Pend­lerpauschale, Reise- und Unfall­kosten Kosten für Arbeits­wege richtig absetzen

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Pend­lerpauschale, Reise- und Unfall­kosten - Kosten für Arbeits­wege richtig absetzen
Arbeitsweg. Wer mit dem Zug zur Arbeit fährt, kann die Entfernungs­pauschale oder die höheren Fahrt­kosten steuerlich geltend machen. © picture alliance / Jochen Eckel

Mit Entfernungs­pauschale, Unfall- und Reise­kosten Steuern sparen: Wer ins Büro fährt, setzt die Pend­lerpauschale ab. Wer auswärts unterwegs ist, rechnet noch mehr ab.

Das Wichtigste in Kürze

So rechnen Sie Fahrt­kosten für Ihre Arbeits­wege ab

Pend­lerpauschale. Für Fahrten zur ersten Tätig­keits­stätte erkennt das Finanz­amt pro Arbeits­tag für jeden Kilo­meter der einfachen Wegstrecke 30 Cent Entfernungs­pauschale an. Ab dem 21. Entfernungs­kilometer gibt es für 2021 je 35 Cent, seit 2022 sogar jeweils 38 Cent. Die Pend­lerpauschale gibt es immer, egal wie Sie zur Arbeit kommen (siehe Grafik unten).

Öffent­liche Verkehrs­mittel. Sie fahren meist mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln? Sind die Ticket­kosten höher als die Pendler­pauschale, die Sie für das Steuer­jahr abrechnen können, dann zählen die Ticket­kosten. Ausgenommen sind Flugti­ckets.

Höchst­grenze. Die Pend­lerpauschale können Sie nur für Tage ansetzen, an denen Sie Ihre Arbeits­stelle tatsäch­lich aufsuchen. Das Finanz­amt akzeptiert pro Jahr im Schnitt 220 bis 230 Fahrten für eine 5-Tage-Woche und 260 bis 280 Fahrten für eine 6-Tage-Woche. Außerdem werden nur volle, nicht ange­fangene Kilo­meter, berück­sichtigt. Pro Kalender­jahr beträgt die Höchst­grenze 4 500 Euro. Es kann mehr sein, wenn Sie als Auto­fahrer Ihre Fahr­kilometer etwa mit Tacho­ständen nach­weisen oder die jähr­lichen Ticket­kosten – ausgenommen Flugti­ckets – insgesamt höher sind als die Pend­lerpauschale.

Erster Arbeits­ort. Arbeiten Sie an verschiedenen Stellen, legt Ihr Arbeit­geber in der Regel eine davon als „erste Tätig­keits­stätte“ fest. Bis dahin gibt es die Pend­lerpauschale. Für Fahrten zu den anderen Stellen können Sie dann aber Hin- und Rück­fahrt als Dienst­reise abrechnen.

Unfall auf dem Arbeitsweg. Ihre Kosten, die durch einen Unfall auf Ihrem Arbeitsweg entstehen, können Sie als Werbungs­kosten zusätzlich zur Pend­lerpauschale geltend machen.

Reise­kosten. Für Wege zu anderen Arbeits­orten können Sie Reisekosten absetzen (siehe Grafik unten). Für die Fahrten mit Ihrem Auto gibt es pauschal 30 Cent pro Fahrt­kilometer. Zusätzlich ist eine Verpflegungs­pauschale von 14 Euro und mehr drin, wenn Sie länger als 8 Stunden von zu Hause abwesend sind.

Mehr Netto. Sie haben Jobkosten von mehr als 1 600 Euro im Jahr? Dann können Sie beim Finanz­amt per Antrag auf Lohnsteuerermäßigung einen Frei­betrag beantragen. Das bringt mehr Netto­gehalt.

Steuerersparnis. Sammeln Sie für Ihre Steuererklärung Belege für Jobkosten. Das können Zug- und Flugti­ckets sein oder Spesen­abrechnungen und Hotel­rechnungen für Dienst­reisen oder Weiterbildungen. Kommen übers Jahr mehr als 1 200 Euro (2023:1 230 Euro) Werbungskosten zusammen, kann jeder Euro darüber hinaus Steuern sparen. Nutzen Sie unseren Steuersparrechner!

