Steuererklärung Special

Müssen oder dürfen Sie eine Steuererklärung abgeben? Wir klären auf – und helfen Ihnen, sich schnell Ihr Geld zurück­zuholen.

Das Gerücht hält sich hartnä­ckig und ist doch falsch: Es stimmt nicht, dass Menschen, die einmal freiwil­lig eine Steuererklärung abge­geben haben, ab dann jedes Jahr eine machen müssen.

Vielmehr gilt: Alle, die freiwil­lig mit dem Finanz­amt abrechnen können, dürfen jedes Jahr aufs Neue entscheiden.

Steuererklärung Special

Ob die Steuererklärung Pflicht oder Kür ist, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Steuerklasse, den Einkünften und Frei­beträgen ab (siehe Grafik).

Unabhängig davon, ob Muss oder Kann: Für die meisten lohnt sich die Steuererklärung. Fast immer gibt es Geld zurück, das liegt am System. So zieht der Staat von Arbeitnehmern während des Jahres Lohn­steuer ein, ohne die Ausgaben der Steuerzahler zu kennen, die das zu versteuernde Einkommen und damit die Steuerlast reduzieren.

Deshalb ist es wichtig, dem Finanz­amt mitzuteilen, welche Ausgaben angefallen sind. Nur so kann die Behörde das zu versteuernde Einkommen rück­wirkend senken.

Wie viel Steuern die Finanzbehörden während des Jahres kassiert haben, hängt von der Höhe des Einkommens eines jeden Steuerzah­lers ab:

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Neun Tipps zum Steu­ersparen

Wir haben in neun Tipps die Ausgaben aufgeführt, die besonders viele Menschen geltend machen können. Meist kommen mehrere Posten zusammen und das Finanz­amt erstattet dafür einen Teil der bereits gezahlten Steuern.

Die Behörden berück­sichtigen steuer­mindernd alle Ausgaben, die nötig sind, um Einnahmen zu erzielen. Deshalb zählen beispiels­weise Kosten rund um den Beruf, egal, ob es Fahrt- oder Weiterbildungs­kosten sind, Ausgaben für Arbeits­mittel oder für einen beruflichen Umzug (Tipp 1 bis 4).

Kosten der privaten Lebens­führung bleiben dagegen außen vor – bis auf wichtige Ausnahmen: die Sonder­ausgaben und die außergewöhnlichen Belastungen.

Sonder­ausgaben sind beispiels­weise Ausgaben für Kinder­betreuung, Beiträge zur Alters­vorsorge, Spenden, Parteibeiträge und Kirchen­steuern (Tipp 7 bis 9).

Als außergewöhnliche Belastungen gelten Kosten für die Pflege eines Angehörigen, Kosten aufgrund von eigener Krankheit, Unter­halts­zahlungen und Scheidungs­kosten. Auch Ausgaben für Hand­werker und Haus­halts­hilfen in der eigenen Wohnung mindern die Steuer (Tipp 5 und 6).

Teils privat – teils beruflich

Was ist beruflich, was privat? Das lässt sich nicht immer klar trennen. Deshalb zählen Ausgaben auch anteilig, wenn sie zum Teil privat und zum Teil beruflich veranlasst sind – beispiels­weise die Kosten einer Bildungs­reise ins Ausland. Das ergibt sich aus der Recht­sprechung des Bundes­finanzhofs (BFH, Az. GrS 1/06).

Nutzen Berufs­tätige ihr privat angeschafftes Laptop oder Smartphone auch beruflich, dürfen sie ebenfalls einen Teil der Kosten abrechnen. Den beruflichen Anteil können sie schätzen. So hat es der Bundes­finanzhof entschieden (Az. VI R 135/01). Erfordert der Beruf offensicht­lich Computer­arbeit, können Steuerzahler auch pauschal 50 Prozent der Kosten für das Gerät angeben. Macht die private Nutzung höchs­tens 10 Prozent aus, zählen die Ausgaben für elektronische Arbeits­mittel sogar voll. Mit einem Schreiben vom Arbeit­geber lässt sich die berufliche Nutzung am besten belegen.

