Bildungs­kosten Special

Erst Schule, dann Ausbildung oder Studium und schließ­lich die Weiterbildung im Berufs­leben – Bildung begleitet uns durchs Leben und kostet Geld. Während Berufs­tätige ihre Ausgaben für Fort­bildungen unbe­grenzt als Werbungs­kosten absetzen können, sind Studenten bislang im Nachteil. Für eine Erst­ausbildung gelten die Kosten nur als Sonder­ausgaben. Wer in der Zeit nichts oder wenig verdient, für den lohnt sich der Sonder­ausgaben­abzug meist nicht.

Bildungs­kosten absetzen – das Wichtigste in Kürze

Arbeitnehmer. Liegt ein beruflicher Zusammen­hang vor, können Arbeitnehmer Ausgaben für ihre Fort- oder Weiterbildung als Werbungs­kosten absetzen. Das gilt aber nur für Aufwendungen, die nicht vom Arbeit­geber über­nommen werden. Erst wenn die Weiterbildungs­kosten zusammen mit anderen Werbungs­kosten über 1 000 Euro liegen, lohnt sich eine detaillierte Auflistung. Denn das Finanz­amt berück­sichtigt bei Arbeitnehmern auto­matisch eine Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro.

Kinder auf Privatschulen. Eltern können 30 Prozent des Schulgeldes für ihre Kinder in ihrer Steuererklärung als Sonder­ausgaben absetzen. Pro Kind sind aber maximal 5 000 Euro erlaubt. Kosten für Verpflegung und Unterbringung, etwa in einem Internat, zählen nicht.

Studenten. Wer ein Erst­studium oder eine Erst­ausbildung absol­viert, kann seine Ausgaben für Bücher, Studien­gebühren oder tägliche Fahrten bislang nur als Sonder­ausgaben bis zu einem Höchst­betrag von 6 000 Euro pro Jahr absetzen. Sonder­ausgaben dürfen nur in dem Jahr, in dem die Kosten angefallen sind, geltend gemacht werden. Wer keine Einkünfte in dieser Zeit hat, spart damit auch keine Steuern. Verlust­vorträge auf spätere Jahre, etwa den ersten Job mit Einkommen, sind nicht möglich. Dadurch sind viele Studierende im Nachteil. Ob diese Regelung verfassungs­widrig ist, prüft das Bundes­verfassungs­gericht.

Ausbildung, Duales Studium, Zweitstudium. Anders sieht es steuerlich aus, wenn in einem Ausbildungs­verhältnis gleich­zeitig gelernt und gearbeitet wird, zum Beispiel in einer Lehre oder einem dualem Studium oder wenn ein Zweitstudium wie ein Master absol­viert wird. Dann können die Kosten für die Ausbildung als Werbungs­kosten mit dem Finanz­amt abge­rechnet werden. Vorteil: Ausgaben sind unbe­grenzt absetz­bar und es kann ein Verlust­vortrag für spätere Jahre beantragt werden, in denen höhere Einkünfte zu erwarten sind und damit auch eine höhere Steuerersparnis.

Alle Details zur Steuererklärung. Bildungs­kosten sind nicht alles. Im Ratgeber Steuern von Finanztest lesen Sie alle Details zur Steuererklärung. Hier zeigen wir Ihnen auch, wie Sie Kosten korrekt in die Erklärung eintragen.

Studium und Steuer: Wichtige Entscheidung steht noch aus

Für Berufs­tätige, die auf eigene Kosten zur beruflichen Weiterbildung ein Drei­tages­seminar besucht haben, ist die Sache klar: Sie dürfen die Ausgaben in der Steuer­erklärung unbe­grenzt als Werbungs­kosten geltend machen. Doch wie steht es mit Kosten, die während des ersten Studiums oder einer schu­lischen Erst­ausbildung anfallen? Zählen auch sie als Werbungs­kosten oder darf das Finanz­amt solche Ausgaben als Sonder­ausgaben begrenzen? Diese Streitfrage soll jetzt das Bundes­verfassungs­gericht entscheiden (BVerfG, Az. 2 BvL 23/14 und Az. 2 BvL 24/14). Die höchst­richterliche Entscheidung kann für viele Studierenden eine Menge Geld wert sein.