Steuererklärung. Arbeitnehmer tragen die Angaben zu Fahrt­kosten auf der zweiten Seite der Anlage N ein. Fahrt­kosten sind nicht alles. Im Ratgeber Steuern von Finanztest finden sie alles, was Sie wissen müssen. Hier lesen Sie auch, wie Sie Fahrt­kosten korrekt in die Steuererklärung eintragen.

Kosten täglicher Pendelei zurück­holen

Zwischen Frühstücks­tisch und Schreibtisch liegt für viele Berufs­tätige erst einmal eine längere Fahrt. Ausgaben für den täglichen Weg zum Job sind Werbungskosten, mit denen sich Steuern sparen lassen. Wer außerdem Ausgaben für andere berufliche Fahrten selbst getragen hat, kann mit diesen die Steuerlast zusätzlich drücken.

Pend­lerpauschale oder Reise­kosten?

Ob Sie die Pend­lerpauschale von 30 Cent (ab dem 21. Kilo­meter: 38 Cent) oder höhere Reise­kosten absetzen können, hängt vom Arbeits­ort ab. Der Unterschied ist geld­wert: Bei Wegen zu anderen Arbeits­orten zählen steuerlich nicht nur die Fahrt­kosten, sondern auch Ausgaben für Verpflegung und Unterkunft.

Für welche Strecke gilt die Pend­lerpauschale?

Einfache Wegstrecke. Viele Berufs­tätige haben eine erste Arbeits­stelle – Steuer­deutsch „erste Tätig­keits­stätte“. Für den Weg dorthin gilt die Pend­lerpauschale. Das Finanz­amt rechnet für die einfache Wegstrecke pauschal mit 30 Cent pro Entfernungs­kilometer. Fernpendler werden etwas entlastet. Sie erhalten ab dem 21. Kilo­meter der einfachen Wegstrecke von daheim 38 Cent Pend­lerpauschale statt 30 Cent.

Befristet. Die erhöhte Pauschale gilt zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2026. Sie gilt auch für Familien­heim­fahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung.

Steuer­regel. Jeder kann die Pend­lerpauschale für den Weg zum ersten Arbeits­ort absetzen: Fußgänger und Radfahrer genauso wie diejenigen, die mit Bus, Bahn oder Auto fahren. Selbst Beifahrer erhalten die Entlastung. Die Kilo­meterpauschale steht ihnen auch zu, wenn sie vom Arbeit­geber Benzin­gutscheine oder Fahrt­kosten­zuschüsse bis 44 Euro im Monat erhalten. Außerdem können Sie die Entfernungs­pauschale für Familien­heim­fahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung absetzen.

Höchst­grenze. Maximal sind für jeden 4 500 Euro Pend­lerpauschale im Jahr drin. Es kann mehr sein, wenn Auto­fahrer ihre Fahr­kilometer etwa mit Tacho­ständen und Rechnungen über Inspektionen nach­weisen. Auch wenn die Ticket­kosten höher sind als insgesamt die Pend­lerpauschale im Jahr, greift keine Ober­grenze.

So berechnen Sie die Pend­lerpauschale

Beispiel: Ben Müller fuhr 2022 von Montag bis Freitag zur 56 Kilo­meter entfernten Arbeits­stelle. So errechnet er die Pend­lerpauschale:

  • 1. bis 20. Entfernungs­kilometer: 20 Kilo­meter x 225 Arbeits­tage x30 Cent,
  • 21. bis 56. Entfernungs­kilometer: 36 Kilo­meter x225 Arbeits­tage x 38 Cent.

