Home­office und häusliches Arbeits­zimmer Im Home­office Steuern sparen

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Home­office und häusliches Arbeits­zimmer - Im Home­office Steuern sparen
Home­office. Kosten für Strom, Miete und Heizung lassen sich pauschal steuerlich geltend machen. © Adobe Stock

Von zu Hause zu arbeiten verursacht Kosten. Jeder kann seine Ausgaben über die Home­office-Pauschale abrechnen. Mit einem separaten Arbeits­zimmer ist mitunter mehr drin.

Home­office-Pauschale: Einfach erklärt

Home­office und häusliches Arbeits­zimmer - Im Home­office Steuern sparen

Wollen Sie nur einen kurzen Über­blick zum Thema Home­office-Pauschale? Dann lesen Sie unser Finanztest-Special Homeoffice-Pauschale: Einfach erklärt.

Home­office & Arbeits­zimmer – wichtige Fakten

Plus für Ihre Steuererklärung. Das Arbeits­zimmer ist nicht alles. Im Ratgeber Steuern von Finanztest lesen Sie alle Details. Hier zeigen wir Ihnen auch, wie Sie die Kosten für das Arbeits­zimmer und die Home­office-Pauschale in die Steuererklärung eintragen.

Home­office-Pauschale. Sie arbeiten im Home­office und können sich kein separates Arbeits­zimmer leisten? Dann können Sie in den Steuer­jahren 2020 bis 2022 für jeden Arbeits­tag im Home­office 5 Euro Home­office-Pauschale absetzen. So kann jeder für alle beruflichen Tätig­keiten bis zu 600 Euro im Jahr in der Steuererklärung abrechnen – auch jeder Ehepartner für sich. Ab dem Steuer­jahr 2023 steigt die Home­office-Pauschale auf 6 Euro pro Tag an. Außerdem können Sie ab jetzt bis zu 210 Home­office-Tage abrechnen.

Kosten für Ihr Arbeits­zimmer. Sie arbeiten daheim im separaten Heimbüro? Dann dürfen Sie anstelle der Home­office-Pauschale Ihre tatsäch­lichen anteiligen Miet- und Neben­kosten absetzen. Die Hürden sind hoch: Das Heimbüro darf fast nur zum Arbeiten dienen oder zur beruflichen Weiterbildung.

Volle Kosten. Sie arbeiten über­wiegend im Home­office – also etwa mindestens drei von fünf Arbeits­tagen pro Woche in dem Zimmer? Dann ist das Heimbüro Mittel­punkt Ihrer beruflichen Tätig­keit und die Kosten für diese Monate zählen unbe­grenzt (BFH, Az. GrS 1/14, siehe auch unsere Grafik unten).

Maximal 1 250 Euro. Sie arbeiten in anderen Monaten oder grund­sätzlich mehr Tage im Betrieb als zu Hause? Dann machen sie insgesamt bis zu 1 250 Euro im Jahr geltend. Bedingung: Sie müssen zu Hause arbeiten, weil für kein anderer Arbeits­platz zur Verfügung steht oder der Chef Home­office etwa wegen Infektions­schutzes ange­ordnet hat (Grafik). Das gilt bislang für Richter, Lehrer, Förster oder Außen­dienstler. Unerheblich ist, wie häufig das Arbeits­zimmer genutzt wird (Bundes­finanzhof,Az. VI R 46/17).

Wichtig: Das Finanz­amt erkennt das häusliche Arbeits­zimmer nur an, wenn es fast nur zum Arbeiten dient. Ein Schlafsofa oder andere private Dinge gefährden den Abzug. Schon ab 10 Prozent privater Nutzung streichen die Beamten komplett die Kosten (BFH, Az. GrS 1/14, Az. X R 1/13, Az. IX R 20/13, Az. IX R 21/13 sowie Az. IX R 23/12).

Kosten berechnen. Um die Ausgaben zu ermitteln, die auf das Arbeits­zimmer entfallen, berechnen Sie den prozentualen Anteil des Zimmers im Verhältnis zur gesamten Wohn­fläche. Mit diesem Prozent­satz teilen Sie laufenden Kosten wie Miete, Heiz­kosten, Strom und Müll­abfuhr auf.

