in Elternzeit können Kosten für ein Arbeits­zimmer ansetzen – zumindest bis 1 250 Euro. Bedingung ist, dass sie den Raum nach­weislich nutzen, um während der Auszeit im Beruf auf dem Laufenden zu bleiben (BFH, Az. VI R 137/99 und BMF-Schreiben vom 06.10.2017, Arbeits­zimmer).

Verschiedene Tätig­keiten im Heim-Arbeits­zimmer geht

Ist der Kosten­abzug für eine oder mehrere Tätig­keiten möglich, kann er anteilig bis zum Höchst­betrag erfolgen (BFH, Az. VIII R 52/13).

Arbeits­ecken zählen steuerlich nicht als Arbeits­zimmer

Unerheblich für die Anerkennung ist, ob das Arbeits­zimmer für die berufliche oder betriebliche Tätig­keit über­haupt erforderlich ist (BFH, Az. IX R 52/14 und VI R 86/13). Nutzen Sie das heimische Büro jedoch zu 10 Prozent oder mehr privat, ist es nicht möglich, die beruflichen Ausgaben anteilig geltend zu machen (BFH, Az. GrS 1/14, Az. X R 1/13 und Az. IX R 20/13, Az. IX R 21/13). Das Arbeits­zimmer muss außerdem ein abge­trennter, wie ein Büro einge­richteter Raum sein. Eine Arbeits­ecke scheidet daher aus (BFH, Az. GrS 1/14 und Az. X R 32/11; BMF-Schreiben vom 06.10.2017, Arbeits­zimmer).

Keine steuerliche Anrechnung der Kosten für Küche, Bad und Flur

Auch Kosten für Neben­räume wie Küche, Bad und Flur können Sie nicht auto­matisch mit Ihrem anerkannten Büro zu Hause absetzen (BFH, Az. X R 26/13). In dem Fall haben die obersten Finanz­richter entschieden, dass Kosten für gemischt genutzte Neben­räume über­haupt nicht absetz­bar sind, wenn die private Mitbenut­zung die „Unerheblich­keits­schwelle“ über­schreitet.

Eine selbst­ständige Lebens­beraterin, die von ihrem häuslichen Arbeits­zimmer aus ihre Dienst­leistung anbot, wollte anteilig Betriebs­ausgaben abziehen für die gewerb­liche Mitbenut­zung von Flur, Toilette und Küche. Ihr Argument, dass sie die kompletten Miet­kosten – auch für die Neben­räume – eines externen Büros absetzen dürfte, über­zeugte die Richter nicht. Denn in diesem Fall liege eine ausschließ­lich betriebliche Nutzung vor.

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Mit einem Arbeits­zimmer die Steuer senken

Laufende Kosten wie Miete, Strom und Neben­kosten, die anteilig für den Arbeits­raum anfallen, dürfen Sie in der Steuererklärung als Werbungs­kosten geltend machen.

Sie sind Eigenheim­besitzer oder leben in einer Eigentums­wohnung? Bei Eigentum können Sie anteilig Abschreibung, Grund­steuer, Finanzierungs­kosten sowie Neben­kosten abrechnen. Auch Kosten für Reparaturen, Reno­vierungen und Raum­ausstattung wie Vorhänge und Teppiche geben Sie in der Steuererklärung an. Luxus­artikel zur Schmü­ckung des Raumes etwa Gemälde oder andere Kunst­gegen­stände streichen die Finanz­beamten allerdings raus.

Während Sie die genannten laufenden und einmaligen Kosten nur anteilig absetzen können, dürfen Sie Reno­vierungs­kosten für das Arbeits­zimmer komplett geltend machen. Auch Ausgaben für die Ausstattung wie Tapeten, Teppiche, Fens­tervorhänge, Gardinen und Lampen können Sie voll absetzen.

Arbeits­zimmer einrichten und steuerlich absetzen

Ausgaben für die Einrichtung des Heimbüros etwa Regale, Schreibtisch oder Büro­stuhl können Sie als Werbungs­kosten steuerlich absetzen. Wie die Kosten für die Ausstattung sind auch diese voll abzugs­fähig.