Insgesamt kommt Müller auf 4 428 (1 350 + 3 078) Euro. Das sind 243 Euro mehr als 2021, allein durch die Anhebung der Entfernungs­pauschale ab dem 21. Kilo­meter. Damit über­springt er nur durch den Arbeitsweg den Arbeitnehmerfrei­betrag für Werbungs­kosten. Mit jedem Euro über dem Pausch­betrag spart er weiter Steuern. Weil er auch 2023 mit dem gleichen Arbeitsweg und einer ähnlichen Anzahl an Präsenz­tagen rechnet, beantragt er dafür einen Lohn­steuerfrei­betrag.

Kürzester Weg zur ersten Arbeits­stätte zählt

Die Pend­lerpauschale für den täglichen Arbeitsweg erhalten Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer für die kürzeste Verbindung zwischen Wohnung und Arbeits­platz. Die Kilo­meterzahl tragen sie in die Anlage N ein.

Umweg möglich. Steuerzahler können in der Steuererklärung ausnahms­weise auch eine andere Straßenverbindung als die kürzeste ansetzen, wenn die Umweg­strecke offensicht­lich verkehrs­güns­tiger ist und sie diese deshalb regel­mäßig benutzen – etwa weil so häufige Staus umfahren werden (BMF-Schreiben vom 31.10.2013).

Keine Extras. Allerdings lassen sich Zusatz­kosten für Park­tickets, Auto­finanzierung oder Versicherung nicht mehr absetzen. Sie sind über die Pend­lerpauschale abge­golten.

Tipp: Um Kosten für andere berufliche Fahrten und Dienst­reisen geltend zu machen, notieren Sie, wann Sie wohin gefahren sind. Heben Sie Belege für Zug- und Flugti­ckets, Spesen­abrechnungen und Hotel­rechnungen auf – für den Fall, dass das Finanz­amt Rück­fragen hat.

Höhere Ticket­kosten statt der Pend­lerpauschale

Berufs­tätige mit Jahres-, Monats- oder Wochenabos für den öffent­lichen Nahverkehr können statt der Pend­lerpauschale die Ticket­kosten für ihre Arbeits­wege absetzen. Sie zählen wie die Home­office-Pauschale für Arbeits­tage daheim zu den Werbungs­kosten.

Steuer­regel. Die Ausgaben für eine Zeitfahr­karte für Wege zwischen Wohnung und erster Tätig­keits­stätte muss das Finanz­amt abhaken, wenn die jähr­lichen Ticket­kosten insgesamt höher sind als die Pend­lerpauschale für das Steuer­jahr. Zu den begüns­tigten öffent­lichen Verkehrs­mitteln gehören laut Bundes­finanzhof vor allem Linienverkehrs­mittel wie Bus und Bahn. Taxi­fahrten können Angestellte dagegen nur wie Fahrten mit dem eigenen Auto über die Entfernungs­pauschale abrechnen (BFH, Az. VI R 26/20).

Tipp: Notieren Sie Ihre Tage im Home­office. In den Steuer­jahren 2020 bis 2022 gibt es jeweils 5 Euro Homeoffice-Pauschale für bis zu 120 Tage. Für diese Tage erhalten Sie dann keine Pend­lerpauschale. 2023 steigt die Pauschale an: 6 Euro können Sie für jeden Tag geltend machen, den Sie zu Hause arbeiten – das Finanz­amt akzeptiert maximal 210 Tage.

Mobilitäts­prämie statt Steuer­vorteil

Gering­verdiener mit einem weiten Arbeitsweg gehen bei den Fahrt­kosten nicht mehr leer aus. Weil bei ihnen die höhere Pend­lerpauschale von 38 Cent nicht greift, da sie keine Steuern zahlen müssen, erhalten sie seit 2021 eine Mobilitäts­prämie. Diese lösen sie mit einem speziellen Antrags­formular zur Steuererklärung ein.

Steuer­regel. Ab dem 21. Kilo­meter erhalten Gering­verdiener 14 Prozent der erhöhten Pend­lerpauschale, also 5,3 Cent (38 Cent x 14 Prozent), als Bonus.