Steuern senken. Machen Sie als Arbeitnehmer die Home­office-Pauschale oder Ausgaben für ein Arbeits­zimmer geltend, senken Sie damit Ihr zu versteuerndes Einkommen und sparen am Ende Steuern, wenn unterm Strich mehr als 1 200 Euro (ab 2023: 1 230 Euro) Werbungs­kosten im Jahr zusammen­kommen (nutzen Sie auch den Steuersparrechner der Stiftung Warentest).

Das zählt immer: Sie haben Geld für Büromaterialien, Smartphone, Drucker oder PC oder andere Arbeits­mittel ausgegeben? Das können Sie in jedem Fall als Werbungskosten absetzen.

Daheim arbeiten: Mindestens Pauschale erhalten

Alle, die in den eigenen vier Wänden arbeiten, können mindestens die Home­office-Pauschale geltend machen. Diese wurde 2020 einge­führt, als die Corona-Pandemie die Arbeits­welt kurz­fristig umkrempelte. Je Arbeits­tag im Home­office zählen 5 Euro pauschal als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben – maximal für 120 Tage im Jahr. Das gilt für die Steuer­jahre 2020 bis 2022. Doch die Bundes­regierung hält auch darüber hinaus an der Pauschale fest. Ab dem Steuer­jahr 2023 sind pro Tag im Home­office sogar 6 Euro drin – für bis zu 210 Tage im Jahr (siehe Steueränderungen 2023).

So bekommen Sie die Home­office-Pauschale

Die Pauschale kann jede und jeder Berufs­tätige für Home­office-Tage absetzen, also auch jeder Ehepartner für sich. Angestellte rechnen sie als Werbungs­kosten in ihrer Steuererklärung ab, Selbst­ständige als Betriebs­ausgaben.

Bedingung. Sie arbeiten an den Tagen ausschließ­lich daheim und setzen keine Kosten für ein Arbeits­zimmer ab und auch keine Pend­lerpauschale.

Höchst­grenze. Die 600 Euro haben Sie mit 120 Home­office-Tagen ausgeschöpft. Das ist die Höchst­grenze, auch wenn Sie mehr Tage daheim arbeiten. Erst ab 2023 ist der Spielraum größer.

Mehrere Jobs im Home­office. Arbeiten Sie im Neben- und Haupt­job daheim, teilen Sie die 5-Euro-Pauschale bis zum Höchst­betrag von 600 Euro auf Ihre verschiedenen Tätig­keiten auf. Mehr als insgesamt fünf Euro pro Tag sind nicht drin. Damit sind alle Kosten für die Nutzung der Wohnung wie für Strom, anteilige Miete und Co abge­golten.

Alternative zu Arbeits­zimmer. Sie können die Home­office-Pauschale auch anstelle Ihrer Kosten für Ihr Arbeits­zimmer daheim ansetzen. Das dürfte aber kaum lohnen, weil Ihre nachgewiesenen Kosten meist viel höher sind.

Fahrt­kosten. Fahren Sie an einem Home­office-Tag noch ins Büro, können Sie für diesen Tag nur die Pend­lerpauschale von 30 Cent je Kilo­meter der einfachen Entfernung zur Arbeit abrechnen – keine Home­office-Pauschale. Ab 2022 gibt es 38 Cent ab dem 21. Entfernungs­kilometer. Sind Sie auswärts tätig, zählen 30 Cent je Kilo­meter mit dem Pkw oder die Ticket­kosten (Details im Special Entfernungspauschale).

Trotzdem weitere Belege für Jobkosten sammeln

Die Home­office-Pauschale wirkt sich für Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer steuerlich aus, wenn im Jahr mehr als 1 200 Euro (ab 2023: 1 230 Euro) Werbungskosten zusammen­kommen. Das dürften viele schaffen, weil sie etwa für die anderen Büro­arbeits­tage die Pend­lerpauschale absetzen können. Sie sollten aber auch Belege für weitere Jobkosten sammeln – etwa für Arbeitsmittel wie Büromaterial und andere kleine Dinge. Kommen im Jahr insgesamt für alle Jobkosten mehr als 1 200 Euro an Ausgaben zusammen, kann das Steuern sparen. Wie viel, verrät der Steuersparrechner der Stiftung Warentest.

