Mieter bezahlen über die Nebenkosten auch Hausmeister und Handwerker. In der Steuererklärung können sie den Lohn angeben und Steuern sparen. Das geht sogar noch nachträglich.

Alle Mieter, die Steuern zahlen, können seit kurzem beim Finanzamt Betriebskosten für ihre Wohnung abrechnen und sich Geld zurückholen. Ein Mieter mit einer 100-Quadratmeter-Wohnung spart um die 100 Euro im Jahr.

Denn nach Paragraf 35a des Einkommensteuergesetzes bekommen diejenigen einen Steuerrabatt, die Arbeiten im Haushalt nicht selbst erledigen, sondern zum Beispiel Handwerker damit beauftragen.

Gibt der Auftraggeber die Lohnkosten in seiner Steuererklärung an, werden ihm 20 Prozent des Lohns für die Putzhilfe oder den Fliesenleger bei der Steuerschuld erlassen. Beispiel: Ein Mieter, der seine Wohnung für 3 000 Euro von Handwerkern malern, tapezieren und streichen lässt, muss 600 Euro weniger Steuern zahlen.

Neu ist, dass Mieter nicht nur Lohn für Dienstleistungen abziehen können, die sie selbst in Auftrag gegeben haben. Nach einem Anwendungsschreiben des Bundesfinanzministeriums sind nun auch die Kosten, die der Vermieter veranlasst und über die Betriebskosten auf den Mieter umlegt, steuerbegünstigt – zum Beispiel der Lohn für den Hausmeister.

Mieter dürfen Lohnanteil schätzen

Steuern sparen mit der Betriebskostenabrechnung ist kinderleicht. Der Mieter muss nur wissen, hinter welchen Betriebskostenpositionen sich Löhne für sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen verbergen. Die Kosten für die Müllabfuhr etwa gilt laut Finanzverwaltung nicht als steuerbegünstigt.

Ab 2007 sind die Vermieter verpflichtet, in der Betriebskostenabrechnung Lohn- und Materialkosten für haushaltsnahe Tätigkeiten getrennt auszuweisen. Der Mieter überträgt die Kosten für die Arbeitsleistung dann einfach in den Mantelbogen seiner Steuererklärung (Zeile 106 bis 112).

Wer seine Steuererklärung für das Jahr 2006 macht und die Abrechnung seines Vermieters schon vorliegen hat, wird allerdings feststellen, dass Lohn- und Materialkosten darin noch nicht getrennt ausgewiesen sind. Doch nur die Lohnanteile in den Betriebskosten wirken steuermindernd. Deswegen darf der Mieter die Lohnanteile für das Jahr 2006 schätzen.

Beispiel: Laut Betriebskostenabrechnung 2006 soll ein Mieter 200 Euro von den Gesamtkosten eines Fahrstuhls bezahlen. In den 200 Euro stecken sowohl Lohn für die Wartung als auch Stromkosten für den Fahrstuhlbetrieb. Der Lohnanteil muss also geschätzt werden. Nach einer Schätzung des Deutschen Mieterbunds macht der Lohn 25 Prozent der gesamten Aufzugskosten aus. Also sind 50 Euro steuerlich begünstigt. 20 Prozent hiervon zieht das Finanzamt von der Steuerschuld ab.

So wie im Beispiel verfährt der Mieter mit allen Betriebskostenpositionen aus der Tabelle „So schätzen Mieter ohne Abrechnung“ und trägt die Summe in die Zeile 112 seiner Steuererklärung ein.

Wer seine Steuererklärung für 2006 bereits eingereicht hat, ohne Betriebskosten geltend zu machen, kann diese noch nachreichen. Nur wenn die einmonatige Einspruchsfrist bereits abgelaufen ist, ist ein Steuerrabatt für 2006 nicht mehr möglich.

Und noch ein zweites Mal schätzen

Oft werden Mieter die Abrechnung für 2006 noch gar nicht haben. Dann müssen sie nicht nur den Lohn schätzen, sondern auch die Höhe der Betriebskosten.

Wer noch eine ältere Abrechnung hat, nimmt einfach die Kostenpositionen daraus und berechnet die Lohnanteile wie oben beschrieben. Der Steuererklärung fügt er den Hinweis bei, dass und wie er die Höhe der Betriebskosten geschätzt hat.

„Die Finanzverwaltung wird den Steuerbescheid nur vorläufig erlassen und nach Meldung der korrekten Beträge berichtigen“, sagt Hans-Joachim Beck, Richter am Finanzgericht Berlin-Brandenburg. Beck erwartet jedoch, dass die Finanzämter zumindest dann auf die Korrektur verzichten, wenn Mieter die Abrechnung aus 2005 als Grundlage der Schätzung nutzen.

Wer für seine Wohnung noch keine alte Betriebskostenabrechnung hat, muss noch gröber schätzen. Er legt die örtlichen durchschnittlichen Betriebskosten oder gar den Betriebskostenspiegel für Deutschland zugrunde (siehe Tabelle).

Offene Steuerbescheide ab 2003

Mieter können den Steuerbonus vom Finanzamt auch noch für die Jahre 2003 bis 2005 erhalten. Sind die Steuerbescheide für diese Jahre noch offen, können sie die steuerrelevanten Mietnebenkosten nachreichen. Offen ist ein Steuerbescheid etwa dann, wenn die Finanzverwaltung dem Mieter einen Bescheid erteilt hat, in dem sie sich noch eine spätere Nachprüfung vorbehalten hat.

Auch Bescheide, gegen die noch ein Einspruch oder eine Klage läuft, sind noch offen. Selbst wenn der Steuerpflichtige aus einem ganz anderen Grund Einspruch eingelegt hat, kann er die Lohnanteile in den Betriebskosten noch nachreichen.

Wer alte Abrechnungen einreicht, muss aber bestimmte Betriebskostenpositionen unberücksichtigt lassen. Vor 2006 waren Arbeiten eines Handwerkers nur begünstigt, wenn sie üblicherweise vom Mieter selbst ausgeführt werden, wie etwa Malerarbeiten. Ausgaben für die fachmännische Wartung der Heizungsanlage konnte ein Auftraggeber somit nicht geltend machen.

Umstritten ist die Frage, ob ein Vermieter für die Betriebskostenabrechnungen ab 2007 mit Trennung von Lohn- und Materialkosten Geld vom Mieter verlangen darf. Die Verbände der Vermieter sagen ja, die Mietervertreter nein. Letztlich werden die Gerichte diese Fragen entscheiden.

Leser berichten uns, dass Verwalter von Wohnungseigentumsanlagen bis zu 45 Euro für die Abrechnung wollen. Sollte das durchgehen, verpufft ein Teil des Steuerrabatts. Es bliebe nur ein Trost: Auch die Vergütung für den Vermieter gehört wohl zu den steuerbegünstigten Posten.

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