Beispiel: 2022 kommt der verheiratete Max Müller auf ein zu versteuerndes Einkommen von 20 200 Euro. Damit bleibt er zusammen mit seiner Frau unter dem Grund­frei­betrag von 20 694 Euro, und es fallen keine Steuern an. Beantragt er die Mobilitäts­prämie, erhält Müller rund 275 Euro (225 Tage x 23 Kilo­meter x 5,3 Cent).

Auswärts­termine abrechnen

Für alle, die von ihrer ersten Tätig­keits­stätte auf eigene Kosten zu Kunden fahren oder andere berufliche Erledigungen machen, ist mehr drin:

  • Für Auto­fahrten erkennt das Finanz­amt 30 Cent für jeden gefahrenen Kilo­meter oder die tatsäch­lichen Kosten an.
  • Für Fahrten mit Motorrad, Roller oder Mofa gibt es pauschal 20 Cent je gefahrenen Kilo­meter.

Pauschalen für Verpflegung auf Dienst­reisen

Verpflegungs­kosten. Je nachdem, wie lange Angestellte von zu Hause weg sind, können sie für bis zu drei Monate zusätzlich auch Verpflegungs­kosten geltend machen. Ab 2020 gelten dafür höhere Pauschalen: Bei 24 Stunden Abwesenheit sind es pauschal 28 Euro, bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit am Tag und an den An- und Abreis­etagen bei mehr­tägigen Touren 14 Euro.

Über­nachtungs­kosten. Sie zählen fast immer unbe­grenzt. Nur wer länger als 48 Monate an derselben Stelle beruflich im Einsatz war, kann danach maximal 1 000 Euro im Monat für die Unterkunft geltend machen. Übrigens: Sowohl Unfall­kosten als auch Park­gebühren, die bei Auswärts­terminen anfallen, erkennt das Finanz­amt mit Beleg an.

Mehrere oder keine Tätig­keits­stätten

Pro Fahrt­kilometer 30 Cent, Über­nachtungs­kosten und zeitlich begrenzt Verpflegungs­kosten – all das rechnen Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer ebenfalls ab, wenn sie eine Außen­stelle des Betriebs anfahren, die nicht ihre erste Tätig­keits­stätte ist.

Werbungs­kosten optimieren

Sind Angestellte öfter an mehreren Orten im Einsatz, darf der Chef ihre erste Tätig­keits­stätte schriftlich fest­legen, sodass sie insgesamt maximale Werbungs­kosten geltend machen können. Neben dem Firmensitz lässt sich auch eine Filiale, Tochterfirma oder der Arbeits­platz bei einem Kunden zur ersten Tätig­keits­stätte machen. Es muss nicht der Stand­ort sein, der am häufigsten aufgesucht wird.

Mehrere Arbeits­orte: Hohe Kosten für Arbeits­wege

Wie viel Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer für Arbeits­wege steuerlich geltend machen können, hängt haupt­sächlich davon ab, wie viele Arbeits­orte sie haben und wie viel sie beruflich unterwegs sind.

Steuer­regel. Reise­kosten müssen Finanz­beamte bei allen beruflichen Einsätzen akzeptieren, die nicht zum ersten Arbeits­ort führen. Das kann auch eine Weiterbildung sein oder ein Bewerbungs­gespräch. Auf jeden Fall zählen die Ticket­kosten sowie bei Fahrt mit dem eigenen Pkw 30 Cent je gefahrenem Kilo­meter .

Verpflegungs­pauschalen. Sie kommen hinzu, wenn die Abwesenheit von daheim mehr als 8 Stunden dauert. Es gibt dann

  • mindestens 14 Euro pro Tag oder
  • 28 Euro bei 24-stündiger Abwesenheit,
  • 14 Euro für den An- und Abreisetag.

Unter­kunfts­kosten. Fallen sie an, können sie ebenfalls geltend gemacht werden. Auch Unfall­kosten und Park­gebühren zählen mit.

