Die neuen Gesetze verschieben die Steuerlast. Eins bleibt: Viele können sich durch die Steuererklärung Geld zurückholen.

Im Durchschnitt zahlt der Fiskus jedem Arbeitnehmer, der eine Steuererklärung abgibt, rund 1.000 Mark zurück. Das geht aus der Lohnsteuerstatistik des Statistischen Bundesamts hervor und hat überhaupt nichts mit amtlicher Großzügigkeit zu tun. Im Gegenteil: Das Finanzamt zieht Arbeitnehmern im Jahresverlauf meist mehr Steuern vom Lohn ab, als ihm letztlich zusteht. Deswegen bleibt die Abrechnung mit der Behörde auch in diesem Jahr für viele ein gutes Geschäft. Doch Deutschlands Arbeitnehmer sind großzügig: Nach Schätzungen des Bundes der Steuerzahler schenken sie dem Finanzminister mehr als eine Milliarde Mark pro Jahr allein dadurch, dass sie gar keine Steuererklärung abgeben.

Das Ausfüllen ist zwar kein Vergnügen. Doch wer 1999 eine Steuererklärung für 1998 gemacht hat, kann einiges für die Formulare 1999 übernehmen. Diesmal haben sich allerdings auch viele Punkte verändert.

Das Hauptformular

Steuererklärung Meldung

Das vierseitige Hauptformular wird auch Mantelbogen genannt, weil es die anderen Formulare wie ein Mantel umschließt. Dieses Formular muss jeder ausfüllen, der eine Steuererklärung abgibt. Auf die erste Seite gehören wie immer die allgemeinen Angaben zur Person. Ehepaare müssen dort außerdem ankreuzen, ob sie getrennt oder zusammen veranlagt werden wollen.

Steuern sparen können die meisten vor allem auf der dritten und vierten Seite, wenn sie ihre Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen eintragen. Doch schon auf der zweiten Seite gibt es zwei wichtige Veränderungen, die Abfindungen und 630-Mark-Jobs betreffen.

Abfindung geschmälert

Zeile 45:

Hier wird erstmals die ermäßigte Besteuerung aller "außerordentlichen Einkünfte" beantragt. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Abfindungen von Arbeitnehmern, die aus ihrem Job entlassen wurden oder um Veräußerungsgewinne von Selbstständigen.

Bisher war es möglich, Abfindungen nach Abzug von Freibeträgen mit dem halben Steuersatz zu versteuern. Jetzt fällt die Entlastung durch eine neue Berechnung in der Regel geringer aus.

Je nach Betriebszugehörigkeit gelten bei Abfindungen auch geringere Freibeträge. Steuerfrei bleiben in jedem Fall bis zu 16.000 Mark (vorher 24.000 Mark). Bis zu 20.000 Mark (vorher 30.000 Mark) verschont das Finanzamt bei mindestens 15 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Lebensalter von mindestens 50 Jahren. Ist ein Arbeitnehmer älter als 55 und 20 Jahre oder länger dabei, gibt es 24.000 Mark steuerfrei (vorher 36.000) Mark.

Wurde die Abfindung aber noch 1998 vereinbart und vor dem 1. April 1999 gezahlt, gelten noch die alten günstigeren Freibeträge.

Die genauen Beträge von Abfindungen gehören in jedem Fall in die Anlage N und bei Veräusserungsgewinnen in die Anlage GSE.

630-Mark-Jobs eintragen

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Zeile 46:

Hier muss erstmals in diesem Jahr der Arbeitslohn aus so genannten 630-Mark-Jobs eingetragen werden (Bescheinigung beilegen).

Aber nur der tatsächlich steuerfrei bezogene Arbeitslohn gehört hierher. Seine Höhe ergibt sich aus der Freistellungsbescheinigung, die der Arbeitnehmer vom Finanzamt erhalten hat und auf der der Arbeitgeber die entsprechenden Angaben vermerkt hat.

Wurde die Beschäftigung pauschal versteuert, hat das Arbeitsentgelt in der Steuererklärung nichts zu suchen. Per Lohnsteuerkarte versteuerter Lohn gehört in die Anlage N.

Sonderausgaben

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Zeile 62-71:

Nicht nur die gezahlten Beiträge zur Sozialversicherung, sondern auch Beiträge für private Kapitallebens-, Renten-, Krankenhaustagegeld-, Krankentagegeld-, Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen sind im Rahmen von Höchstbeträgen absetzbar.