Schnell­check Heimbüro – alles absetzen?

Wie unser Beispiel in der Grafik zeigt, können Ihre Kosten für ein häusliches Arbeits­zimmer voll zählen, weil es Dreh- und Angel­punkt Ihrer beruflichen Tätig­keit ist. Ist es aber nicht Mittel­punkt der Arbeit, erkennt das Finanz­amt höchs­tens bis zu 1 250 Euro im Jahr an und das auch nur, wenn der Arbeit­geber keinen anderen Arbeits­platz zur Verfügung stellt.

Frau Nguyen rechnet für 2022 diese Werbungs­kosten ab

Home­office und häusliches Arbeits­zimmer - Im Home­office Steuern sparen
© Stiftung Warentest / René Reichelt

Home­office im Arbeits­zimmer – die Steuerdetails

Sie arbeiten in Ihrem separaten Arbeits­zimmer daheim, das fast nur zum Arbeiten dient? Dann können Sie für den Raum die anteilige Miete inklusive Neben­kosten geltend machen – auch für Strom, Heizung oder die Hausrat­versicherung. Auch als Rentner oder Pensionär können Sie unter Umständen Ausgaben für das Arbeits­zimmer abrechnen, wenn Sie daheim weiter beruflich tätig sind (BFH, Az. VIII R 3/12). Die folgenden Ausführungen gelten bis Ende 2022. Das Steuer­jahr 2023 bringt einfachere Regeln.

Wie viel? Wie viel insgesamt zählt, hängt davon ab, wie viel Sie im Arbeits­zimmer gearbeitet haben. Für viele ist das ein Mix: Mal haben sie wegen Corona-Lock­down komplett zu Hause gearbeitet. Mal haben sie wieder mehr im Büro verbracht.

Heimbüro Mittel­punkt der Tätig­keit. Sie hatten mit Ihrem Arbeit­geber vereinbart, dass Sie über­wiegend daheim arbeiten. Dann zählen für diese Monate Ihre anteiligen Kosten für das häusliche Arbeits­zimmer unbe­grenzt. Das ist etwa der Fall, wenn es mindestens drei Heim­arbeits­tage bei einer Fünf­tage­arbeits­woche sind.

Heimbüro nicht Mittel­punkt der Tätig­keit. Sie mussten nur zwei von fünf Arbeits­tagen in der Woche zu Hause arbeiten, weil kein anderer Arbeits­platz für die Arbeiten zur Verfügung steht oder die Chefin Sie angewiesen hat, daheim zu arbeiten – ­etwa wegen des Infektions­risikos? Für die Monate zählen Heimbüro­kosten bis maximal 1 250 Euro im Jahr. Das gilt auch Berufs­tätige, die am Wochen­ende zu Hause dienst­lich erreich­bar sein müssen und für diese Zeit kein Arbeits­platz beim Arbeit­geber bereit­steht (FG München, Az. 15 K 439/15). Ist der Kosten­abzug für eine oder mehrere Tätig­keiten möglich, gibt es ihn anteilig bis zum Höchst­betrag (BFH, Az. VIII R 52/13).

Beispiel: Ein Angestellter war im Lock­down von März bis Mai und ­November bis Dezember voll im Home­office. Die übrigen sieben Monate arbeitete er nur zwei Tage pro Woche zu Hause. Er kann für sein 15 Quadrat­meter großes Heimbüro 187 Euro im Monat ansetzen, das sind 15 Prozent der Warmmiete und Neben­kosten für seine 100 Quadrat­meter große Wohnung. Er rechnet für sein Heimbüro ab: 935 Euro (5 Lock­down-Monate x 187 Euro) plus 1 250 Euro (7 Monate x 187 Euro, maximal 1250 Euro).

So prüfen Sie, ob Sie Ihr Arbeits­zimmer steuerlich zählt

Lage und Funk­tion? Das häusliche Arbeits­zimmer muss als separater Raum seiner Lage, Funk­tion und Ausstattung nach in Ihre häusliche Sphäre einge­bunden sein und fast ausschließ­lich beruflich genutzt werden. Es muss nicht nur zu Büro­arbeiten dienen. Auch künst­lerische, geistige oder schrift­stel­lerische Tätig­keiten sind als Nutzung anerkannt (BFH, Az. VI R 70/01 und XI R 89/00).

