Die Uhr läuft. Bis zum 31. Juli muss die Steuererklärung in der Regel beim Finanz­amt sein.

Viele müssen bis Ende Juli ihre Erklärung einreichen, sonst droht ein satter Zuschlag. Die Steuer­experten der Stiftung Warentest sagen, wer wann abgeben muss und verraten, wie Steuer­pflichtige auch auf den letzten Drücker eine gültige Erklärung hinbe­kommen und die Frist wahren. Noch mehr Steuertipps finden Sie in unserem Sonder­heft Finanztest Spezial Steuern 2020.

Wer eine Steuererklärung abgeben muss

Mit ungefähr der Hälfte der Steuerzah­lerinnen und Steuerzahler ist das Finanz­amt besonders streng: Für sie ist Abrechnen Pflicht. Wer sein Geld als Selbst­ständiger oder Unternehmerin verdient, ist quasi immer betroffen. Grund­sätzlich müssen Arbeitnehmer und Beamte zwar keine Steuererklärung abgeben. Allerdings gibt es viele Ausnahmen. Zur Pflicht wird die Erklärung vor allem in diesen Fällen:

  • Person erhielt Lohn­ersatz, etwa Arbeits­losengeld I von mehr als 410 Euro, Kurz­arbeitergeld oder Eltern­geld.
  • Einkünfte wurden in Lohn­steuerklasse VI besteuert.
  • Es gab Neben­einkünfte von mehr als 410 Euro (nach Abzug von Werbungs­kosten, Pausch-, Entlastungs-, Frei­beträgen). Minijobs zählen nicht. Lag die Summe aller Einkünfte unter 11 600 Euro (22 050 Euro für Paare), entfällt die Pflicht.
  • Ein Lohn­steuerfrei­betrag ist einge­tragen. Das gilt nicht für Pausch­beträge für Behinderte, Kinder und Hinterbliebene.
  • Einkünfte aus einer Abfindung oder mehr­jähriger Tätig­keit werden mit der Fünf­telmethode besteuert.
  • Ein Paar wählt die Einzel­ver­anlagung.
  • Ein Paar wählt die Zusammen­ver­anlagung und zumindest einer versteuert Einkünfte in einer anderen Steuerklasse als IV ohne Faktor.
  • Ausländische Kapital­erträge liegen vor, auf die keine Abgeltung­steuer gezahlt wurde.
  • Kapital­erträge liegen vor, auf die keine Kirchen­steuer gezahlt wurde.

Unser Rat

Freiwil­lige Erklärung. Auch wenn Sie keine Steuererklärung abgeben müssen, sollten Sie sich die Arbeit machen. In knapp 90 Prozent der Fälle winkt eine Steuererstattung – dem Statistischen Bundes­amt ­zu­folge im Schnitt 1 007 Euro. Wer freiwil­lig abgibt, hat nach Ablauf des Steuer­jahres vier Jahre Zeit. Die Erklärung für 2016 muss also bis Ende 2020 beim Amt eingehen.

Frist­verlängerung. Durch die ­Corona-Pandemie können Finanz­ämter unter Umständen mehr ­Anträge auf Frist­verlängerung ­akzeptieren. Das kann in den Bundes­ländern unterschiedlich sein.

Elster. Registrieren Sie sich am besten bei Elster, dem Onlineportal der Finanz­verwaltung – falls Sie es noch nicht getan haben. Das dauert etwa zwei Wochen. Dadurch haben Sie zumindest künftig Ihre Steuer­daten im Blick, können leichter mit dem Amt kommunizieren und ­externe Steuer­programme besser nutzen.

Säumige zahlen mehr Steuern

Bis zum 31. Juli 2020 muss die Pflicht­erklärung für 2019 beim Finanz­amt sein. Ist sie das nicht, droht Säumigen eine satte Buße. Das Finanz­amt verlangt 0,25 Prozent der fest­gesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro pro Verspätungs­monat.

Ist die Erklärung zwar verspätet, wird aber noch bis zum 1. März 2021 abge­geben, haben Finanz­beamte Ermessens­spielraum. Danach müssen sie den vollen Aufschlag verlangen. Diese Strafe lässt sich aber leicht vermeiden, denn eine frist­wahrende Steuererklärung abzu­geben ist nicht schwer. Wir zeigen, auf welchen fünf Wegen sich schnell und kurz­fristig eine gültige Erklärung anfertigen lässt.

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Weg 1: Elster

Am schnellsten geht es für alle, die schon einen Elster-Zugang haben. Dann ist über das kostenlose Onlineportal der Finanz­verwaltung oder mit einer anderen Steuersoftware die Abgabe im Extremfall noch um 23.59 Uhr des 31. Juli möglich.

Elster ist außerdem dank der „Voraus­gefüllten Steuererklärung“ sehr komfortabel und schnell. Daten, die dem Finanz­amt bereits vorliegen, lassen sich einsehen und mit einem Klick in die Erklärung über­nehmen. Das geht etwa für die abge­führte Lohn­steuer, für Rentenbeiträge und Kirchen­steuer. Gleich gebliebene Posten der vorherigen Jahre, etwa der Mitglieds­beitrag einer Gewerk­schaft, lassen sich auch über­tragen.

Einfach, ja - aber ...

Wer allerdings noch nicht angemeldet ist, muss aufpassen. Die Registrierung dauert ungefähr zwei Wochen. Eine Möglich­keit gibt es, den Zugang sofort frei­zuschalten: Ist die Online­funk­tion des Personal­ausweises akti­viert, benötigen Steuerzahler nur noch entweder die Ausweis­App2 des Bundes (verfügbar für Android und iOS 13.1 oder höher) oder ein Kartenlesegerät. Eine Anleitung und mehr Informationen gibt es in unserem Elster Special.