Arbeits­mittel können Sie sogar steuerlich geltend machen, wenn das Finanz­amt Ihr Arbeits­zimmer nicht anerkennt. Wo sich die Arbeits­mittel in Ihrer Wohnung befinden, spielt dabei keine Rolle. Voraus­setzung ist nur, dass Sie diese so gut wie ausschließ­lich für berufliche Zwecke verwenden. Solche Einrichtungs­gegen­stände können Sie sofort absetzen, wenn der Kauf­preis ohne Mehr­wert­steuer 800 Euro nicht über­steigt (bis 2017 noch 400 Euro netto). Höhere Anschaffungs­kosten müssen Sie über die Dauer der Nutzung verteilen.

Die amtliche Nutzungs­dauer für Büromöbel liegt zum Beispiel bei 13 Jahren. Einen Hinweis auf die Abschreibungs­dauer gibt die AfA-Tabelle des Bundes­finanz­ministeriums. Haben Sie den Schreibtisch gebraucht gekauft, können Sie von den üblichen 13 Jahren die bereist erfolgte Nutzungs­dauer abziehen. Auf die restliche Nutzungs­dauer können Sie dann den Kauf­preis verteilen. Im Jahr der Anschaffung muss die Abschreibung monats­genau erfolgen. Kauf­belege sollten Sie während der gesamten Abschreibungs­zeit gut aufbewahren.

Tipp: Die Steuer­experten der Stiftung Warentest erklären ausführ­lich im Spezial Werbungskosten, wie Sie Arbeits­mittel absetzen können.

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Arbeits­zimmer – Regeln für Rentner und Pensionäre

Rentner und Pensionäre, die noch arbeiten und Geld verdienen, können ein Urteil des Bundes­finanzhofs nutzen und ihr Arbeits­zimmer absetzen. Im Musterfall konnte der Pensionär über 3 000 Euro als Betriebs­ausgaben geltend machen.

Pensionärs­fall: So urteilte der Bundes­finanzhofs

Ein pensionierter Ingenieur hat beim Bundes­finanzhof erreicht, dass er die Kosten für das Arbeits­zimmer im Keller seines Einfamilien­hauses voll als Betriebs­ausgaben absetzen kann. Der Mann nutzte den Raum für seine Arbeit als selbst­ständiger Gutachter (BFH, Az. VIII R 3/12). Der Kläger machte mit seiner Tätig­keit im Streit­jahr 5 332 Euro Verlust, in den beiden Jahren danach erzielte er 10 832 Euro und 35 260 Euro Gewinn. Er hatte außerdem geringe Miet­einkünfte und Kapital­erträge im Rahmen des Sparerpausch­betrags.

Für die Richter war seine Gutachter­tätig­keit der Mittel­punkt der gesamten beruflichen Arbeit. Die anderen Einkünfte seien zu gering und die Pension zähle nicht mit, weil der Mann sie für seine frühere Berufs­tätig­keit als Ingenieur bezieht.

So rechnete das Gericht

Die Raum­kosten muss das Finanz­amt im Verhältnis der Arbeits­zimmerfläche zur vollen Wohn­fläche anerkennen. Der Bundes­finanzhof (BFH) nahm 162,87 Quadrat­meter als Gesamt­wohn­fläche (135,97 Quadrat­meter Erdgeschoss + 26,90 Quadrat­meter Arbeits­zimmer). Das Arbeits­zimmer im Keller zählte mit, weil es den Stan­dard eines Wohn­raums erfüllt. Es hat Fenster, eine Verbindung zu den Wohn­räumen und eine Ausstattung mit Wand- und Bodenbelag, Heizung und Einrichtung. Räume ohne diesen Stan­dard bleiben außen vor.

Diese Kosten werden anerkannt

Die Abschreibungen, Reparatur­kosten und laufenden Ausgaben für das Haus lagen bei rund 20 427 Euro. 3 372 Euro erkannte der BFH als Betriebs­ausgaben an, weil die Fläche des Arbeits­zimmers 16,51 Prozent der gesamten Wohn­fläche ausmachte.

Tipp: Werden Kosten für Ihr Arbeits­zimmer nicht anerkannt und ist Ihr Fall vergleich­bar? Dann legen Sie binnen eines Monats Einspruch ein, führen das Urteil des BFH an und warten, ob es allgemein angewendet wird.

Dieses Special wird laufend aktualisiert - zuletzt im Januar 2021

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