Ausreichender Raum? Es muss zudem von den übrigen Wohn­räumen abge­trennt sein. Eine Arbeits­ecke genügt nicht. Außerdem muss die Wohnung für den Wohn­bedarf ausreichend groß sein.

Ausstattung? Eine private Nutzung als Wohn­raum muss so gut wie ausgeschlossen sein. Dafür spricht neben der Funk­tion des Raums auch dessen Ausstattung: Das Heimbüro ist typischer­weise etwa mit Schreibtisch, Büro­stuhl, Regalen, Büchern, Computer einge­richtet.

Nutzung? Nutzen Sie das heimische Büro zu 10 Prozent oder mehr privat, ist es nicht möglich, die beruflichen Ausgaben anteilig geltend zu machen (BFH, Az. GrS 1/14, Az. X R 1/13 und Az. IX R 20/13, Az. IX R 21/13). Das Heimbüro muss zudem ein abge­trennter, wie ein Büro einge­richteter Raum sein. Eine Arbeits­ecke genügt nicht (BFH, Az. GrS 1/14 und Az. X R 32/11; BMF-Schreiben vom 06.10.2017, Arbeits­zimmer).

Ihre Fragen rund ums Arbeits­zimmer

Wie errechne ich die anteiligen Arbeits­zimmerkosten?

Sie müssen zunächst die anteiligen Kosten aus den Gesamt­kosten für Ihre Wohnung raus­rechnen – etwa für Miete, Strom und Heizung und andere Neben­kosten wie Beiträge für die Hausrat­versicherung. Dazu berechnen Sie den Anteil Ihres Arbeits­zimmers an der Gesamt­wohn­fläche nach folgender Formel: Fläche des Arbeits­zimmers geteilt durch Gesamt­wohn­fläche der Wohnung mal 100. Das Ergebnis ist Ihr Arbeits­zimmer­anteil in Prozent. Hat Ihre Wohnung 90 Quadrat­meter und der Arbeits­raum 9 Quadrat­meter, können Sie 10 Prozent der Miet- und Neben­kosten ansetzen. Zusätzlich gehören zu den Arbeits­zimmerkosten auch Ihre Ausgaben für Reno­vierung und Einrichtung des Raumes – etwa für neue Lampen und Teppiche, aber nicht für Luxus. Separat zählen Büromöbel und PC. Diese Posten kann jeder unabhängig vom Heimbüro geltend machen.

Was kann ich für das Heimbüro in unserem Eigenheim ansetzen?

Wie bei einer Miet­wohnung ermitteln Sie zunächst den Arbeits­zimmer­anteil. Als Kosten setzen Sie dann anteilig für das Arbeits­zimmer die Abschreibungs­rate (AfA) für das selbst genutzte Eigentum an. Die jähr­liche AfA für das Eigenheim beträgt in der Regel 2 Prozent der Herstellungs- und Anschaffungs­kosten – ohne Grundstücks­kosten. Dazu kommen gegebenenfalls Darlehens­zinsen. Die übrigen anteiligen Neben­kosten sind ähnlich wie bei einer Miet­wohnung etwa Ausgaben für Grund­steuer, Versicherungen, Strom, Heizung (siehe Frage zuvor).

Ich nutze das Arbeits­zimmer zusammen mit meinem Mann. Kann jeder Kosten abrechnen?

Das kommt darauf an: Grund­sätzlich kann jeder seine Kosten entsprechend seines Eigentums- oder Miet­verhält­nisses geltend machen. Gehört Ihnen beiden die Eigentums­wohnung zu gleichen Teilen oder sind Sie beide Mieter, rechnet jeder die Hälfte der Gesamt­kosten Ihres Arbeits­zimmers ab. Greift die 1 250-Euro-Grenze, weil es nicht Mittel­punkt der Arbeit ist, sondern nur kein anderer Arbeits­platz zur Verfügung steht, gilt bei einem gemein­samen Arbeits­zimmer die 1 250- Euro-Grenze für jeden Partner in voller Höhe (BFH, Az. VI R 53/12 und BFH, Az. VI R 86/13 und BMF-Schreiben vom 6.10.2017, Arbeits­zimmer). Der personenbezogene Höchst­betrag führt jedoch dazu, dass Sie auch nur einmal maximal 1 250 Euro im Jahr absetzen können, wenn Sie mehrere häusliche Arbeits­zimmer nutzen – unabhängig davon, ob gleich­zeitig oder nach­einander oder ob in einem oder in verschiedenen Haushalten (BFH, Az. VIII R 15/15).