Abzüge. Was der Arbeit­geber erstattet, geht von der Pauschale ab – das gilt auch, wenn es eine Mahl­zeit umsonst gibt. Für ein Frühstück gehen 5,60 Euro ab und für ein Mittag- oder Abend­essen 11,20 Euro.

Drei­monats­frist. Allerdings ist mit der Verpflegungs­pauschale nach drei Monaten Schluss. Wurde die Auswärts­tätig­keit mindestens für vier Wochen unterbrochen, beginnt die Dreimonats­frist neu. Gar keine Frist greift, wenn es keinen ersten Arbeits­ort gibt.

Wenn die Pauschale nicht reicht

Sind Sie mit Ihrem Auto beruflich auswärts viel unterwegs? Dann lohnt es häufig, die tatsäch­lichen Kosten für Ihr Auto abzu­rechnen. Sie sind meist viel höher als die 30 Cent Reise­kostenpauschale je Kilo­meter.

Tatsäch­liche Reise­kosten abrechnen – so gehts

  • Für einen repräsentativen Zeitraum notieren Sie am Anfang und am Ende den Kilo­meter­stand. Im Zweifel nehmen Sie als Zeitraum ein ganzes Jahr.
  • Halten Sie für diese Zeit alle Pkw-Kosten fest (etwa Kraft­stoff, Auto­wäsche und Auto­pflege, Inspektionen, Reparaturen und Abschreibungs­raten). Neuwagen werden in der Regel auf sechs Jahre abge­schrieben, bei Gebraucht­wagen ist die Abschreibung entsprechend kürzer.
  • Teilen Sie diese Kosten durch die gefahrenen Kilo­meter. Das Ergebnis sind die Kosten je gefahrenem Kilo­meter, die Sie mit den beruflichen Fahr­kilometern multiplizieren.

Beispiel: Angenommen, Sie fuhren 2022 beruflich und privat mit dem Auto 30 000 Kilo­meter. Die Kosten für den Wagen betragen 16 000 Euro, etwa für Abschreibung, Sprit, Tüv und Inspektion sowie eine größere Reparatur. Dann hat jeder gefahrene Fahr­kilometer 53 Cent gekostet: 16 000 Euro geteilt durch 30 000 Kilo­meter. Beträgt der Anteil für berufliche Auswärts­termine von den 30 000 Kilo­metern 9 000 Kilo­meter, können Sie 4 770 Euro als Reise­kosten absetzen (9 000 Kilo­meter × 53 Cent). Hätten Sie statt­dessen Ihre beruflichen Stre­cken mit der 30-Cent-Pauschale abge­rechnet, wären nur 2 700 Euro an Reise­kosten zusammenge­kommen (4 000 km × 30 Cent).

Tipp: Will die Behörde als Nach­weis ein Fahrten­buch, sollten Sie sich dagegen wehren. Denn es ist gar keins nötig, nur um den Kilo­meter­satz für Ihr Auto zu ermitteln. Ihre beruflichen Fahrten weisen Sie – falls das Finanz­amt das anfordert – anhand anderer Belege nach wie mit einer Beschei­nigung vom Arbeit­geber.

Ohne erste Arbeits­stätte? Immer die Verpflegungs­pauschale!

Richtig viel Steuern sparen können Angestellte, die keine erste Tätig­keits­stätte haben, zum Beispiel Monteure oder Busfahrer.

Steuer­regel. Ohne erste Arbeits­stätte muss das Finanz­amt Reise­kosten akzeptieren: Jeder Fahr­kilometer mit dem eigenen Auto zum Einsatz­ort und wieder zurück bringt pauschal 30 Cent. Alternativ oder ergänzend zählen die Ticket­kosten. Zudem gibt es die Verpflegungs­pauschale für unbe­grenzte Zeit.

Ausnahme. Für Fahrten von daheim zu einem vom Arbeit­geber fest­gelegten Sammel­punkt (etwa ein Busdepot oder der Firmensitz) sowie für Fahrten zu einem weit­räumigen Tätig­keits­gebiet (wie bei Hafen­arbeitern oder Förs­tern) lässt sich nur die Pend­lerpauschale abrechnen.