Wer direkt studiert, hat steuerliche Nachteile

Steuerlich schlechter stehen Studierende da, die direkt nach dem Abitur an die Hoch­schule gegangen sind und noch keinen Abschluss haben. Sie und alle, die eine schu­lische Erst­ausbildung machen, dürfen ihre Bildungs­kosten nur bis zu einer Höhe von 6 000 Euro als Sonder­ausgaben absetzen. Das hat einen großen Haken: Rechnet etwa ein Bachelor­student seine Bildungs­kosten als Sonder­ausgaben ab, kann er nur Steuern sparen, wenn er im selben Jahr auch Einkünfte etwa Lohn, Gehalt oder Miet- oder Kapital­erträge versteuern muss. Denn Sonder­ausgaben wirken sich nur im Jahr der Ausgaben aus. Ohne Einnahmen verpuffen sie. Das Finanz­amt stellt insoweit keinen Verlust für Folge­jahre fest, der dann später mit Einnahmen verrechnet werden könnte. Da viele Studenten während der Unizeit noch nichts zum Verrechnen haben, gehen sie steuerlich mit ihren Bildungs­kosten leer aus (siehe Grafik am Ende dieses Beitrags).

Studenten können noch hoffen

Das kann sich ändern: Das Bundesver­fas­sungs­gericht prüft derzeit, ob die aktuelle Regelung verfassungs­widrig ist (Az. 2 BvL 23/14 und 24/14). Studenten sollten daher ihre Bildungs­kosten in der Steuererklärung als Werbungs­kosten angeben und in der neuen Zeile 98 im Mantelbogen der Steuererklärung eine „1“ eintragen. Damit zeigen sie, dass sie eine andere Rechts­auffassung haben als das Finanz­amt und ihr Steuerfall landet auf dem Tisch eines Sach­bearbeiters und wird nicht elektronisch durch­gewunken. Das Finanz­amt erkennt die Ausgaben zwar trotzdem nur als Sonder­aus­gaben an, erteilt den Steuer­bescheid aber bis zu einem Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts vorläufig. Fehlt der Vorläufigkeits­vermerk, ist ein Einspruch nötig.

Bildungs­kosten auch rück­wirkend absetz­bar

Wenn Ihre Ausgaben als Werbungs­kosten zählen, können Sie noch in späteren Jahren Ihre Steuerlast senken, sobald Sie steuer­pflichtige Einkünfte haben. Das funk­tioniert so: Auch ohne Einkommen rechnen Sie Ihre Bildungs­kosten als Werbungs­kosten in der Anlage N ab und beantragen im Mantelbogen die Fest­stellung des verbleibenden Verlust­vortrags. Das Finanz­amt stellt diesen Verlust fest, der mit künftigen Einkünften verrechnet wird. Der Antrag auf Verlust­fest­stellung ist sogar rück­wirkend möglich. Das Finanz­amt muss ihn 2019 noch für die Jahre bis 2012 annehmen, wenn für das jeweilige Jahr noch keine Steuererklärung einge­reicht wurde. Die Verjährungs­frist läuft erst nach sieben Jahren ab (BFH, Az. IX R 22/14).

Wenn Sie Ausgaben für Ihr Erst­studium noch nicht abge­rechnet haben, reichen Sie Steuererklärungen nach. Die Formulare für frühere Jahre finden Sie beim Bundesfinanzministerium. Wählen Sie auf der Ministeriums­seite „Formularcenter“ und dann unter „Formulare A-Z“ die „Einkommensteuer“ mit der jeweiligen Jahres­zahl.

Steuer­vorteile bei dualer Ausbildung oder Zweit­ausbildung

Ein Abzug als Werbungs­kosten ist aktuell möglich, wenn die Ausbildung inner­halb eines Arbeits­verhält­nisses statt­findet. Beispiele hierfür sind Berufs­ausbildungen, aber auch ein duales Studium zählt hier.