Wie kann ich als Selbst­ständige mein Heimbüro geltend machen?

Manche Selbst­ständige wie Logopädinnen können trotz eigener Praxis­räume ihr Heimbüro angeben, wenn Büro­arbeiten in den Betriebs­räumen wegen deren Beschaffenheit und Nutzungs­bedingungen unzu­mutbar sind (BFH, Az. III R 9/16). Gewer­betreibende, Selbst­ständige und Land- und Forst­wirte prüfen eine Zugehörig­keit des Arbeits­zimmers zum Betriebs­vermögen und berück­sichtigen es in der entsprechenden Anlage G, S oder L zu ihrer Steuererklärung.

Kann ich die Arbeits­zimmerkosten auch geltend machen, wenn ich in Eltern­zeit bin?

Ja, Frauen und Männer in Elternzeit können ihre Kosten für ein Arbeits­zimmer ansetzen – zumindest bis 1 250 Euro. Bedingung ist, dass sie den Raum nach­weislich nutzen, um während der Auszeit im Beruf auf dem Laufenden zu bleiben (BFH, Az. VI R 137/99 und BMF-Schreiben vom 06.10.2017, Arbeits­zimmer).

Zählt steuerlich auch die Mitbenut­zung von Küche, Bad und Flur?

Nein, Kosten für Neben­räume wie Küche, Bad und Flur können Sie nicht zusätzlich zum Heimbüro geltend machen (BFH, Az. X R 26/13).

Kann ich als Rentner die Kosten für mein Arbeits­zimmer absetzen, wenn ich noch arbeiten und Geld verdienen will?

Nach einem Urteil des Bundes­finanzhofs konnte ein Pensionär über 3 000 Euro für sein Arbeits­zimmer als Betriebs­ausgaben voll geltend machen. Der pensionierte Ingenieur nutzte es im Keller seines Einfamilien­hauses für seine Arbeit als selbst­ständiger Gutachter. Es machte mit seiner Tätig­keit im Streit­jahr 5 332 Euro Verlust, in den beiden Jahren danach erzielte er 10 832 Euro und 35 260 Euro Gewinn. Für die Richter war seine Gutachter­tätig­keit der Mittel­punkt der gesamten beruflichen Arbeit. Die anderen Einkünfte seien zu gering und die Pension zähle nicht mit, weil der Mann sie für seine frühere Berufs­tätig­keit als Ingenieur beziehe (BFH, Az. VIII R 3/12).

Kann ich für meine Arbeits­tage im Büro anstelle der Pend­lerpauschale die Kosten für meine ÖPNV-Jahres­karte in voller Höhe geltend machen? Geht das auch, wenn ich 111 Tage im Home­office gearbeitet habe?

Ja, Sie können die vollen Kosten für Ihre Zeitfahr­karte für den öffent­lichen Nahverkehr als Werbungs­kosten absetzen – und zwar zusätzlich zur 5-Euro-Home­office-Pauschale für maximal 120 Arbeits­tage im Jahr.

Das gilt laut Finanz­verwaltung bundes­weit: Ihre tatsäch­lichen Kosten für eine Zeitfahr­karte zur Benut­zung öffent­licher Verkehrs­mittel für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätig­keits­stätte zählen dann als Werbungs­kosten, wenn die Gesamt­kosten für das Ticket aufs Jahr gesehen höher sind als die Entfernungs­pauschale von 30 Cent je Kilo­meter, bezogen auf die einfache Entfernung von daheim ins Büro.