Tipp: Notieren Sie sich im Laufe des Jahres, wie lange Sie jeweils am Einsatz­ort sind. Sind Sie an einem Tag mehr als acht Stunden von daheim abwesend, setzen Sie 14 Euro Verpflegungs­pauschale ab.

Mit diesen Posten können Sie ebenfalls sparen

Weiterbildung: Fahrt­kosten, Verpflegung, Über­nachtung

Bei Fort­bildungen außer­halb des Betriebs setzen Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter sämtliche Fahrt­kosten an. Auch Über­nachtungs- und Verpflegungs­kosten zählen mit.

Ausnahme: Sie absol­vieren eine Voll­zeit­ausbildung, etwa eine tägliche Meisterschule. Dann zählt der Veranstaltungs­ort als erste Tätig­keits­stätte, und nur die Pend­lerpauschale gilt. Wer befristet zur Probe arbeitet, kann in der Steuererklärung ebenfalls nur die Pend­lerpauschale für die einfache Wegstrecke bean­spruchen.

Master­studenten im Ausland: Reise­kosten abrechnen

Studierende im Auslands­semester, die schon einen Berufs­abschluss wie den Bachelor haben, sollten ihre Kosten für Unterkunft und Verpflegung beim Finanz­amt geltend machen. Das bringt ihnen später Steuer­abzug, wenn sie verdienen und Steuern zahlen müssen (BFH, Az. VI R 3/18).

Steuer­regel. Wer eine Ausbildung abge­schlossen hat, rechnet die Kosten für die ­Unterkünfte während der Auslands­semester und die Verpflegungs­pauschalen in der Anlage N zur Steuererklärung ab. Diese zählen als vorweggenom­mene Werbungs­kosten, wenn die Hoch­schule in Deutsch­land ihre erste Tätig­keits­stätte ist. Für Wege von daheim zur Uni in Deutsch­land gibt es aber nur die Pend­lerpauschale (BFH, Az. VI R 24/18).

Tipp: Falls Sie noch keinen Berufs­abschluss haben, sollten Sie besser das Auslands­semester ins Master­studium verschieben. Während des Zweitstudiums zählen alle Studien­kosten als Werbungskosten.

Unfall­kosten können Werbungs­kosten sein

Sind Unfall­kosten, die auf dem Arbeitsweg entstehen, bereits mit der Pend­lerpauschale abge­golten? Nein, hat die Finanz­verwaltung in einem BMF-Schreiben vom 18. November 2021 klar­gestellt.

Steuer­regel. Berufs­tätige können Unfall­kosten, die auf Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätig­keits­stätte oder – bei doppelter Haus­halts­führung – auf Familien­heim­fahrten entstehen, zusätzlich zur Entfernungspauschale als Werbungs­kosten geltend machen.

Hintergrund. Für Verwirrung sorgte ein Urteil des Bundes­finanzhofs (BFH) aus dem Jahr 2019, demzufolge Unfall­kosten mit der Entfernungs­pauschale abge­golten sein sollten. Das ist nun über­holt: Neben der Pend­lerpauschale muss das Finanz­amt sämtliche Kosten anerkennen, die im Zusammen­hang mit dem Unfall auf dem Arbeitsweg entstehen. Dazu gehören: Fahr­zeug­kosten, Krankheits­kosten und auch Folgeschäden wie Miet­kosten für ein Ersatz­fahr­zeug, Prozess­kosten, Schäden an Privatdingen wie Kleidung oder Brille und auch Fremd­schäden – also alle Kosten, welche die Versicherung nicht ersetzt.

In diesen Fällen lohnt ein Einspruch

Nicht immer ist klar, was die erste Tätig­keitsstätte ist. Das führt oft zu Streit mit dem Finanz­amt. Der Bundes­finanzhof (BFH) hat kürzlich für Klarheit gesorgt. Nun steht fest: Selbst ein Arbeits­ort, an dem der Arbeitnehmer nur kurz etwas erledigt, kann eine erste Tätig­keits­stätte sein.

