Die Abrechnung fürs Finanz­amt macht etwas Arbeit, lohnt sich aber meist. Oft gibt es mehr als ein paar Hundert Euro zurück.

Gute Aussichten: „Rund 90 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Steuererklärung abgeben, können mit einer Erstattung rechnen“, schätzt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohn­steuer­hilfe­ver­eine (NVL). Ein Guthaben für 2015 kann zum Beispiel beim Finanz­amt haben, wer:

  • eine Abfindung oder Sonderzah­lungen im vergangenen Jahr erhalten hat,
  • als Ehe- und gesetzlicher Lebens­partner nicht die optimalen Steuerklassen hatte,
  • als Allein­erziehender noch einen Entlastungs­betrag erhalten muss,
  • seinen Lebens­partner oder andere unter­halts­berechtigte Angehörige unterstützte,
  • zu viel Lohn­steuer zahlte, weil die Verwaltung falsche Steuerklassen per Elstam, der Daten­bank für die Lohn­steuer­abzugs­merkmale, an den Arbeit­geber über­mittelte.

Alle Jobkosten auftischen

Berufs­tätige holen mit ihren Ausgaben für den Job Steuern zurück (Anlage N). Dafür müssen sie nicht mal in jedem Fall Belege haben: Die Pend­lerpauschale von 30 Cent pro Kilo­meter der Entfernung von daheim zur Arbeit bekommt jeder – auch Mitfahrer.

Strittig ist derzeit, ob die Pauschale für Auto­fahrer zu nied­rig ist. Das muss der Bundes­finanzhof klären (BFH, Az. VI R 4/15).

Noch mehr als nur Wege­kosten haben Arbeitnehmer, die mal hier und mal dort arbeiteten. Waren sie am Tage mehr als acht Stunden außer­halb ihrer ersten Arbeits­stätte für den Chef auf Achse, setzen sie auch noch 12 Euro Verpflegungs­pauschale und ihre Park­gebühren auf ihre Abrechnung.

Auch Privatkosten gehen durch

Viele mussten Krank­heits­kosten selbst tragen. Diese gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen und zählen mit, soweit sie die jeweilige zumut­bare Belastung über­steigen. Dass der von Familien­stand und Kinder­zahl abhängige Eigen­anteil rechtens ist, hat jüngst der Bundes­finanzhof bestätigt. So muss ein kinder­loses Ehepaar mit 50 000 Euro Einkünften 2 500 Euro selbst tragen, das sind 5 Prozent seiner Einkünfte.

In diese Kategorie gehörten in der Vergangenheit auch Scheidungs­kosten. Ob das Finanz­amt sie wieder anerkennen muss, steht beim Bundes­finanzhof auf dem Prüf­stand (Az. VI R 66/14, Az. VI R 81/14).

Groß­zügiger als 2014 muss das Finanz­amt Kosten für Hand­werker und andere Helfer im Haushalt anerkennen. Neuerdings zählt auch die Betreuung der Haustiere daheim. Genauso kommen Sonder­ausgaben in den Mantelbogen wie Kirchen­steuer und Spenden. Betragen sie mehr als 36 Euro (72 Euro bei zusammen­ver­anlagten Paaren) im Jahr, senken sie die Steuerlast.

Versicherungs­beiträge in Grenzen

Basisbeiträge für die Vorsorge sind ein großer Posten in der Anlage Vorsorgeaufwand. Eigene Beiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung bringen aber oft keine Ersparnis mehr. Der Chef hat diese meist wie die Rentenkassenbeiträge schon mit der Vorsorgepauschale beim Lohn­steuer­abzug berück­sichtigt. Abzug ist noch drin für Kranken- und Pflegebasisbeiträge, die noch nicht berück­sichtigt sind – etwa für den Ehe- oder gesetzlichen Lebens­partner oder für Kinder.

Fraglich ist, ob das Finanz­amt Boni für Gesund­heits­maßnahmen, die Krankenkassen ihren Mitgliedern zahlen, wie eine Beitrags­rück­erstattung von den Beiträgen abziehen darf. Der Bundes­finanzhof muss erst entscheiden (Az. X R 17/15).

Etwas mehr als im Jahr 2014 können Rürup-Sparer absetzen. Begüns­tigt sind alle Verträge nach dem Alters­vorsorge-Zertifizierungs­gesetz – entsprechend auch Beiträge, die Berufs­unfähigkeit oder verminderte Erwerbs­tätig­keit absichern.

Allerdings fallen viele andere Beiträge wie die für die Arbeits­losen­versicherung für die meisten unter den Tisch. Das ist verfassungs­konform, bestätigte kürzlich der Bundes­finanzhof (Az. X R 5/13).

Für Riester-Sparer kann noch eine Ersparnis drin sein. Mit Anlage AV beantragen sie den Riester-Sonder­ausgaben­abzug.

Gemein­sam oder besser getrennt?

Ehe- und gesetzliche Lebens­partner können statt einer gemein­samen Steuererklärung jeder eine eigene Steuererklärung machen. Darin kann jeder von ihnen seine Werbungs­kosten, Sonder­ausgaben und außergewöhnlichen Belastungen absetzen.

Die Einzel­ver­anlagung kann etwa güns­tiger sein, wenn ein Partner 2015 hohe steuerfreie Leistungen als Lohn­ersatz oder aus Auslands­einkünften erhalten hat.

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