Zeile 73-74:

Eine Rente, die ein Steuerzahler auf Grund einer besonderen Verpflichtung (Vertrag, Urteil) beispielsweise an einen Verwandten zahlt, darf der Zahlende nur mit dem Ertragsanteil als Sonderausgaben absetzen (zur Höhe des Ertragsanteils siehe Anlage KSO).

Übernimmt der Steuerzahler dagegen eine so genannte dauernde Last, kann er diese Aufwendungen in voller Höhe in der Steuererklärung geltend machen. Das ist beispielsweise bei einer Immobilienübertragung von Eltern auf Kinder im Rahmen einer vorweggenommenen Erbfolge gegen die Zahlung von Versorgungsleistungen möglich.

Ob es sich um eine Rente handelt oder um eine dauernde Last, ist nicht leicht zu entscheiden. Wer den Sonderausgabenbezug wegen einer Rente oder dauernden Last erstmalig beantragen möchte, sollte deshalb vorher unbedingt mit einem Steuerprofi darüber sprechen, da viele Voraussetzungen und Fallstricke zu beachten sind.

Zeile 75:

Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Gatten dürfen bis 27.000 Mark geltend gemacht werden. Der Empfänger muss den Betrag aber versteuern. Dies bescheinigt er auf der Anlage U.

Zeile 77:

Hier wird die 1999 tatsächlich gezahlte Kirchensteuer, einschließlich Nachzahlungen und Vorauszahlungen, eingetragen.

Zeile 78-79:

Bis 18.000 Mark dürfen Sie für eine Haushaltshilfe absetzen, wenn ein rentenversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis besteht. Den Job können auch Verwandte übernehmen, die nicht zum Haushalt gehören. Bei einem 630-Mark-Job gelten die Aufwendungen aber nicht als Sonderausgaben.

Zeile 80:

Zu den Steuerberatungskosten gehören nicht nur Honorare für den Steuerberater oder Beiträge für den Lohnsteuerhilfeverein, sondern auch Fahrtkosten zur Steuerberatung und Aufwendungen für Steuerfachliteratur.

Zeile 81-82:

Für eine Ausbildung in einem nicht ausgeübten Beruf können maximal 1.800 Mark, bei auswärtiger Unterbringung bis 2.400 Mark geltend gemacht werden. Dazu zählen Aufwendungen für Lehrveranstaltungen und -materialien, Fahrten und Arbeitsmittel ebenso wie Ausgaben für ein Arbeitszimmer.

Zeile 83:

Wenn ein Kind in eine staatlich anerkannte Ersatz- oder Ergänzungsschule geht, dürfen auch weiterhin 30 Prozent vom Schulgeld abgesetzt werden.

Zeile 87:

Für gemeinnützige, kirchliche, religiöse Zwecke dürfen Spenden bis 5 Prozent des Gesamtbetrags aller Einkünfte als Sonderabgaben abgesetzt werden, für wissenschaftliche, mildtätige oder kulturelle Zwecke 10 Prozent.

Auch Mitgliedsbeiträge und Spenden an politische Parteien und Wählervereinigungen reduzieren die Steuerschuld, und zwar um die Hälfte der Höhe der Spende, soweit sie 3.000/6.000 Mark (Alleinstehende / Ehepaare) nicht übersteigen. So verringert beispielsweise die Parteispende eines Ehepaars von 6.000 Mark die Steuerschuld um 3.000 Mark.

Neben Geldspenden wirken auch Sachspenden steuersenkend. Die Sachzuwendung wird mit dem Betrag angesetzt, den man bei einem Verkauf erzielen würde.

Für Spenden bis 100 Mark genügt als Spendenbescheinigung in der Regel ein Zahlungsbeleg der Post oder der Bank. Bei Spenden in Katastrophenfällen reichen diese Belege auch dann noch aus, wenn mehr als 100 Mark gegeben werden.

Verluste neu geregelt

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Vor allem in zwei Punkten gibt es bei den Sonderausgaben Veränderungen:

Zinsen für Steuernachforderungen, -stundungen oder -aussetzungen dürfen gar nicht mehr als Sonderausgaben abgesetzt werden.

Zeile 91-94:

Deutlich reduziert wurden die Möglichkeiten, Verluste geltend zu machen.