Steuer­regel. Ist der erste Arbeits­ort dauer­haft derselbe und räumlich fixiert, gibt es immer nur die Pend­lerpauschale und keine Reise­kosten, auch keine Verpflegungs­pauschale.

Der erste Arbeits­ort kann

  • beim Arbeit­geber sein oder bei einem verbundenen Unternehmen oder einem vom Arbeit­geber bestimmten Dritten – etwa einem Kunden,
  • ein Betriebs­gelände sein, ein Bahnhof oder Flughafen (BFH, Az. VI R 40/16 und VI R 12/17) – aber kein Flugzeug und nicht die Bahn.

Darauf kommt es an

Es genügt, wenn Arbeitnehmer am ersten Arbeits­ort nur in geringem Umfang etwas erledigen müssen. Es kommt hierbei nicht – wie früher – auf den Schwer­punkt der Tätig­keit an.

Das stellte der Bundes­finanzhof (BFH) etwa für einen Streifen­polizisten und eine Pilotin klar. Ihr erster Arbeits­ort ist an ihren Dienst­stellen, auch wenn sie meist auswärts im Einsatz sind. Diese Ansicht über­nahm auch das Bundes­finanz­ministerium in sein BMF-Schreiben vom 25. November 2020.

Home­office keine erste Tätig­keits­stätte

Klar ist, dass das Home­office kein erster Arbeits­ort sein kann. Anders ist es nur, wenn der Arbeit­geber das Büro für seinen Mitarbeiter anmietet und so über die Nutzung entscheidend bestimmen kann. Das haben die Richter vom Bundes­finanzhof kürzlich entschieden (Az. VI R 35/18).

Tipp: Arbeiten Sie an mehreren Einsatz­orten, etwa in mehreren Filialen, sollte Ihr Arbeit­geber eine davon als Ihre erste Tätig­keits­stätte im Arbeits­vertrag, Protokoll oder Einsatz­plan fest­legen (BFH, Az. VI R 40/16 und VI R 27/17). Das sollte die sein, mit der die Gesamt­rechnung für alle Einsatz­orte am güns­tigsten ausfällt. Die erste Tätig­keits­stätte muss nicht der Stand­ort sein, an dem Sie am häufigsten sind.

Leih­arbeitnehmer: Häufig Streit um Reise­kosten

Zoff mit dem Finanz­amt haben oft Leih­arbeitnehmer, die durch­gehend in demselben Betrieb des Entleihers arbeiten. Nach Auffassung der Finanzbehörden sollen sie nur die Pend­lerpauschale für ihren Arbeitsweg statt ihre höheren Reise­kosten dorthin absetzen dürfen. Doch das ist höchst strittig.

Steuer­regel. Leih­arbeitnehmer und in Zeit­arbeit Beschäftigte können in der Regel immer Reise­kosten abrechnen, weil sie keine erste Arbeits­stätte haben. Grund: Entleiherfirma oder Zeit­arbeits­firma sind kein dauer­hafter Arbeits­ort.

Ausnahme. Laut der Finanz­verwaltung gilt der Entleiher als erste Tätig­keits­stätte, wenn Beschäftigte dort

  • für die gesamte Zeit des Arbeits­verhält­nisses oder
  • länger als 48 Monate oder
  • unbe­fristet tätig sind.

Dann will die Behörde für den Arbeitsweg zum Entleiher nur die Pend­lerpauschale für den einfachen Arbeitsweg akzeptieren und nicht die Reise­kostenpauschale von 30 Cent für den Hin- und Rückweg.

Dagegen hat sich ein Zeit­arbeiter gewehrt. Sein Finanz­amt hatte nur die Pend­lerpauschale für die einfache Entfernung als Wege­kosten anerkannt. Doch der Bundes­finanzhof hat sich auf die Seite des Zeit­arbeiters gestellt (Az. VI R 32/20): Wenn die Zeit­arbeits­firma mit dem Entleiher wieder­holt eine befristete Tätig­keit vereinbart, fehlt es an einer dauer­haften örtlichen Zuordnung des Arbeitnehmers zur Entleihfirma. Damit mangele es an einer ersten Tätig­keits­stätte. Der Zeit­arbeiter kann deshalb jeden Fahrt­kilometer geltend machen.