Arbeitsweg bringt Steuererstattung

Allein die Kosten für den Weg zur Arbeit oder Ausbildungs­stelle bringen oft eine Steuererstattung. Sie sprengen leicht den Werbungs­kosten-Pausch­betrag von 1 000 Euro, den jeder bekommt, der seine Ausgaben nicht belegen will. Wer beispiels­weise an 230 Tagen einen Weg zur Arbeit von 15 Kilo­metern zurück­legt, kann allein 1 035 Euro als Pend­lerpauschale geltend machen. Dazu kommen vielleicht noch Ausgaben für Arbeits­mittel und Arbeits­zimmer. Kosten für ein häusliches Arbeits­zimmer können Arbeitnehmer geltend machen, wenn sie von zuhause aus arbeiten oder am heimischen Schreibtisch lernen, weil ihr Arbeit­geber keinen Raum zur Verfügung stellt. Das ist häufig bei Lehrern der Fall.

Vieles, was mit der Wohnung zusammenhängt, mindert die Steuerlast ebenfalls. Betriebs­kosten zählen genauso wie Ausgaben für Helfer im Haushalt.

Wer aus beruflichen Gründen umge­zogen ist, kann eine Pauschale nutzen:

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Wer für den Job in eine andere Stadt zieht, den Lebens­mittel­punkt aber am bisherigen Wohn­ort belässt und zwei Haushalte führt, kann zwar keine Umzugs­kostenpauschale, wohl aber Ausgaben für Makler, Miete, Reinigung und Reno­vierung der Zweit­wohnung angeben. Das Finanz­amt erkennt dann außerdem eine Heim­fahrt pro Woche an und gewährt in den ersten drei Monaten Verpflegungs­pauschalen.

Keine Angst vor Nach­forderungen

Steuerzahler sollten nicht darauf verzichten, den Staat auf die eigenen Ausgaben hinzuweisen. In ein, zwei Stunden ist das Gröbste geschafft. Viele holen sich damit hunderte Euro Steuern zurück – der Stunden­lohn ist also gut.

Die Angst vor Nach­forderungen ist in den meisten Fällen unbe­gründet. Vor allem Steuerzahler, die freiwil­lig mit dem Finanz­amt abrechnen, haben nichts zu befürchten. Sie können die Erklärung zurück­nehmen, wenn sie wider Erwarten doch Steuern nach­zahlen sollen. Das geht nur dann nicht, wenn die Nach­zahlung auf einen Fehler des Arbeit­gebers zurück­zuführen ist, weil der beispiels­weise während des Jahres zu wenig Lohn­steuer abge­führt hat.

Frist verschlafen – was passiert?

Der Stichtag 31. Mai gilt nur für alle, die verpflichtet sind, ihre Einkünfte dem Finanz­amt offen­zulegen. Schaffen sie die Erklärung nicht recht­zeitig, sollten sie sich mit dem Finanz­amt in Verbindung setzen. Sonst müssen sie womöglich draufzahlen, denn das Finanz­amt darf einen Verspätungs­zuschlag in Höhe von 10 Prozent der fälligen Einkommensteuer fordern, maximal 25 000 Euro. Üblicher­weise warnen die Beamten zuvor per Post, doch am besten ersparen sich säumige Kunden den unangenehmen Brief. Sie können eine Frist­verlängerung beantragen: Ein Anruf oder Brief genügt.

Der Antrag auf Frist­verlängerung kann formlos sein. Es sollte nur klar darin stehen, warum die Steuererklärung nicht pünkt­lich kommt. Akzeptable Gründe gibt es viele: Dem einen fehlen noch Bescheinigungen von Ämtern oder Versicherungen. Der andere muss eine längere Dienst­reise machen, hatte einen Arbeits­unfall, zieht um oder hat zurzeit einfach zu viel Arbeit (siehe Musterbrief).

Melden sich die Beamten auf die Bitte um Frist­verlängerung nicht, ist das ein gutes Zeichen: Die Verlängerung ist gewährt.

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