Bloß kein Geld verschenken

Steuererklärung 2017 Special

Finanz­spritze für die Sommerreise: Ihr Urlaubs­geld holen sich viele Arbeitnehmer vom Finanz­amt, wenn sie ihre Erklärung abgeben. Insbesondere mit Ausgaben für die Arbeit lässt sich die Steuer drücken.

Die Sach­bearbeiter berück­sichtigen auto­matisch Jobkosten in Höhe von 1 000 Euro – egal, ob sie tatsäch­lich angefallen sind oder nicht. Knacken Steuerzahler aber etwa mit Fahrt­kosten, Arbeits­mitteln oder einem berufs­bedingten Umzug die 1 000-Euro-Grenze für Werbungs­kosten, sinken das zu versteuernde Einkommen und damit die zu zahlende Steuer weiter. Und auch bestimmte private Kosten lassen sich absetzen. 18 Posten, die die Chance auf eine Erstattung erhöhen, stellen wir in unserem Artikel Neun Tipps für berufliche Kosten vor.

Freiwil­lige haben länger Zeit

Wen das Finanz­amt nicht zur Abgabe verpflichtet hat, etwa weil alle steuerlichen Pflichten durch den Lohn­steuer­abzug ab­gegolten sind, der holt mit einer freiwil­ligen Erklärung eine Steuererstattung ab.

Dafür gewährt die Finanz­verwaltung auch wesentlich mehr Zeit: Eine freiwil­lige Erklärung reichen Steuerzahler ohne Abgabe­pflicht inner­halb von vier Jahren nach Ablauf des entsprechenden Kalender­jahres ein. Die Abrechnung für 2017 muss also spätestens am 31. Dezember 2021 beim Finanz­amt eintrudeln.

Gute Aussicht auf Steuererstattung

Die freiwil­lige Jahres­abrechnung lohnt sich für bestimmte Personen besonders, zum Beispiel für Arbeitnehmer und Anleger, deren Einkommen unter dem Grund­frei­betrag von 8 820 Euro liegt. Bis zu der Grenze fallen nämlich gar keine Steuern an. Bereits gezahlte ­Einkommen- und gegebenenfalls Abgeltung­steuer erstattet das Finanz­amt dann voll­ständig zurück.

Ist das zu versteuernde Einkommen gering, sollten Anleger in Anlage KAP die Zeile 4 markieren und damit den Antrag auf „Günsti­gerprüfung“ stellen. Liegt der persönliche Grenz­steu­ersatz unter 25 Prozent, wird dieser angewendet – anstatt der Abgeltung­steuer.

Ehepartner können über die freiwil­lige Jahres­abrechnung ihre Steuerklasse nach­träglich wechseln. Fällt die Einkommensteuer nach einer güns­tigeren Berechnungs­methode geringer aus, gibt es Geld zurück.

Arbeitnehmer, die nicht das ganze Jahr über beschäftigt waren, etwa Studenten, ­Arbeits­suchende oder Gelegen­heits­jobber, haben auch Spar­potenzial: Bei der Lohn­steuer­abrechnung geht der Arbeitnehmer von einer ganz­jährigen Anstellung und gleich­bleibendem Gehalt aus. Bei weniger als zwölf Monaten Beschäftigung oder schwankenden Gehältern können Jahres­einkommen und persönlicher Steu­ersatz nied­riger sein als ­angenommen. Eine Erklärung lohnt sich deshalb auf jeden Fall.

Nach­zahlung vermeiden

Das Risiko, am Ende drauf­zuzahlen, tragen Freiwil­lige nicht: Ihre sogenannte „Antrags­ver­anlagung“ ziehen sie einfach zurück, wenn statt einer Steuererstattung eine Nach­zahlung droht. Wer auf die freiwil­lige Erklärung verzichtet, verschenkt wahr­scheinlich eher richtig Geld – im Schnitt erhalten Arbeitnehmer rund 1 000 Euro zurück.

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