Unverändert bleibt aber die Verrechnung von Verlusten mit Gewinnen innerhalb ein und derselben Einkunftsart. Wer 1999 beispielsweise 300.000 Mark Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung geltend macht, aber nur 100.000 Mark Mieteinkünfte erzielte, kann beide Posten uneingeschränkt miteinander verrechnen.

Schwierig wird es erst, wenn der so entstandene Verlust mit anderen Einkünften ausgeglichen werden soll. Der Vermieter kann 100.000 Mark (Ehepaare 200.000 Mark) Verlust mit positiven anderen Einkünften desselben Jahres verrechnen. Höhere Verluste dürfen nur noch teilweise mit anderen 99er Einkünften verrechnet werden.

Eventuelle Restverluste sind aber auch danach steuerlich nicht verloren, sie dürfen als Verlustrücktrag mit 98er Einkünften oder als Verlustvortrag mit späteren Einkünften verrechnet werden.

Wer mit Verlusten in dieser Höhe umgehen muss, sollte unbedingt einen Steuerberater konsultieren. Das trifft auch für Verluste aus Steuersparmodellen wie geschlossenen Immobilienfonds oder Flugzeugfonds zu, die, mit Ausnahme der so genannten Konservierungsmodelle, ab 1999 gar nicht mehr mit anderen Gewinnen verrechnet werden dürfen.

Außergewöhnliche Belastungen

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Zeile 95-99:

Pauschbeträge für Behinderte und Hinterbliebene kommen entsprechend der vorhandenen Nachweise in das Formular. Behinderte können statt der Pauschale die tatsächlich entstandenen höheren Kosten nachweisen.

Zeile 100-104:

Ist einer der Ehegatten über 60 oder ein Angehöriger des Haushalts krank, dürfen bis 1.200 Mark für eine Haushaltshilfe abgesetzt werden, bei Hilflosigkeit oder Behinderung (ab 45 Grad) bis 1.800 Mark. Bei Heimunterbringung eines Ehegatten sind 1.200 Mark absetzbar. Ist der Ehegatte im Heim noch dazu pflegebedürftig, sind es 1.800 Mark.

Zeile 105-106:

Wer eine behinderte Person (Behindertenausweis H oder Pflegestufe III) unentgeltlich in seiner oder in deren Wohnung pflegt, kann einen Pflegepauschbetrag von 1.800 Mark nutzen. Höhere Aufwendungen können mit Belegen geltend gemacht werden.

Zeile 107:

Als Unterstützung hilfsbedürftiger Angehöriger dürfen erstmals 13.020 Mark abgesetzt werden (bisher 12.000 Mark). Die steuerliche Anerkennung der Unterstützung bleibt aber an einige Voraussetzungen gebunden: Der Angehörige muss unterhaltsberechtigt sein und niemand darf einen Anspruch auf einen Kinderfreibetrag für diese Person haben. Das eigene Einkommen des Unterstützten reduziert die Abzugsmöglichkeiten, soweit es 1.200 Mark im Jahr übersteigt. Zum Einkommen der Unterstützten gehören auch die vom Sparerfreibetrag und vom Versorgungsfreibetrag freigestellten Einnahmen.

Zeile 116-119:

Ausgaben für Medikamente, Heilmittel, Kuren, für die Wiederbeschaffung von Hausrat nach unabwendbaren Ereignissen wie Brand, Diebstahl, Unwetter oder Hochwasser, Anwalts- und Gerichtskosten bei Ehescheidung oder andere außergewöhnliche Belastungen erkennt das Finanzamt nur in beschränktem Umfang an. Sie werden um die so genannte "zumutbare Belastung" gekürzt.

Zu den Krankheitskosten gehören übrigens auch Fahrtkosten ins Krankenhaus, zum Arzt oder zur Heilbehandlung oder auch zu Selbsthilfegruppen. Bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (einschließlich Taxi) sind die tatsächlichen Kosten absetzbar. Aufwendungen für Fahrten mit privaten Verkehrsmitteln werden wie Dienstfahrten behandelt (s. Anlage N).

Wer sich bis hierhin durch das Hauptformular gekämpft hat, setzt am besten gleich Unterschrift und Datum unter die erste Seite. Sonst gilt die Steuererklärung nicht. Ehepartner müssen beide unterschreiben, falls sie nicht die getrennte oder besondere Veranlagung gewählt haben.

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