Finden schu­lische Ausbildung oder Studium nach einer bereits abge­schlossenen Berufs­ausbildung statt, ist ebenfalls ein Abzug als Werbungs­kosten erlaubt. Die Erst­ausbildung muss allerdings mindestens zwölf Monate dauern – bei mindestens 20 Stunden wöchentlich. Das Studium nach einem Taxifahrer­schein oder der Ausbildung zum Rettungs­sanitäter zählt also nicht als Zweit­ausbildung, ein Master­studium schon (siehe Grafik am Ende dieses Beitrags).

Eltern nutzen Ausbildungs­frei­betrag

Für Eltern ist die Rechts­lage eindeutig: Wenn das Kind für Ausbildung oder Studium nicht mehr zu Hause wohnt und sie es finanziell unterstützen, können Eltern in ihrer Steuer­erklärung den Ausbildungs­frei­betrag von 924 Euro nutzen. Zusätzlichen Abzug bringt nur Schulgeld für eine Berufs­ausbildung, aber nicht für ein Studium. Alle anderen Kosten können die Kinder nur selbst in ihrer Steuererklärung geltend machen.

Diese Kosten lassen sich absetzen

Auszubildende und Studierende müssen Folgendes beachten: In Verträgen etwa für die Miet­wohnung oder das Bildungs­darlehen müssen sie selbst als Vertrags­partner auftauchen – läuft der Vertrag über die Eltern, können Kinder die Kosten nicht angeben.

Voll abzugs­fähig sind unter dieser Bedingung sämtliche Ausbildungs­gebühren, aber auch Nach­hilfe­stunden. Lern­mittel wie Kopien, Fachbücher, Laptop, Tablet oder Bücher­regal zählen ebenfalls. Sind einzelne Dinge inklusive Mehr­wert­steuer teurer als 952 Euro (bis 2017 noch 487,90 Euro), werden sie über mehrere Jahre abge­schrieben. Wurde für die Ausbildung ein Darlehen aufgenommen, zählen auch Zinsen und Gebühren, die Rück­zahlungen aber nicht.

Fahrt­kosten und zweiter Haushalt

Absetzen lassen sich auch Fahrt­kosten zur Bildungs­einrichtung. Bei einem Voll­zeitstu­dium oder einer rein schu­lischen Ausbildung zählen allerdings nicht die tatsäch­lichen Kosten. Zur Anwendung kommt die Entfernungs­pauschale von 30 Cent je Kilo­meter zwischen Wohnung und Bildungs­stätte.

Leben junge Erwachsene sowohl in einer Unterkunft am Ausbildungs­ort als auch zu Hause bei ihren Eltern, können sie Kosten für eine doppelte Haus­halts­führung angeben. Bedingung ist allerdings, dass sie zu mehr als 10 Prozent an den Haus­halts­kosten der Eltern beteiligt sind. Ist dies erfüllt, können sie von ihren Miet- und Neben­kosten für den Haushalt am Bildungs­ort bis zu 1 000 Euro monatlich absetzen.

Tipp: Grund­legende Informationen zu Fahrt­kosten finden Sie im Special Arbeitsweg und Entfernungspauschale.

Fort­bildung: Steuern sparen, wenn der Chef nicht zahlt

Wer mitten im Berufs­leben steht, hat noch lange nicht ausgelernt. In vielen Berufen ist eine regel­mäßige Weiterbildung unumgäng­lich. Über­nimmt der Arbeit­geber die Kosten nicht oder nur zum Teil, sind sie steuerlich absetz­bar. Arbeitnehmer und auch Selbst­ständige können Fort­bildungs­kosten als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben in der Steuererklärung geltend machen (siehe Grafik am Ende des Beitrages).

Sollten Sie gerade nicht arbeiten, sondern eine Eltern­zeit oder eine Arbeits­losig­keit für einen Lehr­gang nutzen, dürfen auch Sie Ihre Bildungs­kosten trotzdem unbe­grenzt als Werbungs­kosten abrechnen.