Das Finanz­ministerium Thüringen schreibt: „Das gilt auch dann, wenn der Arbeitnehmer eine Zeitfahr­karte in Erwartung der regel­mäßigen Benut­zung für den Weg zur ersten Tätig­keits­stätte erworben hat, er die Zeitfahr­karte dann aber aufgrund der Tätig­keit im Home­office nicht im geplanten Umfang verwenden kann“ (Erlass vom 17. Februar 2021, Az. S 1901–2020 Corona – 21.15).

Die Kosten für das Ticket müssen Sie also nicht auf einzelne Arbeits­tage aufteilen.

Gibt es die Home­office-Pauschale auch für Azubis?

Auszubildende können wie alle anderen Berufs­tätigen auch die Home­office-Pauschale in ihrer Steuererklärung (Anlage N) als Werbungs­kosten geltend machen. Für jeden Kalendertag, an dem sie ausschließ­lich daheim gearbeitet haben, rechnen sie 5 Euro Homeoffice-Pauschale für bis zu 120 Arbeits­tage im Jahr ab. Insgesamt berück­sichtigen die Beamten höchs­tens 600 Euro.

Die Home­office-Pauschale bringt Azubis Vorteile, obwohl sie meist kein separates Arbeits­zimmer haben und deshalb regel­mäßig keine Raum­kosten absetzen können. Auch Home­office-Tage in Ein-Zimmer-Appartements sind jetzt begüns­tigt. Für die Steuererklärung spielt es so keine Rolle, ob Azubis etwa am Küchentisch oder auf dem Sofa arbeiten. Die 5-Euro-Pauschale bekommen Azubis, sobald sie ihre betriebliche oder berufliche Tätig­keit zu Hause erledigen.

Ich arbeite zu Hause – bis April habe ich dazu meinen Küchentisch genutzt. Dann bin ich in eine Wohnung mit Arbeits­zimmer gezogen. Wie kann ich die Home­office-Pauschale nutzen?

Für jeden Home­office-Tag gibt es 5 Euro. Das Finanz­amt akzeptiert maximal 120 Heim­arbeits­tage pro Jahr. Wann Sie zu Hause gearbeitet haben, ist unerheblich, solange Sie die Tage auf Nach­frage des Finanz­amts nach­weisen können.

Haben Sie nur einen Teil des Jahres im Home­office verbracht, etwa die Wintermonate, sollten Sie für diese Zeit trotzdem die Home­office-Pauschale geltend machen. Für die Monate, die Sie anschließend in einem zwischen­zeitlich einge­richteten Arbeits­zimmer gearbeitet haben, setzen Sie außerdem Kosten eines häuslichen Arbeits­zimmers an. Die Steuer-Experten der Stiftung Warentest sind der Auffassung, dass eine zeitlich versetzte Kombination beider Vorteile möglich sein müsste. Da die Home­office-Pauschale aber erst 2020 einge­führt wurde und damit noch recht neu ist, gibt es noch keine Gerichts­urteile, die diese Rechts­auffassung bestätigen.

Tipp: Neben der Home­office-Pauschale können Sie noch viele andere Arbeitsmittel fürs Homeoffice absetzen wie für Schreibtisch, Stuhl, Lampe, PC, Regale, Büromaterial oder Telefon und Internet im Home­office. Kommen mehr als 1 000 Euro Werbungskosten im Jahr zusammen, bringt das eine Steuerersparnis.

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66 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 19.01.2023 um 09:47 Uhr
Homeoffice-Pauschale & Arbeitszimmerkosten

@steueraberfair: Bei der dargestellten Rechtsansicht handelt sich um eine verbraucherfreundliche Auslegung der Regelungen. Es gibt zur Frage, ob beim unterjährigen Umzug oder bei der unterjährigen Neuanschaffung eines Arbeitszimmers neben der Homeoffice-Pauschale auch die Kosten für das Arbeitszimmer abgesetzt werden können, weder eine konkrete gesetzliche Regelung, noch eine Rechtsprechung oder Ausführungen in einem BMF-Schreiben auf die wir Sie verweisen könnten.
Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Wir meinen die „Umzugsfälle“. Das Arbeitszimmer wurde im Laufe des Jahres erst z.B. durch einen Umzug angeschafft.