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Weg 2: Auf Papier

Ohne Elster-Zugang oder Personal­ausweis mit Online­funk­tion ist die klassische Erklärung auf Papier für die kurz­fristige Abgabe besser geeignet.

E-Daten helfen

Zwar gibt es die vereinfachte Steuererklärung für 2019 nicht mehr, das ist aber kein Minus­punkt. An ihre Stelle treten die sogenannten E-Daten – für alle Steuer­pflichtigen. Daten, die das Finanz­amt schon hat, etwa die Lohn­steuer­daten, Belege über Kirchen­steuer oder Rentenbeiträge, müssen Steuerzahler nicht mehr eigens eintragen. Auf den Formularen sind diese Daten durch dunkelgrün hinterlegte Felder gekenn­zeichnet – besonders zahlreich in den Anlagen N und R. Diese Formulare lassen sich dieses Jahr also schnell ausfüllen.

Am PC ausfüllen geht auch

Die Papier­erklärung ist der Onlinealternative fast ebenbürtig. Die Formulare lassen sich unter formulare-bfinv.de herunter­laden und entweder am PC oder ausgedruckt ausfüllen. Nur die Über­mitt­lung muss dann klassisch per Post erfolgen. Wichtig: Erst am 31. Juli losschi­cken reicht nicht. Spätestens an diesem Tag muss die Erklärung beim Amt ankommen. Wer so spät dran ist, kann seine Erklärung aber immer noch in den Haus­brief­kasten seines Finanz­amtes werfen.

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Weg 3: Frist­verlängerung

Wer seine Steuererklärung nicht inner­halb der gesetzlichen Frist schafft, kann das Finanz­amt auch um eine Verlängerung bitten – telefo­nisch, schriftlich oder direkt über Elster. Damit das Amt akzeptiert, müssen einige Punkte erfüllt sein.

Nach­voll­zieh­bare Gründe nennen ...

Zunächst muss jemand einen triftigen Grund haben. Das bloße Fehlen von Dokumenten etwa zählt nicht. Gute Aussichten haben aber alle, die Gründe wie einen Kranken­haus­auf­enthalt, Umzug oder Todes­fall in der Familie nennen können.

... und einen konkreten neuen Abgabe­termin

Zweitens sollte bei der Bitte um Verlängerung ein realistisches Datum angegeben sein, zu dem die Erklärung vorliegen wird, zum Beispiel einen Monat später. Der Antrag sollte möglichst vor Ablauf der Frist, also vor dem 31. Juli erfolgen, aller­spätestens aber nach­träglich im August.

Dann ist aber wirk­lich Schluss!

Akzeptiert das Amt die Verlängerung, wird es das still­schweigend tun. Bis zum Ende der Verlängerung muss die Erklärung dann aber wirk­lich erledigt sein – sonst drohen wieder Verspätungs­zuschläge.

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Weg 4: Unvoll­ständige Erklärung

Die Zeit reicht immer noch nicht? Oder ein komplexerer Sach­verhalt erfordert intensive Begut­achtung? Kein Problem, denn solange die verpflichtenden Formulare inner­halb der Frist ankommen, bleibt die Frist gewahrt. Das sind der Haupt­vordruck und das Formular zum Einkommen, bei Arbeitnehmern und Beamten die Anlage N sowie bei Eltern die Anlage(n) Kind.

Ein Monat Zeit, Unterlagen nach­zureichen

Nicht berück­sichtigte Ausgaben, zusätzliche Formulare und andere Posten gehen damit nicht verloren. Nach dem Erhalt des Steuer­bescheids beginnt eine einmonatige Einspruchs­frist. Während dieser akzeptiert das Finanz­amt zusätzliche Abzugs­posten oder Formulare.

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Weg 5: Hilfe von Steuer­profis

Ist auch die Verlängerung zu kurz oder lehnt das Amt ab, können sich Steuerzahlende auch eine Verlängerung der Frist erkaufen – wort­wörtlich. Denn wer seine Erklärung von einem Profi anfertigen lässt, hat länger Zeit. Da der 28. Februar 2021 auf einen Sonn­tag fällt, läuft die Frist bis zum 1. März 2021.

Alternative Lohn­steuer­hilfe­ver­ein

Für viele Arbeitnehmer, Beamte und Ruhe­ständler gibt es eine güns­tigere Alternative zum Steuerberater. Dazu müssen sie zunächst Mitglied in einem Lohn­steuer­hilfe­ver­ein werden. Das kostet ein paar Euro Aufnahme­gebühr, hinzu kommt die jähr­liche Mitglieds­gebühr. Die liegt je nach Einkommen und Verein im Normalfall zwischen 35 und 400 Euro.

Wer zum Steuerberater muss

Vorsicht: Wer sich mit Gewerbe, selbst­ständiger Tätig­keit oder Land­wirt­schaft etwas dazu­verdient, kann keinen Lohn­steuer­hilfe­ver­ein beauftragen. Einnahmen aus Vermietung oder Kapital­vermögen von über 18 000  Euro sind ebenfalls ein Ausschluss­kriterium. Unver­fäng­lich wirkende Neben­einkünfte können ebenfalls vom Lohn­steuer­hilfe­ver­ein ausschließen. Das betrifft zum Beispiel Haus­besitzer mit einer Solar­anlage auf dem Dach, die Strom verkaufen. Sie haben steuerlich Gewer­beein­künfte und können sich nur vom Steuerberater helfen lassen.

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