Sprach­kurs für den Urlaub zählt nicht

Wichtig ist, dass es sich um eine berufliche Fort­bildung handelt. Ein Sprach­kurs in der Abend­schule zählt nur, wenn der Teilnehmer die erlernte Sprache für seinen Job benötigt. Lernt er hingegen für den nächsten Urlaub im Ausland, ist kein Abzug möglich. Gleiches gilt für Fort­bildungen im Ehren­amt. Kosten, die der Arbeit­geber über­nimmt, lassen sich ebenfalls nicht absetzen.

Für Arbeitnehmer gilt eine Pauschale

Alle Ausgaben rund um den Job werden für Arbeitnehmer mit einer Pauschale von 1 000 Euro abge­golten. Dazu zählen auch die Fort­bildungs­kosten. Kommen Arbeitnehmer durch ihre Aufwendungen für Weiterbildungen über diese Grenze, zählen die tatsäch­lichen Ausgaben. Für Selbst­ständige gibt es die Pauschale nicht. Für sie lohnt es sich auch unter­halb der Grenze von 1 000 Euro, die Kosten anzu­geben.

Hin- und Rückweg sind absetz­bar

Neben den Gebühren für Fort­bildung oder Prüfung geben Teilnehmer die Fahrt­kosten zur Bildungs­einrichtung an. Anders als beim Arbeitsweg zählt nicht nur die Entfernungs­pauschale. Für eine Fahrt mit dem Pkw sind also 30 Cent pro Kilo­meter für Hin- und Rück­fahrt möglich. Bei der Fahrt mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln gelten die tatsäch­lichen Kosten für das Ticket.

Steuer­abzug auch für Verpflegung

In den ersten drei Monaten einer beruflichen Fort­bildung nutzen Steuerzahler außerdem die Verpflegungs­pauschale. Für Tage, an denen sie länger als acht Stunden von zu Hause weg sind, geben sie 12 Euro an. Findet eine Fort­bildung mit Über­nachtung statt, sind es sogar 24 Euro pro Tag. Für An- und Abreise­tage kommen für die Verpflegung jeweils 12 Euro hinzu.

Kosten für Über­nachtungen sind zusätz­lich nach Rechnungs­betrag absetz­bar. Ist ein Anteil für Verpflegung – etwa Frühstück oder Mittag­essen – enthalten, wird er abge­zogen.

Wird die Bildungs­stätte weniger als drei Tage pro Woche besucht, entfällt die Befristung auf drei Monate.

Lehr­bücher und Software absetzen

Genauso wie Arbeits­mittel sind auch Lern­mittel für berufliche Weiterbildungen wie Lehr­bücher, Kopien und Lernsoftware abzugs­fähig. Bis zu einem Preis von 952 Euro (bis 2017 waren es noch 487,90 Euro) inklusive Mehr­wert­steuer lassen sich Lern­mit­tel sofort abschreiben. Sind einzelne Dinge teurer, werden sie über mehrere Jahre abge­schrieben.

Kredit­kosten für teure Fort­bildung

Handelt es sich um eine kost­spielige Fort­bildung, für die der Teilnehmer einen Kredit aufnimmt, kann er die Zinsen als Werbungs­kosten geltend machen. Für Gebühren gilt das Gleiche. Die Kreditrück­zahlung selbst bringt aber keine Vergüns­tigung.

Das Finanz­amt lehnt Ihre Bildungs­kosten ab? Einspruch einlegen

Wenn Sie Ausgaben für ein Erst­studium oder eine schu­lische Erst­ausbildung als Werbungs­kosten abrechnen, wird das Finanz­amt sie nur als Sonder­ausgaben anerkennen. Es erlässt den Steuer­bescheid aber vorläufig, bis über die Verfassungs­beschwerden entschieden ist. Einspruch müssen Sie nicht einlegen (BMF-Schreiben, 15.01.2018, Vorläufige Steuer­fest­setzung). Fehlt der Vorläufigkeits­vermerk aber, legen Sie Einspruch ein.

So stuft das Finanz­amt Bildungs­kosten ein

Zählen Bildungs­kosten als Werbungs­kosten, können sie noch Jahre später mit Einkünften verrechnet werden, als Sonder­ausgaben nur im Jahr ihrer Entstehung. Studenten sollten ihre Kosten abweichend von der aktuellen Praxis als Werbungs­kosten angeben.

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