steueraberfair am 11.01.2023 um 22:39 Uhr
Rechtsgrundlage für HO Pauschale & Arbeitszimmer

Guten Tag, mein Einspruchsachbearbeiter ist auch nach Verweis auf diverse Kommentare hier fest davon überzeugt, dass beides zeitversetzte (erst HO Pauschale dann Arbeitszimmer wegen Änderung der Nutzungsverhältnisse) innerhalb eines Veranlagungszeitraum nicht absetzbar ist. Dazu gebe es eine interne, bindende Verwaltungsvorschrift, die nicht an die Öffentlichkeit kommuniziert wurde und die er mir auch nicht offen legen wollte nachdem ich ihn darum gebeten hatte. Ich lasse mich nicht abwimmeln. Daher ist meine Frage ob Sie mir eine nachweisbare Rechtsgrundlage mitteilen können oder ob Ihre Kommentare hier Nachweis genug sind. Vielen Dank und freundliche Grüße

Profilbild Stiftung_Warentest am 19.08.2022 um 12:39 Uhr
Homeoffice-Pauschale und Kosten Arbeitszimmer

@261814uwe: Mit der Homeoffice-Pauschale sind für jeden Arbeitstag von zu Hause 5 Euro drin. Das Finanzamt akzeptiert maximal 120 Tage Heimarbeitstage pro Jahr.
Wann im Jahr diese Homeofficetage stattfanden, ist unerheblich, solange man diese Tage auf Nachfrage des Finanzamts nachweisen kann. Wer nur einen Teil des Jahres im Homeoffice verbracht hat, etwa den Winter, darf bis zu 120 dieser Homeoffice-Tage über die Pauschale geltend machen. Für restliche Arbeitszeit im Jahr, in der etwa im Büro oder in einem zwischenzeitlich eingerichteten Arbeitszimmer gearbeitet wurde, machen Angestellte dann entweder Fahrtkosten oder die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers geltend – je nachdem, was zutrifft.

261814uwe am 17.08.2022 um 16:14 Uhr
Homeoffice-Pauschale und Kosten Arbeitszimmer auft

wir sind im Jahr 2021 umgezogen. Im Zeitraum 01.01. bis 31.03. hatten wir kein abgeschlossenes Arbeitszimmer. Ab dem 01.04. waren wir in eigenes Haus mit separatem Arbeitszimmer umgezogen. Kann ich folgendermassen aufteilen:
- für 9 Monate (01.04. - 31.12.2021) machen ich die anteiligen Kosten für das Arbeitszimmer als Werbungskosten geltend
- für 3 Monate (01.01. -31.03.2021) mache als die Homeoffice-Pauschale geltend. Ich habe in diesem Zeitraum zwar 53 Tage aus dem Homeoffice gearbeitet, mache jedoch nur für 30 Tage (120/4) die Homeoffice-Pauschale als zusätzliche Werbungskosten geltend.
Korrekt?

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.04.2022 um 11:35 Uhr
Renovierung Arbeitszimmer vor Umzug

@tiefraum2018:
Zu 1) Auch Ausgaben für die Renovierung und die Einrichtung des Arbeitszimmers (vor Bezug) können geltend gemacht werden. Handelt es sich um Ausgaben, die das ganze Haus betreffen (Miete, Umlagen für Strom, Wasser, Heizung, Müllgebühren, Versicherungen etc.), sind sie anteilig dem Arbeitszimmer zuzuordnen.
Allerdings greift für Instandsetzungs- und Modernisierungskosten in den ersten drei Jahren nach dem Kauf eine Einschränkung: Sie dürfen die entsprechenden anteiligen Arbeitszimmerkosten nur über ein bis fünf Jahre verteilt geltend machen, sofern die gesamten Instandsetzungs- und Modernisierungskosten für Ihr Haus ohne Mehrwertsteuer höchstens 15 Prozent der Gebäudekosten ausmachen. Sind die Ausgaben höher müssen Sie diese als anschaffungsnahe Herstellungskosten über 40 oder 50 Jahre verteilen je nachdem wann das Gebäude errichtet wurde.
Zu 2) Kosten für ein beruflich genutztes Arbeitszimmer können nicht zugleich als haushaltsnahe Dienstleistungen abgesetzt werden.