So planen Sie Ihr nächstes Steuer­jahr

Berufliches und Privates trennen. Sie planen eine Dienst­reise und wollen diese zum Beispiel mit dem Besuch eines Freundes verknüpfen? Grenzen Sie berufliche und private Reis­etage möglichst voneinander ab. So lässt sich leichter ermitteln, welche Kosten beruflich veranlasst sind und damit einen Steuer­vorteil bringen.

Erste Tätig­keits­stätte fest­legen. Wenn Sie mehrere Einsatz­orte haben, bitten Sie Ihren Chef, eine erste Tätig­keits­stätte für Sie fest­zulegen. Das kann der Firmensitz oder die Filiale sein, aber auch eine Tochterfirma, ein ausgelagerter Unter­nehmens­bereich oder ein Arbeits­platz beim Kunden. Wie oft Sie dort arbeiten, spielt keine Rolle. Das häusliche Arbeits­zimmer gilt hier nicht als erste Tätig­keits­stätte.

Schriftlich dokumentieren. Die Fest­legung muss der Chef eindeutig im Arbeits­vertrag, Protokoll oder Einsatz­plan dokumentieren. Bei Arbeitnehmern ohne erste Tätig­keits­stätte wie Busfahrer oder Hand­werker sollte Ihr Chef ausdrück­lich fest­legen, dass der im Arbeits­vertrag genannte Arbeits­ort keine Fest­legung einer ersten Tätig­keits­stätte darstellt.

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2 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 16.07.2021 um 10:51 Uhr
Werbungskosten Auszubildende

@superblub: Eine Steuererklärung lohnt unter anderem, wenn die Jobkosten (Werbungskosten) bei Arbeitnehmern über 1000 Euro im Jahr betragen. 1000 Euro im Jahr werden bei jedem Arbeitsnehmer automatisch schon bei der Lohnsteuer als Arbeitnehmerfreibetrag berücksichtigt, so dass erst Jobkosten darüber die Einkommensteuer nach der Steuererklärung senken. Sie können für Ihren Weg zum Ausbildungsbetrieb die Pendlerpauschale absetzen, allerdings zieht das Finanzamt den Zuschuss den Sie vom Arbeitgeber für das Jobticket erhalten ab. Auch Ihre Fahrtkosten zu Bewerbungsgesprächen zählen – in dem Fall sind es Reisekosten. Sie können also die 30 Cent für jeden Fahrtkilometer mit dem eigenen Auto absetzen. Dazu zählen noch viele andere Werbungskosten wie auch Porto oder Schreibmaterialien für Ihre Bewerbungsunterlagen. (PK)

superblub am 13.07.2021 um 15:26 Uhr
Toll, aber Fragen bleiben

Ein guter Beitrag, der bei mir immer noch einige Fragen offen lässt.
Wenn ich ab September eine Ausbildung mache, vom Gehalt her unter der Freibetragsgrenze liege und somit keine Steuererklärung machen muss, aber freiwillig eine machen möchte:
- kann ich eine Pendlerpauschale zur ersten Tätigkeitsstätte angeben, wenn ich vom Arbeitgeber ein Jobticket bekomme?
Und woanders habe ich gelesen, dass man Bewerbungskosten (Weg zum Bewerbungsgespräch, Portokosten) absetzen kann, sich dies jedoch nicht bei einem Gesamtbetrag von unter 1000€/Jahr lohnt. Warum nicht?
Wenn die Frage dumm ist, weil es vielleicht offensichtlich ist, dass der Betrag von der bei mir nicht auftauchenden Lohnsteuer abgezogen wird - Entschuldigung, ich bin noch neu in dem Thema.